Hat Gabriel, den Frontmann der SPD, plötzlich eine Renten-Psychose ergriffen? Das Rentenalter im Visier schlägt er wild um sich, um der Nation klarzumachen, daß eben dieses gesenkt werden müsse. Seine zwei Vorgänger sahen das zwar anders, aber Siggi ficht das nicht an – und er verdreht flugs die Fakten.

So behauptet er, die Arbeitgeber hätten die Zahl älterer Arbeitsloser trotz bester Konjunktur um 35 Prozent steigen lassen. (Da sind sie wieder, die bösen Arbeitgeber.) „Menschen, die älter als 60 Jahre alt sind, werden unnötig aus dem Arbeitsleben gedrängt“, klagt Gabriel und will damit begründen, daß  das Renteneintrittsalter (von 67 J.) wieder gesenkt werden müsse. Die Fakten sprechen jedoch eine ganz andere Sprache. Nach den Erhebungen der Bundesanstalt für Arbeit in Nürnberg hat sich die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten in der Altersgruppe von 60-64 J. von 660.000 im Jahre 2000 auf heute nahezu 1,35 Millionen mehr als verdoppelt. Auch wenn man die Altersgruppe der 55- bis 65 Jährigen betrachtet, zeigt sich ein Anstieg sowohl der Beschäftigungsquote als auch der Beschäftigtenzahl.

Um es deutlicher zu sagen: Die Behauptungen Gabriels sind durch nichts gedeckt. Das ist reiner Populismus und trägt nur zur Verunsicherung der Rentner bei. Mehr noch, die Beschäftigung Älterer ist in den letzten Jahren stärker gestiegen als in allen anderen Altersgruppen. Was Gabriel treibt, ist  letztlich also Irreführung der Öffentlichkeit. Warum macht er das?

Siggi ist nervös. Er wird von zwei Seiten bedrängt: Den „Agenda 2010-Leute“ seiner Partei stehen die Jusos, Gewerkschafter und überhaupt alle Linken gegenüber. Die Einen wollen die „Rente mit 67“ behalten, die Anderen eine Rückkehr zur Rente mit 65 oder noch tiefer. Der leider zur Zeit etwas verblaßt wirkende Bankenstar der SPD, Steinbrück, gehörte bisher immer zur Agenda-Fraktion. Ende November will die SPD entscheiden, wohin der Weg geht. Es wird interessant sei zu sehen, wie sich Gabriel einerseits und Steinbrück andererseits verhalten werden – oberfaule Kompromisse eingeschlossen..

Von conservo

Conservo-Redaktion