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Von Peter Helmes

Wo bleibt die Konsequenz des Bundestrainers?

Es gibt nur wenige Möglichkeiten, ein Mitglied der deutschen Fußball-Nationalmannschaft bei freier Rede zu erleben. Sie sind nämlich – oder fühlen sich so – in die Disziplin des Kaders eingebunden, bei der niemand „aus der Rolle fallen“ sollte.

Eine solche „offizielle“ Möglichkeit ist der traditionelle Medientag der deutschen Nationalmannschaft, an dem sich normalerweise alle Spieler uneingeschränkt den Fragen der Journalisten stellen – unter einer besonderen Bedingung: Eine nachträgliche Autorisierung gibt es nicht. Es gilt das gesprochene Wort.

Dies ist also eine der wenigen Chancen auf Klartext und auf Einblick in die persönliche Befindlichkeit – ohne Sprachrohr und ohne Anweisung des Trainers. So weit, so gut.

Nicht aber für Mesut Özil. Der spielte heuer nämlich„beleidigte Leberwurst“ und nahm als einziger Spieler nicht am Medientreff teil. Er wollte ganz offensichtlich nicht mit Fragen zu seinem Kotau vor dem türkischen Präsidenten Erdogan bzw. mit dem Photo davon konfrontiert werden.

Das ist feige – und ohne Beispiel.

Mir ist es eigentlich egal, ob ein gewisser Özil uns etwas sagen will oder nicht. Von mir aus braucht er nicht dabeizusein – und hätte von mir aus gleich zuhause bleiben können. Aber Stil hat sein Verhalten nicht.

Klar, Özil ist beleidigt, weil ihm derzeit niemand zujubelt, weil er im Spiel gegen Österreich ausgepfiffen wurde und weil er damit rechnen muß, daß er in Zukunft nicht (mehr) zu den beliebten Fußballern gehören wird. Recht so! Denn:

Dieser ignorante Millionär hat mit dem Besuch bei Sultan Erdogan ein politisches Zeichen gesetzt dadurch, daß er sich mitten im türkischen Wahlkampf mit einem Politiker präsentiert, der die Meinungsfreiheit in seinem Land erheblich einschränkt sowie politische Gegner und kritische Journalisten verhaften und wegsperren läßt. Genauer: Mesut Özil, ein Mann mit türkischen Wurzeln, trifft sich ohne Gewissensbisse und offenbar ohne Skrupel mit jenem Herrscher, der die Türkei immer stärker in eine islamische Diktatur verwandelt.

Erzähle mir niemand, Özil hätte die Folgen seiner (kalkulierten?) Tat nicht abschätzen können! Natürlich konnte er das. Wer beim Fußballspiel über die Gabe verfügt, zu kombinieren und blitzschnell zu reagieren, gibt diese Kunst außerhalb des Rasens nicht an der Garderobe ab.

Nein, sagen wir es deutlich: Özils Vorgehen ist ein Skandal!

Er hätte spätestens den Medientag dazu nutzen können, sein Verhalten zu erklären – wie das sein Kollege Gündogan getan hat. Özil macht jetzt auf Totalverweigerung – was ihn sicher nicht nur bei mir öffentlich diskreditiert.

Er gibt keine Interviews mehr und ließ über den Deutschen Fußball-Bund ließ ausrichten, er habe nach seiner Wahrnehmung alles zu diesem Thema gesagt. Das ist äußerst mager – oder besser: Das ist nichts. Er schweigt – so wie er auch beim Abspielen der deutschen Nationalhymne stets schweigt. Oh wäre er doch zuhause geblieben! Ich hätte ihn nicht vermißt!

Bleibt nur noch die Frage, wieso die ach so beliebte Bundesträne Joachim Löw ihn überhaupt mitgenommen – oder ihn nicht spätestens jetzt nachhause zurückgeschickt hat. Diese Antwort sollte uns J. Löw nicht schuldig bleiben.

www.conservo.wordpress.com     6.6.2018

Von conservo

Conservo-Redaktion