Von Alex Cryso

Little Amal und ihre drei Puppenspieler, Bild:
Storye book, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Um beim Publikum ordentlich auf die Tränendrüse zu drücken, ist den selbsternannten Weltenrettern jedes Mittel recht. Und was läge da näher, um mal wieder in die Trickkiste zu greifen, ein paar alte Marionetten herausfischen und das Ganze in zeitgemäße Propaganda zu hüllen? Little Amal ist der Name einer zirka 3,5 Meter großen, von mehreren Personen bewegten Marionette, die sich momentan auf dem „Walk“ – also Marsch – befindet, um dabei insgesamt acht europäische Länder zu durchqueren. Natürlich soll besagte Amal auf die angebliche Flüchtlingskrise aufmerksam machen, schließlich verkörpert das Wandersgestell ein neunjähriges syrisches Mädchen, das sich über rund 8.000 Kilometer auf dem Weg in eine bessere Welt befindet.

Die Türkei, Griechenland, Italien, Frankreich, Schweiz, Belgien, Deutschland und Großbritannien dürfen sich also auf hohen Besuch freuen, der zu Abwechslung mal nicht Greta Thunberg heißt. Von Gaziantep nahe der türkisch-syrischen Grenze bis in englische Manchester geht die beschwerliche Reise, wobei Amal an den verschiedensten öffentlichen Plätzen, aber auch bei Veranstaltungen auftaucht, um das entsprechende Maß an Aufmerksamkeit zu erregen. Dabei wurde Amal sogar schon von dem englischen Schauspieler Jude Law („A.I. – Künstliche Intelligenz“) empfangen: Bezeichnenderweise im Küstenort Folkestone, wo schon mehrfach Flüchtlinge auf ihren Schlauchbooten angekommen sind.

Dass dieses Schauobjekt mal wieder in fragwürdiger Weise an die Kleinsten und deren politische Unbedarftheit appelliert, liegt klar auf der Hand. Die Puppe soll emotionalisieren, nicht zu Nachdenken anregen. So hat Amal ihre Eltern im Krieg verloren und ist daher ein echter MUFL, da müssen bei den Kindern ganz natürliche Beschützerinstinkte geweckt werden. „Es ist wichtiger denn je, die Diskussion neu zu entfachen und das Narrativ zu ändern. Ja, Flüchtlinge brauchen Nahrung und Decken, aber sie brauchen auch Würde und eine Stimme“, sagt Amir Nizar Zuabi, Künstlerischer Leiter von „The Walk“. Dort sieht man in erster Linie die Brücke zwischen kultureller Ambition und sozialpolitischem Engagement. Initiator dieser skurrilen Idee sind die Good Chance Productions in London, die schon mehrere ähnliche Projekte verwirklicht haben. Der übliche Aufruf zu mehr Menschlichkeit, aber auch die Überwindung der Grenzen durch Kunst und Kultur ist in dem Heile Welt-Jargon wie immer mit inbegriffen.

Nicht wenige, welche die Auftritte von Amal einfach nur bizarr finden: Erinnerungen an Jean Raspails „Heerlager der Heiligen“ werden wach, andere stellen diese seltsame Massenattraktion auf eine Stufe mit den Klimahysterikern von Extinction Rebellion.

Alex Cryso

Links:

London: Kultische Anbetung riesiger Flüchtlings-Puppe soll Kinder begeistern

https://www.westfalenspiegel.de/little-amal-in-recklinghausen/

Von conservo

Conservo-Redaktion