Deutschland-Eis

(www.conservo.wordpress.com)

Von Thomas Böhm *)

Thomas Böhm
Thomas Böhm

Angela Merkel hat Deutschland schockgefroren. Das Leben ist erstarrt, die Menschen sind paralysiert. Unsere Gedanken, unser Handeln, unsere Gespräche kreisen nur noch um das eine Thema:

Flüchtlinge“.

Angela Merkel hat vielen Menschen in Deutschland die Stimmung versaut, für eine sehr, sehr lange Zeit. Verunsicherung, Verzweiflung, Wut und Entsetzen beherrschen den Alltag. Engagement, Freundlichkeit und Unbeschwertheit sind an den Rand gedrängt worden.

Ich erlebe das tagtäglich in der pittoresken Kleinstadt im Osten der Republik, in der ich seit gut einem halben Jahr lebe. Die Idylle ist zerstört, der Frieden unterbrochen. Ob beim Friseur, im Supermarkt, in der Kirche, auf der Polizeiwache, im Kaufhaus, auf dem Postamt, beim Arzt oder Apotheker – in jedem Winkel unseres Lebens geht es nur noch um „Flüchtlinge“, ob das Heim gleich um die Ecke ist oder auf der anderen Seite der Stadt, spielt dabei keine Rolle.

Wir alle sind von den „Flüchtlingen“ besessen, egal ob im positiven oder negativen Sinne, egal ob wir davon profitieren wie die Taxifahrer, Flüchtlingshelfer, Streichholzfabrikanten und Waffenhändler oder verlieren wie die Frauen, Malocher, Polizisten und Steuerzahler.

Es geht wirklich nur noch um das eine, alles andere (wie zum Beispiel die Infrastruktur und das Bildungssystem) muss erstmal liegen bleiben, wird auf die lange Bank geschoben oder hinten ins Regal gestellt. Die Geschäftsleute sind frustriert, die Landräte lustlos, notwendige Investitionen werden von der Tagesordnung gestrichen. Keiner weiß, wie es weitergehen soll, was und wer noch auf uns zukommt und wie das alles endet.

Nicht nur auf kleiner, lokaler und alltäglicher Ebene sondern auch auf der großen Bühne der Politik und der Medien scheint Deutschland wie gelähmt zu sein, als ob hier uns jemand von außen einfach angehalten auf „Standbild“ gedrückt hat.

Seit mehr als einem halben Jahr überschlagen sich die Zeitungen mit ihren Schlagzeilen in Sachen „Flüchtlinge“. Ob sie gut oder schlecht sind, entscheidet der Auftraggeber oder die Sichtweise. An einem Tag geht es um einen armen toten Flüchtling, am nächsten Tag dann um einen armen, wiederauferstandenen Flüchtling. An einem Tag wurde ein Mädchen von Flüchtlingen vergewaltigt, am nächsten Tag kommt sie frisch und munter vom Freund zurück. Nachrichten, Titelstorys, Hintergrundberichte, Kommentare, Talkshows, TV-Debatten kreisen ebenfalls nur noch um das eine, alles beherrschende Thema, als ob es kein Leben vor den „Flüchtlingen“, neben den „Flüchtlingen“ und nach den „Flüchtlingen“ gäbe. Selbst Sportsendungen und Shows sind mittlerweile „flüchtlingsinfiltriert“. Wer oder was ist die Eurokrise, wo liegt Griechenland und wie geht es unsern Zugvögeln und ihren lieben Nachbarn, den Windkrafträdern?

Die Flüchtlingskrise hat uns alle in desinformativen Wahnsinn getrieben.

Ganz besonders deutlich wird das erstarrte Dilemma in der Politik, hier scheint das Leben für immer angehalten worden zu sein, die Unverantwortlichen irren im kalten Nebel herum, in dem sich dann auch noch in aller Ruhe „Kotzbrocken“ wie Maas und Stegner breitmachen konnten. Es wird gepöbelt, gehetzt und beleidigt, es wird sich gegenseitig die Schuld in die Schuhe geschoben, weil bei zu strengem Frost und schlechter Sicht natürlich auch der Verstand aussetzt.

Weiß eigentlich jemand, ob die werten Minister Barbara Hendricks, Manuela Schwesig, Christian Schmidt, Gerd Müller und Hermann Gröhe noch leben? Arbeiten tun sie auf jeden Fall nicht mehr, sie sind wohl im Zuge der Flüchtlingskrise einfach unter den Tisch gefallen und wälzen sich nun untätig über den Teppich.

Ich weiß selber nicht, wie das hier alles weitergehen soll. Ich weiß nur, wenn man zu lange steht und sich dabei ständig im Kreis dreht, sich also nicht wirklich vorwärts bewegt, kippt man irgendwann um.

Die Diagnose ist auf jeden Fall niederschmetternd: Panikattacken, Politischer Gehirntod und gesellschaftlicher Herzinfarkt.

Aber Hauptsache, die „Flüchtlingen“ sind putzmunter.

*) Der Berufsjournalist Thomas Böhm ist Chefredakteur des Mediendienstes „Journalistenwatch“ und ständiger Kolumnist bei conservo

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29.01.2016

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