Jesus sprach zu ihm (dem reichen Jüngling): „Willst du vollkommen sein, so geh hin, verkaufe, was du hast, und gib’s den Armen, so wirst du einen Schatz im Himmel haben; dann komm und folge mir nach! (Mt 19,21).

Kirchenportalrelief in Dortmund. Das Kamel passt nicht durch das Nadelöhr. Bild: http://Mathias Bigge, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

Von Dr. Juliana Bauer

Zur Zeit sind sie wieder in etlicher Munde: die Luxuslimousinen mancher Bischöfe in Deutschland. Und einiges mehr. Dazu einmal zum Vergleich:

Aus dem Leben des Erzbischofs Wojtyla von Krakau – eine kleine Geschichte

Vor etlichen Jahren las ich im Messaggero, der bekannten römischen Tageszeitung, einen liebenswerten Bericht über „Papa Wojtyla“, Johannes Paul II. Römer, die ihn persönlich kannten, erzählten von ihm; Ähnliches gab es z.B. auch vom allseits beliebten „Papa Buono“, Johannes XXIII.

Einer der Interviewpartner des Messaggero war ein Schuhmacher, damals bereits Rentner, der seine kleine Werkstatt in einer der vicoli, der Gassen in der Nähe des Vatikans hatte. Dort lernte er eines Abends, als er vor seiner Werkstatt stand, den Erzbischof von Krakau, Karol Wojtyla kennen. Dieser unternahm am Abend, wenn er in Rom weilte, öfters kleine Rundgänge im vatikanischen Borgo (Stadtviertel), wo er mit dem Schuhmacher ins Gespräch kam und von da an, während seiner römischen Aufenthalte, gerne mit ihm ein Schwätzchen hielt.

So auch im Oktober 1978, am Abend vor dem Beginn des Konklave, in dem der Erzbischof als 263. Nachfolger des Simon Petrus ins Papstamt gewählt wurde. Die beiden Männer standen wieder beieinander und plauderten; irgendwann entdeckte der Schuster, dass einer der Schuhe des Erzbischofs nicht mehr ganz in Ordnung war. Er bot ihm eine Reparatur an, die Karol Wojtyla ohne zu zögern annahm und ihm dann in die kleine Werkstatt folgte.

Dort stellte der Schuhmacher fest, dass Wojtylas Schuhsohlen durchgelaufen waren und nicht mehr lange halten würden. Vielleicht gerade noch bis zur Papstwahl? Gute Schuhe waren und sind jedenfalls teuer…

Als der Kardinal die Werkstatt wieder verließ, hatte er neu besohlte Schuhe unter seinen Füßen. Sie waren ein Geschenk des alten Mannes für den ihm so liebgewordenen Hirten der polnischen Kirche.

„Kardinalmillionäre und Vermögensbischöfe“ oder: Sind unsere Bischöfe nicht fast Luxusprobleme? 

Warum erzähle ich diese Geschichte, die mir beim Lesen über die Luxuskarossen wieder einfiel?

Weil sie mir schon damals ans Herz rührte. Und ich vor Johannes Paul II. „den Hut zog.“

Nicht so vor den Bischöfen deutscher Lande. Die oft jeglicher Glaubwürdigkeit entbehren. Zum Glück jedoch nicht alle.

Ihre Besoldung gleicht der eines Ministerpräsidenten weiß ein nüchtern-objektiver Artikel in kath net, einem katholischen Internetjournal (Kardinalmillionäre und Vermögensbischöfe haben wir in Deutschland, kath net 07.12.20). Was mein ehemaliger Pfarrer, nunmehr ein Herr von 92 Jahren, einmal mit den Worten kommentierte: „Das ist in keiner Weise mit dem Evangelium vereinbar“ (er selbst gab sein gutes Gehalt als Dekan meist für seine Gemeinde und vor allem für Bedürftige).

Riesige Wohnungen sind nicht selten, häufig 200 qm und mehr. Und das ohne Familie. Die, eine von Gott geheiligte Gabe, viele der „Hirten“ lehren würde, was es heißt, seine Mitmenschen wirklich zu lieben und sie von ihrer nicht selten verfluchten Ich-Bezogenheit befreien würde. Dann müsste ein Bischof seine überdimensionale Wohnung auch nicht als „Zumutung“ empfinden, wie einst der inzwischen pensionierte Bischof von Fulda (dem es ja auch freigestanden hätte, sich von dieser „Last“ durch eine, einem Diener Gottes angemessene, schlichte Wohnung zu erlösen).

Dann noble Limousinen. Welche die Bistumssprecher manches Mal vor der Öffentlichkeit verteidigen (müssen?). „Denn der arme Bischof muss schließlich bequem sitzen und seine Beine strecken können, wenn er dienstlich lange unterwegs ist.“ Ach, welch ein Elend!

So der Limburger Bischof Georg Bätzing und seine Mannen. Die vor zwei Jahren jeweils einen Audi A 8 mit einem Hybrid-Diesel mit stolzen 286 PS erhielten, deren Grundpreis sich auf 90.600 Euro belief (286-PS-Autos für die Limburger Bischöfe, kath net 19.08.2019); heute umfasst der Grundpreis fast 107.000 Euro. Im Augenblick seien dem Bischof die Umweltschützer wegen des zu hohen CO2-Ausstoßes auf den Fersen (Bätzing ist der größte Klimaverschmutzer unter den deutschen Bischöfen, kath net 18.11.2021).

Oder der barock anmutende, bestgenährte Kardinal Deutschlands, der Nachfolger des hl. Korbinian von München und Freising! Der sein vollrundes Schwergewicht, wie aus kirchlicher Presse bekannt ist, auf den Sitz eines BMW 730i drückt, der ab 92.100,- Euro zu haben war (und inzwischen auch im Preis gestiegen ist). Den er doch gleich seiner sozialen Stiftung, die er vor nicht allzu langer Zeit machte, hinterherschieben könnte.

Ich frage mich nur, was dann Bischöfe tun, die wesentlich einfacher leben und dennoch Freude ausstrahlen und als engagierte Seelsorger viel unterwegs sind. Wie der Bischof von Görlitz, Wolfgang Ipolt, der in seiner Stadt einen alten Opel fährt und vor allem mit dem Zug auf Dienst-Reisen geht. Oder der Erzbischof von Paris, dessen Stuhl der bedeutendste Bischofsstuhl Frankreichs ist. Monseigneur Aupetit fährt, wie ich einmal einer französischen Zeitung entnahm, einen Twingo, „une petite Twingo grise.“ In Paris sitzt er auch oft in der Metro, in der er das Gespräch mit seinen Mitmenschen sucht, oder er ist gar zu Fuß unterwegs, nachdem man ihm sein „Vélo“ geklaut hatte.

Niemand kann mir weismachen, dass die „frommen“ Herren nicht z.B. auch in einem schönen VW Golf angenehm sitzen, lesen oder schreiben können. Oder gar ein Nickerchen machen. Und niemand missgönnt ihnen eine angenehme Wohnung, in der sie sich wohl fühlen.

Sind unsere Bischöfe nicht fast Luxusprobleme?

lautete der Titel eines Beitrages von mir, den ich im vergangenen Jahr publizierte (Philosophia Perennis, 26.04.20). Leider ja. Zumindest häufig. Diener Jesu sind viele jedenfalls nicht. Eher Diener dieser Welt und Staatsdiener, Diener eines korrupten Staates, die vielen prunksüchtigen und oft größenwahnwitzigen Politikern, deren „vergoldete Allerwerteste“ ebensowenig zu rechtfertigen sind, in Nichts nachstehen. Mit dem Unterschied, dass die Damen und Herren Politiker nicht Gottes Wort verkünden.

„…Ein Reicher wird schwer ins Himmelreich kommen“ (Mt 19,23) liest sich der oben zitierte Text des Matthäus-Evangeliums weiter. Nicht wenige, die glauben Hirten und Oberhirten zu sein, scheinen das Evangelium bedauerlicherweise nicht wirklich zu kennen!