Digitalisierung: Trend verschlafen, Deutschland lahmt und hinkt hinterher

(www.conservo.wordpress.com)

Von Peter Helmes

Auch ein Blick in den Alleswisser wikipedia verstört eher, als daß er hülfe: „Der Begriff Digitalisierung bezeichnet allgemein die Veränderungen von Prozessen, Objekten und Ereignissen die bei einer zunehmenden Nutzung digitaler Geräte erfolgt. Im ursprünglichen und engeren Sinne ist dies die Erstellung digitaler Repräsentationen von physischen Objekten, Ereignissen oder analogen Medien. Im weiteren (und heute meist üblichen) Sinn steht der Begriff insgesamt für den Wandel hin zu digitalen Prozessen mittels Informations- und Kommunikationstechnik. Aussagen zu “Digitalisierung” von Bildung, Wirtschaft und Gesellschaft sind dabei gleichbedeutend mit der digitalen Transformation oder digitalen Revolution von Bildung, Wirtschaft, Kultur und Politik; dies wird unter den genannten Stichworten behandelt. (…)

Die grundlegenden Vorteile der Digitalisierung liegen in der Schnelligkeit und Universalität der Informationsverbreitung. Bedingt durch kostengünstige Hard- und Software zur Digitalisierung und der immer stärkeren Vernetzung über das Internet entstehen in hohem Tempo neue Möglichkeiten, aber auch Gefahren. Exemplarisch dafür ist der Kopierschutz.“

Die Digitalisierung ist in vollem Gange. Sie betrifft uns alle – und sorgt für einentiefgreifenden Wandel in jedem Lebensbereich. Schon heute sind über 20 Milliarden Geräte und Maschinen über das Internet vernetzt – bis 2030 werden es rund eine halbe Billion sein. Digitalisierung und Vernetzung kann ein Motor für Wachstum und Wohlstand sein.

Die digitale Wirtschaft in Deutschland ist nicht nur ein bedeutender Wirtschaftssektor und wichtiger Technologiebereich, sondern auch Treiber der Digitalisierung von Unternehmen, Arbeitswelt und Gesellschaft. Die Befürworter behaupten, die digitale Transformation eröffne dabei große Chancen für mehr Lebensqualität, revolutionäre Geschäftsmodelle und effizienteres Wirtschaften.

Die Digitalisierung prägt bereits heute in hohem Maße die Art, wie wir leben, kommunizieren, arbeiten, wirtschaften und konsumieren. Mit ihr verbunden ist ein Transformationsprozess, der nicht rein wirtschaftlich-technologischer, sondern gesamtgesellschaftlicher Natur ist. Dadurch entstehen Fragen, z. B.:

Wie begegnen wir Marktkonzentration durch digitale Plattformen? Werden wir durch die Digitalisierung künftig mehr oder weniger Arbeit haben? Brauchen wir für Algorithmen und selbstlernende Systeme eine externe Kontrollinstanz? Allein diese drei Fragen zeigen: Der digitale Wandel bringt Fragen mit sich, die uns alle betreffen und die wir gemeinsam beantworten müssen, um die Digitalisierung für Verbraucherinnen und Verbraucher, Wirtschaft und Arbeit gleichermaßen fair zu gestalten.

Hier seien weitere Probleme angeführt:

„Alle reden von Digitalisierung…“

…und die Bundesregierung – halbverschlafen – hechelt hinterher. Mit vielem Tamtam wurde gerade erst ein „Digitalgipfel“ veranstaltet, und viel Politprominenz eilt hin, sozusagen ein digitales Politschaulaufen nach dem Motto: „Seht her, ich bin adabei…!“ Alle reden sie von „Digitalisierung“, doch zu sagen haben sie nichts. Politik und weite Bereiche der Wirtschaft leben in diesem Punkt noch in der fernen Vergangenheit statt im Jetzt und der dräuenden Zukunft. Die „Reichsbedenkenträger“ vor allem aus den einschlägigen gesellschaftlichen Gruppen wittern Unrat und erheben „ethische“ Bedenken. Klar, wer das Volk dummhalten will, kann kein Freund schneller Verbindungen und Netze sein.

Beispiel: „Digitalisierung erhöht Arbeitsdruck“

Die zunehmende Digitalisierung in der Arbeitswelt führt nach einer neuen Untersuchung zu steigender psychischer Belastung und erhöhtem Arbeitstempo.

Gleichzeitig gingen körperliche Belastungen zurück, heißt es in einer Studie, die von der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi in Auftrag gegeben wurde. Zudem werde verstärkt Multitasking verlangt. Wer als Beschäftigter Einfluss auf die Gestaltung der Arbeit habe, leide weniger unter den negativen Folgen der Digitalisierung.

Die wenigen sachverständigen Politiker und Wirtschaftsvertreter (wenige aus dem Mittelstand!) sorgen sich über den schleppenden Ausbau des Breitbandnetzes und eine zu langsame Digitalisierung in Firmen und Verwaltungen. Nicht einmal ihre eh schon bescheidenen Erwartungen oder gar Hoffnungen an werden belohnt. Selbst Angebote, die es durchaus gibt, werden kaum genutzt. (http://www.deutschlandfunk.de/studie-digitalisierung-erhoeht-arbeitsdruck.1939.de.html?drn:news_id=755956)

Hilfe! „Portalverbund“

Und nun geistert ein neuer Schlachtruf durch die Reihen der (noch nicht) Digitalisierungs-Infizierten: Der „Portalverbund“, der die Online-Auftritte der Gebietskörperschaften in fünf Jahren zum ‘Amazon der Verwaltung’ machen soll, wird zum neuen Star erklärt. Doch was das soll und wie es gehen soll, wissen die Götter, zumal wohl das Grundgesetz geändert werden müßte. Selbst der Breitbandausbau hinkt und bleibt weit hinter den Plänen zurück. „Schnell“ geht anders!

Also auch diese Bilanz der schwarz-roten Bundesregierung sieht mies aus. Jedenfalls ist Deutschland weit davon entfernt, eine „Start-up-Nation“ zu sein. Und was für die Bundesregierung gilt, trifft auch auf die Bevölkerung zu. Kaum jemand hat Ahnung weil auch kaum jemand interessiert ist. Den Deutschen generaliter fehlt ganz schlicht Innovationsfreude und Aufgeschlossenheit für den digitalen Wandel.

www.conservo.wordpress.com   16.06.2017
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