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Von Eckhardt Henscheid stammt das Wort „Dummdeutsch“, und so betitelte er seine Blütenlese von „angesammeltem Sprachschutt“ – teilweise in Verbindung zum „Orwellschem Neusprech“.

Aus dem Vorwort von E. Henscheid:

»Dummdeutsch«, … ein Agglomerat, eine Emulsion, ein Syndrom aus vor allem Werbe- und Kommerzdeutsch, aus altem Feuilleton- und neuem Professorendeutsch (und umgekehrt), aus dem Deutsch der sogenannten Psychoszene und dem einer neuen Innerlichkeit speziell linker Provenienz, aus eher handfest-törichtem Presse- und Mediendeutsch, aus Sport- und Bürokratendeutsch; … in kleinen Dosen kommen auch immer mal Infiltrate aus der vormaligen DDR zu dieser ebenso polykausalen wie polyvalenten und nicht zuletzt fast immer so oder so wichtigmacherischen Brühe.

Als ich das Wort „Willkommenskultur“ hörte, das gerade in den letzten Wochen vermehrt aus der Sprach-Schublade gezogen wurde, dachte ich schon bald, das fehlt in Dummdeutsch oder einer gleichartigen Sammlung von Sozial-, Klerikal-, Polit- bzw. Verdummungsphrasen.

(Nicht) erstaunlicherweise findet man das Wort in dem angeblich kritischen Blog neusprech.org gar nicht; wurde dieser ja auch prämiert und gelobt von Medien des „Mainstream“.

Das Wort “Willkommenskultur” Ist wie so manche gern gebrauchte, moderne Floskel in der Wirtschaft entstanden, wo man ja schon lange etwas von verschleiernder Propaganda versteht. Werbung bemüht sich darum, die Einstellung der Menschen zu ändern und deren Aufmerksamkeit auf ein Produkt zu erhöhen. Die Politik pflegt dagegen„strategische Kommunikation“ – mit gleichen Mitteln, um das Verhalten der Bürger bei Wahlen oder nur schon bei der Artikulierung seiner „öffentlichen Meinung“ effektiv zu beeinflussen bzw. zu verändern.

Der Begriff „Willkommenskultur“ bezeichnet die Offenheit einer Gesellschaft, eines Unternehmens, einer Bildungseinrichtung, eines Sportvereins oder einer Institution gegenüber Migranten. So hat denn der deutsche Arbeitgeberverband für seine Mitglieder eine eigene Broschüre und Handlungsanleitung zur “Willkommenskultur” herausgegeben

Kehren wir zur Methode des Neusprech zurück und betrachten das Wort unter diesem Aspekt.

„Neusprech“ bezeichnet die vom herrschenden Regime vorgeschriebene, künstlich veränderte Sprache. Das Ziel dieser Sprachpolitik ist es, die Anzahl und das Bedeutungsspektrum der Wörter zu verringern, um die Kommunikation des Volkes in enge, kontrollierte Bahnen zu lenken. Damit sollen sogenannte Gedankenverbrechen unmöglich werden. Durch die neue Sprache bzw. Sprachregelung soll die Bevölkerung so manipuliert werden, dass sie nicht einmal an Aufstand denken kann, weil ihr die Wörter dazu fehlen.

Oder kurz: „Ausdruck für eine Sprache, die durch Sprachmanipulation durch bestimmte Interessengruppen bewusst verändert wurde, um die wirklichen Tatsachen, Ziele oder Ideologien der Anwender zu verschleiern …“

Jeder aufrechte (oder linke) Dorfbürgermeister, Provinzpolitiker oder Seelsorger, der gegenüber kritischen und besorgten Mitbürgern die Aufnahme immer neuer Asylanten oder „Migranten“ vertreten will oder muss, jeder der glaubt, sich gegen „Rassisten“, „Fremdenfeinde“, „Hetzer“ und natürlich gegen die große Zahl der „als biedere Bürger getarnte Nazis“ aussprechen zu müssen, vergewaltigt ohne Zögern seine gängigen Redeweisen mit einem Wort wie “Willkommenskultur”. Es ist ein Begriff, so recht geeignet für Tränenwärmer und Funktionäre der organisierten Leidverweser*.

Wenn ich an Fremde danke, die mein Haus besuchen, zu uns ins Land kommen, gebrauche ich das Wort und pflege das Bild vom Gast und der Gastfreundschaft. „Die Gastfreundschaft ist die freundliche Gesinnung, die einem Besucher von seinem Gastfreund bei seiner Beherbergung, Bewirtung und Unterhaltung entgegengebracht wird. Das Grundprinzip der Gastfreundschaft seit alters her ist wohl das der Gegenseitigkeit: Man erhofft sich selbst unter ähnlichen Bedingungen gastfreundliche Aufnahme.

Warum wird stattdessen „Willkommenskultur“ verwendet? Politik und Wirtschaft verwenden auch nicht mehr den Begriff „Gastarbeiter“. Das passt nicht in das System der Political Correctness, denn das Moment der Gegenseitigkeit ist nicht mehr opportun.

„Gast“ ist ein vorübergehender Zustand und vom Gast erwartet man bestimmte Verhaltensweisen, die in jeder Kultur der Menschheit nahezu gleiche Regeln aufweisen.

Sucht man nach Sprichwörtern oder Alltagsweisheiten zum Begriff „Gast“ oder „Gastfreundschaft“, findet jeder etwas, das er in seinem Sinne wenden könnte – z.B.: „Dein Haus soll weit offen stehen“ aus dem Talmud; skeptische, differenzierende Gedanken sind dennoch häufiger zu finden – nicht nur in deutscher Sprache.

Nicht zuletzt in Afrika benennt man Regeln wie: „Bewirte deinen Freund zwei Tage lang, am dritten Tag drücke ihm eine Hacke in die Hand.“. Die Perser sagen: „Der Gast ist einem lieb – bis zu drei Tagen.“

Da man solche Übereinkünfte inzwischen als fremdenfeindlich definieren kann, braucht es eine beschönigende Begrifflichkeit wie die der “Willkommenskultur”.

Da ist alles offen: Man, d.h. jeder, ist willkommen, ist erwünscht ohne Ausnahme.

Dies impliziert „Kultur“ in positiver, ja „humaner“ (oder humanistischer?) Manier.

Kultur kann mit „Anpflanzung“ gleichgesetzt werden und schließt nach dem Selbstverständnis der Nutzer „Nachhaltigkeit“ ein (auch so eine Verdummungsphrase).

Die Deutschen besäßen keinen Sinn für “Willkommenskultur”, das kann man nicht nur bei einer Internet-Recherche zu diesem Thema erfahren.

Deshalb müssen die Politik und die aufgeklärten Medien entsprechend reagieren.

Massenauflehnung gegen Überfremdungs-Anzeichen wie Pegida kann nicht hingenommen, muss bekämpft werden. Denn bei Teilnehmern an solchen Massenprotesten findet nicht zuletzt die Bundeskanzlerin „Vorurteile … Kälte, ja sogar Hass in deren Herzen“. Kirchenobere unterwerfen ihre Mitbrüder der „Exkommunikation“: „Christen dürfen bei Pegida nicht mitmachen“, so Erzbischof Schick aus Bamberg und der EKD-Vorsitzende Bedford-Strohm. Der “Großinquisitor” (Dostojewski) läßt grüßen!

Wie kann man also da noch gegen “Willkommenskultur” sein?

Wer möchte schon kulturlos sein; ein Barbar, der sich nur auf „Gastfreundschaft“ – dazu noch im wechselseitigen Sinne – berufen möchte.

(*in Elias Canetti: “Der Ohrenzeuge” – Carl Hanser Verlag 1974)

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Von conservo

Conservo-Redaktion