So geht der Schweizer Armee das Fundament verloren

Von Peter Forster *)

Wir können den Sicherheitspolitischen Bericht des Bundesrates vom 24. November 2021 vorwärts und rückwärts lesen – das bestürzende Resultat schleckt keine Geiss weg: Das VBS und der Bundesrat haben den Focus verloren. Das Fundament, eine stark gerüstete, zum Kriegsgenügen ausgebildete Armee, bröckelt. 

Schon droht in den Kantonen, die bisher die Armee auch staatsbürgerlich trugen, das Fundament wegzubrechen. Der hauchdünne Sieg zum Kampfjet-Kredit muss eine Warnung sein. 2013 stimmten noch 73% und alle Stände für die Wehrpflicht. 2020 waren es noch 50,01 Prozent, mit etlichen Ständen tief im Minus.

“Für diese Politik gehen wir nicht mehr zur Urne”, wird exakt dort, wo die Armee ihre Mehrheiten noch holte, vernehmlich zur Parole. Dauert das noch zwei Jahre so an, ginge unsere Armee als das Instrument, das Volk und Land verteidigt, zugrunde. Sie würde dann als Rumpfarmee womöglich mit schnittiger Luftwaffe, aber einem Heer ohne Saft und Kraft dahinvegetieren. Kriege werden noch immer am Boden gewonnen.

Berechtigte Ziele – doch wo bleibt die Landesverteidigung?

Mehrere der politischen Ziele sind legitim und nicht zu beanstanden, so:

  • Ziel 1: Früherkennung
  • Ziel 3: Hybrider Krieg (siehe Krim)
  • Ziel 5: Cyber (siehe nochmals Krim, genau genommen Teil von Ziel 3)
  • Ziel 6: Terror (siehe 2015, das Jahr der Attentate)
  • Ziel 7: Versorgungssicherheit (siehe Corona)

Was aber fehlt, ist der Focus auf der Armee, die gemäss Art. 58 der Bundesverfassung lk und Land verteidigt, nicht nur schützt. Es fehlen ganz konkret die Schlüsselforderungen, deren Erfüllung es bedarf, dass die Armee die schweren Schäden der unsäglichen “Friedensdividende” und die katastrophale Zivi-Politik des Parlaments rasch behebt. So fehlen:

  • Das eindeutige Bekenntnis zum Primärzweck der Armee, zu ihrer raison d’être, zur Landesverteidigung, die nur sie garantiert.
  • Die markante, kraftvolle, politisch gegen die GSoA gerichtete Erneuerung der Luftwaffe: Sie muss den Abstimmungskampf pro F-35 bestehen und BODLUV für zwei Milliarden Franken erneuern (das gute, alte Flab-Trio aus dem 20. Jahrhundert pfeift aus dem letzten Loch; Rapier ist bald weg).
  • Die Schliessung der BODLUV-Lücke, die zwischen den Systemen kurzer und langer Reichweite klafft. Zu den gefährlichen Bedrohungen zählen tieffliegende Drohnen und Marschflugkörper. Gegen diese Gefahr richtete Patriot andernorts im Krieg nichts aus.
  • Die dringend notwendige, markante Erneuerung des Heeres, das zu den Hauptleidtragenden der “Friedensdividende” gehört. Der Bundesrat muss seinen Fehlentscheid für die weiche Heeres-Variante korrigieren. Sieben Milliarden genügen für die Behebung der begangenen Fehler nicht. Sieben Milliarden würden zu Verteilkämpfen im Heer führen, auf welche die Armeeabschaffer nur warten.
  • Ohne eine starke Panzerwaffe sind Land und Volk nicht zu verteidigen. Ebenso braucht die Armee das weitreichende Feuer der Artillerie. Grundlegende Weichenstellung stehen bevor. Die Hauptwaffe der Armee bleibt die Kampfinfanterie. Ihre Aufwertung ist im Gang. Nur noch Bahnhöfe bewachen – das würde nicht genügen
  • Völlig eingeschlafen ist in der eidg. Politik der Kampf gegen das Zivildienst-Unwesen. Wenn es mit dem Missbrauch des Zivildienstes so weitergeht, fahren wir die Armee mit 200 km/h an die Wand. Bundesrat und Parlament müssen die freie Wahl aufheben, die uns National- und Ständerat 2009 mit wahrhaft verheerenden Konsequenzen einbrockten. Zu erinnern ist an den grundlegenden Unterschied zwischen Militär- und Ersatzdienst: Der Soldat steht mit dem Leben für die Freiheit unseres Landes ein; noch so lange Zivi-Zeiten gelten das nicht ab.

Weichgespült

Gesamthaft hinterlassen das Résumé und der oft redundierende, mühsam zu lesende Bericht einen weichgespülten, letztlich pazifistischen Eindruck. Krieg, Kriegsgenügen, eine entsprechende Rüstung und Ausbildung, die Verteidigung von Volk und Land als Fundament, deutlich vor den paar 100 Schweizern im Ausland und der Hilfe bei Katastrophen, so ehrbar die letzteren beiden Armeezwecke sind – krasse Fehlanzeige!

Bei allem Respekt vor Zielen wie Versorgung, Cyber- und Terrorabwehr enttäuschen die bundesrätlichen Dokumente schwer. Erfolgt keine Umkehr, wird die Armee staatspolitisch nicht mehr ernst genommen. Wird sie mit einer derart ängstlichen, verschwommenen, modischen VBS-Führung an den Urnen noch bestehen?

*) Studium der Geschichte und des Staatsrechts, Dr. phil., Korrespondent der “Neuen Zürcher Zeitung” in Nahost, Chefredaktor 20 Jahre der “Thurgauer Zeitung” und 14 Jahre der Zeitschrift „Schweizer Soldat“, jetzt des Bulletin-1.ch. Oberst der Schweizer Armee, Batterie-, Bataillons- und Regimentskommandant. War Mitglied der Eidgenössischen Staatsschutzkommission, davon sechs Jahre als Präsident. Autor mehrerer Militär- und Nahostbücher.

7 Kommentare

  1. Tja, ich war in den 80igern bei der Radfahrertruppe von Ueli Maurer, unserem jetzigen Schweizer Finanzminister.

    Davor habe ich die RS gemacht….. habe 56 Gewehrgranaten mit Zusatzladung verschossen, sogenannte “UG-mit”. 13 Stielhandgranaten, usw.
    Munition war überreichlich da….. und wir verschossen sie auch (((-:

    Ich kannte vor 20 Jahren einen Deutschen Fernspäher…….. damit seine Truppe mal richtig das MG-3 beüben konnte, nahm er zuweilen die Munition selber mit. Ich lachte ihn damals aus.
    Heute würde ihn das wohl sogar noch ins Gefängnis bringen.

    Manches ist besser geworden…. in den 80-igern lernte man in der RS wie man sich im Verband bewegt….. das echte Kriegshanwerk würde man im Krieg selber lernen, hiess es damals.
    Heute hat mein Patenkind die RS gemacht. Sturmgewehr 90 mit Schalldämpfer, Laser, Nachtsichtgerät.
    Jeder Mann eine Pistiole-75 am Bein. MP-5 im Bestand und tragbare FN-Minimi Mgs.

    Aber sie haben Jokkertage….. Freitage die jeder selber wählen kann. Wir hatten die ersten 3 Wochen weder Ausgang noch Heimaturlaub.
    Später hatten wir Dienst bis Samstag 16°°…. sie haben Freitag Abend schluss.
    Wir 2 Nachtübungen pro Woche…… oft bis Mitternacht oder noch länger……
    Überlebenswoche mit 55km Fussmarsch…. und wir hättens noch viel weiter gekonnt.
    Im WK einmal Einrücken um 9°° und ausrüsten, dann Nachtmarsch am ersten WK-Tag ……von Abends 18°° ab Zuzwil St. Gallen……bis Welschenrohr / Solothurn am nächten Morgen um 9°°, das waren 220 km auf kleinen Wegen und Nebenstrassen, Maschinengewehr, Rackrohr und MH-lafette von 17 kg. auf Rad.
    Die leztzen 10 Km nach Welschenrohr fand noch das Kompagnie Wetrennen statt. Als die Kompagnie endlich ankam, standen da 2 Tische mit mehreren Hundert Cremeschnitten….. Ueli Maurer hatte die selber bestellt und privat bezahlt. Ueli Maurer, unser Schweizer Finanzminister.

    Heute ist das alles zivilisierter…….. mehr wie eine Schule, den eine Vorbereitung auf das Chaos im Krieg.

    Ich habe in der RS nur den Schlafsack erlebt, Bett hatte ich nie eins, die haben gemachte Betten in einer Kaserne.

    Gepanzerte Artillerie ist wenig vorhanden, Artillerie wie ein Cäsar-155 System mit Kanistermunition…. in unserer Topografie gegen Feinde……. = Massaker. Im WK-2 war eine der wichtigsten Lehren ……..gepanzerte Artillerie = Sturmgeschütze hiessen sie damals.

    Moderne Minenwerfen nur wenige vorhanden…. Festungen ausgemustert. Auch moderne Teile wie die Festungsminenwerfer und die Bison-Kanonen…… ausgemustert.
    Dabei ist im Krieg alles was ausgebaut ist………. nützlich. In unserer Topografie zudem auch mit modernen Raketen kaum zu erwischen.
    Panzer haben wir glaube ich noch etwas über 100 Leopard aktive …….und weit mehr eingelagert.

    Tja, und nun der “Geist” in der Schweiz.

    Damals ind en 80igern…. Nachts Marschhalt, Fahrzeug beim Bauern unterstellen, der parkiert seinen PW sofort raus.
    Tochter des Bauern bringt sofort heisse “Schüblig” Rösti und Salat, dann Kaffee und Torte.
    Bei der Rückverschiebung stehe ich Morgens um 2 an einer Kreutzung und achte darauf das auch alles noch mit dabei ist, keiner fehlt…… da bekomme ich einen heissen Kaffee-Schnaps. Ich denke es waren 70% Schnaps….. Da hat mich einer gesehen, ist aufgestanden und hat den gemacht nur um ihn mir zu bringen, Nachts um 2.
    Am nächsten Morgen….. ich verschlaufe mich kurz und bestelle im Restaurant, es war in der Gegend von Beinwil am See, Spiegeleier mit Speck. Ich bekomme 5 Spiegeleier und riesig viel Speck …. also es hätte für 3 gereicht, gekostet hats nicht einen Franken mehr.

    Heute hört man von sowas nichts mehr.
    Die Linken verachten jeden der Dienst leistet. Viele Leute ärgern sich wenn sie einem Truppenkontingent begegnen und das den Verkehr behindert.
    Sind mal Soldaten irgendwo….. sieht man keine Kinder mehr die “Bisquits” haben möchten.
    Die Soldaten selber sind weniger Selbstbewusst……… Offizier werden ist kein Bonus mehr fürs Zivilleben.

    Früher war das der Beginn einer zivilen Karriere. Allerdings musste man für höhere Grade auch in der FDP sein……

    War einer Lehrer und zum Leutnant tauglich…….. hiess es, sie machen das, sonst bekommen sie keine Lehrerstelle, nirgendwo.

    Damals schrieben sich solche die Offizier werden wollten, an einer Universität ein…….. wurden sie dann vorgeschlagen, löschten sie die Immatrikulation. …(((-:

    Tja…….. Als ich abgab….. habe ich viele Stgw-57 von Kameraden abgekauft…. 100-150 Franken das Stück.

    Offizierspistolen hatte ich hernach auch einige. Anstatt sie abzugeben, behielten sie die Offiziere und ich spendete ihnen ein Abendsessen mit ihrer Frau.
    Um die Waffen zu übernehmen brauchte es nichts….. nichts, kein Papier nichts.
    Heute wird alles Konrtrolliert…… wer seine Waffe behalten will, muss für die 150 Franken bezahlen…… und eine Schützen oder Sammlerbewilligung lösen.
    Aktive Angehörige der Armee bekommen ihre Waffe immer noch mit nach Hause, aber nur so lange sie Aktivdienstpflichtig sind.
    Taschenmunitioopn gits jedoch schon seit Jahren nicht mehr. Linke Weiber fühlten sich bedroht…..
    Taschenmunition war eine Erstaustattung an Munition um im Krisenfall um den Mobilmachungsort zu erreichen.

    Das war so eine kleine luftdicht versiegelte Blechbüchse mit 48 Schuss Munition drin.

    Man vertraut den Soldaten nicht mehr, die revanchieren sich indem sie der Armee nicht mehr vertrauen.

    Eine Waffe ohne Munition….. so ein Witz. Nun ja, ich hab meinem Patenkind……………

    Sind die Jungen noch wehrdienstfähig……..

    Nein, viele werden nbei der Musterung sofort ausgemustert, ………. vom Rest dürften nochmals 30% untauglich sein, so sie in einem Krieg ziehen müssten.

    Unsere Linken stellen den grösseren Teil der Bürger in der Schweiz, und LInks macht alles was mit Armee zu tun hat schlecht. Politisch ist denen klar, das junge Soldaten die ihren Dienst ernst nehmen, für links verlorene Seelen sind.
    Unsere Infanterie ist so kelin gemacht worden sie können noch knappe 7000 Mann dauerhaft im Dienst halten.

    21000 Infanteristen geteilt durch 3…. für Dreischichtbetrieb.
    Der Rest der 120ooo sind Dienste, Artillerie, Panzer, Flieger, Sanität, Versorgung……. usw. usf.

    Wir hatten in den 80-igern einmal eine Volksarmee von gegen 800ooo Mann.

    Damals fragte ich unseren Hauptmann….. was er denn in einem Krieg mit den “Alten” anfangen will.

    Der sagte zu mir….. Granaten in die Kanone schieben können 50-igjährige genausogut wie junge, oft sogar noch besser.

    Man muss sie nur richtig einsetzen….., dann haben wir genug Junge für die eigentliche Front.

  2. ZITAT: “Berechtigte Ziele – doch wo bleibt die Landesverteidigung?”

    Das habe ich mich im Zusammenhang mit dem Corona-Terror irgendwann auch mal gefragt. Meine vorläufige Antwort: Es gibt keine. Die Bundeswehr scheint eine Einrichtung für Dingsbums zu sein und sich für Landesverteidigung nicht zuständig zu fühlen. Eher führt sie mit einem General die Corona-Terrorbrigade noch an.

  3. Nötig ist omni-laterale Abrüstung. Dies ist möglich, denn der Kommunismus in China bricht zusammen. Dort ist die Geburtenrate (bzw. Fertilitätsrate) auf 1,2 gesunken (Deutschland 1,6). Bitte googeln: Manifest Natura Christiana

  4. Gegen wen soll die schweizer Armee das Land denn schützen? Gegen die deutsche Bundeswehr reicht ein mittlerer Schützenverein mit drei Kompanien.

  5. Freiheit ist nie kostenlos und auch nicht als Friedensdividende fuer lau verfuegbar. Die Unterminierung der Schweiz geht Schritt fuer Schritt voran. Kein Wunder, da es in vielen anderen Laendern schon so erfolgreich war.

  6. so ist das, wenn die Eliten transatlantisch ausgebildet werden und ihre Loyalität dem DeepStateUSA der Finanzeliten gilt.
    Aus deren Sicht ist die MadMax-Welt weitaus vorteilhafter – solange sie außen vor sind – und nur unter failed states können sie es bleiben.

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