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‎Michael Dunkel‎ *)

Als Herr Schröder und Herr Clement sich der Wirtschaft und der Industrie fast ungebührlich zuneigten, wurden die Weichen gestellt. Unter dem Vorwand, es würden mehr Arbeitsplätze geschaffen, öffnete man weit die Türen für sogenannte Mini-Jobs.

Diese Jobs hatten zur Folge, dass auf einen Schlag ein großer Teil der arbeiteten Bevölkerung, ihren zuvor gesicherten Arbeitsplatz verloren, welcher dann umgehend mit Teilzeitkräften ersetzt wurde.

Besonders im Einzelhandel war diese Wandlung zu spüren. Zeitgleich wurden längere Öffnungszeiten propagiert, die signalisierten, unsere Freiheit würde damit bereichert. Das wurde ja auch begeistert von der Bevölkerung aufgenommen. Keiner machte sich Gedanken darüber, welche Auswirkungen das individuell auf Arbeitsplätze hatte. Die Wirtschaft freute es, sie konnte damit umgehend Vollzeitbeschäftigung in Teilzeit splitten.

Dadurch litt nicht nur die Qualifikation der einzelnen Bereiche, auch die Verdienste gingen den “Bach herunter”. Viele mussten sich deshalb Zweit-Jobs suchen oder sich an das Sozialamt wenden, damit die Grundversorgung gewährleistet werden konnte.

Diese Methode setzte sich auch in den kleinen und mittelständischen Betrieben fort. Neuen Mitarbeitern wurden niedrige Einstiegslöhne angeboten und gleichzeitig erhielten sie befristete Jahresverträge. Wer in solchen Verträgen gefangen ist, weiß, er muss von einem zum anderen Jahr zittern. Das führt in vielen Fällen dazu, dass die Angestellten kuschen und sich unsichtbar machen.

Junge Menschen, welche noch keine Berufserfahrung hatten, nahmen dies als Normalität an. Sie hatten ja schon in der Schule beigebracht bekommen, nicht aufzumucken, nur auf den Notendurchschnitt zu achten und sich wohlgefällig zu verhalten.

Zusätzlich trug das gesamte Schulsystem dazu bei, neue Generationen in die Unmündigkeit zu treiben. Je mehr Spezialisierung, umso weniger Zeit für Allgemeinbildung. Eine sehr effektive Machart, Menschen im Schach zu halten.

Wer nichts weiß, über Geschichte, politische Bildung, soziale Hintergründe, der ist auch nicht in der Lage, Zusammenhänge zu aktuellem Geschehen zu knüpfen.

Stattdessen wurde unsere Gesellschaft geradezu beschossen, mit sinnlosen, Shows, Soaps und anderen Spielen und die Meisten fühlten und fühlen sich wohl dabei.

So kann unsere Politik entscheiden und unsere Wirtschaft agieren, wie es ihnen gefällt. Wenn überhaupt, bleiben aktuelle Geschehnisse im Kopf, die keiner mehr analysieren will – oder kann.

Und so wurde eine teilnahmslose Masse gebildet, welche einerseits nur um das tägliche Überleben kämpft, andererseits nicht mehr mitbekommt, was gerade so läuft.

So wurden und werden wir, still und leise, zu einer Gesellschaft, welche zwar vordergründig agil zu sein scheint, im Alltag allerdings nur noch gesteuert wird. Wir haben Orwell schon vor 20 Jahren überrundet und steuern auf etwas zu, was uns zwangsläufig zu funktionierenden Marionetten werden lässt.

Wir schauen zu und lassen es geschehen.

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*) Michael Dunkel ist ein rheinischer, polyglotter Liberalkonservativer und Literat sowie ständiger Autor bei conservo.
www.conservo.wordpress.com     5.2.18

Von conservo

Conservo-Redaktion