Russland, die Ukraine, Putin und Deutschland

Von Dieter Farwick, BrigGen a.D. und Publizist

Ukraine, Krim und Russland (Bild: Archiv von Prof. Dr. phil. Dr. h.c. Reinhard Olt)

Russland hat bereits vor Wochen verkündet, dass es 2022 Seemanöver auf allen Weltmeeren durchführen wird – auch im Mittelmeer und im Schwarzen Meer.

Es ist für Russland nicht die erste Seeübung im Mittelmeer. Vor Jahren hat Russland bereits seine Seeübung mit Kriegsschiffen Chinas durchgeführt – ein bemerkenswertes Signal beider Staaten.

2014 hat Russland die Ukraine angegriffen, die Krim völkerrechtswidrig erobert  und die Provinzen von Donezk und Luhensk besetzt sowie unter russische Verwaltung gestellt.

Russische Streitkräfte sammeln „Kriegserfahrungen“ bei globalen Einsätzen. Aus ambitionierten globalen Einsätzen entstehen jedoch Gefahren für Russland, seine Ressourcen zu überreizen – eine Ursache für den Kollaps der früheren Sowjetunion.

Putins Ziel bleibt die Wiederherstellung der „Großmacht Sowjetunion“ in Augenhöhe der USA.

Die Ukraine ist ein Sonderfall im Osten Europas. Sie ist kein Mitglied der NATO. Bevor Russland in die Ukraine einmarschiert, kann die NATO keine wirkungsvolle militärische Unterstützung leisten. Der Westen hat die Ukraine nach der völkerrechtswidrigen Besetzung der Krim– mit der Bildung der russisch geführten autonomen Provinzen Donbass und Luhansk mit einem hohen Anteil russischer Staatsbürger – deutlich unterstützt.

Die Unterstützung hat die Verteidigungs- und Einsatzbereitschaft der Ukraine verbessert, aber sie hat keine Chancen, sich alleine gegen Russland zu verteidigen. Putin hat das Heft der Entscheidungen in seinen Händen. Er kann wählen zwischen räumlich begrenzten und kleineren  Vorstößen, um seine Muskeln zu zeigen.

Bleibt er damit unter dem Radarschirm des Westen wird dieser nicht eingreifen, sondern wird mit wirtschaftlichen und finanziellen Sanktionen reagieren.

Sollte Russland jedoch massiv angreifen und ukrainische Streitkräfte überrollen, könnte die NATO mit stärkeren Einsatzkräften versuchen, die russischen Streitkräfte aus der Ukraine zu verdrängen.

Ob die NATO-Staaten das Risiko eines längeren Landkrieges eingehen werden, ist zumindest in Deutschland inzwischen umstritten.

Die Forderungen des Kreml, die NATO müsse alle Truppen aus Osteuropa abzuziehen, sind maßlos und reine Provokation.

Das gilt auch für Behauptungen Russlands, die NATO habe vertragswidrig Truppen permanent in Osteuropa stationiert. Dies ist eine glatte Lüge.

Russland hat in dem Vertrag dem zeitlich begrenzten Aufenthalt von NATO-Truppen zugestimmt.

Auf Einladung der ost- und südosteuropäischen Länder nehmen Truppen der NATO rotierend und zeitlich begrenzt teil. Nach Übungsende kehren diese Truppen umgehend in ihre Standorte zurück.

Die Rolle Deutschlands

Deutschland spielt in dieser Frage eine entscheidende Rolle – besonders in den Augen der NATO-Verbündeten und Russlands.

Der „Spiegel“ bringt in der Ausgabe Nr.4  vom 4.1.2022 eine gründliche Beurteilung der Lage – nicht nur in militärischer Hinsicht.

Abschreckung ist die Gesamtaufgabe eines Landes und eines Bündnisses.

Finanzielle und wirtschaftliche Stärke sind ein wichtiger Pfeiler – wie auch der Behauptungswille und die Verteidigungsbereitschaft der Bevölkerung.

In den letzten Jahren ist für die Stärkung dieser Faktoren in Deutschland zu wenig geschehen – wie Umfragen immer wieder zeigen.

Die Deutschen wollen und können mehrheitlich nicht mehr kämpfen.

Der Kampfgeist ist im Wohlstand versunken.

Dieses Ergebnis ist niederziehend und erschreckend: Eine Mischung von Ohnmacht, Feigheit, Angst und Wegducken. Die Parteien zeigen keine Entschlossenheit, im Falle eines Falles mit NATO-Verbündeten zur Verteidigung der Ukraine einzugreifen.

Die Verbündeten werden dem Beispiel Deutschlands folgen – oder  nicht. Eher nicht. Kluge Entschuldigungen und Rechtfertigungen gibt es aus allen Parteien. In den Augen der Verbündeten hat sich Deutschland mit der neuen Regierung in ein Schneckenhäuschen zurückgezogen.

Deutschland wird von den Verbündeten als „unsicherer Kantonist“ eingestuft.

Die Versuche der USA, Deutschland zu einer starken Haltung zu bewegen, sind bisher ohne Erfolg geblieben. Putin hat als Geheimdienstchef im Osten Deutschlands die Mentalität der Deutschen hautnah miterlebt.

Die „hybride Kriegsführung“ Russlands zielt in „Friedenszeiten“ darauf ab, das „Bündnis NATO“ zu spalten und zu lähmen. Diesem Ziel ist Putin schon sehr nahe bekommen.

Wozu soll er einen Krieg starten, wenn er das Ziel  in den nächsten Jahren ohne scharfen Schuss erreichen kann?

Er sieht vermutlich einen „Königsweg“. Putin ist 70 Jahre alt. Es wäre sicherlich seine große Hoffnung und größter Erfolg seines Lebens, wenn es ihm mit Russland gelänge, ein positives Schlusskapitel für Russlands Geschichtsbücher zu schreiben.

Ein solcher Erfolg würde auch die Kritik an seiner Führung und an der schwächelnden Wirtschaft verstummen lassen. Er wäre „Wladimir der Große“.

Die NATO wäre hingegen auf Jahre ein Trümmerhaufen, wenn man den Wiederaufbau des Bündnisses  überhaupt wollte.

Uns bleiben leider nur Erinnerungen an bessere Zeiten.

34 Kommentare

  1. “Dieses Ergebnis ist niederziehend und erschreckend: Eine Mischung von Ohnmacht, Feigheit, Angst und Wegducken. Die Parteien zeigen keine Entschlossenheit, im Falle eines Falles mit NATO-Verbündeten zur Verteidigung der Ukraine einzugreifen.”

    Frage ist allerdings: Wie kämpft man gegen ein Land mit Atomwaffen? Und das als NATO die auch welche hat?

    Ist es nicht klüger, das bleiben zu lassen? Zumal die Ukraine nicht in der NATO ist?

    Auch konventionell können beide Seiten sich furchtbar schaden, mit zig Tausenden von Toten.

    1. Lieber Herr Rahrbach !
      Danke für Ihren Kommentar.
      Selbst wenn es zu einem konventionellen Krieg zwischen Russland kommen sollte, halte ich eine nukleare Eskalation für wenig wahrscheinlich,
      Ein nuklearer Krieg kennt nur Verlierer.

      Mit besorgten Grüßen

      Ihr

      Dieter Farwick

  2. Man sollte das Thema unabhaengig von Tagespolitik analysieren.

    Gibt es evolutionspsychologisch einen sehr grossen Unterschied zwischen Europaeern und den slavischen Voelkern? Einen so grossen Unterschied, dass man nur neben einander leben kann, aber nicht miteinander? Neben den persoenlichen Einschaetzung eines Jeden, kann man historisch analysieren, wie vor allem die Deutschen den Teil Osteuropas bis zum Ural ueber Jahrhunderte kulturell beeinflussten. Russische Kultur ist zwar klar unterscheidbar von z.B. der suedeuropaeischen, aber im Verhaeltnis sind die europaeisch/slavischen Unterschiede, zur vorderasiatischen, zur ostasiatischen, zur afrikanischen Kultur himmelweit.

    Nach dem 2. WK etablierte sich eine slavische Welt im Rahmen der Sowietunion und eine europaeische Welt im Rahmen der NATO. Hat die UdSSR diesen Wettstreit verloren, weil sie eben Slaven sind, oder weil sie dem Kommunismus auf den Leim gingen? Wenn die EU und die NATO die Staaten des ehemaligen ‘Ostblocks’ bedenkenlos aufnehmen kann, warum will man den deutsch/europaeisch gepraegten russischen Staaten kein vernuenftiges Angebot machen?

    Russland will weder der verarmte ost-europaeische Halbbruder des Westens bleiben, noch sich von den westlichen Finanzsystemen komplett vereinnahmen lassen, noch eine neo-kommunistische Woke-Kultur akzeptieren. Putin koennte darauf spekulieren, dass sich das amerikanische und chinesische Militaer irgendwann gegenseitig aufreiben. Danach waere er in 3 Tagen am Rhein.

    Die Nachkriegsordnung wurde durch den wirtschaftlichen Zusammenbruch des Kommunismus obsolet (auch wenn die US Ruestungsfirmen weiterhin ihre Dividenden fordern). Noch unsinniger wird diese Nachkriegsordnung durch den Aufstieg von China, und durch die Voelkerwanderungen aus dem nahen Osten und Afrika. Es waere an der Zeit vor allem den Amerikanern klar zu machen, dass die NATO von einem zirkumpolaren Buendnis abgeloest werden muss, welches Russland beinhaltet, um sich langfristig gegen die Inkursionen von China, dem nahen Osten und Afrika wehren zu koennen. Dazu muss sich Russland seine Vision des slavischen Grossreiches und die USA ihre Vision des Weltherrschers abschminken.

    Kriegsdrohungen und Sanktionen nutzen nur den Konkurrenten der europaeischen Voelker.

    1. “Nach dem 2. WK etablierte sich eine slavische Welt im Rahmen der Sowietunion und eine europaeische Welt im Rahmen der NATO. ”

      Oha. So einen Unsinn habe ich schon lange nicht mehr.
      Die Sowjetunion war ein Vielvöklkerstaat. Selbst Stalin war kein slawischer Russe, sondern ein Georgier. Georgier sind keine Slawen!

      Um zu verdeutlichen, warum ihre Aussage völliger Unsinn ist:
      In der Kommunistischen Partei in der Sowjetunion KPdSU saßen nicht nur slawische Russen, sondern auch viele andere Ethnien, die auch hohe Positionen und Ämter besetzten, darunter Kasachen, Tataren, Aserbaidschaner, Belarussen, Ukrainer usw.!

      In Stalins Roter Armee kämpften im Zweiten Weltkrieg nicht nur slawische Russen, sondern auch mehr als hunderttausend Juden, Tadschiken, Tataren, Armenier, Baschkiren, Belarussen (Weissrussen), Ukrainer.
      Chruschtschow war übrigens ethnischer Ukrainer (kein Russe)!

      Oder sind das alles für Sie Slawen?
      Putin betont in seinen Reden immer wieder, dass Russland und früher auch das Russische Reich schon immer ein Vielvölkerstaat war und multireligiös und es wird sich auch in Zukunft nicht ändern!

    2. ZITAT: “Dazu muss sich Russland seine Vision des slavischen Grossreiches und die USA ihre Vision des Weltherrschers abschminken.”

      Ich denke, um letzteres geht es hier vor allem. Das amerikanische Jahrhundert ist vorbei und die Amerikaner können es nicht ertragen, nicht der Welt-Boss zu sein. Sie versuchen mit aller Gewalt das unvermeidliche hinauszuzögern, und andere sollen – wie üblich – den Preis dafür bezahlen.

  3. NATO führte mit der Ukraine Militärübungen im Schwarzen Meer , direkt vor der Nase von Russland. Dabei ist die Ukraine noch nicht einmal NATO-Mitglied.
    Und natürlich haben die US Amerikaner ihre Lügen verbreitet, dass sie damit niemanden bedrohen würden…

    Keine Berichte in Deutschland: USA führen gefährliche Marinemanöver im Schwarzen Meer durch
    https://www.anti-spiegel.ru/2021/keine-berichte-in-deutschland-usa-fuehren-gefaehrliche-marinemanoever-im-schwarzen-meer-durch/

    Großbritannien bringt hunderte Panzer und anderes Kriegsgerät nach Deutschland
    https://www.anti-spiegel.ru/2021/grossbritannien-bringt-hunderte-panzer-und-anderes-kriegsgeraet-nach-deutschland/

    Georgien
    Weiteres Nato-Manöver an Russlands Grenze
    Die deutschen Medien erzählen uns immer, wie aggressiv Russland angeblich ist. Dabei ist es nicht Russland, das jeden Monat mehrere Manöver an der Grenze zum Beispiel der USA abhält. Nun ist Georgien Schauplatz einer weiteren Nato-Provokation gegen Russland.
    https://www.anti-spiegel.ru/2021/weiteres-nato-manoever-an-russlands-grenze/

    1. Der Panikmodus ist völlig irrational.
      Militärübungen sind normal und werden überall dort abgehalten wo es Militär gibt.
      Das verhält sich nicht anders, wie bei Katastrophenschutzübungen, Feuerwehrübungen, Polizeieinsatzübungen usw.
      Mal die Kirche im Dorf lassen.
      Übrigens sind die russ. Militärs an ihrer Grenze dauerstationiert und machen auf Permanent-Übung. Sollen wir da jetzt auch rund um die Uhr über eine “Provokation” wehklagen ?
      Russland macht sich lächerlich.

      1. Die arme Nato ist ja solch ein Unschuldslamm. Die können einem direkt leid tun https://de.wikipedia.org/wiki/Air_Policing_Baltikum Dauerstationierung ist ausgeschlossen, also wechselt man alle 9 Monate die Kontingente, um so mindestens vorzugeben, dass eine Dauerstationierung nicht stattfindet https://www.bpb.de/politik/hintergrund-aktuell/243279/nato-einsatz Wer macht sich wohl lächerlicher? Auch die Amerikaner wollen nicht in Kriegshandlungen in volviert werden. Übrigens würden sich jetzt nur noch 35% für Biden entscheiden. Creepy Joe is finished, kann aber, bevor endgültig von seinen Landsleuten matt gesetzt wird, noch viel Unheil anrichten, denn China könnte, was befürchtet wird, in Taiwan zuschlagen https://gellerreport.com/2022/01/china-joins-russian-in-ukraine-crisis-as-biden-may-deploy-troops-to-the-area-tensions-dramatically-escalate.html/

      2. Da können Sie mal sehn, wie ungleich schwerer es die NATO hat – und was das erst kostet.

        Na dann drücken Sie China mal die Daumen.
        Sie scheinen ja ein ausgemachter Gegner westl. Verteidigungsbündnisse zu sein.

      3. @anonymous: Bitte greife die Foristen nicht persönlich an. Ironie und Sarkasmus helfen nicht weiter.

        @Heidi: Es gibt viele Gründe, warum Foristen anonym bleiben oder andere Namen verwenden müssen

      4. Maria, das weiß und respektiere ich. Ich mag nur Menschen nicht, die unter einem Pseudonym meinen, andere angreifen und ihnen Dinge unterstellen zu müssen. Wenn man jemandem etwas unterstellt oder ihn angreift sollte man dazu stehen.

      5. @anonymus, was Sie alles so in andere Meinungen hineininterpretieren und wie Sie das bewerkstelligen bleibt Ihr Geheimnis. Jeder, der sich also nicht vollumpfänglich Ihrer Meinung anschließt, ist also ein Gegner. Wie verquer muss man sein, um auf solche Interpretationen zu kommen? Solch eine einfache Denke wünsche ich mir auch, das würde vieles einfacher machen. Leider ist das aufgrund meiner Erfahrungen nicht möglich, da ich auch tiefer gehende Einblicke in verschiedene Sachen gehabt habe, die für den Normalbürger nicht zugänglich sind. Aber wie wäre es, wenn Sie den Mut hätten, einen Klarnamen zu benutzen, anstatt sich feige hinter einem Pseudonym zu verstecken? Wäre doch ein Anfang, oder?

      6. Das war aber von mir gar nicht ironisch/sarkastisch gemeint, das ergibt sich einfach aus Heidis Kommentaren gar selbst.

        “Die arme Nato ist ja solch ein Unschuldslamm. Die können einem direkt leid tun.”
        … diese Ironie stammt nicht von mir.

        “wie ferquer – einfache Denke – feige”
        … auch diese persönlichkeiten stammen nicht von mir.

        Aber gut, Heidi will offensichtlich nichts eindeutiges gesagt haben und wartet auf ein Interwiev. Kann man ja machen, ich frage gerne.

        Also liebe Heidi,
        Was halten Sie denn von der NATO – braucht man das noch, wenn ja, für was, oder kann das weg ?
        Und was halten Sie von anderen militärischen Machtblöcken, wie z.B. dem russisch-chinesischen ?
        Und von einem europäischen Militär-Block ?
        Und glauben Sie, dass Europa mit Russland und China alleine zurecht käme ?
        Glauben Sie überhaupt, dass speziell von China eine Gefahr für den Westen ausgeht ?
        Wie ist das alles militärisch zu lösen ?
        Oder sind Sie der Meinung, dass alle militärischen Einrichtungen aufgelöst werden sollten – falls ja, wer sollte damit beginnen ?
        Falls nein : sind Sie wie viele andere auch der Meinung, dass der Sieger einer Auseinandersetzung moralisch im Unrecht ist ? Falls ja, warum ?

        … ich hab noch hundert Fragen, muss jetzt aber leider erstmal weg.

      7. Also liebe Heidi,
        Was halten Sie denn von der NATO – braucht man das noch, wenn ja, für was, oder kann das weg ?
        Die Nato sollte sich auf das konzentrieren, für das sie ins Leben gerufen wurde: zur Verteidigung und nicht als “Instigator” auftreten. Das man, auch für den Verteidigungsfall, gerüstet sein muss, versteht sich von selbst. Konflikte anzuheizen, zumal es um einen Staat geht, der weder zur EU noch zur Nato gehört, ist nicht die Aufgabe.
        Und was halten Sie von anderen militärischen Machtblöcken, wie z.B. dem russisch-chinesischen ? Das ist ein Artikel, der den heutigen Zustand sehr gut beschreibt https://www.nzz.ch/international/china-und-russland-die-annaeherung-hat-folgen-fuer-den-westen-ld.1625363 Gemeinsame Manöver wurden ja bereits abgehalten und wir sollten uns davor hüten, den russischen Bären zu einer Verbrüderung mit dem chinesischen Drachen zu zwingen. Das ist eine Situation, bei der wir nur verlieren können, denn einen Zweifronten-Krieg wird Europa nicht überleben. Ich gehe konform damit, dass der Westen sich bemühen sollte, diese Verbindungen nicht zu eng werden zu lassen.
        Und von einem europäischen Militär-Block ? Ein europäischer Militärblock hätte den Vorteil, dass wir selbst entscheiden könnten, wie wir handeln und nicht von außen in die Machtspiele anderer einbezogen werden können, sondern unsere eigenen Interessen vertreten.
        Und glauben Sie, dass Europa mit Russland und China alleine zurecht käme ? Nein, Europa könnte gegen diese Blöcke nicht bestehen, wenn sie sich zusammenschließen. Warum aber sollten wir ohne Not ein solches Szenario herbeiführen?
        Glauben Sie überhaupt, dass speziell von China eine Gefahr für den Westen ausgeht ? Von China geht in erster Linie eine Gefahr für den indo-pazifischen Raum aus, da China Bestrebungen, Taiwan wieder in das chinesische Mutterland einzugliedern, nie aufgeben wird. Desweiteren ist China im Moment noch in allererster Linie darauf bedacht, seine Einflussnahme und wahrscheinlich auch Hegemonie in diesem Raum auszuweiten und zu festigen.
        Wie ist das alles militärisch zu lösen ? Muss es unbedingt militärisch gelöst werden oder geht es auch diplomatisch?
        Oder sind Sie der Meinung, dass alle militärischen Einrichtungen aufgelöst werden sollten – falls ja, wer sollte damit beginnen ? Ich bin nicht der Meinung, dass alle militärischen Einrichtungen aufgelöst werden sollen. Wenn das geschieht, muss es einvernehmlich und kontrollierbar gemacht werden, das heißt, der Zugang, um diese Maßnahmen zu überwachen, muss uneingeschränkt möglich sein.
        Falls nein : sind Sie wie viele andere auch der Meinung, dass der Sieger einer Auseinandersetzung moralisch im Unrecht ist ? Falls ja, warum ? Nein, warum sollte der Sieger einer Maßnahme moralisch im Unrecht sein. Solche Handlungen gehen immer von zwei Seiten aus, es sei denn, jemand verletzt vorsätzlich in kriegerischer Absicht, das Territorium eines anderen Staates (hatten wir schon alles und nicht nur von Deutschland ausgehend). Vielleicht erklären Sie auch noch, auf welches Interview ich warte.

      8. Heidi,
        als Interwiever beantwortet man keine Fragen, man stellt sie nur.
        Danke für Ihre Antworten, wenn Sie erlauben, werde ich mich zu gegebener Zeit darauf berufen.

        Meine pers. Sicht der Dinge sieht natürlich in einigen gestellten Fragen grundlegend anders aus als die Ihre, und das mag auch der Grund dafür sein keinen Konsens zu finden.

        Ich halte das NATO-Bündnis für Europa unabdingbar, – die chinesische Gefahr auf allen Ebenen für hochgradig, – Russlands Erpressungen für nicht hinnehmbar.

        Die Ukraine bittet als NATO-Beitritts-Anwärter um Hilfe, also bekommt sie auch Hilfe.
        Nicht in der gewünschten Form durch Truppenverbände, dafür mit Verteidigungsmaterial, was einem klassischen Rüstungsgeschäft entspricht.

        Russland weiß, dass der NATO-Beitritt nur stattfinden kann, wenn die Ukraine über friedliche Grenzbeziehungen verfügt. Das ist eines der Aufnahmekriterien. Und das ist auch der Grund dafür, dass Russland dort seit acht Jahren interventiert bzw. proruss. Rebellen intervenieren lässt.

        Ich höre weder auf Falken noch auf Tauben, ich höre auf meinen Verstand.
        Die Diplomatie kann hilfreich sein, aber nicht in jedem Fall, denn zur Diplomatie gehören zwei.
        Zuguterletzt bin ich auch nicht vom Typ “Scheut jede Konfrontation um des lieben Friedens Willen”. Das halte ich für einen äußerst unwürdigen Zustand.
        Der kalte Krieg wurde nie beendet – müßig den wahren Schuldigen zu suchen – jedenfalls kann nicht kalter Krieg für immer sein. Irgendwann muss sich eine Seite durchsetzen und da bin ich halt lieber auf der Gewinnerseite.
        JA, ich bin überzeugt davon, dass sich der Westen durchsetzen wird und das ist auch gut so.
        Ich habe keine Angst vor Krieg und Frieden !
        Frieden kostet was, und er kostet es immer wieder – genau wie die Freiheit, die gibt es auch nicht umsonst.
        Mich kann man nicht mit Krieg erpressen. Wer das versucht, lernt mich kennen.
        Das ist halt eine Typfrage.

      9. @Anonymus, danke für Ihre Antworten. Ich weiß, das ein Interviewer keine Antworten geben sollte, aber es gibt Suggestivfragen, in denen die Antwort schon enthalten ist und der Interviewte nicht anders antworten kann. Meine persönliche Erfahrung.

      10. Das ist richtig.
        Da ich kein gelernter Interviewer bin und sehr wahrscheinlich die objektive Fragestellung noch üben muss, hoffe ich, Sie nicht in Bedrängnis gebracht zu haben.
        Sieht mir bis auf ein, zwei kleine unverkneifbare Schnitzer meinerseits nicht danach aus.

      11. Lieber Anonymus !
        Ihrem Kommentar stimme ich weitgehend zu.
        Es gibt keinen Anlass zur Panik.
        In meiner aktiven Dienstzeit von 39 Jahren habe ich etliche Krisen erlebt. Man gewöhnt sich an krisenhafte Entwicklungen.
        In Deutschland hat man sich zu wenig mit möglichen Krisen befasst. Daher entsteht hier in Deutschland schneller Hysterie, die klares Denken blockiert.

        Mit besten Grüßen

        Dieter Farwick

    2. Wo finde ich den beim R. Berichte über die Dauerstationierung von russischem Gerät und deren Manöver. Unabhängig davon gehören Manöver halt eben dazu. War vollkommen natürlich zu meiner Zeit bei der Marine. Da gab es einen Plan wo jeder sehen konnte an welchem Manöver welches Schiff teilnehmen wird.

      1. Ich fürchte, die Wahrheit wird man nirgends erfahren, denn wie sagt schon Bismarck “Es wird niemals so viel gelogen wie vor der Wahl, während des Krieges und nach der Jagd” https://uacrisis.org/de/russische-truppen-an-der-grenze-zur-ukraine-ueberblick-zur-krise-an-der-belarussisch-polnischen-grenze-covid-19-in-der-ukraine-und-weitere-meldungen as ist das, was ich gefunden habe, stehe aber auf dem Standpunkt, man sollte weder der einen noch der anderen Seite gleuben, den jeder versucht, das Beste für sich herauszuholen.

      2. @Heidi: Na, selbstverständlich der Aussage, der Du gerade zitiert hast: ““Es wird niemals so viel gelogen wie vor der Wahl, während des Krieges und nach der Jagd”
        Neu für mich, aber m. A. n. HÖRT man es ihm sagen.

      3. Theresa, ich habe es zuerst nicht richtig gelesen, deshalb die Frage. Ich habe Kopfhörer auf und höre Tangomusik. Da wa ich mit meinen Gedanken woanders. Tut mir leid. Aber recht hat er mit seiner Aussage.

  4. Herr Farwick, ich mag Ihre Beiträge sehr und möchte Ihnen keinesfalls persönlich zu nahe treten. Wenn wir Russland wegen der Annexion der Krim verurteilen, müssten wir dann nicht auch die USA verurteilen, die die Hawaii-Inseln unter Einsatz von Kanonenbooten in die Union zwangen. Das Gleiche gilt für Texas und andere Staaten. Was würde passieren, wenn diese Staaten eine Abspaltung betreiben würden, wie es in Hawaii und Texas heimlich gewünscht wird? Warum lässt man nicht die Menschen im Donbass und Luhansk selbst entscheiden, zu welchen Land sie gehören wollen, wenn dort, wie Sie anmerken, zum Großteil Russen leben? Vor Kurzem habe ich einen Beitrag über die Krim gesehen und das im öffentlich-rechtlichen TV. Die Menschen waren dort sehr zufrieden, auch die Ukrainer, die dort leben, denn, wie sie gesagt haben, wurde viel für sie und die Infrastruktur getan. Der Kampfgeist ist in Deutschland nicht im Wohlstand versunken sondern die Deutschen wollen einfach keine Kriege mehr und schon gar nicht für andere. Der Behauptungswille wurde uns seit 2015 systematisch ausgetrieben, in dem jeder, der gegen diesen Asylantenstrom war, als Nazi gebrandmarkt und mit sonstigen netten Namen bedacht wurde. Ich bin ein Kriegskind und habe während meiner Kindheit bis zum Erbrechen von meiner Mutter und von Verwandten zu hören bekommen, wie die Zeit des Krieges war. Auch während meiner Arbeitszeit beim Militär habe ich hautnah miterlebt, was diese Kriege mit Menschen machen, wenn sie denn zurückkommen. Wir waren bereits unter RotGrün an einem völkerrechtswidrigen Krieg in Jugoslawien beteiligt und haben in Afghanistan unsere Soldaten und Soldatinnen ohne Grund verheizt und sie hinterher schmählich im Stich gelassen. Unsere Politiker hatten noch nicht einmal soviel Ehre und Anstand zu erscheinen, als das letzte Kontingent zurückkam. Meine Kinder und Enkel sind nicht auf dieser Welt, um für irgendwelche irre gewordenen Politiker die Köpfe hinzuhalten und ihr Leben zu geben, denn die und ihre Kinder sitzen sicher in irgendwelchen Bunkern und der “Pöbel” ist als Kanonenfutter gerade gut genug. In diesem Fall, sollte es zum Krieg kommen, werden wohl keine Kanonen mehr eingesetzt sondern ganz andere Kaliber an Waffen. Übrigens hält nicht nur Russland ein Manöver im Mittelmeer ab https://www.n-tv.de/politik/NATO-kuendigt-grosses-Manoever-im-Mittelmeer-an-article23077159.html aber wenn zwei das Gleiche tun ist es noch lange nicht dasselbe. Nie wieder Krieg von deutschem Boden, hat es doch geheißen- Krieg auf deutschem Boden brauchen wir auch nicht.

    1. Liebe Heidi Walter !
      Danke für Ihren Kommentar.
      Leider sind Vergleiche aus verschiedenen Zeiten immer problematisch.
      In den vergangenen 80 Jahren haben Russland und China mehr Menschen
      in kriegerischen Aktionen mehr Menschen getötet als die NATO – sogar im eigenen Land.

      Mit besten Grüßen

      Ihr

      Dieter Farwick

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