Kennen Sie den? Mojib Latif? Kennen Sie nicht? Macht nix! Oder halt! Macht doch ´was; denn hinter diesem etwas ungewöhnlichen Namen steckt ein Guru, ein Weissager und Kaffeesatzleser, ein verbaler Wetter-Dauerberieseler, der für jedes hingehaltene Mikrophon eine Woge macht und Kapriolen schlägt wie sonst nur das Wetter.
Wobei wir endlich beim Thema wären. Mojib Latif ist nämlich Meteorologe. Sie ahnen es gewiß: Einer von der Sorte, die schon eine halbe Ewigkeit vor dem Klimawandel warnt und warnt und warnt…
Entweder hört der liebe Gott nicht auf ihn, oder er irrt sich ständig. Da er aber die meteorologische Weisheit sozusagen verinnerlicht hat, kann er sich bei diesem Thema einfach nicht irren. Und der liebe Gott wird von diesen „Fachleuten“ eh außen vor gelassen. Also wird das Wetter so um-interpretiert, daß nämliches Wetter zu den Erkenntnissen der Fachleute dieser Art paßt – und nicht umgekehrt. Das geht dann so:
Der arme Latif, Meteorologe am Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung, friert sich im Norden, genauer: in Kiel, so wie wir normalen deutschen Erdmännchen auch zwar derzeit den Arm ab, aber er tröstet sich mit dem wärmenden Gefühl der drohenden Erderwärmung. Und der Wissenschaftler weiß, wovon er sich da wärmen läßt:
Schon am 1. April (leider kein Scherz) des Unheil-Jahres 2000 verkündete er im Zentralorgan der Unheilbeschwörer Deutschlands, Der SPIEGEL, in „nur wenigen Jahren“ gäbe es „aufgrund der menschengemachten weltweiten Klima-Erwärmung weder Schnee noch Frost in Deutschland“. Nun muß man ihn aber doch fragen, was für ihn „nur wenige Jahre“ sind. Immerhin schreiben wir jetzt schon das Jahr 13 nach dieser apokalyptischen Weissagung – und frieren uns immer noch den Arm ab. Ehe Sie nun meinen, Sie hätten den Wind-(und Wetter)Macher sozusagen auf frischer Tat ertappt, hat der längst schon eine Zusatzerklärung:
Die aktuelle Kälteperiode in Deutschland habe „nichts mit dem Klimawandel zu tun“. Zwar sei „die Erderwärmung ein wissenschaftlicher Fakt“, der diesjährige Winter sei aber „mit Blick auf die letzten 30 Jahre nicht ungewöhnlich“. Wenn das so ist, ja verflixt, wie steht´s denn da mit der Erderwärmung? Aber auch hier weiß Latif Rat:
Auf die Frage, wie hoch denn für ihn die Meßlatte hänge, um über Klimawandel zu sprechen, wird Latif argumentativ global. Er sei, läßt er seine Zuhörer im Deutschlandfunk wissen, gerade aus Australien zurückgekommen, und da sei es sehr heiß gewesen. Für unaufmerksame Leser meiner Notizen hier nochmals der bescheidene Hinweis: Wir frieren uns hier (!) seit Wochen den…(aber das kennen Sie je schon). Also in Australien war´s heißt, auch „in den USA letztes Jahr“ wär´s heiß gewesen, sagt der Wettermann. Und deshalb – nun kriegt er geradewegs die Kurve – „dürfen wir nicht vergessen, daß wir hier bei uns nur einen ganz kleinen Ausschnitt sehen (…) Das heißt, wir dürfen nicht den Fehler machen, einfach den Blick zu sehr zu verengen auf Deutschland oder vielleicht auch die Nachbarstaaten…“
Der Mann hat gut reden. Denn erstens frieren wir uns hier (in Zentraleuropa) den Arm ab, und da ist es wenig tröstlich, daß das woanders anders ist. Und zweitens habe ich schon in „Erdkunde“ (so hieß das damals) gelernt, daß es heißer wird, je näher man an den Äquator kommt. Es hilft nichts, hier (!) ist es kalt, saukalt, und der Äquator ist weit.
Da hab´ ich aber die Rechnung ohne Latif gemacht. Trotzig stampft er mit seinem Fuß auf und kräht ins Mikro: „…Also die globale Erderwärmung ist unterwegs, da beißt die Maus wirklich keinen Faden ab…“ Wirklich? Latif wird konkreter: „…Also insbesondere während der letzten 30 Jahre haben wir eine Erderwärmung von 0,3-0,4 Grad gemessen. Aber…“ – Latif hängt immer noch in der Kurve! – „…das bezieht sich eben auf den globalen (!) Durchschnittswert der Temperatur, und das heißt eben nicht, daß überall auf der Welt nun sozusagen genau diese Erderwärmung spürbar ist…“
Endlich ist dem Wettermann ´mal zuzustimmen: Bei uns ist es jedenfalls zur Zeit nix mit Erderwärmung. Und „global“ ist weit weg, das kann ich nicht anfassen. Thomas Endrulat, Leiter der Regionalzentrale des Deutschen Wetterdienstes, Potsdam, assistiert: „ Wir erleben zur Zeit den kältesten März seit 100 Jahren…“ (BamS 24.3.13). Sein Kollege Dominik Jung, Meteorologe beim Wetterdienst Wetter.net, ergänzt (ebenfalls in BamS): „Die letzten fünf Winter sind alle kälter gewesen als das langjährige Mittel, und es wird auch weiterhin Winter mit Eis und Schnee geben…“. Ja was denn nun, Herr Latif?
Zum Schluß des DLF-Interviews heult Latif laut auf: „…Das kann man eigentlich nicht fassen! Wieso hat man Berater, Gremien, wissenschaftliche Ausschüsse, wenn man am Ende des Tages darauf überhaupt nicht hört?…“ Ja, verehrte Leser, würden Sie denn so ´nen Latif-Quark wie oben gerne öfter hören? Mir reichts. Ach ja, hätte er, wie viele Konservative wissen, dem Meteorologen und Philosophen Wolfgang Thüne rechtzeitig zugehört und seine Fach-Publikationen studiert, wäre er jetzt schlauer. Aber Letzterer ist politisch inkorrekt und taugt damit „leider“ nicht als Zeitgeist-Zeuge.
Es bleibt frostig in Deutschland. Warten wir halt noch ein wenig auf den Klimawandel. Es läuft wie bei jeder Indoktrinierung: Steter Tropfen höhlt den Stein, oder: Wenn man Unsinn nur lange genug herunterbetet, wird er irgendwann zur „gereiften Erkenntnis“ – Latif sei Dank!
P. S.: Am 1. April dieses Jahres kauf ich mir bestimmt nicht den „Spiegel“. Man kann ja nicht wissen…
(Alle Zitate aus dem DLF-Interview mit Latif am 23.3.13)

Von conservo

Conservo-Redaktion