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Von Adrian F. Lauber *)

  1. März: Behrouz Kamalvandi, der Chef der Atomenergiebehörde des Iran, kündigte im Gespräch mit dem Fernsehsender Al-Alam TV an, dass der Iran binnen weniger als 48 Stunden die Urananreicherung auf 20 Prozent steigern könnte, sollten die USA aus dem 2015 abgeschlossenen Atom-Deal aussteigen.1

Auf 20 Prozent angereichertes Uran übersteigt deutlich den Anreicherungsgrad, der für den Betrieb ziviler Atomkraftwerke nötig ist. (Dafür reichen 5 Prozent.)

Vom Anreicherungsgrad, der bei Atombomben üblicher Weise verwendet wird (80 bis 90 Prozent) ist das gleichwohl noch weit entfernt.

Behrouz Kamalvandi (Press TV)

Kamalvandi erklärte darüber hinaus, dass der 2015 abgeschlossene Deal nicht verhandelbar sei. Damit hat er wohl auch ganz im Sinne der europäischen Iran-Appeaser geredet, die den Deal unbedingt bewahren wollen, obwohl er nicht verlässlich sicherstellen kann, dass der Iran keine Atombomben erlangt, obwohl er dem Terror-Sponsor einen Zustrom von Milliarden von Dollars beschert hat, obwohl es mehr als beunruhigende Anzeichen dafür gibt, dass das Mullah-Regime den Deal bereits unterläuft.2

Ich schrieb bereits darüber, dass der Iran über Tarnfirmen etliche Male versucht hat, sich auch in Deutschland verbotene Technologie zu beschaffen, die für den weiteren Ausbau seines Raketenarsenals, aber durchaus auch für Atomwaffen nutzbar wäre.3Die Tatsache, dass der Iran seit über 30 Jahren mit der stalinistischen Diktatur Nordkorea zusammenarbeitet, stimmt auch nicht ruhiger. Es ist unklar, ob Pjöngjang den Mullahs beim Bau von Atomwaffen Hilfe leistet, aber die Angst davor ist nachvollziehbar. Das Kim-Regime wird keine Skrupel haben, die Verbreitung solcher Technologie zu fördern. Die nordkoreanische Ramsch-Ökonomie hat außer Waffen nichts zu bieten, was irgendein Ausländer kaufen will. Es liegen bereits Berichte darüber vor, dass Nordkorea dem syrischen Assad-Regime beim Bau von Chemie-Waffen Hilfe leistet.4 Warum also nicht noch etwas Geld dazu verdienen, indem man nukleare Technologie verkauft? Einem Regime, dem Menschenleben sowieso nichts bedeuten – wie man am Umgang mit dem eigenen Volk sehen kann -, fällt so etwas nicht allzu schwer.

Nordkorea und der Iran haben in der Vergangenheit schon nukleare Expertise ausgetauscht oder auch beim Bau von Raketentechnologie kooperiert. Die iranischen Raketen vom Typ Shahab-3, die auch Israel erreichen können, basieren auf dem nordkoreanischen Modell Nodong.5

Manche Beobachter fürchten, dass der Iran Technologie, die ihm offiziell nach den Bestimmungen des Atom-Deals verboten ist, in Nordkorea entwickeln lassen könnte.

Kim Yong-nam, Vorsitzender des Präsidiums der Obersten Volksversammlung Nordkoreas, im Jahr 2012 zu Besuch in Teheran bei Irans Oberstem Führer, Ayatollah Ali Khamenei

Da sich Nordkorea gegen die Außenwelt weitestgehend abschottet, ist unser Wissen über sein Tun äußerst lückenhaft. Bekannt ist, dass im Jahr 2013 Mohsen Fakhrizadeh, ein Offizier der Islamischen Revolutionsgarden, die in großem Stil in das iranische Atomprogramm involviert sind, bei einem Atombombentest in Nordkorea dabei war. Im letzten Sommer weilte Kim Yong-nam, der Vorsitzende des Präsidiums der Obersten Volksversammlung Nordkoreas – nach Kim Jong-un die Nummer Zwei im Staate – zehn Tage im Iran zu Besuch.6

Wir können wohl davon ausgehen, dass man in Teheran genau beobachtet hat, wie es dem verbündeten Nordkorea gelungen ist, amerikanische Regierungen von Clinton bis Obama immer wieder an der Hase herum zu führen und sein Raketen- und Atomprogramm stetig auszubauen.7

Vielleicht begreift der Iran Nordkoreas Handeln als Blaupause? Wundern würde es mich nicht. Überhaupt nicht.

Nun höre ich schon die möglichen Einwände: was ist das für eine Doppelmoral?! Die USA, Israel und andere haben doch auch Atomwaffen! Selbst wenn der Iran sich welche zulegt, was wäre denn daran so schlimm?!

Nun ja: die USA und Israel bedrohen aber kein Land auf der Welt mit seiner Vernichtung.

Der Iran tut das. Er will den jüdischen Staat Israel auslöschen, woraus die Führung in Teheran nicht den geringsten Hehl macht. Im Gegenteil: vom Obersten Führer Khamenei angefangen sagen die Mullahs immer wieder, wonach ihnen der Sinn steht. Im April soll, wie vor kurzem gemeldet, in Teheran das große „Sanduhren-Festival“ stattfinden, auf dem das iranische Regime wieder einmal antisemitische Kunstwerke ausstellen lassen und den – seiner Meinung nach – nahenden Untergang Israels zelebrieren wird. Bis zum Jahr 2040 soll der jüdische Staat nicht mehr existieren.8

Das Logo des anstehenden Sanduhren-Festivals in Teheran (Fundstelle: The Tower)

Der frühere iranische Präsident Ayatollah Ali Akbar Haschemi Rafsandschani, einer der bedeutendsten Repräsentanten des Regimes, hat vor bald siebzehn Jahren schon mit dem Gedanken gespielt, dass Israel durch den Einsatz von Atombomben ausgelöscht werden könnte. Der islamischen Welt würde ein solcher Vernichtungsschlag zwar schaden, aber immerhin wäre von Israel nichts mehr übrig. Es sei nicht irrational, eine solche Eventualität zu erwägen.9

Es gibt keinen Beweis dafür, dass das Mullah-Regime plant, Atombomben auf Israel abzuwerfen.

In den Ausführungen des Obersten Führers Khamenei, die die Fortsetzung des Kampfes gegen Israel betreffen, findet sich nichts dergleichen.10

Aber selbst wenn der Iran nicht vorhaben sollte, israelische Städte zu atomisieren, wäre das kein Anlass zur Entwarnung.

Erstens könnte das Mullah-Regime Atombomben auch als ultimative Abschreckung anstreben, damit sich niemand mehr getraut, sich seinem Kriegszug durch den Orient entgegen zu stellen. Das Regime hat sich von Anfang an als Speerspitze einer transnationalen islamischen Erweckungsbewegung verstanden und versucht heute, den Export seiner Islamischen Revolution wahr zu machen und mit Hilfe der von ihm finanzierten Dschihadisten die Vorherrschaft in der Region zu übernehmen.

Irans Oberster Führer Ayatollah Ali Khamenei mit Offizieren der Islamischen Revolutionsgarden, die in großem Stil am iranischen Griff nach regionaler Vorherrschaft beteiligt sind; die Quds-Einheit der Revolutionsgarden ist zuständig für Auslandsoperationen und die Unterstützung Iran-treuer Dschihadisten

Atombomben könnten als letzte Drohung in der Hinterhand genutzt werden, wenn es jemand wagt, dem iranischen Großmachtstreben entgegen zu treten.

Was in diesem Zusammenhang besonders beunruhigend ist, dass Teile des iranischen Establishments von völlig irrationalen Vorstellungen angetrieben sind. Eigentlich hat der Iran zwei Gesichter. Einerseits ist er durchaus imstande, sich völlig rational – nach den Grundsätzen der Staatsräson – zu verhalten und selbst mit Staaten Abmachungen zu schließen, denen er eigentlich feindlich gesinnt ist. (Siehe den Atom-Deal) Andererseits folgt dieses Regime einer totalitären, messianischen Endzeit- und Erlösungsideologie.

Es wartet auf die Wiederkehr des verborgenen zwölften Imams, des Mahdi, der in der Endzeit erscheinen und die Herrschaft des Islam weltweit durchsetzen soll. (Der Mahdi ist laut iranischer Verfassung sogar das eigentliche Staatsoberhaupt der Islamischen Republik und der Oberste Führer Khamenei ist gewissermaßen nur ein Statthalter, der den Posten innehat, bis der zwölfte Imam zurückkommt.)

Der ehemalige Präsident Mahmud Ahmadinedschad meinte es mit dem Glauben daran offenbar völlig ernst. Sein Nachfolger Hassan Rohani ist diesbezüglich moderater. Er machte sich darüber lustig, dass Ahmadinedschad und seine Minister beim Gebet einen zusätzlichen Teppich auszurollen pflegten – für den Fall, dass ausgerechnet in dieses Gebet der lang erwartete Mahdi reinplatzen könnte.11

Aber Hassan Rohani ist ohnehin nicht der Mann, der das letzte Wort hat. Das ist immer noch Ayatollah Khamenei, der – als der so genannte Arabische Frühling begann – über ein „islamisches Erwachen“ frohlockte.12 Nicht zu vergessen sind der Wächterrat und die Islamischen Revolutionsgarden.

Ist es möglich, dass Angehörige dieses Regimes, die apokalyptischen Vorstellungen nachhängen, sogar bereit wären, Atombomben tatsächlich einzusetzen? Nach dem Motto: wenn in der Endzeit unser Mahdi zurückkommt, was kümmert es uns, wenn dafür solche Opfer gebracht werden müssen?

Ich weiß es nicht.

Ich weiß nur: auf keinen Fall möchte ich Atombomben in den Händen eines solchen Staates sehen. In den Händen eines Regimes, bei dem man sich nicht auf ein einigermaßen rationales Verhalten verlassen kann!

Noch etwas kommt hinzu:

Iran befindet sich in einem Machtkampf mit seinem Erzrivalen Saudi-Arabien.

Ich habe bereits darüber geschrieben, dass die atomare Bewaffnung des einen Players ein nukleares Wettrüsten in Gang setzen könnte.

Nun ist diese Befürchtung bestätigt worden. Saudi-Arabiens zukünftiger König, der ehrgeizige Kronprinz Mohammad bin Salman („MBS“), sagte vor zwei Tagen der amerikanischen Reporterin Norah O’Donnell (CBS), dass Saudi-Arabien „so bald wie möglich“ ebenfalls Atombomben bauen würde, sollte der Iran dies tun.13

Prinz Mohammad, der sich bereits sehr erfolgreich – mit Rückendeckung seines Vaters König Salman – eine eigene Hausmacht aufgebaut hat, gilt in Bezug auf den Iran als Hardliner. Er will, dass dem Großmachtstreben der Mullahs Einhalt geboten wird, das auch sein Reich bedroht. Iran versucht bereits, sich auf der arabischen Halbinsel festzusetzen, indem es die schiitischen Houthis im Jemen unterstützt, Bande zum Terror-Sponsor Katar knüpft und weitere schiitische Minderheiten, etwa in Bahrain, in seinem Sinne zu beeinflussen versucht. Mohammad bin Salman vergleicht Irans Obersten Führer Khamenei mit Adolf Hitler und dessen damaligem Großmachtstreben in Europa. Er wolle nicht, dass dem Iran im Orient etwas Ähnliches gelingt wie seinerzeit dem Hitler-Reich im Okzident.

Der Prinz gab zu verstehen, dass Saudi-Arabien von sich aus keine Atombomben anstrebe. Aber wenn der Iran welche erlange, werde es sich ebenfalls nuklear rüsten.

Sollten sich Iran und Saudi-Arabien eines nicht fernen Tages ein atomares Wettrüsten liefern, würde die Lage im Nahen Osten vermutlich noch gefährlicher und instabiler als ohnehin schon.

Man sieht: diejenigen, die behaupten, eine Atombombe in iranischer Hand wäre doch zum Ausgleich für amerikanische oder israelische Bomben nur fair oder sie wäre harmlos, weil man doch gar nicht wissen könne, ob der Iran sie wirklich zündet, denken viel zu kurz! Die Möglichkeit, dass das iranische Regime sich atomar bewaffnet, muss man im Gesamtzusammenhang mit der Bedrohung sehen, die von den Mullahs ausgeht.

Quellen:

  1. Business Insider, 5.3.2018: „If Trump pulls the US out of the Iran deal, Iran says it can start enriching uranium in 2 days“ by Parisa Hafezi, Reuters http://www.businessinsider.com/if-trump-pulls-out-of-the-iran-deal-iran-can-enrich-uranium-in-2-days-2018-3?IR=T
  2. Siehe meinen Artikel „Die Mullahs und die Bombe“
  3. Fox News, 9.10.2017: „Iran attempted to buy nuclear technology illegally 32 times, German agency says“ by Benjamin Weinthal http://www.foxnews.com/world/2017/10/09/iran-attempted-to-buy-nuclear-technology-illegally-32-times-german-agency-says.html
  4. MENA Watch, 7.3.2018: „Nordkorea hilft Syrien bei der Produktion von Chemiewaffen“ https://www.mena-watch.com/nordkorea-hilft-syrien-bei-der-produktion-von-chemiewaffen/
  5. Foundation for Defense of Democracies, 14.3.2018: „The Pyongyang-Tehran Axis“ by Mark Dubowitz, Richard Goldberg http://www.defenddemocracy.org/media-hit/dubowitz-mark-the-pyongyang-tehran-axis/
  6. CNBC, 4.8.2017: „North Korea’s ‘No. 2’ official strengthens ties with Iran as UN hits Pyongyang with new sanctions“ by Jeff Daniels https://www.cnbc.com/2017/08/04/north-korea-officials-visit-to-iran-could-signal-wider-military-ties.html
  7. Steven Crowder: „TRUMP’S FAULT?? The Truth About North Korea | Louder With Crowder“ (Veröffentlicht: 9.8.2017) https://www.youtube.com/watch?v=rqniBLBC2WY
  8. The Tower, 1.3.2018: „Iran to Host “Hourglass Festival” in Anticipation of Israel’s Destruction within 25 Years“ http://www.thetower.org/iran-to-host-hourglass-festival-in-anticipation-of-israels-destruction-within-25-years/
  9. GlobalSecurity.org: Qods Day Speech (Jerusalem Day) by Chairman of Expediency Council Akbar Hashemi-Rafsanjani, December 14, 2001, Friday (Voice of the Islamic Republic of Iran, Tehran, in Persian 1130 GMT 14 Dec 01, Translated by BBC Worldwide Monitoring) https://www.globalsecurity.org/wmd/library/news/iran/2001/011214-text.html
  10. New York Post, 1.8.2015: „Iran publishes book on how to outwit US and destroy Israel“ by Amir Taheri https://nypost.com/2015/08/01/iran-publishes-book-on-how-to-outwit-us-and-destroy-israel/
  11. Matthias Küntzel, 17.6.2013: „Hassan Rohani – ein Mann mit guten Beziehungen nach Berlin“ http://www.matthiaskuentzel.de/contents/hassan-rohani-ein-mann-mit-guten-beziehungen-nach-berlin
  12. Radio Free Europe / Radio Liberty, 4.2.2011: „Khamenei: Arab Revolts Sign Of ‘Islamic Awakening’“ https://www.rferl.org/a/iran_khamenei_islamic_awakening/2297319.html
  13. The Tower, 16.3.2018: „Saudi Crown Prince: If Iran Obtains a Nuclear Weapon, We Will Too “As Soon As Possible”“ http://www.thetower.org/6058-saudi-crown-prince-if-iran-obtains-a-nuclear-weapon-we-will-too-as-soon-as-possible/

Siehe auch: CBS This Morning: „Saudi crown prince warns of nuclear arms race with “Hitler” of Middle East“ (Veröffentlicht: 15.3.2018) https://www.youtube.com/watch?v=bE_ZbK1YIBU

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*) Der bekannte Blogger Adrian F. Lauber ist seit November 2017 regelmäßig Autor auf conservo.
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