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Eine zukunftsweisende Satire von Thomas Böhm *)

Thomas Böhm
Thomas Böhm

Es gibt ja hier und da noch ein paar Irre, die meinen, man müsste die Nationalstaaten auflösen, damit wir alle gleichermaßen den Himmel auf Erden hätten. Und natürlich soll Deutschland da wieder als weltweites Vorbild dienen und als erstes ins Säurebad steigen.

Aber wie könnte so etwas wirklich und „nachhaltig“ funktionieren? Wir haben uns mal so unsere Gedanken gemacht und die Konsequenzen aufgezählt.

Als erstes müssten die Bundesländer aufgelöst werden, Bayern und Preußen, Ostfriesland und Hessen – alles in einen Topf und kräftig umrühren. Kein Länderfinanzausgleich mehr, keine Landtagspräsidenten mehr, keine Landesgesetze mehr und die Landeswappen könnten ebenfalls gleich mit in die Tonne getreten werden. Wenn man keinenNationalstaat mehr haben will, braucht es logischerweise auch keine Bundesländer mehr!

Anschließend müssten die Gemeinden, Kommunen, Städte und Dörfer ausgelöscht werden. Keine Ortsschilder mehr, keine Landräte, Bürgermeister und Dorfsheriffs mehr – die fettgefressenen beamteten Sesselfurzer könnten endlich wieder arbeiten gehen – als Spargelstecher, Kartoffelschäler und Obstpflücker. Das würde ihnen nebenbei auch gesundheitlich gut stehen.

Als nächstes müssten alle Mauern abgerissen werden. Schließlich bilden sie diese Trennwände die Grundlage der zu verachtenden Kleinstaaterei. Also käme die große Abrissbirne zum Einsatz und würde sämtliche Häuser, Datschen und Autos dem Erdboden gleich machen. Der Begriff Nachbarschaft würde endlich aus dem Duden verschwinden. Totales Multikulti, ohne spießbürgerliche Privatsphäre mehr, eine einzige gewaltige Toilette für kleine und große Scheißer. Sozialismus ohne Tür und Angel. Alle Menschen unter einem Dach. Das müsste natürlich ein ziemlich großes Dach werden, schließlich dürfen wir keinen im Regen stehen lassen.

Nebenher könnte man dann auch gleich die Fremdenfeindlichkeit ausrottet, in dem man sämtliche Familienbanden zerschlägt und den Nachwuchs unter staatlicher Kontrolle in EINEM Brutkasten aufzieht. Dort – unter den selben Zuchtbedingungen sind sich alle gleich nah und werden nicht mehr zu unterscheiden sein. Gibt es aber keine Unterschiede mehr, gibt es auch keine Fremdenfeindlichkeit.

Ist Deutschland so erstmal zu einem Einheitsbrei verrührt, könnte man sich dem großen Ganzen widmen und die anderen Nationalstaaten ebenfalls nach diesem Muster ausradieren. Und die Kontinente gleich mit, schließlich darf es auch hier keine Unterschiede mehr geben, denn Unterschiede (die Ewiggestrigen würden das Vielfalt nennen) trennen bekanntlich auch.

Damit das aber reibungslos und schnell funktioniert, müssten die Ozeane als natürliche Grenze ausgetrocknet werden, auf dass alle Menschen dieser Erde sich zur großen Polonaise vereinen können, ohne nasse Füße zu bekommen.

Eine Zentralregierung müsste eingesetzt werden, die ihre Untertanen auf eine einzige Sprache festlegen, die Brauchtum, Religionen und Kulturen nivelliert, alles plattwalzt, was sich über andere erheben will und eine Einheitswährung beschließt. Am besten Knöpfe, die kennt jeder.

Problematisch wäre es, die 7,1 Milliarden Menschen am selben Tag, zur selben Stunde an die Wahlurne zu treiben. Vielleicht reicht es ja aus, dass alle ihren rechten Arm zum Gruße heben, das würde viel Papierkram überflüssig machen.

Als nächsten Schritt, der uns dann endgültig alle gleich macht, müsste man die Klima- und Zeitzonen angleichen. Wo kommen wir denn dahin, wenn Menschen im ewigen Eis, im Tropenwald oder gar in der Wüste ihr Dasein fristen, die einen aufstehen und die anderen ins Bett gehen müssen – und alles zur gleichen Zeit!

Dazu würden sich Atombomben am besten eignen. Denn wo kein Gras mehr wächst, wachsen auch keine nationalstaatlichen Unterschiede mehr.

*) Der Berufsjournalist Thomas Böhm ist Chefredakteur des Mediendienstes „Journalistenwatch“ und ständiger Kolumnist bei conservo

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13.12.2015

Von conservo

Conservo-Redaktion