Der erste Streich – eine kleine Psychologie der Kriegseröffnung

Dr. Helmut Roewer

Wenn wir den augenblicklichen Krieg in der Ukraine betrachten, beschleicht uns der Verdacht, dass wir – die wir bestinformiert sind in der offensten aller möglichen Welten – von der konkreten Kriegseröffnung Russlands überrascht wurden. Wir sind darüber empört, weil wir nicht gerne einräumen, dass etwas so Grundlegendes wie eine Kriegseröffnung derartig überraschend geschieht. Deswegen rotten wir uns in zusammen und suchen einen Schuldigen. Mal ehrlich, Gustav le Bon (Die Psychologie der Massen) hätte seine helle Freude an uns gehabt.

     Im Folgenden werde ich einige Anmerkungen dazu machen, (1) wie Kriege eröffnet werden und (2) was die Psychologie der Massen in diesem Zusammenhang für eine Rolle spielt. (3) In einem weiteren Abschnitt werde ich einige historische Beispiele Revue passieren lassen, um schließlich (4) auf den Ukraine-Konflikt zurückzukommen und (5) wie dieser auf die Psyche der Ukrainer und (6) schließlich der Deutschen wirkt.

(1) Ab morgen ist Krieg – Wie Kriege eröffnet werden

Über das richtige, falsche, unzweckmäßige und angemessene Kriegführung sind eine Unzahl von grundlegenden Werken verfasst worden. Bereits die Chinesen längst vergangener Zeit wussten in Theorie und Praxis hierüber Bescheid.

     Eine Psychologie der Kriegseröffnung, aus der ich – angesichts der aktuellen Ereignisse zitieren könnte – habe ich in meiner Bibliothek nicht entdeckt. Aber bestimmte Grundregeln zur Kriegführung, die wichtige Fingerzeige enthalten. Der Chinese Sun Tzu (Schreibweise ungewiss) bemerkte mit Bezug auf unser Thema vor rund 2500 Jahren das Folgende:

I.1: Krieg ist für den Staat von entscheidender Bedeutung… Er ist gründlich zu überdenken.

I.2: Beurteile ihn daher nach den fünf grundliegenden Faktoren… [einer davon:]

I.4: Unter moralischer Führung verstehe ich das, was das Volk in Einklang mit seiner Führung bringt. …

I.17: Jegliche Kriegführung beruht auf Täuschung.

II.3: Das Hauptziel des Krieges ist der Sieg. Wird dieser zu lange hinausgezögert, so werden die Waffen stumpf und die Moral geschwächt.

Ich übersetze das mal ins Hier und Heute. Der Staat, der Krieg führt, spielt mit seiner Existenz. Er hat keine Chance, wenn er das eigene Volk nicht hinter sich bringt. Der Kriegführende muss täuschen können. Wichtig allein ist der Sieg. Er darf nicht herausgezögert werden, weil die Kampfmoral von Volk und Armee mit der Zeit nachlässt.

(2) An mein Volk – Was die Psychologie der Massen bei der Kriegseröffnung für eine Rolle spielt

Lassen wir die Worte des Chinesen einmal im Raum stehen und sehen zur Sicherheit nach, was in der deutschen militärischen Kriegführungs-Bibel steht. Das ist die berühmte nachgelassene Schrift Vom Kriege des preußischen Generals Carl von Clausewitz aus dem Jahre 1832. Da erleben wir eine Überraschung, denn Clausewitz versorgt den Politiker zwar mit der bis heute immer wieder zitierten Weisheit, dass der Krieg die Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln sei, aber zur grundlegenden Frage, wie man ihn vom Zaun bricht, schweigt er sich aus.

     Wir halten Clausewitz zugute, dass für ihn das Kriegführen das Normalste von der Welt war, um einen grundlegenden Konflikt zwischen Staaten zu entscheiden. So spielt denn auch sein Buch im Militärischen und gibt Rat, was zu tun und was zu lassen sei, um zu siegen. Wir halten ihm zugute, dass er Bismarck und seine Kriege nicht kannte. Wir werden darauf zurück kommen.

     Doch ein bisschen Unverständnis bleibt schon, denn Clausewitz war Zeitzeuge des ersten und dazu auch noch erfolgreichen Versuchs der psychologischen Massenbeeinflussung in Deutschland, um einen Krieg vom Zaun zu brechen. Ich spreche von den Befreiungskriegen 1813-15. Hier ging es darum, die französische Oberherrschaft über Europa zu brechen. Die Befreiungskriege begannen mit dem legendär gewordenen „Aufruf an Mein Volk“ des preußischen Königs Friedrich Wilhelm III. vom 17. März 1813. Es war in Preußen der erste Fall, in welchem der Herrscher ans Volk appellierte. Der Krieg Preußens gegen Frankreich sollte ein solcher der preußischen Untertanen gegen den Aggressor Napoleon werden. So war der Aufruf gemeint, und so geschah es auch.

(3) Sand in die Augen streuen – Die Psychologie der Kriegseröffnung verändert unter Bismarck ihre Zielrichtung, und dabei bleibt es bis heute

Während wir soeben betrachtet haben, wie ein preußischer König durch den Appell ans Volk dieses in stürmische Kriegsbereitschaft versetzte, also eine Mobilmachung nach innen auslöste, verlagerte Bismarck in den drei preußisch-deutschen Einigungskriegen (1864-71), die er ganz bewusst auslöste, das psychologische Moment nach außen. Er ließ die übrige Welt wissen, dass Preußen einen gerechten Krieg führe, mithin nicht der Aggressor sei. Am deutlichsten griff diese Kriegsauslösungsmethode beim letzten der drei Kriege, dem deutsch-französischen Krieg von 1870/71.

     In Bismarcks Strategie war dieser Krieg notwendig, um die deutschen Länder südlich des Norddeutschen Bundes zum Mitmachen zu zwingen und die anderen europäischen Großmächte (Großbritannien, Russland, Österreich-Ungarn) zum Stillhalten zu veranlassen. Das gelang durch einen propagandistischen Handstreich, der dann später als Emser Depesche in die Geschichtsbücher eingegangen ist. Inhalt des Manövers war, die ungeschickt und eitel handelnden Franzosen als kriegslüsterne Aggressoren dastehen zu lassen, gegen die der preußische König allen Anlass habe, seine Ehre zu verteidigen. Diese Strategie ging auf. Der preußisch-deutsche Krieg gegen Frankreich fand unbehelligt von den Großmächten Europas statt und führte Frankreich, das sich einen Angriff auf Preußen ganz anderes vorgestellt hatte, in eine krachende militärische Niederlage.

     Bei Ausbruch des Ersten Weltkriegs 1914 zeigte sich, wie sehr die außer-deutschen politischen Führer diese Lektion gelernt hatten. Sie provozierten und warteten ab, bis Deutschland töricht genug war, sich durch Kriegserklärungen in Richtung Russland und Frankreich selbst ins unrechte Licht zu rücken. Die Kriegsschuldlüge war eine der am besten gepflegten Propagandaaktionen der Alliierten. Sie war ihnen so wichtig, dass sie Deutschland beim Friedenschluss von Versailles zwangen, diese Lüge vertraglich anzuerkennen.

     Ein ebenso fatales Beispiel für den Unverstand der deutschen Führung ist der Ausbruch des Zweiten Weltkriegs 1939. Der massive militärische Angriff auf Polen ließ Deutschland in aller Welt als den allein Schuldigen erscheinen. Ich habe nicht vor, an dieser Überzeugung zu rütteln und eine vom Thema ablenkende, unfruchtbare Debatte anzuzetteln. Ich möchte vielmehr lediglich auf eine geradezu verblüffende Parallele zum Ausbruch des heutigen Krieg in der Ukraine hinweisen. Hierbei ist zu beachten, dass der Kriegsausbruch 1939 nicht aus unserer heutigen gefestigten Sicht, sondern, weil es um Massenpsychologie geht, aus der Sicht der Zeitgenossen zu beurteilen ist.

     Das seit 1919 anderthalb Jahrzehnte am Rande eines Krieges entlangdümpelnde Verhältnis zwischen Deutschland und Polen war nach dem zwischen beiden Ländern 1934 geschlossenen Nichtangriffspakt wie ein Waffenstillstand zwischen zwei Halunken – beide Länder waren zu diesem Zeitpunkt aggressive antisemitische nationalistische Diktaturen. Man beäugte sich und machte dann gemeinsame Sache, als es 1938 gegen die Tschechoslowakei ging. Die Beute wurde geteilt.

     Die Lage änderte sich, als US-Präsident Franklin Roosevelt die deutsch-polnische Sache in seine Hände nahm. Er ermunterte die Polen, sich mit dem Deutschen Reich provokativ anzulegen. Das war, wenn man nur wollte, keine Schwierigkeit. Die in Polen lebende deutsche Minderheit (ca. 1 Million Männer und Frauen) und der kuriose halbsouveräne Status des Freistaats Danzig boten Reibungsflächen satt und genug. Wenn man nur wollte. Die von einem Großpolen träumende chauvinistische Führungsschicht fühlte sich sicher, dank zu erwartender britischer, französischer und US-amerikanischer Unterstützung, auch den militärisch hochgerüsteten Nachbarn durch rabiates Vorgehen in Danzig und gegen Volksdeutsche in Polen provozieren zu können. Das hierauf reagierende Deutsche Reich würde dann als Aggressor weltweit geächtet und niedergeworfen. Es winkte, so dachte man, reiche Beute – polnische Ulanen, so sagte man expressis verbis, würden drei Tage nach Kriegsausbruch ihre Pferde in der Spree tränken.

     Von der polnischen Rechnung ging nur der Auftakt auf – das Deutsche Reich machte sich als Aggressor weltweit unmöglich –, doch der Rest ging nicht auf. Das ist bekannt. Die Rechnung ging deswegen nicht auf, weil die Westmächte, vor allem die USA, buchstäblich nichts taten, um den Polen zu Hilfe zu eilen. So wurde Polen binnen dreier Wochen militärisch und politisch ausgelöscht. Die Polen hatten in ihrer damaligen Naivität nicht erkannt, dass sie nichts weiter waren als ein Köder – ausgeworfen, um die Kriegsbereitschaft des Westens anzukurbeln. Sie waren Opfer eines psychologischen Kriegseröffnungs-Schachzugs. Und, man muss es hinzufügen, der angeblich im Einklang mit der Vorsehung handelnde deutsche Führer A.H. fiel genauso darauf rein wie die polnische Obristen-Riege.

(4) Der bitterböse Wladimir – Die russische Kriegseröffnung gegen die Ukraine und das angebliche Erwachen des Weltgewissens

Blickt man allein auf das pure Ereignis, auf den Tag, von dem ab geschossen worden ist, so scheint das Ergebnis sonnenklar. Russland ist der Aggressor, und sein Präsident Putin, der den Angriff befohlen hat, gehört vor Gericht. Alle sind sich einig.

     Doch halt, Moment mal. Zunächst einmal gilt der Grundsatz, dass Wir-sind-hier-alle-der-Meinung kein Argument, sondern das Gegenteil davon ist, nämlich eine Propaganda-Blase. Piekst man hinein und bringt sie zum Platzen, so wird mitunter der Blick auf die Realität frei. Und die sieht dann keineswegs mehr einheitlich aus, sondern buntscheckig und geprägt von schreienden Gegensätzen. Das gilt auch in der psychologischen Wirkung der russischen Kriegseröffnung in der Ukraine.

     Selbst wenn sich das in Deutschland kaum einer vorzustellen wagt, sieht in Wirklichkeit die angeblich weltweite Ablehnungsfront so aus, dass wir von den Nato-Staaten reden und bestenfalls von diesen. Wer es genauer wissen will, der wende einen Trick an: Wer traf sich in den letzten 14 Tagen mit Russen, um auf der Spitzenebene Wirtschaftsvereinbarungen zu treffen? Ich nennen mal drei davon: China, Indien, Saudi-Arabien. Diese Länder wirken nicht besonders beeindruckt, und empört sind sie schon gar nicht. Standard-Floskel: Wir haben nicht vor, uns in diese russische Angelegenheit zu mischen. Na, wie klingt das? Das klingt nach: Liebe Nato-Boys, macht euern Dreck alleine.

     Und ganz nebenbei: Was machen eigentlich so unterschiedliche Regime wie die von Süd-Afrika, Südostasien, Süd- und Mittelamerika, dem Jemen, Israel, Syrien, und nicht zu vergessen: der Diktator der Türkei (übrigens ein Nato-Mitglied)? Rücken wir ruhig noch ein bisschen näher ran: Hörte man was aus den ehemaligen Sowjetrepubliken, von der Krim? Aus dem Donbas? Ja, allerdings, da wird geschossen.

     Nur mal so in die Runde gefragt: Auf wen schießt die russische Armee da eigentlich? Wohl kaum auf die dort lebenden Russen, die sich bereits vor gut einem Jahrzehnt für autonom erklärt haben. Die Russen schießen auf die ukrainische Armee, bestehend aus den regulären, aber nicht sonderlich zuverlässigen Streitkräften und Söldnertruppen. Diese Meldungen sollten hellhörig machen. Vor allem: Was veranlasste die ukrainische Führung den Schwerpunkt ihrer Streitkräfte in den Donbas zu verlegen, wo fast ausschließlich ethnische Russen leben? Was veranlasste diese Truppen, in den letzten Wochen vor dem russischen Einmarsch dort eine große Zahl russisch-stämmiger Bürger zu töten?

     Hört man was aus Russland selbst? Vertraut man den Qualitäts- und Wahrheitsmedien, steht Putin nach dem Willen der russischen Bevölkerung fünf Zentimeter vor seinem Sturz. Es werden drei bis fünf Russen herumgereicht, die nicht müde werden, die grimmig-frohe Botschaft in westliche Mikrophone zu sprechen. Damit kontrastiert, man muss es leider sagen, der Rauswurf von russischen Spitzenkünstlern aus Deutschland, die in den Verdammungschor nicht einstimmen mögen. Russische Einheitsfront gegen Putin? Es sieht nicht so aus. Der Westen schwelgt in Illusionen.

(5): Lasst die bunten Fahnen wehen – Die psychologische Wirkung der Kriegseröffnung auf die Ukraine

Damit sind wir beim Kern der Beurteilung der Lage angelangt. Der russische Einmarsch hat auf die Ukraine wie ein Schock gewirkt. Das ist leicht zu verstehen, denn seit dem Machtwechsel in Washington DC im Januar 2021 wurde das Land wieder zum öffentlich erklärten Hätschelkind der USA. Die EU schloss sich dem neuen Kurs pflichtschuldigst an. Mitgliedschaft in Nato und EU wurden mit wohlwollender Gestik diskutiert. Der Präsident der Ukraine Wolodymyr Selenskyj wurde wie ein Wunderkind herumgereicht. Davos, beim schrägen Herrn Schwab, selbstverständlich.

Klaus Schwab und Selenskyj

     Selenskyjs letzter einschlägiger öffentlicher Auftritt war die Münchner Sicherheitskonferenz im Januar. Da sprach er von der bevorstehenden Atombewaffnung seines Landes. Niemand von den Anwesenden widersprach ihm. Russland und China waren nicht anwesend.

     Parallel lief die Propagandaschlacht gegen den Aggressor Putin. Wohlgemerkt vor dem Russischen Einmarsch. Nüchterne Leute fragten: Was soll da verdeckt werden? Wenige Tage nach dem russischen Einmarsch wurde es klar. Es ging um die Aufstellung von Raketenrampen und um den Betrieb von Biowaffen-Laboren. Damit das nichtmissverstanden wird: Diese Kriegsarsenale waren keine russischen, die an der mexikanischen Grenze oder auf Cuba aufgestellt wurden, sondern US-amerikanische in der Ukraine an der Grenze zu Russland.

Historischer Auftritt im US-Senat: Die stellvertretende US-Außenministerin Victoria Nuland erklärt, warum die seit 2004 von den USA in der Ukraine betriebenen Biowaffen-Labore keine Biowaffen-Labore sind, sondern humanitäre Einrichtungen zum Schutz der Menschheit, die es vor dem Zugriff der Russen zu schützen gelte. Gleichzeitig erklärt sie, dass das vorrangige US-amerikanische Ziel des Russland-Boykotts erreicht sei, nämlich das deutsch-russische Northstream II-Projekt zu beenden, was jetzt nur noch ein nutzloses Stück Blech am Grund des Meeres sei.

     Ich sagte es bereits weiter oben, die Situation am Jahresbeginn 2022 ähnelte in fataler Weise dem Jahresbeginn 1939. Damals war es Polen, das von den USA gegen das Deutsche Reich in Stellung gebracht wurde, jetzt war es die Ukraine gegen Russland. In beiden Fällen sehen wir eine von vornherein unterlegene Partei gegen einen bis an die Zähne bewaffneten Gegner. Polen ging mit Gewalt gegen die deutsche Minderheit vor, die Ukraine gegen die russische Minderheit, die im Donbas die deutliche Mehrheit bildet. Jetzt schien die Stunde der ukrainischen Armee gekommen, mit diesem Teil des Landes abzurechnen.

     Als die Russen den Krieg eröffneten, war die Masse der ukrainischen Armee genau dort. Es hatte, sagen die Russen, vor ihrem Eingreifen dort über 10.000 Tote gegeben, tote Russen wohlgemerkt. Für die Zahl verbürge ich mich nicht, aber auch dies ist eine Frage der Kriegspsychologie: 400 toten Russen hätten denselben Effekt gehabt. Ich sage es mal so: Putin hatte gemahnt und schließlich hatte er gedroht. Im Angesicht der Toten ging es um seine Glaubwürdigkeit – im eigenen Lande. Nein, ich sage es geradeheraus: Ich bin kein sog. Putin-Versteher. Ich mache mir lediglich Gedanken darüber, was vor meinen Augen seit Anfang des Jahres ablief und füge hinzu: Falls es einen US-amerikanischen Plan gab, Putin in eine Zwickmühle zu treiben, so ist der aufgegangen. Wie die Partie ausgehen wird, weiß kein Mensch, ich auch nicht.

     Wie die Polen es 1939 bei den Westmächten taten, so bat Selenskyj bei seinen scheinbaren Verbündeten nach dem russischen Einmarsch flehentlich um Hilfe. Er tat es ganz vergeblich. Nato? Nein. EU auch nicht. Nur die Polen rasselten wie stets, wenn es um Russland geht, mit ihrem Säbel. Dabei blieb es bis jetzt. Ein paar ausrangierte Waffen wurden über die Grenzen in Richtung Lemberg verschoben, auch deutsche Waffen aus den eingemotteten Beständen der vor 32 Jahren aufgelösten Nationalen Volksarmee der DDR.

     Und Selenskyj, der geprellte? Vor zwei, drei Tagen sagte er öffentlich, das mit der Nato und deren Eingreifen sei nicht so gemeint gewesen. Für einen winzigen Moment machte ich mir Gedanken: Was hat man dem Mann für diesen Satz geboten?

(6) Lasst die bunten Fahnen wehen II – Die psychologische Wirkung der Kriegseröffnung auf Deutschland

Noch zu Jahresbeginn hatte man in Deutschland von der Zuspitzung der Lage in Osteuropa keine Notiz genommen. Man war anderweitig beschäftigt. Der wirre Herr Karl und die Corona-Volksspritze standen ganz oben auf dem Propagandatreppchen. Nur die Grünen waren ihrer Zeit voraus. Gehorsam setzten sie die Vorgaben ihrer atlantischen Vorturner um: „Northstream II ist nicht genehmigungsfähig.“ Warum? Wie kann man nur so blöd fragen. Hier ist die Antwort: Weil wir uns nicht von Russland abhängig machen dürfen. Darauf hätte ich auch kommen können, zumal wir auf eigenen riesigen Gasvorkommen sitzen, wenn sie erst mal per Schiff über den Atlantik gebracht wurden. Und dann sind da noch Sonne und Wind, die bekanntlich keine Rechnung stellen.

     Für den Rest der mit dem Kampf gegen die Ungeimpften befassten Deutschen kam dann die kalte Dusche der russischen Kriegseröffnung. Es war wie üblich eine Propaganda-Dusche. Sie besagte: „Wir“ befinden uns im Krieg. „Wir“ müssen jetzt was tun, um die bösen Russen zu stoppen, zu bestrafen. Solidarisch sein. Nun hat Gutmensch wieder was zu tun nach den hässlichen Wochen der Montags-Demos mit all den Leugnern und sonstigen Nazis. Gesagt getan, blaugelbe Fahnen werden rausgehängt, aus allen Rohren schießen die Experten. Was gestern noch als unumstößlich galt: keine Nation, keine Bundeswehr, keine Grenzen, gilt heute nicht mehr. Das Gegenteil ist angesagt, wenigstens in schönen Worten: Zusammenrücken, die Lasten gemeinsam schultern, Frieren für den Frieden, 100 Milliarden aus dem Nichts für die Armee. Mal sehen, wie lange.

     Wieder einmal sind die Deutschen im Irgendwo unterwegs. Kein Mensch gibt sich auch nur den Hauch einer Mühe, um das zu tun, was nottäte, nämlich das deutsche Interesse zu formulieren. Ich jedenfalls habe nichts dergleichen gehört. Fragte man mich – was mit guten Grund keiner tut –, was jetzt dringlich ansteht, so würde mir einfallen: Schonungslose Analyse der eigenen Lage und Feststellung, dass uns für große Sprüche der notwendige Bizeps fehlt; Klärung, woran es liegt, dass wir uns hilflos fühlen; freundlicher Umgang mit allen Anrainern in Europa; Grenzsicherung; ernstzunehmende Vorsorge für die eigene Bevölkerung; diplomatische Zurückhaltung; Sicherung, Sicherung und nochmals Sicherung der eigenen Energieversorgung; Versenkung der Luxusthemen im Müll der Geschichte. Und vor allem: Formulierung eines unaufdringlichen deutschen Standorts, damit jedermann weiß, woran er mit uns ist.

     Wird das so kommen? Das können nur Illusionisten annehmen. In der Zwischenzeit wird der Krieg weiter die Schlagzeilen beherrschen: Wir gegen Putin. Nicht, weil er uns ernsthaft interessiert, sondern weil der Krieg ein großer Teppich ist, unter den sich erst einmal 20 Jahre unterbliebener deutscher Politik kehren lassen.

Schlussbemerkung: Mein vor wenigen Tagen veröffentlichter Beitrag „Ukraine – einige Bemerkungen zu den Grundlagen des Konflikts“ hat zu einer Reihe von giftigen Anmerkungen geführt, die ich nicht zu kommentieren gedenke. Wer tatsächlich mehr wissen möchte, als ich es zum Ausdruck zu bringen vermochte, der lese den aktuellen Beitrag des Schweizerischen Obristen Jacques Baud, der jahrelang als Beobachter von UNO und Nato vor Ort war.

https://www.schweizer-standpunkt.ch/news-detailansicht-de-international/die-politik-der-usa-war-es-immer-zu-verhindern-dass-deutschland-und-russland-enger-zusammenarbeiten.html?file=files/schweizer_standpunkt/PDF/2022/de/D_International_Baud_Hintergruende-des-Ukrainekriegs.pdf&cid=4139

©Helmut Roewer, März 2022

24 Kommentare

  1. „ der lese den aktuellen Beitrag des Schweizerischen Obristen Jacques Baud, der jahrelang als Beobachter von UNO und Nato vor Ort war.“.
    Da haben sie doch mit Sicherheit auch eine Quelle anzubieten.
    Ansonsten hat der Herr Baud es auch nicht so mit Quellen.

    1. Dass der Herr Putin Atomwaffen in Kaliningrad stationiert, darüber kein Wort vom Baud. Ansonsten auf dem Niveau eines Roewer.

      1. @Diehassrede. Ich habe die Beleidigungen aus diesem und Ihren anderen Kommentaren entfernt.
        Noch ein weiterer vulgärer oder beleidigender Kommentar und Sie werden gesperrt.

    2. „ der lese den aktuellen Beitrag des Schweizerischen Obristen Jacques Baud, der jahrelang als Beobachter von UNO und Nato vor Ort war.“.
      Da haben sie doch mit Sicherheit auch eine Quelle anzubieten.
      Ansonsten hat der Herr Baud es auch nicht so mit Quellen.

      @Diehassrede,
      Ihr Nickname beschreibt perfekt Ihre Haltung, Ihren Charakter.

      Ihre Frage nach einer Quelle für den Artikel von Jacques Baud zeigt das Problem der Unmöglichkeit von Frieden und Demokratie auf dieser Erde, weil auf der Seite der Übeltäter nie eine Bereitschaft vorhanden ist, die Wahrheit zu ergründen und darauf basierend zu handeln.

      Der Völkermord durch das Bandera-Regime an der eigenen Bevölkerung im Donbass wurde und wird von den Aggressoren geleugnet.
      Was sind die Motive dafür ?
      Das wird in den Artikeln von Hr. Roewer, Jacques Baud und Pepe Escobar ausführlich erklärt.
      Der Übeltäter ist die USA. Diese will Russland zerstören, will die Bodenschätze rauben, wie sie es weltweit seit ihrem Aufstieg zur Weltmacht macht.
      Volle globale Dominanz der USA ist das Ziel.
      Dafür werden Regime-Changes organisiert, finanziert und mit großer Geduld und Entschlossenheit über Jahrzehnte der Vorbereitungen verwirklicht.

      Es gibt eine sehr gute Dokumentation über die Strategie der US-Außenpolitik am Beispiel des Regime-Changes in Rumänien. Auch dort wurden Scharfschützen von der USA eingesetzt, welche unbeteiligte Bürger oder friedliche Demonstranten erschossen. In Syrien und dem Maidan exakt die gleiche Strategie, denn was sich bewährt hat, wird gerne benutzt.

      Schachmatt Strategie einer Revolution oder Fallstudie amerikanischer Politik

      @Diehassrede,
      wenn Sie den Artikel von Herrn Roewer bis zum Ende durchgelesen hätten, wären sie dort auf den link zum Artikel von Jacques Baud gestossen.
      Ihre Frage zeigt, daß Sie es nicht getan haben. Das ist normal für Leute, welche kein Interesse an einer sachlichen Diskussion haben. Das geht ja auch nicht, weil man sich sonst eingestehen müßte, ein Hetzer, ein Leugner von Tatsachen zu sein, also ein hasserfüllter Hetzer, der aus niederen Motiven agiert. (Bitte keine persönlichen Angriffe! Grüße von Maria)

  2. Nur so als Anmerkung, fuer das Beginnen von Kriegen, im Besonderen den 2ten Weltkrieg:
    1936 sagte Herr Bernard Baruch “we will lick this fellow Hitler”
    1938, nach seinem Besuch in den Staaten, sagte Herr Winston Churchill zu einem belgischen Botschafter:
    “we will force Hitler to war, whether he likes it or not”
    Ich habe nicht alle deutschen Geschichtsbuecher gelesen, aber in denen, die ich las, konnte ich dies nicht finden.
    Veritas magna est et pravelibit

  3. Wer etwas mehr ueber die Entwicklung der polnischen Agressionen gegen das Dritten Reich sowie
    Einflussnahme und die Hintergruende dazu in den Vereinigen Staaten lesen moechte, “FDR my exploited father in law” von Curtis B Dall und “The Makers of War” von Francis Neillson geben ein Menge wichtiger Informationen zu dem Thema.

  4. Deutschland, Feaser, die EU und DAS alte Problem :

    https://politikstube.com/sicherheitsexperte-uwe-kranz-zur-fluechtlingskrise-es-koennte-gigantische-probleme-geben/

    Wie seit 2015 stehen unsere Tore sperrangelweit offen für alles und jeden.
    Innenministerin Faeser bleibt genauso untätig wie ihr Vorgänger Seehofer.
    Und die EU-Kommission weigert sich beharrlich Aufnahme-Kontingente in der EU zu schaffen.

    Ohne Dexit werden wir hier unseres Lebens nicht mehr froh.
    Aber wie stellen wir das an, wenn selbst die AfD den Dexit auf Eis legte.

    Unsere Nachbarn scheinen auch nicht zu begreifen, dass alles was in DE anlandet irgendwann EU-Bürger ist, und deren Untaten problemlos in ganz Europa verübt werden können.

    Nein liebe Nachbarn, das ist nicht allein Deutschlands Problem !
    Deutschlands Einwanderungspolitik ist für alle Europäer der Untergang des Abendlandes.
    Eigentlich müssten alle EU-Bürger den Dexit zum eigenen Schutz fordern !
    Aber solange die Brüssler Penunzen-Verteilung funktioniert, werden alle Augen fest zugedrückt.
    Die verkaufen ihre Heimat und wähnen sich dabei auf der sicheren Seite.

    In Frankreich wird schon wieder gewählt (wie die Zeit rast). Am 10. April ist erster Wahlgang.
    Macron konnte sich im Russland-Ukraine-Konflikt produzieren und Punkte sammeln – sieht wieder mal nicht gut aus für Le Pen.

  5. Nur eine kleine Anmerkung zu dem Obigen:
    Napoleon sagte mal: ich stimme mit Frederic (Friedrich dem 2ten) ueberein, man sollte sich nicht angreifen lassen.
    Ansonsten ist dieser Bericht, besonders was die Polnische und Deutsche Situation 1939 anbetrifft, n.M.Einschaetzung, genau geschildert.
    Der damalige Wertewesten, wer glaubt, dass Roosevelt allein gehandelt hat, ist nicht Realist; Joseph Kennedy hat seinen aeltesten Sohn verloren, wegen seiner Randbemerkungen, koennte man theoretisieren. Hinter Roosevelt standen eine Reihe von Personen, die die Planung fest in der Hand hatten.
    Jedenfalls sind Sikorski und Hitler darauf hereingefallen, kann man sagen.
    Vielen Dank, Herr Roewer, ich wusste nicht, dass in Deutschland jemand dies aeussern kann, ohne medial geschlachtet zu werden. (Spiegel Ausgabe 39, 2009 Als ein Volk die Welt angriff) und aehnlicher Unsinn seit 1948

  6. Die Zwangsfinanzierung der grossen Pharmaindustrie neigt sich dem Ende zu. Die Rechnung wird ueber hoehere Krankenkassenbeitraege beglichen. Nun will die Waffenindustrie mal wieder zwangsfinanziert werden. Wie immer finden sich willig korrumpierbare Helfer in der Politik. Die Finanzierung dafuer streckt sich zu unseren Urenkeln (also die dreihundert oder so, die noch Deutsch sprechen).

    ‘Hass ist keine Meinung’ droehnt mir noch in den Ohren. Aber in Bezug auf Ungeimpfte galt das nicht, und in Bezug auf Russen erlaubt es facebook nun ganz explizit. Die Scheinheiligkeit und Verlogenheit kotzt mich an. “2 minutes of hate” taeglich im Internet und 15 Minuten Propagandadroehnung nach dem Abendessen. Dystopische Zustaende und Zombies in der Familie, auf der Arbeit, beim Einkaufen, usw. Man kommt sich vor wie der Geisterfahrer in dem Witz (einer? nein tausende!).

  7. …als Ergänzung:

    Ukraine-Botschafter Melnyk: Schmeißt ihn endlich raus!
    24. März 2022

    Der ukrainische Botschafter in Deutschland, Herr Andrij Melnyk, fällt durch Respektlosigkeit und Doppelmoral auf. Zeit, ihn den Nazis zurückzuschicken, die ihn nach Deutschland entsandt hatten.

    von Max Erdinger

    „Ukrainischer Botschafter Melnyk unterstützt ultrarechtes Asow-Regiment„, schreibt die „Frankfurter Rundschau„. Zum Glück kann sie ihre Behauptung belegen, weil ich der „Frankfurter Rundschau“ normalerweise kein Wort glaube. Der ukrainische Botschafter unterstützt die Asow-Barbaren, die sich seit acht Jahren an einem Völkermord im Donbass beteiligen, tatsächlich. Und den Nazi-Kollaborateur Stepan Bandera, der während der Besetzung der Ukraine durch die deutsche Wehrmacht mit den Nazis kooperierte und sich an der Verfolgung von Polen, Juden und Zigeunern in der Ukraine beteiligte, – den verehrt Melnyk auch. …

    mehr hier:

    *ttps://journalistenwatch.com/2022/03/24/ukraine-botschafter-melnyk/

    Man erinnere sich:

    Bei der Bundestagssitzung, bei der Herr Melnyk als Gast teilnahm, gab es vom Plenum in seine Richtung: –> (Tribüne) “Stehende Ovation” und vom Ex-BP Gauck persönlich den “präsidialen Handschlag”

    ab minute 3:20
    gesamt ca 6 min.

    Bärbel Bas: Der Bundestag steht fest an der Seite der Ukraine

    ….!!

    1. Ähm, und was soll das jetzt bringen ?

      Wollen wir jetzt die Ukraine als rechtmäßigen Nazi-Ahnen von uns selbst deklarieren ?

      Ok, können wir machen …. ein Grund mehr, dem Mongolen zu zeigen wo der Hammer hängt.

    2. Es gab keinen Völkermord im Donbass durch die Ukraine.
      Bandera war ein Freiheitskämpfer. Seine Brüder starben übrigens im KZ. Er war selber in einem.

  8. Ach Gottchen ja, es gibt immer einen Grund für Krieg, sogar für die die nie geführt werden, dennoch ist der Kriegführende nicht weniger schuldig als die Kriegwünschenden.

    Geht mir ja mit Merkels Messermännern genauso.
    Ich will die genauso hinter ewigen Gittern sehn wie “Mutti Merkel”.

    Weiß gar nicht, was diese Putin-Entschuldigungsorgien sollen.
    Hat hier schon mal jemand Hitler entschuldigt ?
    Nö, ganz im Gegenteil, da wird auch noch gejubelt, wenn der Mongole seine Feinde Nazis nennt.
    Man kann es echt nicht mehr fassen und auf eine Volksgesunde Linie bringen.

    1. Wer den exzellenten Artikel von Hr. Roewer liest und den darin empfohlenen Artikel mit dem Interview von Jacques Baud, kennt die wirklichen Hintergründe der Sonderoperation der russischen Armee in der Ukraine, welche völkerrechtlich und moralisch vollkommen legitim ist.

      Als Ergänzung habe ich einen ebenso exzellenten Artikel von Pepe Escobar übersetzt, wo er auf den Begriff “Ent-Nazifizierung” eingeht.
      Es handelt sich bei Asow und Konsorten nicht um die Art von Nationalsozialismus, gegen den die links-extremistische Antifa-Innenministerin Faeser kämpft, sondern um eine ukrainische Variante des Nazismus, aber das Wesen der beiden Varianten ist identisch.
      Deshalb müßte aufgrund der einschlägigen Gesetze in Deutschland die gesamte Regierung, der größte Teil der Abgeordneten im Bundestag und den Landesparlamenten, sowie die Massenmedien hinter Gitter wandern, denn sie unterstützen völkermordende Nazis in der Ukraine in deren Kampf gegen die russischen “Untermenschen”.

      Macht den Nazismus wieder groß von Pepe Escobar

      Das oberste Ziel ist der Regimewechsel in Russland, die Ukraine ist nur eine Spielfigur – oder schlimmer noch, bloßes Kanonenfutter.

      Alle Augen sind auf Mariupol gerichtet. Am Mittwochabend waren mehr als 70 % der Wohngebiete unter Kontrolle der Donezker und der russischen Streitkräfte, während russische Marineinfanteristen, das 107. Bataillon von Donezk und tschetschenische Spetsnaz unter der Führung des charismatischen Adam Delimchanow in das Werk Asow-Stal eingedrungen waren, dem Hauptquartier des neonazistischen Asow-Bataillons.

      Asow wurde ein letztes Ultimatum gestellt: Ergeben Sie sich bis Mitternacht – oder Sie fahren wie bei einem “Take no prisoners”-Highway zur Hölle.

      Das bedeutet eine große Veränderung auf dem ukrainischen Schlachtfeld; Mariupol wird endlich gründlich entnazifiziert – denn die Asow-Kontingente, die sich lange in der Stadt verschanzt hatten und Zivilisten als menschliche Schutzschilde benutzten, waren ihre stärkste Kampftruppe.

      Unterdessen verriet das Echo aus dem Reich der Lügen das ganze Spiel schon fast. In Washington hat man nicht die geringste Absicht, einen Friedensplan für die Ukraine auf den Weg zu bringen – und das erklärt die ununterbrochene Hinhaltetaktik von Comedian Zelensky. Das oberste Ziel ist der Regimewechsel in Russland, und dafür ist der Totale Krieg gegen Russland und alles Russische gerechtfertigt. Die Ukraine ist nur eine Schachfigur in diesem Spiel – oder schlimmer noch, bloßes Kanonenfutter.

      Das bedeutet auch, dass die 14.000 Todesopfer im Donbass in den letzten 8 Jahren direkt den Ausnahmesoldaten zugeschrieben werden sollten. Was die ukrainischen Neonazis aller Couleur betrifft, so sind sie genauso entbehrlich wie die “gemäßigten Rebellen” in Syrien, ob sie nun mit Al-Qaida oder Daesh in Verbindung stehen. Diejenigen, die vielleicht überleben, können sich jederzeit der aufkeimenden, von der CIA gesponserten Neonazi AG anschließen – dem geschmacklosen Remix der Dschihad AG der 1980er Jahre in Afghanistan. Sie werden ordnungsgemäß “kalibriert” werden.

      Eine kurze Neonazi-Rekonstruktion

      Inzwischen wissen nur noch die Hirntoten in ganz NATOstan – und davon gibt es Horden – nichts vom Maidan im Jahr 2014. Doch nur wenige wissen, dass es der damalige ukrainische Innenminister Arsen Awakow, ein ehemaliger Gouverneur von Charkow, war, der grünes Licht für die Bildung einer 12 000 Mann starken paramilitärischen Truppe gab, die aus 82 Fußball-Hooligans der Sekte Dynamo Kiew bestand. Das war die Geburtsstunde des Asow-Bataillons im Mai 2014, angeführt von Andriy Biletsky, auch bekannt als “Weißer Führer” und ehemaliger Anführer der Neonazi-Bande “Patrioten der Ukraine”.

      Zusammen mit dem NATO-Agenten Dmitro Yarosh gründete Biletsky den Pravy Sektor, der vom ukrainischen Mafia-Paten und jüdischen Milliardär Ihor Kolomoysky finanziert wurde (später der Wohltäter der Meta-Konversion von Zelensky vom mittelmäßigen Komiker zum mittelmäßigen Präsidenten).

      Pravy Sektor war ein fanatischer EU-Gegner – erzählen Sie das mal Ursula von der Lugen – und politisch davon besessen, Mitteleuropa und die baltischen Staaten in einem neuen, geschmacklosen Intermarium zu verbinden. Entscheidend ist, dass Pravy Sektor und andere Nazibanden von NATO-Ausbildern geschult wurden.

      Biletsky und Yarosh sind natürlich Jünger des berüchtigten Nazi-Kollaborateurs aus dem Zweiten Weltkrieg, Stepan Bandera, für den die reinen Ukrainer proto-germanisch oder skandinavisch und die Slawen untermenschlich sind.

      Asow übernahm schließlich fast alle Neonazi-Gruppen in der Ukraine und wurde zum Kampf gegen den Donbass entsandt – wobei ihre Gefolgsleute mehr Geld verdienten als reguläre Soldaten. Biletsky und ein weiterer Neonazi-Führer, Oleh Petrenko, wurden in die Rada gewählt. Der Weiße Führer stand allein da. Petrenko beschloss, den damaligen Präsidenten Poroschenko zu unterstützen. Bald wurde das Asow-Bataillon als Asow-Regiment in die ukrainische Nationalgarde eingegliedert.

      Sie rekrutierten ausländische Söldner, die aus Westeuropa, Skandinavien und sogar Südamerika kamen.

      Dies war durch die von Frankreich und Deutschland garantierten (und inzwischen de facto außer Kraft gesetzten) Minsker Abkommen strengstens untersagt. Azov richtete Ausbildungslager für Jugendliche ein und erreichte bald 10.000 Mitglieder. Erik “Blackwater” Prince schloss im Jahr 2020 einen Vertrag mit dem ukrainischen Militär, der es seiner umbenannten Organisation Academi ermöglichte, Asow zu beaufsichtigen.

      Es war niemand anderes als die finstere Maidan-Keksverteilerin Vicky “F**k the EU” Nuland, die Zelensky – beide übrigens ukrainische Juden – vorschlug, den bekennenden Nazi Yarosh als Berater des Oberbefehlshabers der ukrainischen Streitkräfte, General Valerii Zaluzhnyi, zu ernennen. Das Ziel: die Organisation eines Blitzkriegs im Donbass und auf der Krim – derselbe Blitzkrieg, den der russische Auslandsgeheimdienst SVR für den 22. Februar voraussah und damit den Start der Operation Z vorantrieb.

      All das oben Gesagte zeigt, dass es in der Ukraine keinerlei Unterschied zwischen weißen Neonazis und braunen Al-Qaida/ISIS/Daesh gibt, da Neonazis genauso “christlich” sind wie Takfiri-Salafi-Dschihadisten “muslimisch” sind.

      Als Putin einen “Haufen Neonazis” anprangerte, die in Kiew an der Macht seien, antwortete der Comedian, das sei unmöglich, weil er Jude sei. Das ist Unsinn. Zelensky und sein Gönner Kolomoysky sind im Grunde genommen Zio-Nazis.

      Selbst als Zweige der US-Regierung zugaben, dass sich Neonazis im Kiewer Apparat verschanzt hatten, ließ der Ausnahmeapparat den täglichen Beschuss des Donbass über acht Jahre hinweg einfach verschwinden. Diese Tausende von zivilen Opfern haben nie existiert.

      Die US-Mainstream-Medien wagten sogar den einen oder anderen Artikel oder Bericht über Neonazis aus Asow und Aidar. Aber dann wurde ein neo-orwellsches Narrativ in Stein gemeißelt: Es gibt keine Nazis in der Ukraine. Der CIA-Ableger NED begann sogar, Unterlagen über die Ausbildung von Aidar-Mitgliedern zu löschen. Kürzlich veröffentlichte ein beschissener Nachrichtensender ein Video eines von der NATO ausgebildeten und bewaffneten Asow-Kommandeurs – komplett mit Nazi-Symbolik.

      Warum die “Entnazifizierung” Sinn macht

      Die Banderastan-Ideologie geht auf die Zeit zurück, als dieser Teil der Ukraine von Österreich-Ungarn, dem Russischen Reich und Polen kontrolliert wurde. Stepan Bandera wurde 1909 in Österreich-Ungarn geboren, in der Nähe von Iwano-Frankowsk, im damals autonomen Königreich Galizien.

      Der Erste Weltkrieg zersplitterte die europäischen Imperien in häufig nicht lebensfähige kleine Einheiten. In der Westukraine – einem imperialen Schnittpunkt – führte dies unweigerlich zur Verbreitung extrem intoleranter Ideologien.

      Banderastanische Ideologen profitierten von der Ankunft der Nazis im Jahr 1941 und versuchten, ein unabhängiges Gebiet auszurufen. Doch Berlin verhinderte dies nicht nur, sondern schickte sie in Konzentrationslager. 1944 änderten die Nazis jedoch ihre Taktik: Sie befreiten die Banderanistas und manipulierten sie zu antirussischem Hass, wodurch sie eine destabilisierende Kraft in der ukrainischen UdSSR schufen.

      Der Nationalsozialismus ist also nicht dasselbe wie die banderastischen Fanatiker: Es handelt sich vielmehr um konkurrierende Ideologien. Was seit dem Maidan passiert ist, ist, dass sich die CIA darauf konzentriert hat, den Russenhass durch irgendwelche Randgruppen zu schüren, die sie instrumentalisieren kann. In der Ukraine geht es also nicht um “weißen Nationalismus” – um es milde auszudrücken -, sondern um einen antirussischen ukrainischen Nationalismus, der sich praktisch durch naziähnliche Grußformeln und naziähnliche Symbole manifestiert.

      Wenn Putin und die russische Führung also auf den ukrainischen Nationalsozialismus verweisen, mag das begrifflich nicht zu 100 % korrekt sein, aber es trifft den Nerv jedes Russen.

      Die Russen lehnen den Nationalsozialismus zutiefst ab – wenn man bedenkt, dass praktisch jede russische Familie mindestens einen Vorfahren hat, der im Großen Vaterländischen Krieg gefallen ist. Aus der Perspektive der Kriegspsychologie macht es durchaus Sinn, von “Ukro-Nazismus” oder, um es auf den Punkt zu bringen, von einer “Entnazifizierungskampagne” zu sprechen.

      Wie die Anglos die Nazis liebten

      Dass die Regierung der Vereinigten Staaten Neonazis in der Ukraine offen anfeuert, ist nicht neu, wenn man bedenkt, dass sie Hitler 1933 aus Gründen des Machtgleichgewichts an der Seite Englands unterstützte.

      Im Jahr 1933 lieh Roosevelt Hitler eine Milliarde Golddollar, während England ihm zwei Milliarden Golddollar lieh. Das müsste man 200 Mal multiplizieren, um auf den heutigen Fiat-Dollar zu kommen. Die Anglo-Amerikaner wollten Deutschland als Bollwerk gegen Russland aufbauen. 1941 schrieb Roosevelt an Hitler, dass die USA sich auf die Seite Russlands stellen würden, falls dieser in Russland einmarschieren sollte, und er schrieb an Stalin, dass die USA Deutschland unterstützen würden, falls Stalin in Deutschland einmarschieren würde. Dies ist ein anschauliches Beispiel für das Mackindereske Gleichgewicht der Kräfte.

      Die Briten waren sehr besorgt über den Aufstieg der russischen Macht unter Stalin, während sie gleichzeitig beobachteten, dass Deutschland 1933 mit einer Arbeitslosigkeit von 50 % in die Knie ging, wenn man die nicht registrierten deutschen Wanderarbeiter mitzählte.

      Selbst Lloyd George hatte Bedenken gegen den Versailler Vertrag, der Deutschland nach seiner Kapitulation im Ersten Weltkrieg auf unerträgliche Weise schwächte. In Lloyd Georges Weltanschauung bestand der Zweck des Ersten Weltkriegs darin, Russland und Deutschland gemeinsam zu vernichten. Deutschland bedrohte England mit dem Kaiser, der eine Flotte baute, um die Weltmeere zu erobern, während der Zar zum Trost zu nahe an Indien war. Für eine Weile siegte Britannia – und beherrschte weiterhin die Weltmeere.

      Dann wurde der Aufbau Deutschlands zum Kampf gegen Russland zur obersten Priorität – einschließlich der Umschreibung der Geschichte. Die Vereinigung der österreichischen Deutschen und der Sudetendeutschen mit Deutschland zum Beispiel wurde von den Briten vollständig gebilligt.

      Doch dann kam das polnische Problem. Als Deutschland in Polen einmarschierte, standen Frankreich und Großbritannien an der Seite. Das brachte Deutschland an die Grenze zu Russland, und Deutschland und Russland teilten Polen auf. Das ist genau das, was Großbritannien und Frankreich wollten. Großbritannien und Frankreich hatten Polen versprochen, dass sie Deutschland von Westen her angreifen würden, während Polen Deutschland von Osten her bekämpfen würde.

      Am Ende wurden die Polen übers Ohr gehauen. Churchill lobte sogar Russland für den Einmarsch in Polen. Hitler wurde vom MI6 beraten, dass England und Frankreich nicht in Polen einmarschieren würden – als Teil ihres Plans für einen deutsch-russischen Krieg. Hitler war seit den 1920er Jahren vom MI6 finanziell unterstützt worden, weil er sich in Mein Kampf positiv über England geäußert hatte. Der MI6 ermutigte Hitler de facto zum Einmarsch in Russland.

      Spulen wir ins Jahr 2022 vor, und schon geht es wieder los – als Farce, bei der die Angloamerikaner Deutschland unter dem schwachen Scholz “ermutigen”, sich militärisch wieder aufzurichten, mit 100 Milliarden Euro (die die Deutschen nicht haben), und in der These eine erneuerte europäische Streitmacht aufstellen, um später in den Krieg gegen Russland zu ziehen.

      Stichwort: die russophobe Hysterie in den angloamerikanischen Medien über die strategische Partnerschaft zwischen Russland und China. Die tödliche anglo-amerikanische Furcht ist Mackinder/Mahan/Spykman/Kissinger/Brzezinski in einer Person: Russland-China als konkurrierende Zwillinge übernehmen die eurasische Landmasse – die “Belt and Road Initiative” trifft auf die “Greater Eurasia Partnership” – und beherrschen so den Planeten, während die USA zu einem unbedeutenden Inselstaat degradiert werden, ähnlich wie das frühere “Rule Britannia”.

      England, Frankreich und später die Amerikaner hatten dies verhindert, als Deutschland dasselbe anstrebte und Eurasien Seite an Seite mit Japan vom Ärmelkanal bis zum Pazifik kontrollieren wollte. Jetzt ist die Situation eine völlig andere.

      Die Ukraine mit ihren erbärmlichen Neonazi-Banden ist also nur ein – entbehrlicher – Spielball in dem verzweifelten Bestreben, etwas zu verhindern, was aus der Sicht Washingtons mehr als nur ein Anathema ist: eine völlig friedliche deutsch-russisch-chinesische Neue Seidenstraße.

      Die Russophobie, die in der DNA des Westens fest verankert ist, ist nie wirklich verschwunden. Von den Briten seit Katharina der Großen kultiviert – und dann mit The Great Game. Von den Franzosen seit Napoleon. Von den Deutschen, weil die Rote Armee Berlin befreit hat. Von den Amerikanern, weil Stalin ihnen die Kartierung Europas aufzwang – und so ging es während des Kalten Krieges weiter und weiter.

      Wir befinden uns erst im Anfangsstadium des letzten Vorstoßes des sterbenden Imperiums, den Fluss der Geschichte aufzuhalten. Sie werden überlistet, sie sind der größten Militärmacht der Welt waffentechnisch bereits unterlegen, und sie werden schachmatt gesetzt werden. Existenziell sind sie nicht in der Lage, den Bären zu töten – und das tut weh. Kosmisch gesehen.

      https://thesaker.is/make-nazism-great-again/

      1. @Stockholm. Stammt die Übersetzung von Dir und darf ich sie als Artikel posten?

      2. @maria conservo,
        ja, ich habe den Artikel übersetzt (besser gesagt Deepl).
        Du kannst ihn gerne als Artikel veröffentlichen.

      3. Liebe Maria,
        paaren sie das mit dem was ich ihnen per Mail geschrieben habe, und sie haben die
        traurigste Entwicklung dieser Zeit. Und wer im Mittelpunkt steht.
        HG

      4. Bei dem Artikel wird mir schlecht.
        Hundert Punkte die einer Gegendarstellung bedürften.
        Nebenbei gefragt : wer bitte will Eurasien (Europa, Russland, China etc.pp.)
        Ist die EUdSSR nicht genug des “Guten” ?

      5. Roewers Artikel ist nicht exzellent, sondern …. Wird Rower eigentlich aus Moskau finanziert oder … der freiwillig?

  9. Wieder einmal sind die Deutschen im Irgendwo unterwegs. Kein Mensch gibt sich auch nur den Hauch einer Mühe, um das zu tun, was nottäte, nämlich das deutsche Interesse zu formulieren. Ich jedenfalls habe nichts dergleichen gehört.
    ::::::::::::::
    VOLLKOMMEN RICHTIG!

    Allerdings ist das politische Gegenteil der Fall. Auch heute wieder im Bundestag waren sich die Naency und die grünbunte Politmischpoke einig:

    “Der Feind hat rechts zu stehen”

    Alles andere ist für diese Leute unwichtig.

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