Von Hermes

Die Chancen stehen gut, dass die Kleine eine Coronaleugnerin ist. Bild: Pixabay

Guilt and shame cultures in the thought of Rabbi Jonathan Sacks ist eine von mir kommentierte Zusammenfassung einer Diskussion seit den 40er Jahren. Es gibt Kulturen, die durch Schuld geprägt sind, und andere, wo eher Schande vorherrscht. Worum geht es?

Schuld beruht auf dem individuellen Gewissen, der inneren Stimme. Wir sagen uns selber, wann es Zeit für einen tiefen Blick nach innen. Schande kommt von außen, von anderen. Gretchen trug sicher nicht viel Schuld, die Schande trieb sie in den Selbstmord.

In Kulturen, bei denen Schuld im Vordergrund steht, wie den biblischen, steht der Mensch als verantwortlich Handelnder direkt vor seinem Gott. Das Individuum muß seine Gewissenskonflikte mit Gott und sich ausmachen unabhängig davon, ob seine Schuld anderen Menschen bekannt ist. Entwicklungspsychologisch lernt bereits das Kind, sein Gewissen zur Steuerung seines Verhaltens einzusetzen.

In Kulturen der Schande steht der Mensch vor der Gesellschaft. Diese tendieren zu Kollektivismus und Konformismus. Der äußere Anschein ist wichtiger als das Innere. Aufrichtigkeit, Ehrlichkeit oder auch einmal eine Entschuldigung für Fehlverhalten werden selten; eher leugnet man sein Verhalten, bezichtigt andere oder erklärt sie zum Grund.

„Schuld-Kulturen“ sind weniger empfänglich für Orwell´sches Groupthink (Gruppendenken) und dessen modernen Bastard „Politische Korrektheit“. Sie sind durch innere tiefe Überzeugungen lebendes Korrektiv gegen Herdentrieb. Sie fördern persönliche Verantwortung auch im Gegenwind. Gott und ihr Gewissen sind stärker als private und politische Meinungen anderer Menschen, wie mächtig diese auch seien.

Es drängt sich der Schluß auf: In Kulturen, die Gott abschaffen, tritt Schande vor Schuld.

In der Schuld-Kultur ist der sündigende Mensch trotzdem von Gott als sein Abbild geschaffen, seine Seele bleibt rein. Die Bibel strotzt von Beispielen von Reue, Abkehr, Buße und Erlösung, sakramentalisiert als Beichte und Absolution. Sie trennt schon in Genesis die Sünde vom Sünder. Er kann jederzeit von neuem beginnen: Läßt er die Sünde hinter sich, erlischt seine Schuld. Die Schuld oder die Gewissen-Losigkeit haben also eine reinigende Funktion für das Individuum und die Gesellschaft.

In der Kultur der Schande wird der Mensch seinen „Fehler“, ob Sünde oder Verstoß gegen kafkaeske Denkge- und verbote, nicht mehr los. Kann sich nicht reinwaschen.

“Ich bedaure, Ihre Karte wurde wegen Ihrer politischen Einstellung abgelehnt.”

Wie schon so oft geschrieben: Das Kennzeichen der modernen Cancel Culture ist die soziale Vernichtung. Beruf, Vermögen etc. werden angegriffen oder sogar zerstört. Die Übersteigerung war Trudeaus Maßnahme, nicht nur Vermögen der Trucker zu beschlagnahmen, sondern sogar deren Haustiere, und mit deren Euthanasie zu drohen. Wer als Unbeteiligter den Truckern nur 10 US$ spendete, fand alle seine Konten beschlagnahmt.

Der berühmte Primatologe Frans de Waal bewies, daß Schimpansen durch Beschwichtigungsrituale Gruppenharmonie wiederherstellen. Rabbi Sacks zeigte, daß noch bei Sophokles die Gesellschaft durch Schande dominiert ist. Schwellfuß Ödipus wird unschuldig schuldig, er trägt keine persönliche Schuld an Vatermord und Mutterheirat, der klassischen tragischen Verstrickung.

Erst der biblische Mensch ist seines Glückes Schmied in voller Verantwortung vor Gott für sich und die Seinen. Des Erwachsenen, der für sein Tun wie sein Lassen volle Verantwortung trägt.

So zeigen uns die Studien des 2020 verstorbenen Oberrabbiners von England, wie die Weltkulturen unser tägliches Leben auch heute bestimmen.

Sie zeigen, daß das Abendland als die bis vor 100 Jahren größte Weltkultur auf dem Rückweg zu Kulturen der Heiden und sodann der Primaten ist: In einem gottlosen Staat, denn der biblische Gott ist dessen Staatsfeind Nr. 1.

Es ist höchste Zeit, die sogenannte Aufklärung so zu verstehen, wie Nietzsche es tat.