JESU BOTSCHAFT VOM REICH GOTTES

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Empfindlich gestört – In den Verirrungen – Verfehlungen – Verbrechen

Von Dr. Juliana Bauer

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„Die Mächte der Hölle werden sie nicht überwältigen“ (Mt 16,18) Die Kirche. Oder doch?

Die Kirche ist „weit in den Abgrund geraten” (Bischof Overbeck, Essen)

Sie ist eine Kirche großer Sünder.

Zu der alle gehören, die noch zur Kirche gehören. Ausnahmslos. Alle. Zu den Sündern. Wir Menschen machen Fehler. Laden Schuld auf uns. Vor Gott und den Mitmenschen. Nur – es gibt große und differenzierte Unterschiede in der Schwere der Schuld. Bis hin zu Verbrechen. Die zerstören.

Wohin trieben in der Vergangenheit viele Mächtige der Kirche Roms? Wohin treiben sie gegenwärtig? Die Mächtigen der römisch-katholischen Kirche!

Die häufig vergessen, dass die Kirche vor allem aus vielen einfachen, gläubigen Menschen besteht. Aus den Gläubigen, die die Hauptkirche bilden. Aus vielzähligen Menschen, die zwar wie alle Sünder sind, die aber keines Verbrechens schuldig wurden und werden.

Wo stehen die Kleriker? Jene, die die Spitze bilden? Die über Macht verfügen. Noch immer. Schönfärbende Audienzen von Petris Nachfolgern

Die Kirche der zahlreichen einfachen Gläubigen schrumpft. Sie befindet sich, wie vor einigen Tagen der Bischof von Essen, Mons. Overbeck, feststellte, in einer „existenzgefährdende(n) Krise“ (siehe Link 1).

Aber ohne die Gläubigen können die Kleriker einpacken. Ohne diese kann die „Crème de la Crème“, als die sich viele, gerade auch in der Kurie, immer noch verstehen, nach Hause gehen. Die unappetitlich gewordene „Crème de la Crème.“

Denn – und verzeihen Sie, liebe Katholiken! Ich halte mal wieder „mein Maul nicht im Zaum“ und sage es frei heraus – die schwarzen langen Soutanen, geziert mit lila oder roter Schärpe, die Mittwoch für Mittwoch um den Nachfolger Petri auf dem nach ihm benannten Platz herumschwirren, dem berühmtesten Platz der Christenheit, reißen die Kirche, die Christus einst auf Simon Petrus gründete, nicht aus dem Abgrund. 

Diese selbstgefälligen Kleriker auf ihrem Logenplatz haben nichts verstanden. NICHTS.  Sie wissen noch immer nicht, wo ihr Platz ist. Dass er bei den Gläubigen ist! „Zu Füßen der Menschen“ (Mgr Aupetit). Denn „…heute hat Gott seine Knie vor den Menschen gebeugt … Wenn Gott vor den Menschen kniet, dann deshalb, dass wir vor unseren Brüdern und Schwestern knien, besonders wir Priester und Diakone…“ (Erzbischof Michel Aupetit in seiner Predigt zur Fußwaschung am Gründonnerstag 2019 in Saint-Sulpice, Paris).

Gibt es da nicht ein Gleichnis, das Jesus von Nazareth einmal erzählte? Das Gleichnis vom barmherzigen Mann aus Samaria. In dem Jesus auf die Priester und andere im Dienst Gottes Stehenden ein sehr schlechtes Licht wirft (Luk 10, 25-37) … … ein ausgesprochen schlechtes…

MISSBRAUCH – EIN FLUCH LIEGT ÜBER DER KIRCHE

Missbrauch an Kindern, an Jugendlichen…, …an Ordensfrauen… Nach wie vor heftig diskutiert: der Machtmissbrauch, den Kleriker, so genannte geweihte Personen und andere kirchliche Mitarbeiter begingen. Unter dem der sexuelle Missbrauch an Kindern und Jugendlichen den größten Raum einnimmt und eine Schwere an Schuld offenbart, die unfassbar bleibt.

Gefolgt jedoch vom sexuellen Missbrauch an Ordensfrauen, unlängst erneut in einem Film von ARTE thematisiert (der Titel: Gottes missbrauchte Dienerinnen, Originaltitel: Religieuses abusées, l’autre scandale de l’Église, 2019). Ein himmelschreiendes Verbrechen, dem die Kirche von Rom noch immer nicht genügend Aufmerksamkeit schenkt. Den Film ergänze ich an dieser Stelle um mehrere Artikel, die in den letzten drei Jahren in vorwiegend katholischen Journalen zu diesem Verbrechen erschienen sind. In katholischen Journalen wohlbemerkt (s. Links 5-11). Es handelt sich also um keine Behauptungen kirchenfeindlicher Kräfte.

Die Bischöfe von Frankreich hatten am dritten Fastensonntag einen „Gedenktag für die Opfer von Gewalt und sexuellen Übergriffen sowie Macht- und Gewissensmissbrauch innerhalb der Kirche“ ausgerufen. Bischof Pontier, der momentane Nachfolger von Michel Aupetit in Paris, nannte in seiner Predigt nicht nur die „kriminellen Taten“ der schuldig gewordenen „geweihten Personen“, sondern er bezeichnete auch die „tiefen Wunden“ der Opfer und die Schuld der kirchlich Verantwortlichen, das Leid der Verwundeten jahrelang nicht gehört zu haben (s. Link 3).

Hierin liegt auch die besondere Schwere der Schuld kirchlicher Mitarbeiter.

Wenn Verkünder Jesu, Verkünder seiner Frohbotschaft vom Reich Gottes, wenn Männer, die als Seelsorger zu den Menschen geschickt sind, zu Menschen, die ihnen vertrauen – wenn solche Männer zu solchen Verbrechen fähig sind, sich zu solchen Verbrechen hinabziehen lassen, so ist dies mit nichts zu entschuldigen. Aber auch in keiner Weise mit anderen Lebensbereichen, außer der Familie, der ein Kind ebenso grenzenlos vertraut, vergleichbar. Denn diese „Personen, die beauftragt sind das Werk Gottes, seine Güte, seine Zärtlichkeit zu vergegenwärtigen“ (Bischof Georges Pontier), missbrauchten ihren Auftrag in niederträchtigster Weise. Daher kann ich einen Satz wie „Missbrauch in Kirche ist nicht skandalöser als in anderen Bereichen“ (Philosophia  Perennis, 20.01.2022), einen Satz, der wie purer Zynismus anmutet, nicht stehen lassen. Denn in den „anderen Bereichen“ wird Christus nicht verkündet. Das ist der große Unterschied.

Wenngleich sexueller Missbrauch an einem Kind überall ein katastrophales Verbrechen ist.

Einst undenkbar – Missbrauch an Kindern und Jugendlichen durch Kleriker

In der Vergangenheit unvorstellbar: für zahlreiche Gläubige, aber auch für mich.

Als ich 2010 von Missbrauchsfällen an Kindern durch Pfarrer/Priester in größerem Ausmaß hörte und las, blieb mir der lockere Streuselkuchen, den ich gerade angefangen hatte, genüsslich zu futtern, und der mich an meine Kindertage bei meinen geliebten Großeltern erinnerte, im Halse stecken. Buchstäblich.

Es war für mich unvorstellbar, was ich erfuhr. Zunächst. Inzwischen mache ich mir keine Illusionen mehr. Von vielen Frommschwätzern, aber auch von vielen „Würdenträgern“ halte ich nichts. Diejenigen, die ich schätze und die ich mag, sind wenige.

Viele kennen die Botschaft Jesu nicht wirklich, sind nicht erfüllt vom Geist Gottes.

Auch hier dachte ich an meine Großeltern. An ehrliche, rechtschaffene, liebevolle Menschen, treu katholisch. Die den Nazis mutig Widerstand leisteten. Und die Großmutter! Die eine kindliche Verehrung für den Priester schlechthin hegte, den Priester, das „geweihte Haupt“, einen Priester Jesu Christi. Einen Priester, der „im Auftrag unseres Herrn Jesus Christus sprach und handelte“, wie der Großvater seinen alten Dekan oft zitierte. Es wäre für die Großeltern nicht nur undenkbar gewesen, sondern hätte ihre Grundfesten erschüttert: Priester, die sich an einem Kind vergreifen. Meine Großmutter, schwer herzkrank, hätte wohl einen Herzschlag erlitten. Durch diese Enttäuschung, durch diesen Verrat.

„Wer aber einen dieser Kleinen, die an mich glauben, zum Bösen verführt, für den wäre es besser, dass ein Mühlstein um seinen Hals gehängt und er ersäuft würde im Meer, wo es am tiefsten ist.“ So die Worte Jesu in Mt 18,6.

Trotz ihrer Erschütterung aber hätte meine Großmutter eines klar gesehen: den falschen Diener Jesu in der Hölle. „Der kummt in d’Hell!“ wäre ihre schlichte Feststellung im Mannheimer Dialekt, ihrem Heimatdialekt gewesen. Ich höre ihre nüchterne Feststellung geradezu, die nüchterne Feststellung einer einfachen gläubigen Frau. Die das unverblümt ausgedrückt hätte, was Jesus einst Leuten sagte, die ihm von großem Unglück berichteten: „Wenn ihr nicht umkehrt, werdet ihr alle auch so umkommen“ (Luk 13,3; 5).

Die „Sünde der Unkeuschheit“

Sexueller Missbrauch – undenkbar in der einstigen katholischen Welt.

In einer Welt, in der die Flagge der „Keuschheit“ so hochgehalten wurde (und bei den Klerikern der römischen Kirche noch immer als das Höchste gilt…!!!). In der die Verletzung der Keuschheit als eine der unverzeihlichsten Sünden galt. In der die Eheleute ob ihrer Liebe zueinander, die sich auch körperlich zeigte, jahrhundertelang drangsaliert wurden. In der schon die Kinder über Beichten und Beichtspiegel betreffs des 6.Gebots in ganz schreckliche Schuldgefühle gestürzt wurden: „Habe ich Unkeusches gedacht, gesehen, gehört, getan?“

„Und er – Jesus – rief ein Kind zu sich und stellte es mitten unter sie und sprach: ‚Wahrlich, ich sage euch: Wenn ihr nicht umkehrt und werdet wie die Kinder, so werdet ihr nicht in das Himmelreich kommen“ (Mt 18,2-3).

Gute und schlechte PfarrerAbgründe in Elternhäusern

Immerhin kannte ich sowohl während meiner Kinder – und Jugendjahre, als auch als Erwachsene etliche Kapläne und Pfarrer, die als Seelsorger für die Menschen sehr engagiert waren. Die Gottes Wort ehrlich verkündeten und bemüht waren, es ehrlich zu leben. Die sich uns, gerade als Kinder, gegenüber anständig und menschlich korrekt verhielten, ja unser Herz mit Überzeugungskraft und Freude, bisweilen auch mit Witz und Humor für Christus eroberten.

Eine böse Ausnahme war ein humorloser, verbissener Kaplan – zum Glück der einzige auf weiter Flur –, der den Ministranten, die ihn nervten, häufig ins Gesicht schlug. Gewaltakte, die wir auch von Lehrern und aus Elternhäusern kannten und die nichts mit sexuellem Missbrauch zu tun hatten, wenn sie auch sonst schlimm genug waren.

Dennoch lässt mich heute der Missbrauch, der offenbar wurde und wird, fragen, wo denn die Eltern waren/sind. Wann sie ihren Kindern zur Seite standen/stehen? Wann sie ihnen Schutz gewährten? Wie es kommen konnte, dass ein Priester über Jahre selbst Nichten und Neffen schwer missbrauchen konnte (z.B. in Köln, s. Link 2)?

Wenige Jahre vor jenem berüchtigten Jahr 2010 hatte ich mit einer Künstlerin, die, gleich ihrer Schwester, als Kind von ihrem eigenen Vater unter den Augen der Mutter missbraucht worden war, Ausstellungen zu diesen Verbrechen geplant – wir wollten ihre Bilderreihe Kinderzimmer, den von ihr minutiös thematisierten Raum der Kinder, der sich aus einem Spiel- und Schutzraum in einen Ort der Hölle verwandeln und im eigenen Elternhaus zum Tatort werden kann, weiterpräsentieren. Die zunehmende Krankheit meiner alten Eltern und die Rückzugsgefechte von zunächst unterstützenden Politikern machten unsere Vorhaben zunichte.

Die Künstlerin hatte bereits Jahre zuvor mit ersten Ausstellungen ihres Bilderzyklus‘ begonnen, so in München 2002 (s. Link 4). Eine Ironie der Geschichte war, dass der damalige und weithin hoch geschätzte Abt des Benediktiner-Klosters Andechs bei München, Odilo Lechner (+ 2017), die heikle Ausstellung eröffnete, nichtahnend, was einige Jahre später in seiner Kirche unter den bestgehüteten Deckmänteln hervorbrechen würde.

Unfassbar – die Realität des Missbrauchs an Ordensfrauen durch Kleriker. Mit unzähligen Gläubigen stehe ich vor dem Unfassbaren

Als ich mich mit den Themen des Missbrauchs wie auch des Zwangs-Zölibats beschäftigte, stieß ich vor nicht allzu langer Zeit auf die sexuellen Verbrechen an Ordensfrauen. Über Berichte in Domradio der Erzdiözese Köln und Vaticannews (s. Links 5-10; den oben genannten Film aus ARTE sah ich am 8. März dieses Jahres zum ersten Mal)! Die Berichte handelten vorwiegend von sexuellen Verbrechen an Ordensfrauen in Afrika und Asien. Doch nicht verübt durch archaische Stammesangehörige, nicht durch marodierende Horden.

Nein, durch katholische Priester. Durch Gemeinde- und vor allem Ordenspriester. Ja, sogar in manchen Fällen durch Bischöfe.

Die Spuren aber endeten nicht auf jenen Kontinenten. Sie führten auch in die USA, nach Kanada und nach Europa. In dem von mir angesprochenen Film berichten besonders (ehemalige) Nonnen aus Frankreich und Kanada von ihren furchtbaren Erfahrungen mit Priestern, deren Perversität nicht zu überbieten war. Auch diese Realität war für mich bis zu den in Domradio entdeckten Artikeln in dem geschilderten Ausmaß unvorstellbar, unfassbar.

Und allem ist eines gemeinsam: das immer noch bzw. immer wieder herrschende SCHWEIGEN. Das Schweigen und Unter-Den-Teppich-Kehren. Und das immer wieder lapidare Darüber-Hinweg-SEHEN, Darüber-Hinweg-GEHEN auf höchster Ebene (auch wenn Papst Franziskus 2019 einräumte, dass es in der Kirche sexuelle Gewalt gegen Ordensfrauen gibt).

Ohne nennenswerte Konsequenzen für die TÄTER.
Ohne wirkliche Hilfen für die Frauen.

Und – das NICHT-ÖFFENTLICHE-BEKENNEN dieser schweren SCHULD, insbesondere bei den obersten Klerikern (s. dazu Link 5, über den „Aufstand der Frauen im Vatikan“).

„Verführt dich deine rechte Hand zum Bösen, so haue sie ab“

Es gibt ein weiteres Wort Jesu, das da lautet und von Matthäus überliefert wurde:

„Verführt dich deine rechte Hand zum Bösen, so haue sie ab und wirf sie von dir. Es ist dir besser, dass eines deiner Glieder verderbe, als dass der ganze Leib in die Hölle geworfen werde“ (Mt 5,30; vgl. auch 5,29 das Auge betreffend).

Wäre dieses Wort Jesu nicht auch auf andere Glieder zu übertragen?

Im Angesicht dieser Verbrechen? Dieser Verbrechen an wehrlosen Kindern? An jungen Menschen? An oft wehrlosen Ordensfrauen?

Spuren von Gewalt bis in die Gegenwart. Nicht-beachtete Auswirkungen des durchgepeitschten priesterlichen Zwangs-Zölibats.

Als ich vor drei Jahren in Philosophia Perennis einen Beitrag zum Zölibat schrieb, konkreter gegen den priesterlichen Zwangs-Zölibat, und dabei einmal genauer kirchenhistorische Fakten unter die Lupe nahm, erfuhr ich einiges detaillierter als bis dahin. Ich erfuhr, dass die als fälschlich bezeichnete „verbindliche Einführung“ der ehelosen Lebensform nicht auf wohlüberlegte Debatten und Beschlüsse von Synoden zurückging, sondern ein Durchpeitschen war, zurückgehend auf gnadenlose päpstliche Befehle, durchdrungen von einem Hass auf alles Leibliche und Weibliche, aufgehetzt von machtheischenden Bischöfen, die ebenso Frauen und den menschlichen Leib verachteten (https://www.conservo.blog/2022/03/03/typisch-roemisch-katholisch-trauer-muesste-ecclesia-tragen/).

Die Ehelosigkeit – gnadenlos erzwungen gegen massive Widerstände von zahlreichen Klerikern der gesamten Kirche. 

Gnadenlos erzwungen hinter dem vordergründigen und verlogenen Schleier der „Reinheit“, mit der sich ein Kleriker alleine der Eucharistie nähern dürfe. Einem Sakrament, das Jesus am Abend vor seinem Tod vor allem verheirateten Männern anvertraute.

Der Gipfel, der sich mir erst vor kurzem lichtete, waren jene historischen Recherchen über die Verbrechen, die die Verantwortlichen der Amtskirche im 11.Jh. an den verheirateten Priestern, ihren Frauen und ihren Kindern begingen (s.u. Lit., Zey), jene gewalttätigen Übergriffe auf die Priester und ihre Familien, insbesondere in Mailand – einzig und allein, weil sie verheiratet waren.

Einzig und allein aus dem Wahn und teuflischen Plan heraus, die Ehelosigkeit, die allein eine Gabe ist, mit aller Macht und Gewalt für die Priester durchzupeitschen.

NACHWIRKUNGEN

Diese Verbrechen, den Zölibat, die verheirateten Kleriker, ihre Frauen und Kinder betreffend, sind in der Vergangenheit anzusiedeln. Ich hörte daher Einwände, man könne diese nicht in die Gegenwart zerren und die heutigen Päpste und Bischöfe für diese Verbrechen verantwortlich machen.

Nein. Das kann man nicht.

Aber für die Auswirkungen. Für viele üble Realitäten, die noch unter heutigen Nachwirkungen einzuordnen sind. Und dafür, dass sich die auf den entscheidenden Machtposten befindenden Herren Kleriker noch immer nicht der Wahrheit stellen.

Denn die BLUTSPUR führt von den Verbrechen der Kirchenoberen an jenen verheirateten Priestern, ihren Frauen und ihren Kindern im 11.Jh. (https://www.conservo.blog/2022/03/03/typisch-roemisch-katholisch-trauer-muesste-ecclesia-tragen/) bis in unsere Zeit.

BIS IN UNSERE ZEIT.

Sie führt zu den Ordensfrauen, die von Priestern missbraucht, vergewaltigt, gedemütigt werden. Die zu Abtreibungen gezwungen oder aus ihren Orden ausgeschlossen und ins Elend geschickt werden.

Sie führt zu den Kindern und Jugendlichen, die jahrelang Opfer priesterlich-sexueller Gewalt wurden und werden.

Sie führt letztlich auch zu jenen unglücklichen Männern, die nicht ein Leben lang dem Zölibat treu zu sein vermögen, auch wenn sie sich bemühen.

Die irgendwann eine Frau lieben, aber nicht den Mut oder die Kraft haben, ihr Priesteramt aufzugeben. Die letztlich sich und eine Frau unglücklich machen. Die eine heimliche und verleugnete Beziehung führen, aus der mitunter ein Kind oder Kinder geboren werden. Kinder, verleugnet, verheimlicht, ohne Vater.

Und deren Priester gibt es nicht wenige.

Sie führt zu jenen Priestern, die vor ihrer Entscheidung lange in innerer Zerrissenheit lebten. Deren Familienwunsch groß war,ihrem Wunsch, Priester zu werden, vergleichbar.

Sie führt zu jenen Priestern, die vor allem im Alter unter Einsamkeit leiden.

Männer, die nicht nur ohne liebende Ehefrau sind (die natürlich bereits verstorben sein kann), vor allem aber ohne Kinder und Enkel.

Sie führt zu jenen im Ehesakrament lebenden Priestern des Ost-Ritus, die von Zölibats versessenen Bischöfen  abgelehnt, an den Rand gedrängt, „kalt gestellt“ wurden und werden – geschehen im Erzbistum Paris der 1980iger und 90iger Jahre. Geschehen 2020, s.u.

Und das alles aufgrund menschengemachter Gesetze. Die weder auf GOTTES GEBOTEN gründen, noch auf den von ihm geschenkten Charismen. Auf Charismen, die denen gelten, welche die Ehelosigkeit als ihre wirkliche Gabe erkennen. Die jedoch nicht die Gabe eines jeden Priesters sind. Denn wichtig ist für Gott allein das Herz des Menschen: „Gott aber sieht das Herz an“ (1.Buch Samuel, 16,7)

Aus der Tiefe des Herzens… schreie ich zu dir, oh Herr“

Es wäre der logische Gegentitel zu dem Buch „Aus der Tiefe des Herzens“ des afrikanischen Kurienkardinals Robert Sarah, eines Seelenfreundes Joseph Ratzingers, über den Zölibat (erschienen 2020). Es wäre der erschütternde Gegentitel eines Buches, das von Priestern vergewaltigte afrikanische Ordensfrauen dem Buch Sarahs gegenüberstellen müssten.

Einem Buch, in welchem der Kardinal den Zölibat als die für ihn einzige priesterliche Lebensform mit einem leuchtenden Strahlenkranz umgibt und verklärt. Und weit schlimmer noch: in dem er nichts Infameres, nichts Perfideres zu behaupten weiß, als den „priesterlichen Zölibat“ von „schlechten Einlassungen, … diabolischen Lügen und im Trend liegenden Irrtümern” negativ beeinflusst und „entwertet“ zu sehen.

Fern von der historischen Wahrheit der jahrhundertelang möglichen ehelichen Lebensform für Priester.

Fern von der historischen Wahrheit der jahrhundertelang währenden Diskussionen um diese für Priester geltende Zwangsverordnung in der Kirche selbst.

Fern von der Wahrheit jeglicher Verbrechen, welche die ZWANGSVERORDNUNG dieser Lebensform schon in der Vergangenheit heraufbeschwor.

Fern von der Wahrheit jeglicher Verbrechen, die gerade auch auf seinem Heimatkontinent „Gottesmänner“ an Gott geweihten Frauen verüben…

DIABOLISCHE „GOTTESMÄNNER.“ Die im ach so „heiligen“ Zölibat leben sollten…!!!

Der wie so oft in seiner Geschichte zu Gewalt und Verlogenheit verkommt.

Zu einem Instrumentum Diaboli.

Sarahs Buch rief jedoch Widerspruch hervor. Und man lese und staune. Bei Bischöfen. Bei Bischöfen der katholischen Ostkirchen, deren Priester zu 90% verheiratet sind (s. Link 11).

Die sich jedoch in Sarahs Buch nicht wiederfinden. Die es für ihn offenbar nicht gibt.

Obwohl sie, verheiratet, gottesfürchtig und von Gott gesegnet, häufig die wahren Gottesmänner sind.

Verliebte Priester. Oder die einseitige Mär von der weiblichen Verführung.

An dieser Stelle möchte ich mit einer unter vielen Katholiken und Katholikinnen verbreiteten Mär aufräumen, einer, wie sie insbesondere unter den neunmalklugen Traditionalisten und ihren Kreisen erzählt wird.

Die Mär, dass es vor allem die „sündigen, verführerischen“ Frauen seien, die die „armen Priesterseelen“ durcheinander brächten, die „hinter einem Priester herlaufen, sich an ihn heranmachen“…

Oh nein, verehrte fromme Katholikinnen und Katholiken! Es sind nicht immer die Frauen!

Es sind auch die Herren Priester selbst, wie mir meine Erfahrung in Freiburg und in Rom und auch an anderen Orten vielfach zeigte.

Priester, die hinter einer Frau herlaufen. Die sich für sie interessieren. Die allabendlich an ihrer Tür läuten… Die ihr den „Hof machen.“ Die sich ihr zärtlich nähern.

Und warum wohl?

Ja, weil ihnen diese Frau gefällt. Weil sie Sehnsucht nach Zärtlichkeit haben. Weil sie sich verliebt haben…

Trotz Zölibats. Trotz Zölibats-Versprechens.

Ja, und wenn sie auf Gegenseitigkeit beruht, diese Verliebtheit…? Was dann…?

Häufig sind es engagierte Seelsorger, die sich verlieben. Überzeugende Seelsorger und engagierte Verkünder von Gottes Wort.

Und – es sind gesund empfindende Männer.

Männer, die Gott lieben. Und die gleichermaßen fähig sind, eine Frau zu lieben.

Zu lieben.

Nicht zu demütigen, zu missbrauchen, sie gewalttätig beherrschen zu wollen.

„Ich werde mich immer wieder verlieben, das weiß ich“, so die Aussage eines frisch geweihten NEUPRIESTERS in einem süddeutschen Zeitungsinterview des Jahres 2020 … Na, dann!

„Und Gott der HERR sprach: ‚Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei; ich will ihm eine Gehilfin machen, die um ihn sei“ (1 Mose 2,18).

„Die um ihn sei.“

LINKS zum Thema Missbrauch an Kindern

https://www.domradio.de/artikel/bischof-overbeck-sieht-existenzgefaehrdende-krise, 18.03.2022

2 https://www.domradio.de/artikel/katholischer-priester-soll-118-mal-missbrauch-begangen-haben Köln, 6.02.2022

https://www.paris.catholique.fr/homelie-de-mgr-georges-pontier-57959.html

Predigt Mgr Georges Pontier, victimes agressions sexuelles, 20 mars/20.März 2022

https://www.dji.de/fileadmin/user_upload/bibs/ikknachrichten3.pdf, Ausstellung Kinderzimmer

LINKS zum Thema Missbrauch an Ordensfrauen (5-11)

https://www.sueddeutsche.de/medien/rom-vatikan-metoo-missbrauch-papst-franziskus-1.4384052

ein Bericht aus der nichtkatholischen Presse, jedoch aus dem Vatikan

https://www.vaticannews.va/de/kirche/news/2019-05/deutschland-missbrauch-orden-obere-studie-kluitmann-interview.html

https://www.domradio.de/artikel/zwischen-schweren-fehlern-und-schwerwiegenden-faellen-eine-chronologie-der-missbrauchskrise, 2019

https://www.domradio.de/artikel/es-wird-immer-noch-getan-papst-will-gegen-missbrauch-von-ordensfrauen-vorgehen, 2019

https://www.domradio.de/artikel/nicht-systematisch-missbrauch-von-klerikern-ordensfrauen-auch-deutschland, 2019

https://www.domradio.de/artikel/uebergriffe-von-geistlichensind-keine-einzelfaelle-hilfswerk-bekaempft-missbrauch, 2020

https://www.domradio.de/artikel/schleier-des-schweigens-buch-schildert-missbrauchszeugnisse-von-ordensfrauenn, Nov. 2021 (wichtiger Beitrag aus Italien)

Literatur Zölibat (Wiederholung)

fundiert erforschte Quellen von Kirchenhistorikern und Mittelalterhistorikerin

– Denzler, Georg: Der Zölibat der Priester zur Zeit Papst Innozenz‘ III., in: Proceeding of the Eleventh International Congress of the Medieval Canon Law, Catania 30.07.-06.08.2000, Monumenta Juris Canonici…, Vol.12, Città del Vaticano, Biblioteca Apostolica Vaticana 2006.

– Zey, Claudia: Ohne Frauen und Kinder. Askese, Familienlosigkeit und Zölibat in den Streitschriften

des 11. und 12. Jahrhunderts, in: Saeculum 68/II, 2018, Jahrbuch zur Universalgeschichte.

Mit einer Fülle weiterer historischer Dokumente.

Ich ergänze das Werk eines weiteren Kirchenhistorikers

Wolf, Hubert: Zölibat. 16 Thesen, 2019.

12 https://www.domradio.de/artikel/offene-diskussion-zoelibat-thema-bei-papstaudienz-mit-us-bischoefen-der-ostkirche, 2020

Beiträge Juliana Bauer

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