Jeder Papst braucht einen klaren Kompass, auch in seiner Sprache

(www.conservo.wordpress.com)

Von Prof. Dr. Werner Münch *)

Während weltweit, auch in Europa, besonders in Frankreich, der Kampf des Islamismus gegen die katholische Kirche und ihre Gläubigen immer intensiver und grausamer wird, schweigen in Deutschland die verantwortlichen Hirten oder breiten sich in Nebensächlichkeiten aus. In dieser für alle Menschen schwierigen Zeit, in der Frankreich die überzeugte Solidarität Deutschlands und anderer europäischer Nationen dringend braucht, diskutieren Bischöfe der DBK und zahlreiche Laienvertreter aus katholischen Verbänden tagelang darüber, dass der schwarze König Melchior ein Beweis für Rassismus sei und deshalb aus den Weihnachtskrippen zu verschwinden habe und auch in den Gruppen der Sternsinger nicht mehr zeitgerecht sei.

Das ist weder rassistisch noch „klischeehaft und diskriminierend“, sondern einfach lächerlich und dumm und macht nur dann einen Sinn, wenn man leugnen will, dass es in der biblischen Geschichte die Könige der Welt für angebracht hielten, dem in Bethlehem neugeborenen Messias zu huldigen, was sie dann auch würdig taten. Wer dies als rassistisch bezeichnet, sollte darüber nachdenken, ob eine Weiterführung seines Amtes vielleicht nur noch eine Zumutung bedeutet.

Und wenn in einer Presseerklärung von Bischof Bätzing zum Attentat eines Islamisten in Nizza mit 3 Toten für diesen Mord das Wort Islamismus nicht auftaucht, dann ist das für Christen erschütternd.

Aus dem Vatikan gab es in der letzten Zeit einige Hoffnungen, dass wenigstens in Rom die Verantwortlichen im Vatikan noch Kurs hielten. Sowohl die Stellungnahme des Papstes in seinem Brief „An das pilgernde Volk Gottes in Deutschland“ als auch die Positionen der zuständigen Kongregationen zur Frage der Leitung einer katholischen Pfarrei durch einen Priester und die Antwort auf das Papier des Ökumenischen Arbeitskreises unter Leitung des DBK – Vorsitzenden Bischof Bätzing zum „gemeinsamen Abendmahl von katholischen und evangelischen Christen“ ließ aufhorchen und erhielt viel Zustimmung. Aber in der letzten Zeit gab es wieder einmal zahlreiche Fragen von katholischen Gläubigen, deren Grund unpräzise Aussagen von Papst Franziskus waren, die im Laufe seines Pontifikates häufig vorkamen. Der Pastoraltheologe Hubert Windisch hat sie vor einigen Tagen in kath.net ausführlich aufgezählt und sie unter der Überschrift „Päpstliche Endzeit“ wie folgt zusammengefasst: „Die Geduld gläubiger Katholiken und auch von Christen anderer Konfessionen mit dem jetzigen Pontifikat scheint sich weltweit zu erschöpfen.“

Da auch Schweigen „soziales Handeln“ ist, fragt man sich schon, warum der Vatikan eine 10-Euro-Pachamama-Sondermünze, die die „Mutter Erde“ zeigt, druckt, ohne dafür einen plausiblen Grund zu nennen. Man könnte viele Märtyrer nennen, die heiliggesprochen worden sind, aber deren Bild noch nie auf eine Münze des Vatikans geprägt wurde.

Warum empfängt der Papst den US-Außenminister Mike Pompeo oder den früheren Bischof aus Hongkong, Kardinal Zen, nicht, der nach Rom gereist war, um mit dem Papst über die Verlängerung der Vereinbarung zwischen dem Vatikan und China zu sprechen.

Stattdessen gewährt er dem Ministerpräsidenten von Nordrhein-Westfalen, Armin Laschet, eine Audienz und – was noch viel unverständlicher ist – auch dem früheren deutschen Bundespräsidenten Christian Wulff. Letzterer war formell als Vorsitzender der Stiftung „Integration“ angesagt, kokettierte aber sofort nach Ende der Audienz mit seiner Erklärung, dass sein Motiv für diesen Besuch gewesen sei, „als Katholik dem Papst ein Stimmungsbild aus der katholischen Kirche in Deutschland zu geben, und er auch für den Synodalen Weg werben wollte.“

Vor wenigen Tagen ergänzte er in der „Zeit“-Beilage „Christ und Welt“, dass der Papst und er „viel über die Rolle der Frauen gesprochen hätten“ und er, Wulff, es „begrüßen würde, wenn es einmal eine Päpstin gebe“. Er wollte auch „Frauen auf der Kanzel sehen.“ Außerdem habe er den Papst gebeten, „dem Synodalen Weg zu vertrauen und nicht auf jene zu hören, die Misstrauen säen.“ Und eine Person, die von solcher Überheblichkeit und Arroganz geleitet ist, gibt sich dann noch als „bekennender Katholik“ aus, ohne Kenntnis oder Akzeptanz der Heiligen Schrift. Wäre der Papst nicht gut beraten, auf solche Gesprächspartner in seinen Audienzen zu verzichten?

Und schließlich sind die immer noch diskutierten Aussagen des Papstes zur Homosexualität erwähnenswert. Ich weiß, dass sie weder lehramtlich waren noch kirchenrechtliche Veränderungen angestoßen haben. Aber er hat eine staatliche Absicherung für Homosexuelle in Formulierungen gebraucht, die missverständlich waren, und das bei diesem Thema nicht zum ersten Mal. Es ist doch bemerkenswert, wenn z. B. Kardinal Burke feststellt, dass seine Aussagen bei vielen Gläubigen „Fassungslosigkeit und Verwirrung“ ausgelöst hätten, und es ist natürlich nicht verwunderlich, wenn sich der Jesuiten-Pater James Martin „begeistert“ zeigte und sein Mitbruder Ansgar Wucherpfennig die „sofortige Änderung des Katechismus“ forderte. Wenn man einen solchen Stein ins Wasser wirft, sollte man sich nicht wundern, wenn er kleine und große Kreise zieht. Und warum gab es keine „Richtigstellungen“ z. B. von Radio Vatikan“?

Ich weiß, was das Amt des Papstes bedeutet und bejahe es als Institution uneingeschränkt. Das bedeutet aber nicht, dass man zu allen Äußerungen und Entscheidungen schweigen muss. Vor allem stimme ich der Feststellung von Ludwig Kardinal Müller zu: „Päpste und Bischöfe müssen es in der Medienwelt von heute lernen, sich klar und eindeutig auszudrücken.“ Und das gilt auch für Fragen auf Antworten von Journalisten auf Flugreisen!

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*) Professor Dr. Werner Münch, Zeitoffizier in der Panzertruppe der Bundeswehr, Studium der Politikwissenschaften, Geschichte und Soziologie, Rektor und Präsident aller kirchlichen Hochschulen in Deutschland, Mitglied im Europäischen Parlament, Minister der Finanzen und Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt a.D., Publizist
www.conservo.wordpress.com    8.11.2020
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