Abtrünnigkeit von der Ukraine – was, wenn die Bayern …?

– Unabhängigkeitsbestrebungen sind Teil der Geschichte Europas
– Meist hatten sie ökonomische Gründe und keine ethnischen
– Die Anerkennung zweier Republiken könnte den Krieg abkürzen

Von Albrecht Künstle

Der Tegernsee in Bayern. Dort, wo die fleißigen “Landeier” arbeiten und die faulen, “aufgeklärten” Menschen in Berlin finanzieren. Bild: Pixabay.

Warum wollen die Bayern keine Autonomie wie andere „Völker“ in Europa? Diese Frage stellt sich eigentlich jedes Jahr, wenn die Zahlen des Länderfinanzausgleichs vorliegen. „Nur Bayern zahlt noch mehr“ als Baden-Württemberg, titelte meine Regionalzeitung. Über 17 Mrd. Euro werden zwischen den Bundesländern umverteilt, von West nach Ost, insbesondere aber vom Süden in den Norden. Am meisten profitieren vom Geldsegen die Schöngeister im Land Berlin, das im letzten Jahr mit 3,6 Mrd. Euro alimentiert wurde. Immerhin gilt die Hauptstadt als „sexy“, auch wenn dort nichts mehr funktioniert.

Baden-Württemberg löhnte rund 4,0 Mrd. für die Deutschlandmetropole zusätzlich zu den direkten und indirekten Abgaben der Steuerzahler der Länder. Bayern entrichtet sogar 9,0 Mrd. EUR für den Finanzausgleich – mehr als die Hälfte des verteilten Kuchens, den die Bajuwaren gebacken haben. Und beide mucken immer noch nicht auf, zumindest für hochdeutsch Sprechende nicht erkennbar.

Die Elsässer tun sich schwerer mit ihrer Zentralregierung in Paris. Unsere Nachbarn jenseits des Rheins sind ebenso fleißig wie wir und wollen sich von der Zentralregierung nicht so viel Geld abknöpfen und überdies auch nicht bevormunden lassen. Ganz ähnlich wollen die Katalanen in Spanien nicht mehr so viel nach Madrid überweisen. Die spanische Regierung jedoch will ihre sprudelnden Geldquellen erhalten. Auch bei den ernsthaften Konflikten in Nordirland und Südtirol spielte das liebe Geld eine Rolle, das von den einen erarbeitet und von anderen „auf den Kopf gehauen“ wird.

Auch die Kroaten waren die Zahlmeister Jugoslawiens und wollten nicht mehr den Großteil ihrer Einnahmen aus dem Tourismus nach Belgrad abführen müssen. Titos Tod folgten Unabhängigkeitsbestrebungen, die nach Genschers bzw. Deutschlands Anerkennung von Kroatien zum 15. Januar 1992 – als erstem Land überhaupt – in die Jugoslawienkriege mündeten. Dabei hatte er es ja nur gut gemeint nach dem Motto Kann denn Anerkennung Sünde sein. Auch Slowenien wurde von Deutschland in einem Aufwasch anerkannt. Zweifellos schöne und tüchtige Länder, die gut zu Europa passen.

„Nationalstaaten waren gestern, Europa solle ein Kontinent der Regionen werden“, wurde zur Devise. Der Europapolitiker Elmar Brok:Ich glaube, dass in vielen Bereichen die Nationalstaaten doch Träger von Kultur, Identität, Interessen sind, dass man, glaube ich, Europa nicht auf alle Nationalstaaten aufbauen kann. Da werden viele Staaten, die anders strukturiert sind als Spanien, nicht mitmachen. Deswegen muss man sagen, dass ein Europa der Regionen auch gefördert werden muss. Man muss die Regionen fördern und den Nationalstaat in seiner Rolle anerkennen. Die Heimat, die Region, der Nationalstaat und Europa, alles drei zusammen in ein vernünftiges Verhältnis zu bringen und nicht eines der Dinge dabei auszuschließen,“ so Brok.

Jetzt geht es um die Regionen Donezk und Luhansk. Auch diese wollen unabhängig sein von der Ukraine. Aber die Regierung in Kiew will sie nicht ziehen lassen und bekämpft die 2014 selbsterklärten Volksrepubliken, also seit acht Jahren mit tausenden Todesopfern. Einerseits sieht Kiew diese Republiken immer noch als Oblaste der Ukraine an, andererseits stellte sie dortigen Einwohnern keine Pässe aus, zahlte keine Renten u.v.m. Auch diese industriell entwickelten Regionen im Südosten der Ukraine, an Russland angrenzend, zählten zu den Geberländern. Sie waren nicht mehr bereit, die Schöngeister im 700 km entfernten Kiew zu unterhalten. Und jetzt ist richtig Krieg, ein Bürgerkrieg, in dem sich fast gleich viele ukrainische und russische Bewohner bekämpfen, jeweils unterstützt von Kiew auf der einen und Moskau auf der anderen Seite.

Jetzt die Gretchenfrage: Was wird sein, wenn es den Bayern wegen Berlin zu bunt wird? Und auch zu „interkulturell“ und „multilateral“? 1919 erklärte sich Bayern als unabhängig vom Deutschen Reich. Und behielt seinen Status auch nach 1945 zumindest dem Namen nach bei. Nehmen wir an, Bayern ist wie im fernen Donezk und Luhansk nicht mehr bereit, die Extratouren in Berlin und anderen Hochburgen des bunten Deutschlands zu finanzieren, was dann? Die Rüstungsindustrie ist auch in Bayern daheim! Und Bayern kann nicht nur Tore schießen. Würde Deutschland den Bayern den Krieg erklären wie es die Ukraine den Abtrünnigen gegenüber tat? An welche Seite würden die NATO-Länder Waffen liefern?

Ein Europa der wirklichen Regionen wäre wohl friedlicher als das gegenwärtige zentralistische Europa mit dem Moloch Brüssel, eingebettet in die von den USA beherrschte NATO. Und auch Osteuropa wäre jetzt friedlicher, würde die Ukraine auf die ebenso wenig wie Russland „friedfertige“ NATO verzichten. Beide Blöcke, verführt von den USA und Russland, stehen nach 1990 für jeweils 21 bewaffnete Konflikte/Kriege in der Welt. In Osteuropa könnten jetzt weniger Menschen sterben, wenn Deutschland es Russland gleichtun und die beiden Volksrepubliken sowie die Autonome Republik Krim anerkennen würde, wie es damals durch Genscher für den Balkan geschah. Mit einem Unterschied: Jene Anerkennung war der Auftakt eines Krieges; die jetzige Anerkennung könnte zur Beendigung eines Krieges beitragen.

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17 Kommentare

  1. Genauso wie die Alterspyramide ist die Hierarchiepyramide umgekippt. Es gibt immer mehr Leute in Regierung, Buerokratie, den NGOs, Stiftungen, usw., die dem Letzten, der noch produktiv arbeitet, mit Vorschriften ueberschuetten, inkl. der dazugehoerigen Zahlungsverpflichtungen. Es ist so wie der sprichwoertliche Siemens Achter: einer rudert, 7 trommeln.

    Eine echte Lokalisierung wuerde doch bedeuten, dass Steuern und Abgaben von der Gemeinde festgelegt werden, also Leuten, die man ggf. persoenlich kennt, und die man abends in der Kneipe oder beim Fussball trifft, die man direkt gewaehlt hat. Und diese Gemeinden muessen einen KLEINEN Anteil ihrer Einnahmen an das Bundesland und den Bund abtreten, fuer die Staatsaufgaben, die nur zentral zu erfuellen sind. Nur dann macht es auch einen Unterschied, wen man in den Gemeinderat, oder als Buergermeister waehlt. Und das waere eine traditionell deutsche, mittelalterliche Hierarchiestruktur, in der Demokratie funktionieren kann.

    Die Leute koennen dann auch wirklich mit den Fuessen abstimmen, wenn sie z.B. von einer linken Gemeinde in einer rechte umziehen, und umgekehrt. Das ist heute doch kaum ein Unterschied, wenn lokal fast nichts entschieden werden kann, weil die Zentralvorgaben von der EU, Berlin, usw. bis ins kleinste Lebensdetail bestimmend sind.

  2. @Jetzt geht es um die Regionen Donezk und Luhansk. Auch diese wollen unabhängig sein von der Ukraine.
    Es geht doch nicht um die Unabhängigkeit als solche – es geht darum, daß die Politiker in Kiew die Menschen in diesen Gebieten nicht respektieren und in Ruhe leben lassen. Sie wollten ihnen die Sprachevorschreiben uvm – kurz – sie haben sich aufgeführt wie das Cum-EX-Regime gegenüber den Menschen in Deutschland – als Eigentümer und Besitzer, denen sie vorschreiben wollen, was sich im Interesse einiger elitären Kreise als Experiment spritzen lassen sollen – sie haben sich aufgeführt wie Herren gegenüber ihrem Eigentum.
    Und ehrlich gesagt – wenn man die Berlin-Hörigen Landtage – also die Politiker – gleich mit entsorgen würde, könnte ich mir eine Trennung von Berlin auch vorstellen – zurück zu den Kleinstaaten vor 1871 .
    Die Zusammenarbeit der deutschen Völker finde ich gut – aber sie hat heute keine Politiker mehr, die dieser Aufgabe entsprechen – deshalb wäre es eine Lebensnotwendigkeit heute, kein eigenständiges Ziel.
    Und die Bayern – wären wir zumindest den Söder los !

  3. Warum wollen die Bayern keine Autonomie wie andere „Völker“ in Europa?
    Gans einfach, die Bayern sind Eytniche Deutsche und kein fremd Volk, noch ne frage.

    1. @Auch wenn deutsch nicht Ihre Muttersprache sein mag, achten Sie bitte auf die Rechtschreibung. Es gibt dafür auch Korrekturprogramme.

      1. Es geht um eine ordentliche Rechtschreibung. Halten Sie sich bitte daran.

  4. Ausgerechnet Brok als Beispiel
    Brok ist einer der schlimmsten EU-Büttel!

    :::::::::::::
    „Wir brauchen eine Politik der Willigen in Europa“

    Der dienstälteste EU-Abgeordnete spricht über die Ideen von CDU und CSU für Europa und die kommende Wahl sowie die Probleme der EVP mit Viktor Orbán.

    (Broks Kernsätze im Text lautet)

    ….Den Schwesterparteien gehe es darum, den Wunsch nach einem „gemeinsamen Europa“ herauszustellen und auf die Erfolge der EU hinzuweisen. ….

    …Was wollen CDU und CSU denn?

    Wir werden klar herausstellen, dass wir ein gemeinsames Europa wollen, und werden auf die einzigartige Erfolgsgeschichte hinweisen. ….

    https://www.handelsblatt.com/politik/international/elmar-brok-im-interview-wir-brauchen-eine-politik-der-willigen-in-europa/24062710.html
    ::::::::::

    „Nationalstaaten waren gestern, Europa solle ein Kontinent der Regionen werden“, wurde zur Devise.

    Nein ! Schärfster Wiederspruch!

    -die Wüste, ein Region
    -der Regenwald, eine Region
    -die Serengeti, eine Region
    -die Arktis/Antarktis, eine Region
    -das Death Valley, eine Region
    – u.v.m.

    …alles keine Vaterländer!

    Was wir brauchen und viele wollen ist ein souveräner starker Nationalstaat, die Vorrausetzung um im eigenen Lande selbstbestimmt leben zu können. Nationalstaat ist im Großen, was die Familie im Kleinen ist!

    Diese EU muss weg!

    Und jetzt fragt mal WARUM die derzeitige Politik die Familie als gesell. Basis und den menschlichen Zusammenhalt durch Genderscheiss, Diversitie und änlichen Mist bewusst zerstören will!

    Selbsbewustsein und Sicherheit in Einigkeit der Völker!

    Darum wollen die Berliner Banden und machtanmaasende Brüssler Politnicks alles zerstören.

    Die Ukraine gehört zum russ. Nationalstaat bevölkert von einer ethnischen Minderheit.
    Man könnte es mit einem Indianerreservat vergleichen! Die Ukraine müsste geteilt werden

    -eine Landmasse für die Separatisten
    -eine Landmasse für die Russlandtreuen.

    …meine Meinung!

    1. Der Blackrock-Vorsitzende vom Club Der Unfähigen (CDU) überschlägt sich fast, um seine Intelligenz rauszuposaunen https://www.t-online.de/nachrichten/deutschland/innenpolitik/id_91801704/ukraine-krieg-cdu-chef-merz-fordert-stopp-der-gasimporte-ueber-nord-stream-1.html Dem habe ich einmal im Zuge einer geschäftlichen Veranstaltung die Hand geben müssen. Ein toter Fisch wäre sehr lebendig gegen seinen Handschlag. Kalt , nass und schlabbrig.

    2. Wer von den Russen nicht in der Ukraine leben will, kann doch nach Russland ziehen. Dort gibt es genügend Lebensraum.

    1. Es gibt noch weitere Umverteilungen wie Subventionen oder Gelder für Bauern. Desweiteren war Bayern vor 1990 Nehmerland.

      1. Bayern war Nehmerland, das stimmt, aber hat sich vom Nehmer- zum Geberland entwickelt. NRW, hier hauptsächlich das Ruhrgebiet, war nach dem Krieg maßgeblich für den deutschen Wiederaufbau und war trotzdem, nachdem man beschlossen hatte, der Montanunion beizutreten und Stahwerde und Zechen platt zu machen, eine zeitlang Nehmerland. Berlin und die Stadtstaaten Hamburg und Bremen waren immer Nehmerländer und das wird sich auch nicht ändern. Ich würde kleinere Länder, wie auch die Stadtstaaten zusammenlegen oder in die Bundesländer, wie z.B. Niedersachsen, eingliedern und damit die Masse an Posten und Pöstchen für die unnötigen Politdarsteller verringern.

      2. Bremen war nicht immer Nehmerland und Hamburg erst recht nicht. Ein wesentlicher Nachteil ist im übrigen die Änderung der Einkommensteuer nachdem der Wohnort genommen wird und nicht der Arbeitsort. Dieses benachteiligt natürlich Stadtstaaten.

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