Weilers Wahrheit: Über Affen, Südkartoffeln und Wahlverhalten

(www.conservo.wordpress.com)

Von Michael Weilers *)

Der 100. Affe

Zwischen 1952 und 1958 beobachteten Wissenschaftler auf einer japanischen Insel, für eine bestimmte Zeit, eine Gruppe Affen.

Irgendwann kamen die Forscher auf die Idee, den Tieren als Nahrung Süßkartoffeln zu geben, um deren Umgang mit neuen Lebensmitteln beobachten zu können.

Die Süßkartoffeln schmeckten den Tieren offensichtlich sehr gut, doch empfanden sie den Sand, der daran klebte als unangenehm.

Ein junges Weibchen fand heraus, dass die Kartoffeln schmackhafter waren, wenn sie diese im nahegelegenen Fluss reinigte. Sie zeigte diesen Trick nun ihrer Mutter und ihren Spielgefährten, die diese neue Methode nachahmten und sie ebenfalls ihren Müttern zeigten.

Nun konnten die Wissenschaftler beobachten, wie dieses Verhalten mehr und mehr von anderen jungen Affen übernommen wurde und nach und nach alle jungen Affen anfingen, die sandigen Süßkartoffeln zu waschen.Bei den erwachsenen Tieren war es etwas anders, denn nur diejenigen Erwachsenen, die ihre Kinder nachahmten, lernten diesen Fortschritt kennen. Die anderen erwachsenen Tiere waren nicht überzeugt und aßen weiterhin dreckige Kartoffeln.

Doch eines Tages geschah etwas völlig Überraschendes.

Im Morgengrauen an irgendeinem Tag im Jahr 1958, es wuschen bereits eine bestimmte Anzahl – sagen wir 99 – Affen die Kartoffeln, begab es sich, dass ein einziger weiterer Affe zu der Erkenntnis kam, dass es besser sei, die Kartoffeln zu waschen.

Und dann passierte es!

Die kritische Masse war mit dem hundertsten Affen erreicht, die Stimmung kippte und innerhalb von nur einem einzigen Tag entschieden sich plötzlich alle Affen dafür, nie mehr die schmutzigen Kartoffeln zu wählen, sondern ausnahmslos alle begannen nun ihre Süßkartoffeln vor dem Verzehr zu waschen.

Die Verhaltensänderung eines einzigen Affen hatte also ausgereicht, um einen ideologischen Durchbruch bei allen anderen Affen zu bewirken.

Nach dem Überschreiten dieser kritischen Masse war es nicht mehr aufzuhalten, und nicht nur die Tiere auf dieser Insel änderten ihr Verhalten, nein.

Das Überraschendste für die Wissenschaftler war nämlich, dass dieses Verhalten über das Meer sprang.

So als ob es ein kollektives Bewusstsein gäbe, musste nicht mehr jedes einzelne Tier langwierig und mühsam davon überzeugt werden, eine andere Wahl zu treffen, sondern es begannen sogar die Affenkolonien auf anderen Inseln und auf dem Festland ebenfalls damit, ihre Süßkartoffeln zu waschen.

Es hatte eine Änderung im (Wahl)Verhalten gegeben.

Völlig unerwartet, plötzlich und unaufhaltsam!

Mögen wir heute vielleicht noch eine kleine Gruppe sein, die versucht, das Wahlverhalten der großen Masse zu verändern, und mag sich unser Tun auch noch so zäh und mühsam anfühlen, wir werden dennoch immer mehr.

Die Wahrheit ist unser Verbündeter, und eines Tages werden auch wir die kritische Masse erreichen, so dass sich das Wahlverhalten der Menschen verändert.

Es wird passieren!

Völlig unerwartet, plötzlich, und es wird unaufhaltsam sein.

Das verspreche ich euch.

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*) Michael Weilers ist seit Jahren Kolumnist auf conservo

www.conservo.wordpress.com   29.09.2017

Ein Kommentar

  1. Hallo Herr Weilers,
    Ihr Wort in Gottes Ohr.
    Allerdings habe ich Zweifel, dass das Verhalten der Affen 1:1 auf den Menschen übertragen werden kann, weil der Mensch sich doch sehr vom Affen unterscheidet, auch wenn wir uns manchmal so benehmen, als wenn wir Affen wären.

    Wir sind das einzige vernunftbegabte “Tier”. Genau das unterscheidet uns vom Tierreich. Macht uns zu etwas Besonderem, dem Menschen.

    Herzlich, Paul

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