Umdenken über Abtreibung…?

(www.conservo.wordpress.com)

Von Theresa Geissler *)

“Tagebuch einer Liebhaberin…”

Man hat Laura die richtige Entscheidung machen lassen!

Selbstverständlich fragt Ihr Alle jetzt zuerst einmal: “Wer ist denn Laura?”

Worauf ich denn wieder gestehen muss: Laura ist eine fiktive Person. Sie ist die Hauptdarstellerin der ‘Ich-Figur’ – in einer jetzt schon mehr als drei Jahr laufenden Geschichte im VROUW.nl, dem wochentlichen digitalen Frauenmagazin vom Tagesblatt DE TELEGRAAF. Titel der Geschichte (oder sollte ich lieber ‘Soap’ oder ‘Chicklit’ **) sagen?): “Tagebuch einer Liebhaberin” (aufs holländisch: “Dagboek van een minnares”)

Man darf sich durchaus vorstellen, dass VROUW.nl über ihre eigenen Schriftsteller verfügt, die nur bezahlt werden, um für jede nächste Woche die neueste Verwicklungen auszudenken, damit die Geschichte niemals zu einem Ende kommt.

Die inzwischen 33-jährige Laura (ihr Liebhaber, verheiratet und Vater, ist ein reiner Egoïst, aber faktisch ist sie nicht viel besser als er) erlebt in ihrem “Verhältnis” ein Abenteuer nach dem anderen, hat inzwischen etlichen Male mit ihm gebrochen, aber kommt sozusagen sofort wieder zurück, sobald er pfeifft (logisch, sonst wäre die Geschichte aus.) Es ist klar, dass die Entwicklungen andauernd abgestimmt werden auf dasjenige, in welchem die ‘modernen Leserinnen’ sich selbst am besten ‘finden’ können; mit Dingen, die sie möglicherweise selbst machen würden. Hauptsache ist schliesslich, sie bleiben beim Lesen.Auch ich selbst fing mal an zu lesen, als Laura, vor etwa zwei Jahren, dachte, sie wäre schwanger. Der Liebhaber, völlig durcheinander, forderte – natürlich – eine Abtreibung, wogegen sie sich doch, überraschend, einen Moment widersetzte mit der völlig aktuellen Bemerkung: “Mann, du hörst Dich an wie Alexander Pechtold!…usw.” Diese Verweisung nach dem damaligen D66-Politiker Pechtold gefiel mir, weshalb ich diese ‘Chicklit’-Literatur **) – denn mehr ist es wirklich nicht – weitergelesen habe.

Okay, die Schwangerschaft zeigte sich bald darauf als falscher Alarm, damit das Problem auch wieder gelöst war. Aber kurz und gut: Jetzt, zahllose Verwicklungen später, ist sie erneut schwanger, und nun ist es ernst. Liebhaber erneut durcheinander, fordert gleich wieder Abtreibung, und nicht nur er: eine ‘beste Freundin’ und eine ältere Schwester raten es ihr ebenso zwingend.

“Nachtigall, ik hör’ dir trapfen”, dachte ich, als ich das alles las:

Liebhaber “besorgt” mit zur Abtreibungsklinik (in letzter Minute). Es ging um jetzt oder nie, denn Laura hat ihre Schwangerschaft erst spät entdeckt. Eine ärztliche Assistentin fragte, ob die Abtreibung wirklich ihre eigene Wahl ist, und….

Auf diesem Punkt erwartete ich schon wieder in allem Ernst, dass die nächste Folge etwa so anfangen würde: “Es ist jetzt eine Woche später seit der Abtreibung. Ich fühle mich ab und zu noch ein wenig depressiv, aber am Ende was es wahrscheinlich doch die beste Lösung….” oder so etwas Ähnliches.

Aber nein: So lautete der Anfang der bisher letzten Folge: “Es ist jetzt zwölf Tagen her, seit ich die Klinik wieder verlassen habe, mit dem Baby noch in meinem Bauch. Als die Assistentin fragte, ob es wirklich meine eigene Wahl war, brach ich zusammen, fing zum Weinen an und sagte nein. Die Krankenschwester hat dann Mark herbei geholt, und ich sagte ihm, ich werde das Kind behalten….”

Ganz gut! Das ist eben die richtige, wenn auch unerwartete, Wende!

Und wenn man sich dessen bewusst ist, dass die Mitarbeiter(innen) an dieser ‘Chicklit’ höchstwahrscheinlich alle Freiheit haben, um die Erzählung laufen zu lassen, wie sie sich wünschen, nur mit der Bedingung, dass sie sich immer wieder ernsthaft fragen, was ihre Leserinnen am liebsten hören/lesen…..

Wäre dies denn vielleicht ein Zeichen, dass man auf der Seite von VROUW.nl eine Wende verspürt im gesellschaftlichen Denken über Abtreibung (die übrigens nicht immer unbedingt einen rein religiösen Grund haben muss), auf das man eingeht? Wäre es sogar möglich, dass endlich mal durchdringt, Abtreibung sei so eine ernste Frage, wogegen auch und VOR ALLEM die moderne, unabhängige, mündige Frau aus eigener freier Willen ‘nein’ sagen kann? Dass es jedenfalls vor allen Dingen etwas ist, was man NIEMALS machen soll, weil ANDERE es wollen?

Ein kleines Zeichen ist es halt – aber ich betrachte es als hoffnungsvoll!

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** (Erläuterung: “Chick lit”
Unter Chick-Lit versteht man belletristische Literatur, die sich an Frauen und Mädchen wendet. Die pejorative Bezeichnung stammt aus dem Amerikanischen und setzt sich aus den beiden Wörtern chick und lit zusammen, wobei chick ein umgangssprachlicher und abwertender Begriff für eine junge Frau und lit die Abkürzung für literature, also Literatur ist. (Wiki)
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*) Die Holländerin Theresa Geissler betreibt in ihrem Heimatland einen eigenen Blog – www.theresasvisie.com – für den sie u.a. seit langem interessante conservo-Artikel übersetzt, und sie kommentiert fast alle conservo-Artikel hier auf meinem Blog.
www.conservo.wordpress.com   21.11.2019

2 Kommentare

  1. Hätten die Eltern seinerzeit VERHÜTET, gebe es weder’s Weibchen “Laura” noch ihr Liebhaber u. auch kein Problem der beiden;-)
    (auch nicht die Schreiberlinge dieses Weibermagazins)

    1. Entschuldigung, ich habe die Bemerkung zwei-oder dreimal erneut gelesen, aber ich muss gestehen, was Sie damit ausdrücken wollen entgeht mir völlig.
      Laura und Liebhaber sind erfundenen Personen. Am Ende geht es tatsächlich um den “Schreiberlingen dieses Weibermagazins”, und um dasjenige, was sie bei ihren Leserinnen überbringen wollen, bzw. was sie als akzeptierbar betrachten um überzubringen.
      Geräumer Zeit, z. B., galt es als akzeptierbar um weibliche Leserinnen von solcher Lektur Abtreibung zu verkaufen als DER einzig denkbarer Lösung für die moderne Frau. Als ein ‘Must’, auch wenn manche es gefühlsmässig nicht wollten: Denn ‘man bekäme dafür soviel zurück..’ Über dem emotionellen Band, die viele Frauen oft schon met dem Ungeborenen haben wurde kaum gesprochen, zur Zufriedenheit vieler Männer, vermute ich, die solche Gefühle oft gar nicht, oder viel weniger haben, und die es bloss ‘Komfortabel’ finden, dass den Frauen ein solcher einseitiger ‘Wahrheit’ eingeredet wird, damit sie sie leichter “überzeugen” können, wenn ein Kind IHNEN – den Männern also – nicht passt.
      Deshalb sei es nur gut, wenn die Aufmerksamkeit tatsächlich mehr darauf gerichtet wird, dass es noch immer der Körper der FRAU betrifft und dass SIE sich entscheiden muss, und sonst NIEMAND, kein Mann, keine Freundin, keine Schwester usw. Nur SIE Selbst. Und dass sie es vor Allem NIE abtreiben lassen soll, wenn es für sie selbst NICHT gut fühlt. Darüber ist schon viel zu lange geschwiegen und man kann nur froh sein, wenn sich das tatsächlich ändert. – Wenn es auch sein würde durch eine Mentalitätsänderung bei der
      ‘Chicklit’: Denn auch DAS wäre ein Anfang!

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