…und niemandem fiel er auf: Die kränkelnde „Frankfurter Rundschau“ scheint vor nichts zurückzuschrecken, um sich ihren (paar) Lesern unentbehrlich zu machen. Aus Anlaß des „20. Todestages“ der Sowjetunion greift das Blatt ganz tief – gemeint ist das Niveau – in die postkommunistische Verklärungskiste und weint dem Arbeiter- und Bauernparadies dicke Kullertränen nach. Nach der Devise „ein bißchen Sozialismus feiern geht immer“, zeigt die FR „Trauer um das Völkergefängnis“ (so lautet tatsächlich die Artikelüberschrift). Ein Christian Esch verfaßt – ausgerechnet in der Hl. Abend-Ausgabe 24.12.2011 – wahrlich hymnische Zeilen, die man zweimal lesen muß, weil man sie beim ersten Mal nicht glaubt. Kostprobe gefällig?

„…Aber so wie man erst aus der Ferne die Höhe eines Berges ermißt, so wird auch aus der Distanz von 20 Jahren die Größe dessen deutlich, was da untergegangen ist. Und wie sich die Konturen eines fernen Gebirges aufhellen, so hat sich auch der Blick auf die Sowjetunion aufgehellt (…) Es mischt sich Wehmut in die Erinnerung an die Sowjetunion, und natürlich ist sie zum guten Teil unvernünftig, denn wer weiß heute noch so genau, wie das Leben in der Sowjetunion wirklich war?…“ Und dann holt Esch zum allumfassenden Befreiungsschlag aus: „…Die Schattenseiten der Sowjetunion sind bekannt und Gorbatschow war einer der ersten, der sie ansprach. Aber 20 Jahre später ist es an der Zeit, auch die Wehmut über den Untergang dieses  Imperiums ernst zu nehmen und sie nicht bloß als russische Großmachtfantasie zu verstehen – denn sie wird von weit mehr Menschen empfunden. Es ist an der Zeit, die Leistungen dieses Staates anzuerkennen…“

Verzeihung, aber bei so viel hymnischer Verzückung dreht sich mir der Magen um. Dem Autor dieses Artikels sei zur „Aufhellung“ seines getrübten Blickes die Lektüre eines Standardwerkes der Weltliteratur anempfohlen: „Der Archipel Gulag“, geschrieben vom Nobelpreisträger Alexander Solschenizyn. Christian Esch wird einen solchen Preis sicher nicht bekommen, allenfalls den Orden „Held der Sowjetunion“.

Von conservo

Conservo-Redaktion