Stummeldeutsch, 2. Lektion

(www.conservo.wordpress.com)

Von Dr. Helmut Roewer

Nachdem wir uns kürzlich mit einer Einführung ins Stummeldeutsche und den ersten Beispielen, wie Impfe, Tanke, Schalte und Umkleide, befasst haben, folgt nunmehr eine zweite Lektion für Fortgeschrittene.

Transe, die: Bezeichnung einer Person, die weder Männlein noch Weiblein ist oder sein will. Das Wort ist politisch unkorrekt, denn der Sprecher bringt unzweifelhaft zum Ausdruck, dass ihm der ganze Gender-Plunder mit seinem gestelzten Gequatsche am Arsch vorbeigeht (pardon).

Klatsche, die: ursprünglich Ruhrgebietsdeutsch mit zweierlei Anwendungsbereichen:

  • auf dem Fußballplatz für Niederlage, nämlich „Schalke hattne Klatsche (kassiert)“;
  • Abfälliges über den Geisteszustand eines anderen, „der hat einen anner Klatsche“.

Klapse, die: sprachliche Verkürzung von Klapsmühle. Heutzutage als Ausdruck für einen Ort verwendet, an dem sich Leute unter Umständen unfreiwillig versammeln, nachdem die inklusive Erziehungsarbeit Früchte getragen hat.

Schreckse, die: Verstümmelung der außer Gebrauch geratenen guten alten Schreckschraube. Ich plädiere für die Wiederbelebung. Die S. ist eindeutig weiblich, und warum mir gerade die SPD-Vorsitzende, deren Namen ich mir nicht merken kann, durch den Kopf geht, kann ich auch nicht sagen.

Kurzer Hinweis für Systematiker und Grübler: In der ersten Lektion handelte es sich um Wörter, die von Mainstream für gegenwartstauglich befunden worden sind, sozusagen vom Völkerrecht her zugelassene Idiotie. Dies darf nicht zum Fehlschluss führen, dass Stummeldeutsch ohne weiteres erlaubt wäre. Hierüber gibt, wie der Leser hoffentlich gemerkt hat, die zweite Lektion Auskunft. Dass sich der Volksmund hier über Sprechgebote hinwegsetzt, sollte die Fakten-Tschekisten in ihrem subventionierten Bemühen auf den Plan rufen, den NS-Untergrund freizulegen.

Denn merke, es gilt keineswegs der Satz: Alle Sprache geht vom Volke aus. Und die Sache mit der Macht, die angeblich auch vom Volke ausgeht, das kriegen wir später mal – vielleicht bei der nächsten Lektion.

©Helmut Roewer, Juni 2021, Zeichnung Bernd Zeller, Jena

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*) Dr. Helmut Roewer wurde nach dem Abitur Panzeroffizier, zuletzt Oberleutnant. Sodann Studium der Rechtswissenschaften, Volkswirtschaft und Geschichte. Nach dem zweiten juristischen Staatsexamen Rechtsanwalt und Promotion zum Dr.iur. über ein rechtsgeschichtliches Thema. Später Beamter im Sicherheitsbereich des Bundesinnenministeriums in Bonn und Berlin, zuletzt Ministerialrat. Frühjahr 1994 bis Herbst 2000 Präsident einer Verfassungsschutzbehörde. Nach der Versetzung in den einstweiligen Ruhestand freiberuflicher Schriftsteller und Autor bei conservo. Er lebt und arbeitet in Weimar und Italien.

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7 Kommentare

  1. Irgendwann werden wir wieder im Slang grunzen und diejenigen sich für kultiviert halten. Wie in der überdekandierten Kunstszene wo Müll zum Objekt der Begirde verinnerlicht wird!

  2. Fast täglich denke ich Herr Roewer, man hat der oder die hat einen an der Klatsche, denn mit einigen der wenigen Leute mit denen ich noch ,,normal” reden kann, die haben auch das Gefühl das ganze Land hat einen an der Klatsche.
    Oder denken diese anderen warscheinlich, ich hätte einen an der Klatsche!! So wird es wohl sein???
    Das Wor ,, woke” sagt mir gar nichts auch wenn ich es oft schon gelesen habe?
    Aber die ,,Verhunzung unserer Spache hat schon viel früher angefangen, mit jedem Zugereisten kam ein Stückchen seines Landes mit, was ja auch nicht so schlimm wäre, wenn unsere wirklich schön klingende deutsche Spache dabei nicht großen Schaden nehmen würde.
    Sie geht im warsten Sinne den Bach runter, denn an die Verenglischung haben wir uns schon lange gewöhnt.
    Am schlimmsten finde ich das Wort ,, unsere Kits”, was überall in Funk und Fernsehen gelabert wird.
    Es hängt mir kilometerweit zum Hals heraus, denn unsere Kinder, bleiben unsere Kinder!!!!

  3. Kleine Gedächtnisstütze zum obigen Text aus dem Ruhrgebiet: Dat kleine s in sPD, dat is dat Esken. 😉

    1. Liebe Ingrid !
      Danke für Ihren Beitrag, der mir gefällt.
      Herrn Roewer, den ich gut kenne, will die Leute veräppeln. Er liebt die deutsche Sprache – und die Ironie und Satire.

      Mit besten Grüßen

      Ihr

      Dieter Farwick

    2. Lieber Herr Unland !
      Danke für Ihren Einwurf.
      Was haben Sie gegen diese Frau?
      Für mich ist sie eine weibliche Kopie von Herbert Wehnen.
      Sie sorgt dafür, dass die sPD bei optimal 16 Prozent landet.

      Mit besten Grüßen

      Ihr

      Dieter Farwick

  4. Die Beschreibung der “Klatsche” ist 100% Ruhrgebietskompatibel. Die Phrase „der hat einen anner Klatsche“ nehme ich oft aus meinem Rhetorikwerkzeugkasten. Die hat schon deutliche Gebrauchsspuren.

    1. Lieber Blindleistungsträger !
      Danke. So fällt das Stammeln zurück in die reale Welt.
      Etwas gehobeneres Deutsch. “Der hat einen an der Waffel”

      Mit besten Grüßen

      Ihr

      Dieter Farwick

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