Über den „Kurier der Christlichen Mitte“ wurde ich auf folgenden alarmierenden „Offenen Brief“ aufmerksam, den Prof. Dr. Werner Münch, ehem. Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt, verfaßt und an den luxemburgischen EP-Abgeordneten Eugene Berger (DP Luxemburg/Liberale) versandt hat. Münch schrieb:

„Sehr geehrter Herr Berger,
im Zusammenhang mit der Debatte und Abstimmung über die Ausweitung der Liberalisierung der Abtreibung in Luxemburg (Fristenlösung mit Beratungspflicht) haben Sie u. a. einen Brief (…) bekommen, (dessen…) Inhalt und Ihre Antwort ich der deutschen Presse entnommen habe.

Auf die Bitte (des Briefschreibers), für das Leben zu stimmen und damit auch für die luxemburgische Gesellschaft, haben Sie geantwortet: „Religiöser Fundamentalist! Fuck You!“

Ich kann nicht glauben, dass das die Wortwahl und Sprachqualität eines freigewählten Abgeordneten in einem demokratischen Staat ist. Bevor ich Minister der Finanzen und dann Ministerpräsident in einem neuen deutschen Bundesland war, habe ich fast sieben Jahre als deutscher Abgeordneter im Europäischen Parlament (EVP-Fraktion) gearbeitet. Meine Zusammenarbeit gerade mit luxemburgischen Abgeordneten (…) war außerordentlich konstruktiv und im wirklichen Sinne freundschaftlich. Diese (…) Abgeordneten hatten klare Grundsätze, waren aber immer tolerant sowie verbindlich und freundlich im Ton, auch gegenüber solchen Kolleginnen und Kollegen, die anderer Meinung waren.

Wenn Ihre Antwort ein Hinweis auf eine tief gesunkene „Qualität“ der Auseinandersetzung von Abgeordneten eines Landes sein sollte, in dem ich sehr oft war und das ich immer geschätzt habe, gegenüber solchen, die eine abweichende Position vertreten, dann bin ich tief erschüttert, ja fassungslos. Ich gehe davon aus, dass Sie nachträglich Ihre Äußerungen auch selbst als extrem disqualifizierend ansehen und deshalb die Absicht haben, sich (…) zu entschuldigen. Sollte dies nicht erfolgen, werde ich über mein Netzwerk in der deutschen Presse Ihre Antwort breit streuen und der deutschen Öffentlichkeit zur Kenntnis geben. Mit freundlichen Grüßen Prof. Dr. Werner Münch.“ Soweit der „Offene Brief“ von Prof. Münch, zu dessen Veröffentlichung ich befürwortend hiermit einen unterstützenden Beitrag leisten will.

Von conservo

Conservo-Redaktion