Kein Handy und kein Internet – welch schlimme Kindheit!

www.conservo.wordpress.com)

von Geli Schwind *)

Es muss ja mal raus!

Wer sich über mich ärgert, sollte immer bedenken, welch schlimme Kindheit ich hatte: Ich hatte kein Handy und kein Internet. Zur Schule und zurück musste ich zu Fuß. Ich wurde nicht tagtäglich mit dem Auto zur Schule gefahren und dort wieder abgeholt. Dies habe ich wohl nur mit viel Glück überlebt.

Zum Spielen stand uns kein zehnfach TÜV-geprüfter Spielplatz zur Verfügung, wo unter der Schaukel eine Gummidämmmatte war, damit wir uns auch ja nicht zu Tode stürzten, wenn wir zu blöd zum Schaukeln waren. Wir mussten im Feld spielen, zwischen Kühen, Stacheldrähten und Hecken, kletterten auf ungesicherte Bäume, und wir liefen durch den Bach. Und wenn wir dabei auf die Schnauze flogen, dann heilte das meist von selbst, ohne dass man uns in Sagrotan oder sonstwas badete und sofort wegen jedem Fliegenschiss zum Arzt schleppte oder die Lehrerin vor Gericht verklagte.

Wir waren so arm, wir konnten uns nicht mal eine Laktoseintoleranz oder Glutenunverträglichkeit leisten. Geschweige denn einen Doppelnamen wie Jaime Pascal oder Kevin Micol oder Falco Nathan. Unsere Eltern mussten uns noch mit einem normalen Namen ansprechen. Das ging aber auch, denn sie sahen uns ja auch häufig genug, weil es keine Ganztagesbetreuung in der Schule gab und wir nicht nur zum Abendessen und Schlafen zu Hause waren. Selbst die Ernährung ihrer Kinder mussten die Eltern noch selbst übernehmen. Da gab es haufenweise Mütter, die das historische Ritual des Kochens noch beherrschten und auch durchführten!

Dass wir das alles einigermaßen überstanden haben, grenzt schon an einem Wunder. Heute ist das alles zum Glück ja gar nicht mehr vorstellbar! Wer so aufgewachsen ist wie ich, der muss ja zwangsläufig einen Schaden davongetragen haben.

Also habt Nachsicht mit mir.

*) Mit Genehmigung der Autorin erschienen. Original: Geli Schwind | Facebook)

www.conservo.wordpress.com     21.10.2021

48 Kommentare

  1. https://reitschuster.de/wp-content/uploads/2021/10/IMG_5286-e1634914267944.jpeg

    “ … Schnauze voll vom permanenten und immer religiöser werdenden Klima-Geschwafel, von Energie-Wende-Phantasien, von Elektroauto-Anbetungen, von Gruselgeschichten über Weltuntergangs-Szenarien von Corona über Feuersbrünste bis Wetterkatastrophen. Ich kann die Leute nicht mehr ertragen, die das täglich in Mikrofone und Kameras schreien oder in Zeitungen drucken. … wie aus der Naturwissenschaft eine Hure der Politik gemacht wird.

    Ich habe es satt, mir von missbrauchten, pubertierenden Kindern vorschreiben zu lassen, wofür ich mich zu schämen habe. Ich habe es satt, mir von irgendwelchen Gestörten erklären zu lassen, dass ich Schuld habe an Allem und an Jedem – vor allem aber als Deutscher für das frühere, heutige und zukünftige Elend der ganzen Welt. … … “
    weiterlesen bei:

    https://reitschuster.de/post/leipziger-professor-hat-schnauze-voll-vom-klima-geschwafel/

  2. Ich wurde 1951 in DO geboren.Der Schulweg war bis zum 7.ten Schuljahr 45 Minuten,bei Wind und Wetter,natürlich ohne Regenschutz.Im Sommer Sonnenbrand,Im Herbst und Frühjahr lief uns manchmal das Wasser aus den Schuhen.Im Winter Schnee und kalt.Keiner hat sich daran gestört,und wir wurden auch groß.Zuerst noch ohne FS.Man hörte Radio.
    Die Schule bestimmte das Leben,und die Freizeit wurde im Bergsenkungsgebiet verbracht.Wir waren eine eingeschworene Klassengemeinschaft.Im 6.ten Schuljahr waren 3 Klassen zusam-men.Nämlich 6,7,8.
    Außerdem waren da noch die Zechen und Stahlwerke und der tägliche Schmutz.Dann wurde man eben abgerubbelt.Mit den Großeltern fuhr man in die Ferien zu Verwandten,essen für Arbeit.So war`s.Größenwahn gab und gibt es bei uns nicht. .

  3. WAGENKNECHT:
    https://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de//dwn/pics//cache_25/253135895-6172880b2da1e-6172880b30289.jpg.cut.n-6172880bb15fc.jpg-widths/253135895-6172880b2da1e-6172880b30289.jpg.cut.n-6172880bb15fc.jpg.720px.jpg

    „Dieser Winter wird teuer. … der Preis für Heizöl mehr als verdoppelt. An der Zapfsäule sehen viele täglich ihr Einkommen verpuffen. Unsere Strompreise gehören zu den teuersten Europas. Auch bei Bau- und Wohnungspreisen, Mieten und Lebensmitteln geht immer mehr Geld für das Grundlegendste verloren. Wir erleben eine Verarmung vieler Geringverdiener-Haushalte. Und auch die Mittelschicht wird schleichend enteignet. Ein Gespenst aus alten Zeiten scheint zurück zu sein: Die Inflation frißt vor allem mittlere und kleine Einkommen, während große Vermögen und die Marktmacht weniger Unternehmen unaufhaltsam wachsen.“

  4. Leben als Kind (unter verletzter Männlichkeit) . Sehr aufschlußreiche Film-Sequenz über seine Nachkriegskindheit im WDR Kölner Treff v. 22.10 : Edgar Selge. (Unterwerfung) Sadismus, Scham und Liebe
    (nochmal verstärkend, wie die Mutter in solchem Szenario dabei weggekommen ist)

    1. Meine relativ einsame Kindheit habe ich lange positiv verklärt: aufgewachsen „dazwischen“ bei alten Eltern, inmitten einer großen Sippe, die Erwachsenen mit immensem Abstand, ebenso die nächste Generation. Die Mutter der „Arbeitsgaul“. Der Vater nicht fähig, lange durchzuhalten, fiel öfter ins Koma. (erzählte viel von Tante Ju…52, von Afrika, Texas, Russland, Frankreich, England…) Ständig Sorgen und Streit wegen immenser Finanzbelastung. Für die Mutter war neben der Erwerbsarbeit noch ein großer Garten der pflegebedürftigen Schwiegereltern zu bewirtschaften…. für mich darin eine Schaukel, ein Schuppen, den ich mir mit alter Matratze, Caro-Kaffeedeckeln und Plünnen zur „Villa Glück“ herrichten durfte. Wie bezeichnend! Von da an war Gestaltung und „Schöner wohnen“ ein wichtiges Thema. Jahrelang gab es die selbstgesuchten Stöckchen, mit denen ich den Hof bekritzelte. Jeden Tag allein zur Turnhalle, zum Sportplatz und ev. Kinderstunde (Blockflöte) . Bei den alten Erwachsenen (Tanten, Onkel, Großeltern) blitzte man immer ab. Die hatten schon genug Kinderkram hinter sich. Da hatte auch niemand Zeit zum Spielen. und genau so stand meine Flüchtlings-Mutter alleine ohne Hilfen in der neuen Familie da. Mein Luxus: erst Dreirad, dann Roller, Zweirädchen. Zur Konfirmation veräpfelten meine Eltern mich mit einem „Vintage-Radio“, worüber ich mich riesig freute, welches sie mir wieder wegnahmen und mir das richtige Geschenk prädentierten: ein „modernes“ Rundfunkgerät, das mich noch Jahrzehnte begleitete. Radio Luxemburg war dann angesagt. Fernseher gabs noch länger nicht. Wie Kühlschrank, Waschmaschine, Heizung, Bad….Und nie ein Auto.
      Das nächste Fahrrad erwirtschaftete ich mir mit 12 Jahren in „Kinderarbeit“ am Fließband, wo ich künftig viele Ferien verbrachte. Tja…man hat sich ferner seine Ventile geschaffen.

      Meine eignenen Kinder hatten es tatsächlich „besser“! Und dafür habe ich kein schlechtes Gewissen! Auch wenn sie um halb sieben aus dem Haus mußten, um den Bus zur Schule zu nehmen. Und selbstverständlich habe ich sie dann vom „Kuhkaff“ aus chauffiert.

      Dieses Thema Kindheit ist für mich nicht isoliert ohne einen Fokus auf die Rolle der Frau zu betrachten. Deshalb finde ich es anerkennenswert, dass ein E. Selge derart „sensibilisiert“ ist, dass er sich mit „Monologen von Frauen“ beschäftigen möchte, „die nicht wirklich in das Leben hinein kommen, weil sie zu Hause angebunden sind“.DAS IST AUCH HEUTE NOCH SO! „Einkaufen, Schnibbeln, Kochen, Wäschewaschen“…
      Ein Lesetipp: Markert „Erspartes Leiden“. Und ein Beispiel Andrea Paluch. „Es war plötzlich einsam bei uns“ Taz. 🙂

      1. auf Kinder/Kindheit projizierte Weltanschauungen
        h tt ps://www.watson.ch/blogs/sektenblog/102894468-oeffnet-die-taufe-tatsaechlich-die-himmelspforte

  5. Bin voll deiner Meinung, macht das , du wirst sehen es schlägt voll ein in einer trostlosen Zeit mit wenig Freude.
    Denn wir Alten hatten doch die beste Zeit in diesem Land, es ging immer vorwärts und da müssen wir wieder hin.
    Das wird neben unseren Problemen eine erfreuliche Konversation werden und ein guter Austausch. Danke!
    Ich freue mich drauf.
    Gruß

  6. […Wir waren so arm, wir konnten uns nicht mal eine Laktoseintoleranz oder Glutenunverträglichkeit leisten….]

    Darueber werde ich noch Tage spaeter lachen. Koestlich. Ich war in den 60’ern so einer, der nicht alles essen wollte. Meine Eltern hatten dafuer wenig Verstaendnis, die Grosseltern noch viel weniger. Und heute bin ich noch viel schlimmer (Keto Diaet und so). Wir (und unsere Nachkommen) koennen uns gar nicht mehr vorstellen, dass es mal wirklichen Hunger gab. In Deutschland. In Europa.

    1. Ja, es gab Hunger.
      Nach dem WKI haben die Briten Deutschland blockiert, Einfuhr von Lebensmitteln nicht zugelassen. Während der erpresserischen Hungerblockade gegen das Deutsche Reich (mehr als 800.000 Verhungerte) nach dem Waffenstillstand 1918 ließ er die gesamte Fischausbeute Norwegens aufkaufen und auf englischen Feldern als Dünger verrotten, nur damit sie den Hunger der Deutschen nicht mildern konnte. Etwa 800.000 sind gestorben.
      Nach dem WKII inszenierten die USA ein Aushungerungsprogramm für die Deutschen.
      Import von Lebensmitteln wurde wieder blockiert, die dt. Fischereiflotte durfte nicht auslaufen, es gab umfangreiche Produktionsverbote (damit die Deutschen nicht Lebensmittel im Ausland kaufen konnten), die Sieger transportierten noch Lebensmittel, Kohle und Vieh ab. Die Hungeropfer betrugen nach dem kanadischen Historiker James Bacque mindestens 5,7 Millionen.

      Aber auch 1932 grassierte der Hunger. Nach der W.W.-krise war die Arbeitslosigkeit gigantisch; es gab nur eine winzige Unterstützung, viele bekamen nach kurzer Frist auch diese nicht mehr. Die Deflationspolitik (Brüning) trug zum Elend bei. Selbstmorde waren auf dem Maximum.

  7. Ich möchte doch noch etwas zu diesem Bericht von conservo sagen: Es ist immer so erfreulich wie so eine Schilderung die eigene Vergangenheit wieder anregt und sie auch zur Freude von anderen beiträgt.
    Gut gemacht, bitte ab und zu so etwas, was uns zu Herzen gehtLG Ingrid

    1. @ Danke, liebe Ingrid. Du triffst voll ins Schwarze! Ich überlege gerade, ob Maria und ich unsere Leser auffordern sollen, „Kabinettsstückchen“ aus ihrer Kindheit zu schildern. Ich würde diese gerne redigieren und als Kompendium veröffentlichen. Titel könnte z. B. sein: „Auch Konservative hatten eine schw…öne Kindheit.“
      Was denkst Du?

      1. Bin voll deiner Meinung, macht das , du wirst sehen es schlägt voll ein in einer trostlosen Zeit mit wenig Freude.
        Denn wir Alten hatten doch die beste Zeit in diesem Land, es ging immer vorwärts und da müssen wir wieder hin.
        Das wird neben unseren Problemen eine erfreuliche Konversation werden und ein guter Austausch. Danke!
        Ich freue mich drauf.
        Gruß

  8. G A S P R E I S E:
    Die Gaspreise gehen durch die Decke, weil im kalten Sommer Energie durch Gaskraftwerke ersetzt werden mußte, also wurden die Speicher nicht aufgefüllt.
    Russland könnte ohne weiteres liefern, aber:
    https://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de//dwn/pics//cache_25/258908494-617005c8d7c6b-617005c8d94fd.jpg.cut.c-617005ca373f1.jpg-widths/258908494-617005c8d7c6b-617005c8d94fd.jpg.cut.c-617005ca373f1.jpg.720px.jpg
    Baerbock wendet sich gegen Betriebserlaubnis für die neue Gasleitung in der Ostsee!

    Sogar die LINKE ist vernünftiger, Sahra Wagenknecht: „Warum soll die EU kein Gas aus Rußland beziehen dürfen, während die USA eine Rekordmenge an Öl aus Rußland importieren?“

    https://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/515271/Baerbock-gegen-Nord-Stream-2-Wir-duerfen-uns-nicht-erpressen-lassen?src=XNASLSPREGG

    1. Diese dumme ferngesteuerte dröge Gans sagt nur was ein gewisser Herr ihr vorgeschrieben hat.
      Ich kann die nicht mehr ertragen, was hat sich die SPD dabei gedacht, es wird ihr Todesstoss werden mit diesen unfähigen Chaoten zu paktieren.

  9. B R A N D G E F Ä H R L I C H !!
    Aus für das Bargeld? Wie aus digitalen Impfpässen „digitale Portemonnaies“ werden sollen.

    „Digitale ,Impfpässe‘ werden eine Schlüsselrolle spielen, um den Bürgern den Zugang zu allen Arten von Diensten zu ermöglichen und als Vorläufer für die Einführung mobiler digitaler IDs dienen.“
    Der frz. Rüstungskonzern Thales teilt mit, daß die EU bis 2030 80 Prozent der EU-Bürger mit digitalen IDs ausstatten werde. Offenbar wurde im Verlauf der Corona-Krise die digitale Infrastruktur für die Abschaffung des Bargelds geschaffen.

    https://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/515266/Aus-fuer-das-Bargeld-Wie-aus-digitalen-Impfpaessen-digitale-Portemonnaies-werden-sollen?src=XNASLSPREGG
    (dort weitere Verweise!)

  10. I C H hatte frùher einen Doppelnamen , was damals -bin vom Jahrgang 1954 – auch noch fast niemand hatte: „Marie-Thérèse“.
    Meine Eltern, sicher damals noch beide äusserst fromm-katholisch, erklärten mich: Es war ein Verspruch: Würden sie am Ende noch ein Kind bekommen (hat bei ihnen denn auch mehr als 8 Jahren gedauert), würden sie es – wäre es ein Mädchen – die Namen der Heiligen Maria und der Heiligen Theresia (Thérèse de Lisieux) bekommen. Na, ganz schön, aber ich war es, die mit diesem Doppelnamen durchs Leben musste!
    Glücklich war ich noch niemals met ihm: Viel zu lange und zu unpraktisch! Später habe ich mich oft gedacht: „Guter Namen für eine Prinzessin, aber wenn man keine ist…“ In der Schule konnten Lehrer nöch mitschüler ihn händel und machten ständig „Marie“ daraus, was sicher keine Verbesserung war, weil „Marie“ in den Jahren ’60 in den Niederländen als unsäglich altmodisch und bäuerisch betrachtet wurde…
    Bekannten in Nürnberg kamen dan Jahren später mit der perfekten Lösung: ‚Theresa‘. Eureka!
    Unnötig zum sagen, dass ich mich später kein Moment überlegt habe, meinen Söhnen Doppelnamen zu geben. Weil sie – wegen meinen Eltern – zwar getauft wurden, hat der Älteste sogar 4 und der Jüngste zwei Taufnamen, jedoch wird in beiden Fällen nur einen davon benützt: Peter und Hans. „Also gut“, sagte da meine Mutter, „normale holländische Namen“.
    Nein“, habe ich da geantwortet, „Diese sind als deutschen Namen gemeint“.

    1. Theresa Geissle,
      Die Kinder haben öfter andere Ansichten über Namen als die Eltern, sie leben ja auch eine Generation später. Deshalb habe ich meinen Kindern Doppelnamen gegeben, in einem Fall drei, aber ohne Bindestrich. So kann jeder den Namen verwenden, der ihm am besten gefällt. Zufrieden sind die Meinen mit ihren Namen dennoch nicht.

    2. @ theresa: Ha,ha, liebe theresa! Da kann ich eins draufsetzen:
      Als katholischer Rheinländer bekam man oft von seinen Eltern den Zweitnamen „Maria“. So auch ich. Da ich aber auch nach meinem Vater „Peter“ benannt wurde und der Lieblingsbruder meiner Mutter „Franz“ hieß, erhielt ich gleich DREI Rufnamen: „Franz Peter Maria“.
      Dagegen protestierte ich seit meiner etwas mehr erwachsenen Kindheit – und wählte gegen den Protest meiner Mutter nur den Vornamen „Peter“. Ich brauchte nahezu zehn Jahre, diesen Rufnamen gegen meine Familie durchzusetzen. Meine Mutter verzieh mir nie diese „Namensverstümmelung – wie sie es nannte.

      1. Ha ha! Ja, lieber Peter, ich weiss Bescheid:
        Das ist nämlich nicht nur „Rheinländisch-katholisch“, sondern „universell-katholisch!
        Allzu oft lautete der Zweit- oder Drittname katholischer Jungen/Männer tatsächlich „Maria“, klar, irgendwie wahnsinnig, aber freilich der etwa übertriebenen Mariaverehrung der katholischen Kirchen entsprechend. Verschiedene meiner Onkel – von beiden Seiten – hatten diesen Zweit- oder Drittname, glaub‘ ich. Probleme hatte keiner von Ihnen damit, soweit ich weiss, teilweise, weil es in den katholischen Kreisen ja allgemein der Brauch war, und andererseits, weil der Zweit- Dritt- oder Viertname im Alltagsleben niemals benützt wurde. Jedoch, Du bist noch immer von einer späteren Generation als sie waren, und ich sehe es einfach vor mir, wie gerade D U , Queerkopf wie Du immer warst, damit tatsächlich probleme hattest, und dich denn auch zweifellos widersetzt hast gegen diesen Mädchennamen, Drittnamen oder nicht!
        Nichts für dich um so etwas zu dulden – schätz‘ ich.

    3. Ich selbst, Jahrgang Dezember 1951, ebenfalls streng katholisch erzogen, habe ebenfalls einen Doppelnamen, benutze aber nur den ersten Namen, weil ich das viel zu lang finde.

      1. Na, das war halt gerade bei mir der Fall!
        Denk dir: Was soll man im Alltagsleben um Gotteswillen mit `Marie-Thérèse‘?!
        Und beim vorstellen? am Telefon? Mit anfangs noch meinem Mädchennamen dazu, der – typisch holländisch – zwei Wörter vor sich hatte: „van der“?! ARGH!

  11. Ich bin ja nun schon ein bißchen älter. Ich bin schon im KZ auf die Welt gekommen, in einem britischen. Meinen Vater habe ich erst mit 7 Jahren gesehen, die Briten haben ihn bis 1948 festgehalten, zuletzt in einem bekannten KZ der Deutschen. Bis ich 5 war, waren wir bombenevakuiert in Notunterkünften, weit von allen Städten. Wir haben draußen rumgetobt, Mutter mußte in Heimarbeit die Brötchen verdienen. Als wir 45 in die zerbombte Heimatstadt zurückkehrten („Russenzone“), da hatten sich in unsere Wohnung zwei wohlbeleibte Fremde einquartiert, die sich als Kommunisten bezeichneten. Wir waren nicht Kommunisten, also rechtlos.
    Wir lebten zu dritt in einem unheizbaren Kleinraum, Wasser und Klo im Treppenhaus. Zeitweise im Obdachlosenasyl, in nassen Kellern, in einem Dachatelier, ewig kalt.
    Gespielt haben wir in den Ruinen, was natürlich wegen der Gefahr von Blindgängern verboten war.
    Spielplätze? Gabs überhaupt nicht.
    An Hunger kann ich mich nicht erinnern. Unsere Großmutter sagte immer: „Ach gib doch das bissel Essen den Kindern!“ 1946 wog sie dann nur noch 28 kg und ist im Krankenhaus verhungert.
    Einmal wünschte ich mir zum Geburtstag einen Ball, aber es war keiner zu bekommen. Unser Fußball war also ein aus Lumpen zusammengestopftes Bündel.
    Erst 8-10 Jahre später waren wir so wohlhabend, daß wir gekauftes Klopapier hatten, ein uraltes Radio und schließlich sogar ein Fahrrad.

    1. Tja, Werter Dr. Kümel, ich kann es mir gut vorstellen: Das waren gerade die wienerische Nachkriegsumstände aus ‚The third Man’… mit dem „Harry Lime-theme“ von Anton Karas auf dem Hintergrund: Wien als Geisterstadt verteilt in 4 unheimischen politischen Zonen…Fürchterlich!
      Aber – obwohl es natürlich kein Trost ist – Sie hatten überdeutlich die allerbeste Grossmutter weltweit, sie sei ewig gesegnet!

      1. Meine Großmutter hat zuletzt einen Abschiedsbrief an ihren in der SU vermißten jüngsten Sohn geschrieben. Sie wußte nicht, ob er noch lebt, es war nur bekannt, daß er von den Sowjets 1945 verschleppt worden war. Später wurde bekannt, daß er 5 Jahre lang in einem der schlimmsten Lager (Workuta) Zwangsarbeit leisten mußte.
        Es ist ein anrührendes Dokument.
        Ich würde es Ihnen zu treuen Händen zuleiten, wenn ich eine e-Anschrift von Ihnen hätte.

  12. Sehr geehrte Frau Schwind, auch ich hatte eine solch gräßliche Kindheit – nach dem
    Kriege bis weit in die Fünfziger. Hinzu kam bei mir noch, daß ich mich selbst kasteit
    habe, und stundenlang (nachts unter der Decke mit Taschenlampe, deren Batterien
    ich mir bei der Arbeit auf dem Feld verdiente) las. Eine herrliche Zeit, ich bin sehr
    froh, daß ich eine solche Kindheit hatte. Der Vater im Krieg geblieben, Mutter allein-
    erziehend – 3 Kinder, Schmalhans war oft Küchenmeister. Die Solidarität der Nach-
    barn war sprichwörtlich. Und meine Dorfschulfreunde sind mir bis heute erhalten
    geblieben.

  13. JA- Wie um Himmels Willen haben wir DAS gar überlebt? – Erscheint mir heute UNVORSTELLBAR …….. 😇 😇 😇 😇 😇 😰 😱

  14. Genau !
    Und wenn wir diese Selbstfindung durch schlimme, unzumutbare Kindheit hindurch in einem Tagebuch verewigten, bekamen wir keinen mit 10.000,- Euro dotierten Buchpreis, wie die kurdischstämmige Mely Kiyak mit ihrem alles-und-nichts-sagenden Buchtitel „Frausein“.
    Ich frag mal meine Zahnärztin, vielleicht hat die zufällig noch eine Wurzel mit Migrationshintergrund im Mülleimer. Die sind mehr wert, als mein spärliches Gold zwischen den Zähnen.

  15. @ Danke, liebe Geli, daß ich Deine Geschichte (im doppelten Sinn) auf conservo setzen durfte. Sie erinnert mich so sehr an meine eigene Kindheit (direkt am Kriegsende). Wir hatten nichts, die französischen Besatzer hatten uns alles weggenommen. Aber wir waren glückliche Kinder und suchten nach Ersatz.
    Spielzeug? Nur ein kleines Beispiel:
    Natürlich hatten wir keine Autos, Räder etc. Aber wir Kinder „spielten Auto“. Jeder von uns packte einen Wackerstein, wir kurvten damit am Rheinufer, der Sand war unsere Rennpiste. Wir brummten laut wie Rennmotoren. Wer am schnellsten am Ende der „Piste“ war, hatte gewonnen. Und das Spiel ging von vorne los…
    Und so könnte ich stundenlang Geschichten aus unserer Geschichte erzählen.
    Liebe Grüße
    Peter
    P.S.: Für Deine wunderbaren selbstgemachten Puppen hätte meine Schwester sich die Beine ausgerissen. Damals gab es die nicht zu kaufen, wir bastelten sie selbst – oft schief und bucklig, aber es waren wunderbare Puppen.
    Man muß nur dran glauben…

    1. Hui, schon mit 3D gespielt.
      Wir kamen 10 Jahre später auf diese Welt und spielten mit ausgeschnittenen Waren aus dem Katalog.
      Für unsere ostdeutschen Freunde waren wir damit Konsum- und Wohlstandsverwöhnt.
      Tja, so sind die Vorstellungen.

    2. Lieber Peter, wir hatten nach dem Krieg keinen Luxus, ich musste auch nicht hungern, aber ich hatte eine schöne Kindheit, weil wir alle immer draussen waren, Sommer wie Winter, mit gefrorenen Hosen beim Schlittenfahren und Kribbel in den Händen, ich war auch immer mal krank im Winter, aber ich war ein kerngesundes Kind und was macht man heute mit unseren Kindern????

  16. Mein Vater, Jahrgang 1919, hat voll den ganzen Krieg mitgemacht, zuletzt unter Rommel in Nord Afrika, Gefangennahme durch die Engländer 1943, amerikanische Gefangenschaft, 1947 aus der Gefangenschaft entlassen, er hatte meine Mutter kennen gelernt, eine Bauern Tochter, er hat von seinem künftigen Schwiegervater ein Stück Land bekommen, dort hat er ein Haus gebaut, das Haus selbst mit Hacke und Schüppe ausgeschachtet, dann möglichst viel vermietet, um von den Schulden runter zu kommen, wir hatten für uns selbst nur eine Küche und ein Schlafzimmer mit zwei Betten und einen Kohleofen, keine Heizung, keinen Kühlschrank, kein Fernsehen, nur ein Radio. Als meine zwei Jahre jüngere Schwester und ich klein waren, schliefen wir auf der Bettritze, Mama und Papa rechts und links, also vier Personen im zwei Betten, im Winter waren im kalten Sauerland regelmäßig Eisblumen am Küchenfenster. Hinter unserem Haus fingen sofort die Wiesen an und danach der Wald. Wir Kinder waren ständig draußen ohne Aufsicht, kein Kindergarten, ein Spielplatz gab es überhaupt nicht, der Spielplatz war das Dorf, die Wiesen, der Wald, die Felder, die Bäche. fangen und verstecken spielen, Cowboy und Indianer, auf Bäume klettern, Buden bauen im Wald, am Felsen klettern tief im Wald ohne Aufsicht, lockerer Stein, Schiefer – das Sauerland ist das nördlichste rheinischen Schiefergebirge –, an starken Fichtenzweigen über Abgründe schwingen wie Tarzan, Bäche im Wald aufstauen, Roller fahren und die Welt erkunden, Drachen bauen und steigen lassen, Forellen fangen mit der Hand. Im Heuschober hatte der gewonnen, der vom höchsten Punkt ins Heu sprang. Im Winter Skifahren und Schlittenfahren. Die Ski waren einfach nur Bretter mit Schnallen für gewöhnliche Schuhe, keine Sicherheitsindung und keine Stahlkanten. Und natürlich keine Aufsicht beim Schlittenfahren und Skifahren, das Skifahren haben wir uns selber beigebracht, keine Skischule, und natürlich kein Lift, wir haben uns Sprungschanzen gebaut und nach etlichen Stürzen konnten wir einigermaßen springen. All dies ist bei den heutigen Helikopter Eltern unvorstellbar. Freiheit und Eigenverantwortung, keine Betreuung von oben und diese Freiheit und Eigenverantwortung war für mich das Paradies auf Erden. Und das steckt tief in mir, ich bin gegen einen Helikopter Staat, Betreuung von oben anstatt Freiheit und Eigenverantwortung, betreutes Denken durch die Propaganda des den öffentlich-rechtlichen Rundfunks.

  17. Wunderbar, danke conservo, für diese Beschreibung meiner Kinheit.

    Heute ist das Ipot und Smarphone immer in den Händen, ja ich muss gestehen auch für mich ist es einfacher es zu benutzen, aber ich bin werden auf Facebook noch auf Instergram zu finden
    Aber ich beobachtet die jungen Menschen wie sie abhängig davon sind, ja sogar ihr ganzes Leben in Wort und Bild preisgeben um der Beste des Systems zu werden.
    Aber das Schlimmste für mich ist, dass sich meine gut gebaute 14 jährige Enkeltochter nicht mehr schön findet, nur noch vor dem Spiegel steht und an ihrem Aussehen interessiert ist, weil es eben auf Instergram noch schönere Mädchen gibt.

    So wird eine ganze Jugend abhängig gemacht und manipuliert und sogar gehirngewaschen und sie merken es noch nicht mal.
    Denn fast alle machen das Gleiche und alle sind permanent miteinander verbunden und die Nachrichte gehen hin und her.
    Da muss ja vieles auf der Strecke bleiben, vorallem die Mitmenschlichkeit, denn man wird zum Rädchen des agierenden Systems und die befeuern die Süchtigkeit noch, die schon bei allen Kindern zu finden ist.
    Bitte mehr davon, weil es mal wieder etwas Erfreuliches war in einer Zeit, der aufkeimenden Hoffnungslodigkeit!

    1. Weißt Du, Ingrid, wenn sich die Kinderchen wenigstens einigermaßen akzeptable Texte schicken würden, dann wäre das immerhin eine Form des sozialen Miteinander. Aber über Witzchen übers Wetter gehts nicht hinaus. Regnet es bei euch auch? Supi.

      1. Dr. Kümel, das war ja ein ganzer Satz. Sie sind nicht auf dem neusten Stand.
        Schon vor 15 Jahren unterhielt man sich per SMS mittels kryptischer Abkürzungen.
        OMG = Oh mein Gott !
        IHDL = Ich hab dich lieb !
        usw.
        „Neuerdings“ auch in very british :
        https://www.netzwelt.de/buzz/181229_9-chat-kuerzel-spart-euch-unnoetiges-tippen-diesen-20-abkuerzungen.html

        Keine Frage : so lernt man perfektes Deutsch – nämlich gar kein Deutsch !

Kommentare sind geschlossen.