(www.conservo.wordpress.com)

Von Maria Schneider *)

Ich reise durch ein fremdes Land

In Wiesbaden geh’ ich an den Taxistand.

Dort steh‘n ein alter und ein junger, brauner Mann.

Der Junge hat zerfetzte Hosen an.

Ich will fliehen, doch der alte Türke schaut mich freundlich an:

„Was ist Ihr Ziel?“

Ich gebe die Adresse an.

*

Ich fahre durch ein fremdes Land

Und komme bei der Firma an.

Innerdeutscher Grenzübergang.

*

Zurück in meinem alten Heimatland,

Die Ausweis-Elektronikkarte in der Hand

Tret‘ ich meinen Auftrag an.

*

Danach zurück in’s Feindesland.

Im Bahnhof Frankfurt kommt die Warnung:

„Diebesbanden schaffen an.“

*

Ich reise durch ein fremdes Land

In Höchst schau’ ich mir Klimaschützer anDrei Affen

Gesichter hinter Affenmasken

Nichts hören, sehen und nichts sagen

Prangern Klimaleugner an

Mir wird bei ihrem Anblick Angst und Bang.

*

Ich rase durch ein fremdes Land

Mein Zug kommt in Hannover an.

Der Schaffner spricht von Religion

Ich fühle Unbehagen bei dem Ton.

*

Ich treibe durch ein fremdes Land

Im Bahnhof schau’n mich Afrikaner an.

Die Flucht nach vorn führt mich hinaus

Vier Polizisten führen ihre Waffen aus.

*

Es regnet und ich geh’ hinein,

Wo starke Männer patrouillieren.

Gelbe Westen, schwarze Hosen

Alle sollen hier parieren.

*

Ich renne durch das fremde Land

Zum innerdeutschen Grenzübergang.

Die Ausweis-BahnCard in der Hand

Die Lounge ist warm, mein altes Heimatland.

*

Ich trinke Tee und bin entspannt

Doch plötzlich schließt mein altes Land

Das Tor schließt eine blonde Frau,

Bewacht von Muskelmänner – ganz in Blau.

*

Ich laufe durch den Bahnhofsraum

Auf den Sitzen schwarze Frau’n.

*

Ich laufe durch den Bahnhofsraum

Junge Männer – Dutzende – mal schwarz, mal braun.

*

Ich laufe durch den Bahnhofsraum

Arabisch, türkisch, persisch – alles – nur kaum deutsche Frau’n.

*

Ich fliehe in den nächsten Zug

Er steht bereit, ich habe bald genug.

*

Ich brause durch mein fremdes Land

Und komme in der Stadt der Wölfe an.

Auf dem Vorplatz ein Afghane

Irre lichternd schreit er fremde Menschen an.

*

Ich reise durch ein fremdes Land.

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*) Maria Schneider ist freie Autorin und Essayistin. Sie reist viel durch Deutschland und die Welt. In ihren Essays beschreibt sie die deutsche Gesellschaft, die sich seit der Grenzöffnung 2015 in atemberaubendem Tempo verändert. Darüber hinaus verfaßt sie Reiseberichte.
Kontakt: Maria_Schneider@mailbox.org
www.conservo.wordpress.com     26.09.2019

Von conservo

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