Ja, Freunde, allmählich läuft uns die Zeit davon. Merkel ist schon weit voraus, und folgsame Diener folgen ihr (mut-)willig, und wir sind bald „von gestern“. Der Reihe nach:

Wenn man die folgenden vier Sätze der Bundesvorsitzenden der CDU – im Hauptberuf Kanzlerin einer demokratischen Republik, die einmal auf christlich-abendländischen Werten basierte – also wenn man diese bemerkenswerten Sätze in einen Zusammenhang bringt, wird die neue Orientierung, werden „neue Zusammenhänge“ deutlich:

–        „Wir müssen in ganz neuen Zusammenhängen denken…“ (Merkel)

–        „Die alte Trennung von innerer und äußerer Sicherheit ist von gestern…“ (Merkel)

–        „Gefordert ist eine Toleranz gegenüber Muslimen…“ (Merkel)

–        „Lassen Sie uns unterscheiden, die Islamisten sind nicht der Islam in Deutschland…“ (Merkel)

Letzteres forderte unsere Vorsitzende nur wenige Tage nach der Ermordung einer Arbeitsamts-Mitarbeiterin durch einen Moslem. (Der Mörder war kein Islamist, sondern „einfach nur“ ein Moslem.) Diese Merkelsche Dialektik hat es in sich – vermutlich in den SED-Kaderschulen angeeignet. So werden wir also behutsam (brutal?) auf die „neuen Zusammenhänge“ vorbereitet. Mutige Helfer auf dem Weg zur Neubesinnung findet Merkel allemal, wie das folgende Beispiel zeigt:

Strobls Zynismus

Thomas Strobl MdB ist nicht nur ein Schwiegersohn Wolfgang Schäubles, sondern auch der Vorsitzende des zweitgrößten Landesverbandes der CDU, Baden-Württemberg. Besagter Strobl war schon im Juni d. J. durch eine höchst merkwürdige Einlassung zum Konservatismus aufgefallen. In einem hier erschienenen Artikel schrieb ich damals (10.6.) u. a.:

„…Umso schlimmer, daß sich – grad´ wie zu unserer Verhöhnung – nun einige in der CDU aufmachen, angesteckt vom grünen Bazillus, uns weiszumachen, was „konservativ“ ist. Sie schwenken die bürgerliche Fahne, singen aber das Lied der „Moderne“. (Und wer ihnen nicht folgt, gehört zum Alteisen; aber das kennen wir ja schon.) Strobl springt von der Resterampe der Konservativen in die Zukunft verheißende neue Bürgerlichkeit. Obwohl, ja eigentlich konnte man ihn bisher schon nicht bei den Konservativen verorten, was ihn aber nicht hindert, in einem ganzseitigen (!) Beitrag in der FAZ den „Bürgerinnen und Bürgern unterschiedlichster Lebensentwürfe“ zu erklären, was „konservativ“ heißt.

Strobl zeichnet ein ganz neues „konservatives“ Leitbild, das man nicht unkommentiert lassen darf. Seine Botschaften sind so zart verpackt, daß man die Umetikettierung unserer bisherigen Wertemaßstäbe kaum erkennen kann. Sehr säuberlich notiert Strobl, der Staat habe den „Bürgerinnen und Bürgern“ keine „Tätigkeiten vorzuschreiben, sie zu belehren oder zu erziehen, sie anders oder besser zu machen…“ Das klingt doch gut, echt konservativ. Und, einmal in konservativem Geschwindigkeitsrausch, legt Strobl nach, läßt aber gleichzeitig erkennen, woher bei ihm der Wind tatsächlich weht, nämlich aus der Zeitgeist-Ecke: „…Politisches Handeln (solle) sich in kluger Selbstbescheidung darauf beschränken, den Bestand unserer Welt und einer Ordnung zu gewährleisten, in deren Rahmen die Bürgerinnen und Bürger (sic!) ihren unterschiedlichen Lebensentwürfen mit einem Minimum an Enttäuschung und Frustration nachgehen können. Damit wäre der Respekt vor der Unterschiedlichkeit menschlicher Lebensentwürfe die Signatur des Konservatismus…“

Sein Schlußsatz ist nicht frei von Zynismus: „Mit einem solchen Konservatismus wäre die Union für die Zukunft gerüstet.“ (Jetzt wissen die staunenden Leser wenigstens, warum die CDU um die 30 Prozentmarke herum dümpelt. Mit „konservativ“ hat das alles nichts zu tun, paßt aber in die „neue“ CDU.)“ Soweit mein damaliger Text.

Nun hat Strobl sich erneut an die Spitze der Merkelschen „Bewegung der ganz neuen Zusammenhänge“ gestellt und naßforsch die Integrationsministerin seines Landes, Bilkay Öney, abgewatscht. Die Ministerin türkischer Herkunft hatte (wohl in einem Anflug von Vernunft) im Zusammenhang mit den muslimischen Protesten und zunehmenden Gewaltverbrechen von Muslimen der Nachrichtenagentur dpa gesagt, der Islam dulde augenscheinlich keine Kritik – mit den Muslimen in Deutschland könne man aber reden, weil sie relativ gut gebildet seien.

Diese sehr zarte Kritik aus türkischem Ministerin-Mund gegenüber ihren muslimischen Glaubensbrüdern und -schwestern ging Herrn Strobl offensichtlich zu weit. Er empörte sich: „…Was Frau Öney sagt, überrascht und entsetzt.“ Er, Strobl, frage sich, wie die Ministerin einen Dialog führen wolle, wenn sie dem Islam pauschal vorhalte, keine Kritik zu dulden. Solche Äußerungen seien „inakzeptabel, weil sie das Trennende betonen, statt zu verbinden und zu integrieren“.

Man greift sich an den Kopf und reibt sich verwundert die Augen. Der führende Christdemokrat Strobl wollte offenbar die Muslimin Öney muslimisch überholen. Ist das das „neue Denken in ganz neuen Zusammenhängen“, das Frau Merkel fordert? Leute wie Strobl kann wohl die Islamisierung Deutschlands gar nicht schnell genug gehen.

Bleibt nur noch zu ergänzen, was Strobl zu meiner Kritik vom Juni an meinen Freund Matthias Gonder schrieb, der ihm meinen Artikel zugesandt hatte: „Sie sind im übrigen der erste Kritiker in den über 30 Jahren, in denen ich mich für unsere CDU engagiere, der mir „linken Zeitgeist“ unterstellt.“ Matthias Gonder wird wohl nicht der erste, und schon gar nicht der alleinige Kritiker sein.

Von conservo

Conservo-Redaktion