Die katholische Kirche unter Druck des Zeitgeistespetersdom

Von Peter Helmes

Sie probten die Revolution und landeten im Abseits. Vermutlich werden sie dort aber nicht schmollend verharren, sondern weiter an den Fundamenten der katholischen Kirche kratzen und schaben: Die “reformerische” deutsche Delegation bei der Bischofssynode in Rom – vertreten durch Kardinal Marx, Erzbischof Koch und Bischof Bode – die am gestrigen Samstag durch die Publikation des Abschlußpapiers endgültig zu Ende gegangen war, erwies sich als Papiertiger. Der Tiger namens Kasper (deutscher Kurienkardinal) wurde zum Plüschtier.

Nichtsdestotrotz werden das Geschrei und das laute Zetern der „Kirche von unten“ (die von vielen „von oben“ angeführt wird) weitergehen. Sie haben schließlich den Fortschritt gepachtet und das Ohr am gläubigen Volk, meinen sie. Und was das Volk zu denken hat, verkünden diese braven Hirten sonntags von der Kanzel.

Die Wahrheit ist eine andere: Ihnen fehlt der Mut, sich in (zugegeben) harten Zeiten gegen den Zeitgeist zu stemmen und den Grundüberzeugungen der Kirche treu zu bleiben. Die katholische Kirche war und ist ihrem Wesen nach nie „demokratisch“ und kann es auch nicht sein. Eine Gefälligkeitskirche dient niemandem.

„Fortschritt“ versus „Reaktion“

Es ist wie in der Politik: Wenn „Modernisierer“ – was immer das auch heißt – eine Änderung fordern, ist das „Fortschritt“. Wenn Konservative auf etwas beharren, ist das rückschrittlich oder „reaktionär“. Als wäre die Welt so einfach!

Nichts, das wirklich von Bedeutung wäre, hat sich geändert. Die katholische Lehre bleibt dieselbe. Und genau so sollte es auch sein. Die Bedingungen der Erlösung sind nicht von aktuellen Entwicklungen abhängig. Manche Aspekte der Synodendiskussion wurden gründlich mißverstanden. Ihr Ziel war es, die Position von Ehe und Familie innerhalb der modernen Welt und den Beitrag der Kirche zu bestimmen. Unabhängig von den Intentionen einzelner (meist zentraleuropäischer) Bischöfe war es nie die Absicht, Ehe neu zu definieren oder eine radikale Neudefinition der Doktrin vorzunehmen.

Das alte Beispiel ist immer noch richtig: Ich kann nicht in einen Fußballverein eintreten und dann fordern, man möge doch lieber Rugby spielen; das sei lebendiger und mache den Leuten mehr Spaß… Nein, die Kirche ist keine Zirkusarena, in der Weihwasserspiele und Weihrauchkanonen das Publikum ergötzen. Wer die Regeln dieser Kirche nicht akzeptieren kann und will, gehört nicht hin! Basta! Diskussion nicht möglich.

Schon klar, das ist für jemanden, der die katholische Kirche nicht begreift, schwer zu verstehen. Aber es diese zweitausendjährige Ordnung, die das Überleben der Kirche garantiert hat. Von Deutschland ging schon einmal ein Schisma, ein dauernder Riß, durch das Christentum. Einige deutsche Kirchenfürsten scheinen auf einem ähnlichen Weg zu sein. Geschichte wiederholt sich doch!

Ein paar Gedanken zum Abschlußdokument der Bischofssynode

Besonders zwei Fragen hatten die deutschen „Modernisierer“ im Romgepäck: Was passiert mit Katholiken, die zum zweiten Mal heiraten, aber wieder zu den Sakramenten zugelassen werden wollen? Und: Wie sieht es mit der Gleichstellung homosexueller Partnerschaften aus? Mehr als eineinhalb Jahre hatte die katholische Weltkirche im Auftrag des Papstes darüber diskutiert Eine eindeutige Antwort gab auch diese Synode nicht, sondern erbrachte nur eine kleine Änderung in der Regelung des Miteinander: Wiederverheiratete Katholiken müßten „besser in die kirchliche Gemeinschaft integriert werden“. Sie dürften sich nicht wie „Exkommunizierte“ fühlen.

Keine deutsche, sondern eine Welt-Kirche

Was gerne in Deutschland und den westlichen Teilen Europas übersehen wird: Die katholische Kirche ist universal, nicht national. In Afrika, Asien und Lateinamerika gibt es mehr Katholiken, aber auch mehr (von der deutschen) abweichende Linien. Und schon bekommen sie von den „Neuerern“ das Etikett „Reformverweigerer“ aufgedrückt. Es drohe gar eine Kirchenspaltung.

So einfach geht linkes Denken. Verschwiegen wird, daß die Spalter in Europa sitzen; denn dort wird eine andere Kirche gefordert, während die bestehende in Afrika usw. verteidigt wird.

Es war schon vor der Synode klar, daß jede Gleichstellung homosexueller Partnerschaften mit der Ehe abgelehnt wird. Nun heißt es abmildernd, daß in der Kirche „jede Person unabhängig ihrer sexuellen Orientierung mit Würde und Respekt aufgenommen“ wird. Das von der deutschen Sprachgruppe vorgeschlagene Schuldbekenntnis fand keinen Eingang in das Schlußdokument. Die Kirche habe durch „harte und unbarmherzige Haltungen“ oft Leid über Menschen gebracht, hatten deutschsprachige Bischöfe geschrieben und dabei auch ausdrücklich Homosexuelle erwähnt.

Der afrikanische Kurienkardinal Sarah: „Zwischen Gender und ISIS“

„Was Faschismus und Kommunismus im zwanzigsten Jahrhundert waren, sind westliche Ideologien in Bezug auf Homosexuelle oder Abtreibung und islamischer Terror heute“. Dieser Satz stammt von S. Em. Robert Kardinal Sarah bei der Bischofssynode in Rom. In eindeutigen, klaren Worten, die keine Rätsel aufgeben, wie dies bei Worten des Papstes und unserer völlig verweltlichten deutschen Bischöfen der Fall ist, hat der afrikanische Kardinal Ehe und Familie gegen alle Angriffe verteidigt. Kardinal Sarah ist Präfekt der Kongregation für die Sakramentenordnung und einer der einflußreichsten afrikanischen Kardinäle in Rom.

In seiner Rede sagte der Afrikaner weiter: „Eine theologische Unterscheidung befähigt uns, in unserer Zeit zwei unerwartete Bedrohungen zu sehen (fast wie zwei „apokalyptische Tiere“), die auf einander entgegengesetzten Polen anzusiedeln sind: auf der einen Seite die Idolatrie der westlichen Freiheit; auf der anderen Seite der islamische Fundamentalismus: atheistischer Säkularismus kontra religiöser Fanatismus. Um ein Schlagwort zu benutzen: wir befinden uns zwischen ‚Gender-Ideologie und ISIS‘.“

Der Kardinal führt aus, daß diese beiden Hauptideologien die Ehe und Familie frontal angreifen, daß sie das Wesen des Menschen, die Menschlichkeit des Menschen vernichten wollen. Die Hauptbedrohungen für die Familien sind „ihre subjektivistische Zersetzung im säkularisierten Westen durch schnelle und einfache Ehescheidung, Abtreibung, homosexuelle Verbindungen, Euthanasie etc. Auf der anderen Seite die Pseudo-Familie des ideologisierten Islam, der Polygamie, der Unterwürfigkeit der Frau, Zwangsprostitution, Kinderehe etc.“

Wir vermuten, daß diese Rede den deutschen Bischöfen, die an der Synode teilnahmen und deren Denken schon seit langem durch die „subjektivistische Ideologie des Westens“ zersetzt ist, aber auch dem Papst wohl nicht gefallen hat. (Quelle zu Sarah: civitas-institut.de)

Und ein Beispiel aus Moskau: Die überlieferte katholische Lehre verteidigen!

Am vergangenen Dienstag überbrachte Metropolit Hilarion von Wolokolamsk dem Papst und der Bischofssynode die Grußbotschaft des Moskauer Patriarchats. Erzbischof Hilarion ist Leiter des Außenamtes der russisch-orthodoxen Kirche. In seiner Ansprache an die versammelten Bischöfe der katholischen Kirche verteidigte der Metropolit die überlieferte katholische Lehre zu Ehe und Familie und die Grundlagen des Naturrechts und warnte damit unterschwellig die Bischöfe, den modernistischen und liberalen Ideologien einiger westlicher Bischöfe und Kardinäle zu folgen (Quelle: civitas-institut.de).

Nun ist es an Papst Franziskus, aus dem Schlußdokument konkrete Konsequenzen für das kirchliche Leben zu ziehen. Der Text der Synode hat nur Empfehlungscharakter. Das letzte Wort hat der Papst.

Der lobte in seinem Schlußwort vor der Synode die „lebhafte, offene Diskussion” der vergangenen drei Wochen. Die erste Pflicht der Kirche bestehe nicht darin, „Verurteilungen auszusprechen, sondern darin, die Barmherzigkeit Gottes zu proklamieren“.

www.conservo.wordpress.com

25.10.2015

P.S.: Lesen Sie zum Thema auch: https://charismatismus.wordpress.com/2015/10/25/familiensynode-in-rom-niederlage-fuer-die-thesen-der-kardinaele-kasper-marx-co/

Von conservo

Conservo-Redaktion