Die Relativität von “Mitte” und der eingebildete moralische Vorzug der “Linken”

Von Dr. Christoph Heger

Karl-Heinz Weißmann schreibt in seinem “Konservativen Katechismus” aus dem Jahre 2009:

„Was spricht eigentlich dagegen, sich ‘rechts’ zu nennen, da wo das Rechte, das Richtige gedacht, gewollt, getan wird?

linkeDie Linke genießt gegenüber der Rechten keinen moralischen Vorzug, die Mitte kommt gar nicht in Betracht, das ‘juste milieu’ – das richtige Umfeld – ist immer unselbständig, zu feige eine Richtung einzuschlagen, Es folgt dem, was links oder rechts vorgegeben wird.“

So ist es! Die “Mitte” ergibt sich immer aus einem Mittelbildungsprozeß, ist also ein ebenso relativer Begriff wie die “Extreme”.

Ein von mir sehr geschätzter und ebenso politisch wacher wie angesehener Theologe wendet das auf einen aktuellen Fall an:

Politisch korrekte Asylpolitik

Wenn der SPD-Politiker aus Schleswig-Holstein, Ralf Stegner, der so gerne in der multikulturellen Geschwisterschaft den Linksaußen spielt, spricht, dann rutscht ihm schon mal ein Satz über die Lippen wie dieser: “Den realen Brandstiftungen gehen meistens rhetorische Brandstiftungen vorweg.” “Gut gebrüllt”, Löwe, so möchte man mit William Shakespeare ins Spielfeld rufen, aber dafür ist die Sache zu ernst. Denn wen meint er eigentlich damit? Wohl nicht die wirklichen Hetzer, sondern die, welche sich im Gegensatz zu ihm wirklich Gedanken machen, wie man dem Ansturm der Asylbewerber rechtsstaatlich und in Verantwortung vor dem eigenen Volk, dem deutschen, das es ja immer noch – zum Leidwesen Stegners – gibt, beikommen kann.

Lager für neue Gäste

Horst Seehofer ist gemeint, und der hat den Mut, nicht verlogene selbstgerechte Sprüche zu klopfen, sondern der faßt die Realität ins Auge, vor der die Kommunen stehen. Und überhaupt: Wir leben in einem Land, in dem die politische Lüge grassiert und sich einige, nicht nur grüne und linke, Politiker in der “Ingenieurskunst nützlicher Phrasen” üben (M. Matussek), ohne selbst ihr Wohnzimmer für die Asylbewerber zu öffnen.

Seehofer will “Lager” einrichten, aber schon dieses Wort ist in Deutschland zu einem Unwort geworden und zeigt in erschreckender Weise die Verklemmtheit der betreffenden Leute. Denn was soll man denn vernünftigerweise tun, als eben Lager einzurichten, wo es schon nicht genügend sozialen Wohnraum für die Einheimischen gibt und den Sportvereinen die Hallen wegnimmt, um die Asylbewerber unterzubringen? Es ist schlicht unverantwortlich, sich eine reine Gesinnung zu genehmigen und tatenlos zuzuschauen, wie andere das Notwendige tun.

Das kann und muß dann auch kurzfristig und leider auch hart geschehen; denn der Grundgesetzartikel 16a lädt nicht alle Mühseligen und Beladenen dieser Welt nach Deutschland ein. Wer das fordert, bedient sich einer “Hypermoral”, die verkennt, daß der Staat ein Gebilde ist, “dessen Sinn letzten Endes nur als rational organisierte Selbsterhaltung eines geschichtlich irgendwie zustande gekommenen Zusammenhangs von Territorium und Bevölkerung bestimmt werden kann” (Gehlen, Moral und Hypermoral). Darüber hinaus könnte eine solche Forderung, die ja in der gesamten öffentlichen Debatte mitschwingt, die Aufnahmebereitschaft überhaupt beeinträchtigen und im Extremfall zu einzelnen Gewalttaten führen, die zu verurteilen sind. Es gibt in Deutschland, wie in keinem anderen Land auf dieser Welt bei der politischen Klasse, eine fehlende Identifikation mit dem eigenen Volk und dessen Interessen. Da sollte man sich nicht wundern, daß dieses Volk unruhig wird. Insofern tragen die Äußerungen von Ralf Stegner mehr zu den Brandstiftungen bei als die von Horst Seehofer.

Noch einmal: So ist es!

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