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Von Michael Dunkel (nostalgisch) *)

Der Nikolaus-Abend.

Auch wenn es völlig aus der Zeit gefallen scheint, ich erinnere mich gerade so an meine Kindheit.

Damals waren wir in unserem damaligen Dorf in einem von Nonnen geführten Kindergarten. Der Nikolaus-Abend, also der heutige Tag, war ein besonderer. Nikolaus hatte sich angesagt und wir Kinder waren mit den “guten Sachen” herausgeputzt und warteten sehnsüchtig mit einer gewissen Angst und Freude gleichzeitig, auf dessen Erscheinen.

Zur Einstimmung sangen wir alle das Lied: “Niklaus komm´ in unser Haus”.

Dann rumpelte es an der Türe und klopfte dreimal. Die Nonnen riefen ein “Herein” und dann stand er da.

Mit rotem Mantel, einer goldenen Mitra auf dem weißen, wallenden Haar und sein Gesicht rahmte einen weißen, lockigen Bart. In der Hand hatte er den gekrümmten Bischofsstab, und er wirkte auf uns erhaben und auch einschüchternd.

Hinter ihm ein schwarz gekleideter und wild aussehender Knecht-Ruprecht, auf dem Rücken einem großen Sack und in der Hand eine riesige Rute.

Nach dem Ritual: “wart ihr auch alle brav?” kam wie aus heiterem Himmel an mich und meinen Nachbarn die Aufforderung, den Bischofsstab zu halten. Ängstlich und gleichzeitig beherzt gingen wir auf den Nikolaus zu, ergriffen den Stab und schauten verlegen zu Boden. Die behandschuhte Hand des Nikolaus strich über unsere Haare, und wir senkten verlegen die Köpfe, während die Mädchen uns mit Bewunderung ansahen. Alle erhielten wir Geschenke und ebenfalls auch Mahnungen, ganz individuell an jeden Einzelnen gerichtet. Wir rätselten, wieso der Nikolaus das alles wissen konnte, aber er war ja schließlich ein besonderer Mann.

Wie glücklich wir damals waren, kann man schon daran ermessen, dass ich diese Begegnung bis heute nicht vergessen habe.

Ich wünsche allen Freunden hier einen schönen, liebevollen Nikolaus-Tag.

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*) Michael Dunkel ist ein rheinischer, polyglotter Liberalkonservativer und seit Jahren Autor bei conservo
www.conservo.wordpress.com   6. Dezember 2017

Von conservo

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