Mediale Existenzvernichtung

(www.conservo.wordpress.com)

Von Thomas Böhm *)

Thomas Böhm
Thomas Böhm

Früher, als noch seriöse Journalisten arbeiten durften, wurde noch recherchiert und nicht Gerüchte ins Blatt gehoben. Heute, wo sich unsere Medienvertreter als Kampfhunde der Regierung ihr Brot verdienen müssen, bedient man sich bei Denunzianten, um politisch unliebsame Gegner auszuschalten.

Zur beliebtesten Methode in diesem perversen Spiel gehört die „Existenzvernichtung“ und hier ist mal wieder ein Blatt aus dem Axel-Springer-Verlag ganz vorne mit dabei. Die „Welt“ schreibt:

Sächsischer Arzt verweigert Behandlung von Flüchtlingen!

Flüchtlinge wolle er nicht behandeln, soll ein Arzt und AfD-Mitglied im sächsischen Ellefeld erklärt haben. Eine Äußerung mit Nachspiel? Bei der Landesärztekammer liegt eine Beschwerde vor.

Entscheidend in dieser Ankündigung sind zwei Begriffe: „Soll“ und „AfD“. Es ist also noch gar nichts bewiesen, aber Hauptsache die verhasste „AfD“ wird ins Spiel gebracht. Damit das schon mal klar ist: in der AfD wimmelt es nur so von Ausländerfeinden!

Aber immerhin nennt die „Welt“ die Denunzianten:

„Wenn ich Ausländer behandeln wollte, wäre ich zu Ärzte ohne Grenzen gegangen.“ Ein Satz, der Zündstoff beinhaltet. Der Internist Dr. Thomas Schädlich soll ihn bei einerGemeindesitzung in der vogtländischen Gemeinde Ellefeld gesagt haben. Der Sächsischen Landesärztekammer liegt bereits eine entsprechende Beschwerde gegen den Mediziner vor, wie Pressesprecher Knut Köhler der „Welt“ bestätigte.

Denn in derselben Sitzung habe Schädlich, der Mitglied der Partei Alternative für Deutschland (AfD) ist, angekündigt, er werde Flüchtlinge nicht behandeln. Zuerst berichtete die örtliche Tageszeitung „Freie Presse“ darüber. Der CDU-Landtagsabgeordnete Sören Voigt, der bei der Sitzung anwesend war, bestätigte gegenüber der „Welt“, dass der Arzt diese Sätze gesagt hat. „Ich bin schockiert über diese Aussagen“, sagte Voigt.

Die Verweigerung des Arztes, Ausländer zu behandeln, sorgte für Aufregung. Der Abgeordnete Voigt forderte eine Entschuldigung von dem Arzt. Die Beschwerde bei der Landesärztekammer reichte der Unternehmer Rodny Scherzer ein, der eine Flüchtlingsunterkunft in Ellefeld betreiben möchte…

Interessant ist dabei, dass ausgerechnet jemand, der sich anscheinend an den Flüchtlingen satt fressen will, hier eine Beschwerde eingereicht hat.

Erst relativ zum Schluss dieses Hetzartikels, wenn sich 95 Prozent der Leser bereits „ihre Meinung“ gebildet haben und der Schaden nicht mehr gut zu machen ist, kommt dann der „Verdächtige“ zu Wort:

Gegenüber der „Welt“ stritt Internist und AfD-Kreisrat Thomas Schädlich hingegen ab, sich auf der Sitzung so geäußert zu haben. Seine Formulierungen seien aus dem Kontext gerissen worden. Es gehe ihm um die ärztliche Grundversorgung, für die es aber keinen Behandlungsvertrag mit den Flüchtlingen gebe, sagte er der „Welt“. Ein niedergelassener Arzt habe deshalb keine Rechts- und Haftungssicherheit. Aus diesem Grund habe er sich auch mit einem Anwalt in Verbindung gesetzt. „Das Wort ,Notfall‘ ist kein einziges Mal gefallen. Natürlich helfe ich im Notfall“, sagt er…

So wie der Beitrag angefangen hat, so endet er – mit einer Täuschung:

Von Rechtsunsicherheit will die Landesärztekammer dagegen nichts wissen. Die Kosten für die Behandlung von Asylsuchenden übernähmen entweder die Landesdirektion oder das Sozialamt des Landkreises. Bei Behandlungsfehlern bei Flüchtlingen in Flüchtlingsunterkünften würde primär das Land haften…

Falsch! Die Kosten übernimmt nicht das Sozialamt oder das Land, sondern der Steuerzahler! Aber das interessiert den Journalisten nicht mehr. Er hat den Befehl ausgeführt und mit aller Macht versucht, eine Existenz zu vernichten.

Und wieder einmal zeigen sich die Leser schlauer und anständiger als die Journalisten:

Bei der Überschrift fehlt übrigens ein Fragezeichen. Ansonsten stellt man eine Behauptung auf die man hier nicht belegen kann und das ist nicht ok!

(http://www.welt.de/politik/deutschland/article149214523/Saechsischer-Arzt-verweigert-Behandlung-von-Fluechtlingen.html)

*) Der Berufsjournalist Thomas Böhm ist Chefredakteur des Mediendienstes „Journalistenwatch“ und ständiger Kolumnist bei conservo

http://www.conservo.wordpress.com

27.11.2015

Von conservo

Conservo-Redaktion