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Von Michael Dunkel *)

Zeichnung: Fridolin Friedeslieb

Ersterscheinung am 15. Februar 2016: Damals habe ich es noch lieb formuliert, heute ist es wohl eine Realität.

Ich habe Achtung vor dem, was Frau Merkel in der Vergangenheit für Deutschland und für Europa geleistet hat. Durch ihre eher unscheinbare, stille Art ist es ihr gelungen, die totale Bankenkrise von Deutschland abzuwenden. Sie hat durch die Abwrack-Prämie die Autoindustrie vor dem Kollaps bewahrt. Sie hat wie eine Löwin für Europa und Griechenland gekämpft.

Sie brachte es fertig, weltweit den Klimawandel einzuleiten und stellte Deutschland mit der Abschaffung von Atomkraft auf den Kopf.

Alle blickten auf Deutschland und mir kam damals schon der Gedanke, vielen warten auf ein Stolpern.

Sie wurde vor den Karren gespannt, als es um die Ukraine-Krise ging und sie hat sich spannen lassen.Europa und die Welt forderten von ihr und ließen sie machen.

Sie ist emotional auf die Flüchtlinge zugegangen und dafür hat Deutschland einen menschlichen Bonus erhalten.

Gleichzeitig war das ihr politischer Untergang.

Durch die Aussetzung der Dublin-Verträge sahen sich viele Staaten in Europa nicht mehr in der Verpflichtung, Deutschland zu folgen. Schon fast mit Schadenfreude wurde auf ihren Alleingang hingewiesen. Sie hatte einfach nicht bedacht, dass durch die Jahrzehnte lange Aufarbeitung der unsäglichen Geschichte der Deutschen, hauptsächlich nur Deutschland auch gelernt hatte.

Die anderen Länder verfolgten ihre Interessen und nur wirtschaftlicher Zusammenhalt ist leider zu wenig, wenn es um moralische Bündnisse geht.

Es kommt mir vor, als wenn wir abgestraft würden, für unsere wirtschaftlichen Erfolge.

Dazu der innenpolitische Riss durch unsere Gesellschaft.

Von den Linken erhielt sie zwar Lob, gleichzeitig jedoch keine Unterstützung, weil sie nicht noch mehr und alle Flüchtlinge ins Land lassen will.

Von den Rechten erhielt sie bösartigste Häme, weil sie angeblich zu viele Flüchtlinge ins Land ließ.

Die unterschiedlichen Parteien sehen ihre Stunde gekommen, um die Merkel-Kraft zu durchbrechen.

Frau Merkel müsste eine Ansage an die Bevölkerung machen, sie müsste darlegen und mit aller Kraft erklären, wie sie innenpolitische Probleme lösen will. Stattdessen duckt sie weg, ist fast unsichtbar.

Dadurch erhalten viele in unterschiedlichen Parteien fast eine Aufforderung, sich ihrer Sache anzunehmen.

Sie konnte erst nach ihrer Aussage, wir schaffen es, feststellen, dass unser bürokratisches System nur auf zwei Rädern lief, weil es vorher noch nie so gefordert war. Erst im Nachhinein wurde sichtbar, unsere Justiz und die Polizei waren nur noch an der Oberfläche handlungsfähig.

Das hat uns wohl alle betroffen gemacht und auch entsetzt.

Hier hätte sich Frau Merkel sichtbar machen müssen.

Sie tat es nicht.

Ich fürchte, wenn sie in Europa keine Einigung erreicht, wird es nicht mehr bis 2017 dauern. Sie hat zu viel zugelassen, ohne zu reagieren.

Das Schlimme daran ist, keiner wird ihren Platz aktuell und kurzfristig ausfüllen können. Fakt ist aber auch, sie wird ihren Kampf verlieren, es sei denn, es passiert ein Wunder.

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*) Michael Dunkel ist ein rheinischer, polyglotter Liberalkonservativer und Literat sowie ständiger Autor bei conservo.
www.conservo.wordpress.com     15.02.2018

Von conservo

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