Von Sven Geschinski

Satiredemo vor der Heilig-Geist-Kirche in Heidelberg

Conservo hat schon mehrmals am Beispiel der altehrwürdigen Neckarstadt Heidelberg über den Corona-Widerstand, die Aktivitäten der Spaziergänger und ihre Erfahrungen mit Polizei sowie Gegendemonstrationen berichtet. Was letztere betrifft, so hat es das woke Bündnis „Progressives Heidelberg” trotz mehrerer fast schon verzweifelter Anläufe und der Unterstützung fast aller Heidelberger Parteien bislang nicht fertiggebracht, eine nennenswerte Demo gegen die „bösen Spaziergänger” und „Coronaleugner” zu organisieren. Typische Flyer-Aufrufe dieser Gegenbewegung, wie sie vor allem in der Heidelberger Weststadt – dem Biotop aller Schneeflöckchen, Lastfahrradfahrer, Rastalockenträger und Duttmänner – verteilt werden (so auch letzte Woche wieder), sehen in etwa so aus:

Seit Wochen versuchen die Linken, Grünen und die Kirchen GEGEN die Satiredemos und die Spaziergänger, die gegen das Coronaregime sind, zu mobilisieren. Allerdings mit sehr mäßigem Erfolg. Es scheint, dass sogar die Linken und die antifa genug von der Maske und all den anderen Schikanen haben. Das obige Flugblatt war ein erneuter, kläglicher Versuch der Grünen, GEGEN die Satiredemo zu mobilisieren. Das Flugblatt wurde in der Heidelberger Weststadt – dem Biotop aller Schneeflöckchen, Lastfahrradfahrer, Rastalockenträger und Duttmänner – verteilt. Allerdings lockte es kaum jemanden hinter dem warmen Ökoofen hervor. Oder – das “Worst-Case-Scenario” – die Zielgruppe machte gar selbst bei den verhaßten Satiredemos und Spaziergängen mit.

Doch wie überall in Deutschland will kaum einer dem erbarmungswürdigen Häuflein linker Sektenbrüder und Impf- wie Maßnahmenverherrlicher folgen. Deshalb dachten sich in Heidelberg die Spaziergänger und Montagsdemonstranten mitleidsvoll dies: Warum sollten die „Coronaleugner” nicht einfach ihre eigene Gegendemonstration organisieren? Gesagt, getan – geboren war die Idee einer Satire-Kundgebung sorgte, mit der die „zivilgesellschaftliche” Gegenbewegung vorgeführt werden sollte.

Was auch prompt gelangt. So versammelten sich vorgestern Abend an der Bismarck-Büste im Heidelberger Stadtzentrum die ansonsten gegen Impfpflicht und Coronaterror protestierenden Spaziergänger – diesmal allerdings ausnahmsweise einmal in der Maskerade „staatstreuer Bürger”, um dort Karl Lauterbach („der größte Stecher Deutschlands”) und seinesgleichem öffentlich zu huldigen und die Regierung zu unterstützen – wenn es denn sonst schon keiner tun will. Vom Bismarckplatz ging es sodann durch die Hauptstraße; dabei schleuderten die Aufrechten den ebenfalls zugegeben verschwurbelten „normalen“ Spaziergängern das entgegen, was Grüne und Linke schon immer gern sagen wollten, aber sich nie getrauten: „Gesellschaft spalten, Macht erhalten!”, „Lieber Hass und Hetze als die alten Grundgesetze” und „Tagesschau macht schlau!”. Die Wirkung wurde unterstrichen durch eine ganze Reihe origineller Plakaten mit verschiedenen Motiven: „Boosterzwang ein Leben lang” und „Deutschland den Geimpften – Ungeimpfte raus!” lauteten einige der Slogans der obrigkeitshörigen staatstreuen Bürger.

Seine Inzidenz Willkürzner I. gibt sich die Ehre

Lob gab es auch für die „guten“ Gegendemonstranten und dafür, dass endlich wieder viele deutsche Bürger so toll mitmachen bei den staatlichen Zwangs-Schutzmaßnahmen und bei der Diskriminierung Unbelehrbarer und Ungeimpfter. Folgerichtig forderten die Demonstranten noch mehr Ausgrenzung Andersdenkender. Auf dem durch die Polizei vor den staatsgefährdenden Spaziergängern abgeschirmten Marktplatz fand dann der Höhepunkt der regierungstreuen Demo statt: die Krönung von Winfried Willkürzner I., der auf den Stufen des Rathauses umgehend verschärfte Corona-Maßnahmen ankündigte – was seine Untertanen schlagartig in größtes Entzücken versetzte. Der Jubel kannte keine Grenzen, als der neue Kurpfälzer König („Ich arbeite nur mit den besten Kurpfuschern zusammen”) Dr. Karl Lauterbach zum neuen Hofarzt für Volksgesundheit ernannte. Seine Inzidenz Willkürzner I. führte danach den Krönungszug durch die Hauptstraße zurück zum Bismarckplatz, wo die Huldigung der Regierung mit dem gemeinsamen Absingen des Liedes „Die Partei, die Partei, die hat immer recht” ihren würdigen Abschluss fand.

Die Demo hielt in ihrer grotesken Überzeichnung so manchem obrigkeitshörigen Regierungsfan den Spiegel vor und zeigte auf, was in diesem sogenannten „Pandemie-Regime” (Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann) alles so entsetzlich falsch gelaufen ist. Denn wie viele Bürger waren – bitterernst und ganz ironiefrei – nicht in den letzten zwei Jahren bereit gewesen, vor lauter Angst oder aus blindem Vertrauen in die Regierung auch noch die bizarrsten Grundrechtseinschränkungen hinzunehmen? Sicher ist: Erschreckend viele.

Trotz dieses ernsten Hintergrunds machte die Satire-Demo auch viel Spaß – und zwar nicht nur den Teilnehmern: Viele Passanten schmunzelten, lachten oder klatschten Beifall, sobald sie den hintergründigen Sinn der Demonstration verstanden hatten. Eine Dame schnappte sich sogar ein Schild und schloss sich spontan der Versammlung an. Ein Stück weit hinter der angemeldeten Satire-Demo liefen übrigens die echten Spaziergänger, 350 an der Zahl. In ganz Baden-Württemberg waren es auch an diesem Montag wieder Zehntausende.

Fotos: Sven Geschinski