Ein Rückblick auf Allerheiligen 2020

„Wir Christen sind diejenigen, die am meisten verspottet werden“

Erzbischof Michel Aupetit in seiner Predigt von Allerheiligen des vergangenen Jahres, in der er auf die in Nizza Ermordeten einging, auf die Verspottung Jesu und der Christen

(www.conservo.wordpress.com)

Von Dr. Juliana Bauer

Min. 3.12 bis 4:20, Enthüllung der Gedenktafel für Nadine, Simone, Vincent am 29.10.2021

Am Abend des Allerheiligenfestes 2020 in der Pariser Pfarrkirche St. Germain-l‘Auxerrois.

Nach der Begrüßung des Erzbischofs, in der er den recht zahlreich versammelten Menschen die Worte des Auferstandenen zurief: ‚Habt keine Angst‘ und hinzufügte, „wir bleiben aufrecht, wir sind Auferstehungsmenschen, nichts wird uns terrorisieren“, spürte man eine gewisse Spannung unter den Anwesenden, die sich dann zu lösen schien, spürte man aber auch eine gewisse Erwartungshaltung von ihrer Seite. Was würde ihr Bischof noch sagen? In seiner Predigt vielleicht? Ob er die Erwartung erfüllen würde?

Erwartete man aber die klare Benennung des islamistischen Unheils, das Frankreich im Oktober 2020 zweimal erschütterte und in das der Mord an Samuel Paty in Paris und die Morde von Nizza einzureihen sind – ein nicht endendes Unheil, das Europa fest im Griff hat und um das der Erzbischof zweifelsohne weiß, blieb man enttäuscht zurück. Er schwieg diesbezüglich, er schwieg wie viele Bischöfe unseres Kontinents

Dennoch sei hier angemerkt, dass Erzbischof Aupetit umgehend nach dem schrecklichen Attentat, bei der Regierung Schritte veranlasste, alle Gotteshäuser seiner Diözese wie auch jene der anderen Diözesen Frankreichs an Allerheiligen und darüber hinaus massiv bewachen zu lassen. „Die Bürger müssen geschützt werden“, lautete dazu sein Kommentar. Eine Aussage, die weiterzuführen und auf ganz Europa zu übertragen ist. Die aber auch nach den entscheidenden Konsequenzen verlangt.

Nach Konsequenzen, die bis heute nicht erfolgten, denn die Bürger können nicht immer und überall unter Polizeischutz stehen.

Die Konsequenzen, die zu ziehen wären, scheuen sie, sowohl die in Verantwortung stehenden Politiker, als auch die verantwortungstragenden Kirchenleute. Konsequenzen, die das Unheil an der Wurzel packen und für Sicherheit der ihnen anvertrauten Bürger und „Schafe“ sorgen würden, indem die Grenzen Europas geschlossen und Mörder und andere Gewalttätige umgehend des Landes verwiesen würden. Stattdessen träumt man sich die Wirklichkeit schön, träumt blauäugig über den blauen Wolken, entrückt von der Erde, um die Realität ausblenden zu können … reißt dabei diejenigen jedoch, für die man Verantwortung trägt, in den Untergang

„Zwei Damen, die einfach nur gekommen waren, um in einer Kirche zu Jesus zu beten, wurde die Kehle durchgeschnitten…in einer Kirche wie dieser hier“

In seiner Homilie von Allerheiligen ging Michel Aupetit dann unmittelbar auf die Ermordeten von Nizza und die Bösartigkeit von Tat und Täter ein; seine Trauer scheint in seinen Worten auf, vor allem auch macht er seiner Empörung Luft. Mit einem Blick auf die vielfache Verunglimpfung von Jesus Christus, die er als Gegenbild dem angeblichen Grund islamistischer Terrortaten gegenüberstellte, fand er darüber hinaus deutliche Worte.

Mit einem Zitat aus den Seligpreisungen beginnt er die Predigt und leitet dieses in seine Gedanken zu dem Unfassbaren von Nizza über. „‘Selig seid ihr, wenn sie euch schmähen und beleidigen, wenn sie euch verfolgen, wenn sie gegen euch zu Unrecht alle Arten von Übel richten um meinetwillen‘ (Mt 5,11).

Dieses Wort Christi hallt heute schmerzlich in uns wider. Zwei Damen, zwei Damen, die einfach nur gekommen waren, um in einer Kirche zu Jesus zu beten, wurde die Kehle durchgeschnitten. In einer Kirche wie dieser hier… Ebenso dem Mann…dem Sakristan. Er hatte die Aufgabe, die Kirchentüren aufzuschließen, dass alle hineinkönnen … Tag für Tag öffnete er treu die Türen. Die Kirche ist das Haus Gottes und stets offen, damit man dem Herrn begegnen kann.

Doch leider können alle eine Kirche betreten, auch die Böswilligen. Auch die Mörder. Sie kommen nicht, um zu Gott zu beten oder ihn anzubeten, sondern um zu töten und wagen es, zu behaupten, dass sie das in seinem Namen tun. Das ist Gotteslästerung, das ist die höchste Beleidigung Gottes… Menschen zu töten, ihnen die Kehle aufzuschlitzen…“

An dieser Stelle erlaube ich mir einzuwerfen und bedauere sehr, es Monseigneur nicht persönlich sagen zu können, dass diese „Gotteslästerung“ von radikalen Muslimen nicht als Gotteslästerung gesehen wird. Dass sie das Töten von Ungläubigen als Erfüllung ihres Auftrages sehen, wie er im Koran formuliert wird, so z.B. in Sure 9,5, nämlich den Ungläubigen/Frevlern aufzulauern, sie zu packen, zu belagern und sie gar zu erschlagen, „wo ihr sie findet.“ Ich möchte ihn fragen: „Kennen Sie diese und ähnliche Worte nicht, Monseigneur? Kennen Sie den Koran nicht?“

Folgen wir weiter Michel Aupetit und seinen Predigtworten. „Heute ist Allerheiligen, das Fest aller Heiligen, insbesondere aller, die bei Gott sind. Auch jene, die nicht im liturgischen Kalender erscheinen, die Gott aber alle kennt, die er heiligsprach, die unsere Brüder und Schwestern im Himmel sind. Sie wachen über uns, sie beten für uns, sie beten mit uns. Durch sie feiern wir die Heiligkeit Gottes. Denn Gott allein ist heilig, weil Gott Liebe ist.

Gerade hörten wir die Seligpreisungen. Wir sind wirklich erstaunt über die Paradoxie dieser Seligpreisungen, sie lassen uns ratlos zurück: ‚Selig (in der französischen Sprache heißt es glücklich, was u.a. auch mit dem alten deutschen Wort selig für glücklich übereinstimmt), selig sind die Armen, selig sind die, die weinen; die, die hungern und dürsten nach der Gerechtigkeit, selig sind die Verfolgten‘ (Mt 5, 3-4.6.10). Welch ein Paradox… Was bedeutet das? Die Armen sollen glücklich sein, die, die weinen, seien ebenso glücklich… Aber nein, sie sind nicht glücklich, weil sie arm sind; nicht, weil sie weinen, sind sie glücklich… Nein, weil sie arm sind, gibt Gott ihnen alles, er gibt ihnen sein Reich. Weil sie weinen, werden sie getröstet… und sie werden von Gott getröstet.

Wir müssen verstehen, dass diese Menschen genau wissen, dass sie Gott brauchen, dass sie die Liebe Gottes brauchen. Die anderen, ja die anderen halten sich selbst für ausreichend, sind sich selbst genug und werden selbstgefällig. Für sie gibt es keinen Platz. Das ist schade! Gott ist Liebe, unsere Berufung ist es, zu lieben. Wie Gott zu lieben. Wie Gott zu lieben, ist Heiligkeit.“

„Wie viele Male schon hat man das Antlitz Jesu Christi lächerlich gemacht“

Dann kommt der Erzbischof auf die Karikaturen zu sprechen und damit, den Mord an Samuel Paty im Blick, auf den Grund vieler Terrortaten des Islams. Auf jene künstlerischen Gestaltungen, die in Stil und Aussage eine Person häufig nicht nur kritisieren oder humorvoll deren Schwächen aufdecken können, sondern letztlich auch oft der Lächerlichkeit preisgeben.

Und er spricht über Karikaturen von Christus und den Christen – wie es sie auch gibt. Mit dem Unterschied, dass die Christen die Spottenden nicht einen Kopf kürzer machen.

„Es ist wahr, dass wir durch Karikaturen verletzt werden können. Wir wissen darum, dass wir unaufhörlich verlacht werden… Wir wissen das sehr gut.

Denn wir Christen sind diejenigen, die am meisten verspottet werden – und schlimmer noch…

Wie viele Male schon hat man das Antlitz unseres Herrn verunstaltet, das Antlitz Jesu Christi lächerlich gemacht. Wie viele Male schon!

Das ist viel schwerwiegender! Bei den Muslimen ist es der Prophet, sicher für sie ein sehr bedeutender Prophet.

Doch Jesus ist kein Prophet, Jesus ist der Sohn Gottes. Und wenn wir das Antlitz Christi verhöhnen, verhöhnen wir Gott… Das ist eine Blasphemie, und diese ist eine Beleidigung Gottes. Ja, wir wissen, was es heißt, durch eine Karikatur verletzt zu werden. Aber die Frage, die sich hier stellt, gilt Gottes Sohn. Denn er ist gekommen, um uns Gottes Liebe zu offenbaren.

Und diese Liebe, die mit Füßen getreten wird, ist die einzige Blasphemie, die möglich ist. Am Tag der Passion Jesu hat sie schon stattgefunden. Die große Blasphemie ist das Leiden Jesu. Als er ausgepeitscht wurde, als er beleidigt wurde, als er mit Spucke übersät und ans Kreuz geschlagen wurde, als er getötet wurde. Die große Blasphemie … hat bereits stattgefunden. Sie zieht sich durch Raum und Zeit… Aber die Antwort Gottes darauf… ist ein Übermaß an Liebe… Jesus bat seinen Vater um Vergebung für jene, ‚die nicht wissen, was sie tun…‘

Verletzen uns diese Karikaturen?“ fragt Erzbischof Aupetit „Nur, was ist in uns verletzt?

Wenn es Stolz ist, wird Wut in unsere Herzen eindringen und wir werden nach Rache schreien. Doch, verwundeter Stolz ist nur menschlicher Stolz.

Was verletzt wird, ist unsere angebliche Würde als Christen oder Muslime. Gott aber hat nichts mit dieser allzu menschlichen Darstellung zu tun, die auf der einen wie auch auf der anderen Seite einen Mangel an Demut widerspiegelt.

Oder ist es die Liebe, die verletzt ist? Wenn die Liebe verletzt wird, dann werden unsere Herzen voller Traurigkeit sein. Verwundete, mit Füßen getretene Liebe macht traurig, weil derjenige, der die Liebe verletzt, diese Liebe, die ihm geschenkt wird, zurückweist… …“

Als abschließendes Wort gibt der Erzbischof die endgültige Antwort auf Hass und Verletzungen aller Art: „Gott. Gott allein. Er führt uns zur Heiligkeit, indem er uns seine Liebe anbietet und uns seine Liebe selbst am Kreuz zeigt… “

Persönliches Schlusswort
Betreffs des großen Unheils, das Europa zu ersticken droht, möchte ich auf ein Ereignis verweisen, das bald 30 Jahre zurückliegt und dennoch nichts an Aktualität einbüßte. Im Mai 1993 sprach Papst Johannes Paul II. am Ende einer Hl. Messe in Agrigento/Sizilien einen Kirchenbann gegen die sizilianische Mafia aus. Darin geißelte er voller Zorn deren schwere Verbrechen an den Menschen, beklagte die vielen Opfer und verwies auf das „heiligste“ Gebot Gottes: „Du sollst nicht töten!“ Dann stellte er unmissverständlich dem Großen Gott der Liebe auch den von Christus ebenso verkündeten Gott des Gerichtes gegenüber.


An die Verantwortlichen wendete er sich daher laut und deutlich mit dem Satz: „Bekehrt euch! Eines Tages wird das Gericht Gottes erscheinen!“ (youtube, L’anatema di Giovanni Paolo II contro la mafia).


Kleine Anmerkung am Rande: Der zornige Ruf des Papstes zeigte schon bald erste Früchte. In den folgenden Tagen nach der Messe stellten sich reihenweise Mafia-Bosse der Polizei.


Es wäre an der Zeit, dass die Bischöfe Europas, die Bischöfe, die sich als Hirten verstehen, alle gemeinsam gegen den todbringenden Islamismus aufstehen und sich nicht aufführen wie der Knecht, dem an den Schafen nichts liegt. Es wäre an der Zeit, sich zu den ihnen anvertrauten Schafen zu bekennen (Joh. 10) und nicht den Speichel der Schönschwätzer und Schöntuer zu lecken.

Und es wäre an der Zeit, um den Heiligen Geist zu bitten! Der vielen der Hirten abhandenkam…

Denn wie sagte doch Mgr Aupetit in seiner Pfingstpredigt 2020? Dass der Hl. Geist uns gegeben sei, unsere Intelligenz zu erleuchten – 

“L’Ésprit-Saint va éclairer notre intélligence…“

Umfassende Auszüge der Predigt von Mgr Michel Aupetit mit stellenweiser wortgemäßer Übersetzung: Messe à St. Germain l‘Auxerrois, Dimanche 1er novembre 2020, KTOTV (Télévision Catholique).

Homélie de Mgr Michel Aupetit. Messe de la Toussaint en l‘église Saint-Germain l’Auxerrois – Dimanche 1er novembre 2020, in: Homélies – Diocèse de Paris. L’église catholique à Paris.

Schrifttext: Mt 5,1-12a.

Übersetzung: Dr. Juliana Bauer


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