Renners Revision: Politik und Medien – Die Komplizen der emotionalen Erpressung

(www.conservo.blog)

Von Martin E. Renner *)

Bild: Pixabay

„Was wir über unsere Gesellschaft
und über die Welt,
in der wir leben, wissen,
wissen wir durch die Massenmedien.“

Auf diesen berühmten Satz des Gesellschaftstheoretikers Niklas Luhmann kann man gerade in diesen Tagen nicht oft genug verweisen. Alles, was wir über die Kriegshandlungen in der Ukraine wissen, wissen wir durch die Massenmedien. Die so erworbenen Informationen wiederum sind die Grundlage jeder Meinungsbildung. Sicherlich eine Binsenweisheit.

Jede Medaille aber hat zwei Seiten

Welche Konsequenzen hat es, wenn bestimmte Informationen und reale Sachverhalte nicht an die Bürger weitergegeben werden und niemand darüber berichtet? Was bedeutet es, wenn eine Seite der Medaille ständig medial überbetont und die andere Seite kaum oder gar nicht dargestellt und abgebildet wird?

Die Antwort ist schnell gegeben: Dann sind die Menschen in unserer Gesellschaft zwangsläufig in Gefahr, sich aufgrund der einseitigen und unvollständigen Informationslage eine unzureichende oder sogar falsche Meinung zu bilden.

Daraus folgt – und exakt das bringt der Satz von Luhmann auf den Punkt: Die Massenmedien haben nicht nur eine enorm wichtige gesellschaftliche und demokratische Verantwortung – sie haben auch das Potential, die Gesellschaft zu einer „erwünschten“ Meinung hin zu lenken. Also die Meinungsbildung zu monopolisieren und zu manipulieren.

Man muss kein Anhänger des Sophismus sein, wenn man hier ergänzt: Was wir über dies oder jenes nicht wissen, dann wollen die Massenmedien (und die Politik) es vielleicht auch nicht, dass wir es wissen.

Berichterstattung versus Propaganda versus marxistische Agitprop

Was bei den Medien schlicht unverzeihlich wäre und ist, das ist in der Politik ganz selbstverständlicher Usus. Die Regierung, aber auch die Parteien betreiben Propaganda: Eigene Zielsetzungen und Lösungsvorschläge werden schöngeredet, die des politischen Gegners, also der Opposition, werden negiert und dramatisiert.

Umgekehrt werden eigene Verfehlungen und Wirklichkeit gewordene Misserfolge banalisiert, kleingeredet, am besten totgeschwiegen.

Aus demokratischer Sicht hat es katastrophale Konsequenzen, wenn die Medien ihrer Aufgabe als sogenannte „Vierte Gewalt“ im Staat nicht länger gerecht werden können, wollen oder sollen. Wenn sie sich nicht mehr als neutraler und unabhängiger Kontrolleur der politischen Macht verstehen, sondern sich zum Herold der politisch Mächtigen selbst degradieren und degradieren lassen. Oder, in der Endstufe, sich sogar als politisch Berufene und Agierende verstehen – ohne demokratische Legitimation durch den Souverän – und sich dadurch selbst erhöhen.

Eine breitestmögliche und ungefilterte Berichterstattung, die zu einer objektiven und fundierten Meinungsbildung des Bürgers und des Wählers führt, ist dann nicht mehr möglich.

Die Verschmelzung der politischen und medialen Blase führt zur Beutegemeinschaft

Medien, die eine politische „Haltung“ einnehmen und das auch noch selbstgewiss und selbstzufrieden postulieren, sind der Anfang vom Ende unserer mühsam erkämpften und in der Vergangenheit immer wieder verloren gegangenen Demokratie.

Ab diesem Zeitpunkt entwickelt sich eine polit-mediale Festungsanlage mit widerständigem Mauerwerk, das durch den Bürger, den Wähler, aber auch durch jede Opposition – die alternative politische Entscheidungen einbringen und realisieren will – kaum noch zu durchbrechen ist.

Die politische Blase und die mediale Blase verschmelzen miteinander und potenzieren so ihre Wirkung. Dies erst recht, als wir es heute mit dem ohnehin schon ideologisch verschmolzenen Altparteienblock der „Neuen Einheitspartei Deutschlands (NED)“ zu tun haben.

Ein Block, der sich in den politischen Fragen völlig einig ist und die jeweiligen alten Markenkerne – wie Arbeiterinteressen, Marktwirtschaft, Christentum, Liberalität – nur noch zeitweise bespielt, um dem Bürger einen demokratischen Wettstreit vorzugaukeln. Und auch, um den Bürger ja nicht merken zu lassen, dass man sich in schöner Regelmäßigkeit die prall gefüllten Fleischtöpfe untereinander zuspielt und aufteilt.

So wird beispielsweise Merkels treu dienender Regierungssprecher Seibert als designierter Botschafter Deutschlands in Israel gehandelt. Seibert: Als ehemaliger ZDF-Journalist ist dieser Name ein Beispiel für die Überlagerung und Verschmelzung der journalistischen und der politischen Sphäre.

„Gleichschaltung“ wäre zwar das richtige, ist aber dennoch ein böses und tabuisiertes Wort

Regierung, politische Parteien und Medien mit einer gemeinsamen politischen Haltung, einer verinnerlichten Ideologie und identischen Opportunismen klären den Bürger nicht mehr auf. Sie haben kein Interesse daran. Indoktrination und Ideologisierung sind aussichtsreicher und zielführender als die Ertüchtigung des Bürgers zur eigenen Meinungsbildung. Eine Versorgung des Bürgers mit den zur freien Meinungsbildung notwendigen Informationen findet nicht mehr oder kaum noch statt.

Es spielt an dieser Stelle keine Rolle, ob die Medien – wie in den finstersten Jahren unserer Geschichte – zum Gleichschritt mit der Politik gezwungen wurden oder werden. Oder, ob sie aus eigenem Entscheid die gleiche politisch-ideologische „Haltung“ und Position wie die politisch Mächtigen einnehmen.

Es zählt alleine, was diese Gleichtaktung und diese Einvernehmlichkeit anrichtet: Die Öffentlichkeit, die Bürger und die Wähler werden immer hemmungsloser manipuliert. Natürlich ist diese Gleichtaktung nicht objektiv beweisbar, sondern nur durch Wissen – doch das setzt Informationen voraus – erkennbar.

Eine sichtbare und nachweisbare Befehlsstruktur der Politik hin zu den Medien existiert tatsächlich nicht. Alle sind, bildlich gesprochen, in der selbst errichteten, gemeinsamen Filterblase gefangen. Gleiche gesellschaftliche Herkunft, gleiche Sozialisation, gleicher Habitus, gleiche Rekrutierungsmechanismen für den Nachwuchs. Die Grenzen zwischen der Politik und den Topakteuren der journalistischen Sphäre sind fließend. Eine Hand wäscht die andere. Oder auch: „Meine Tante, Deine Tante.“

Die „Gleichtaktung“ ermöglicht die allgegenwärtige emotionale Erpressung der Bürger

Es entstand ein höchst effizientes und perfides Instrument, das die „politische Kaste“, die „journaktiv Agierenden“ und das hypermoralische „Juste Milieu“ seit Jahren erfolgreich nutzt: Die „Emotionale Erpressung“.

Moralische Dilemmata gehören in der Politik zur Tagesordnung. Selten gibt es nur die „eine richtige“ Lösung für eine Problemstellung. Man ist gezwungen, mehrere Lösungswege gegeneinander abzuwägen. Auch Kompromisse zwischen verschiedenen, einander widersprechenden, berechtigten Interessenslagen zu suchen und zu finden. Dazu bedarf es der bestmöglichen Übersicht über alle verfügbaren Informationen und Interessen – und eines kühlen, sachlichen Verstandes. Emotionale Ausnahmesituationen sind in dieser Hinsicht menschlich nachvollziehbar, aber wenig hilfreich, zumeist eher schädlich.

Und jetzt denken Sie an die sogenannte Flüchtlingskrise, den Kernkraftausstieg, die CO2-Saga, den „Klimawandel“, die Corona-„Pandemie“ – und aktuell an den furchtbaren Krieg in der Ukraine.

Die Medien liefern die Bilder und die Stories, emotionalisieren und moralisieren, malen Katastrophen und menschliches Leid. Rund um die Uhr. Der Bürger wird moralisch und emotional erpresst. Und die politischen Akteure suhlen sich in der angeblichen Gut- nein, Bessermenschlichkeit, beklatscht und bejubelt von ihren medialen Komplizen und Beutegenossen.

Jede Medaille hat zwei Seiten. Jede. Medial ausgeleuchtet aber wird regelmäßig immer nur eine Seite. Jeder Versuch, der Öffentlichkeit auch die jeweils andere Seite nur ins Bewusstsein zu rufen, nur jede Kritik an einseitiger Information wird mit gesellschaftlicher und sozialer Exkommunikation beantwortet.

Nicht nur von der Politik, auch von der Wirtschaft, der Wissenschaft, den Kirchen, den verschiedensten NGOs. Von der Gesellschaft insgesamt – die auf der politisch-medial instrumentalisierten und oftmals erpressten, aber angeblich moralisch „richtigen“ Seite stehen möchte.

Am Beispiel Ukraine

Wenn der Präsident der Ukraine live im Deutschen Bundestag das unfassbare Kriegsleid schildert und um Hilfe fleht – dann wird es als menschlich erschütternd dargestellt, wenn danach plangemäß zur Tagesordnung übergegangen wird.

Dennoch war und bleibt es richtig, dass nicht unmittelbar danach Entscheidungen getroffen wurden. Politische Entscheidungen müssen  ausschließlich auf der rationalen Ebene gefällt werden. Und bereits die Erlaubnis, Wolodymyr Selenskyj im Deutschen Bundestag reden zu lassen, war bereits ein Akt der emotionalisierenden Erpressung und nicht der politischen Entscheidungsfindung.

Am Beispiel Schokolade

Wenn ein Schokoladenhersteller zwischen dem Wohlergehen seiner Mitarbeiter und dem unverzichtbaren Umsatz durch Handel mit Russland abwägt: Wer wollte ihm das vorwerfen? Hat er nicht auch die Pflicht für die Beschäftigungs- und Einkommenssicherung seiner Mitarbeiter zu sorgen?

Am Beispiel Deutscher Bundestag

Hat der Deutsche Bundestag nicht die Pflicht, sich mit höchster Priorität um das Wohlergehen seiner Bürger zu sorgen und zu kümmern?

Nach Angaben von UNICEF stirbt alle zehn Sekunden ein Kind unter fünf Jahren an Hunger. Diese Kinder brauchen keine Waffen für Millionen oder gar Milliarden Euro. Diese Kinder provozieren niemanden, sie wollen nur leben.

Wer schaltet diese Kinder live in die Parlamente dieser Welt? Wer entscheidet, wer leben darf, wem geholfen wird – und wem nicht? Gibt es hier die „ eine richtige“ Entscheidung?

Nein. Das Suhlen in scheinbar moralischer Höherwertigkeit ist nichts anderes als Heuchelei – und damit höchst unmoralisch.

Und vor dieser Heuchelei können uns nur Medien bewahren, die ihrer demokratisch hoch wichtigen Aufgabe wieder gerecht werden. Die uns nicht nur über beide Seiten der Medaille, sondern darüber hinaus über jede ihrer Facetten informieren.

Die vor allem den Bürger wieder in die Lage versetzen, abzuwägen und ohne jede emotionale Erpressung seine Meinung zu bilden.

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*) Martin E. Renner MdB ist Betriebswirt und Freier Autor (regelmäßige Kolumne bei conservo und PI – wie auch diese hier: Politik und Medien. Die Komplizen der emotionalen Erpressung | PI-NEWS ). 2013 war Renner einer der 15 Gründungsinitiatoren sowie Mitglied im Gründungsvorstand der Partei Alternative für Deutschland (AfD).

www.conservo.blog     3.4.2022

8 Kommentare

  1. …”Es entstand ein höchst effizientes und perfides Instrument, das die „politische Kaste“, die „journaktiv Agierenden“ und das hypermoralische „Juste Milieu“ seit Jahren erfolgreich nutzt: Die „Emotionale Erpressung“. “……
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    Das passiert tatsächlich….

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    Mein Patenkind erzählte mir gestern, im Sowi-Unterricht sei derzeit #Extremismus das Thema. Der käme oft sehr harmlos daher, sage der Lehrer und habe dafür Websites als Beispiel gezeigt – von der #AfD! Perfide parteipolitische Diffamierung als Schulunterricht…

    https://twitter.com/Pietbull47/status/1510489788129947651?cxt=HHwWhsC5pbOdq_YpAAAA

  2. OT
    Viktor Orbán siegt haushoch über die vereinigte Opposition
    Ungarn als Modell für Europa

    Was kommt dabei heraus, wenn deutsche Experten in unseren Mainstreammedien ein Kopf-an-Kopf-Rennen vorhersagen? Genau! Ein Erdrutschsieg für den Kandidaten der politischen Rechten. Viktor Orbán und seine konservative Fidesz-Partei haben am Sonntag einen klaren Auftrag der Wähler für die nächsten vier Jahre bekommen.

    Um 22 Uhr, als natürlich noch nicht alle Stimmbezirke ausgezählt waren, lag Orbáns Partei zeitweise bei 61,1 Prozent, das Linksbündnis aus sechs Parteien, die den Ministerpräsidenten herausgefordert hatten, kam um die Zeit auf rund 24 Prozent, also ein knappes Viertel der Wählerschaft.

    Und dabei sind es nicht einmal nur linke Parteien, die sich zu einem Anti-Orbán-Bündnis zusammengefunden hatten. Dabei war auch die rechte Jobbik-Partei, die wirklich weit rechts steht. Ich bin gespannt, wie das Morgenmagazin von ARD und ZDF morgen früh den Dreh findet, das Verliererbündnis hochzujubeln. Einen Linksruck kann man den Ungarn nun wirklich nicht vorwerfen. …

    mehr hier:

    https://reitschuster.de/post/viktor-orban-siegt-haushoch-ueber-die-vereinigte-opposition/

    ….schaun mer mal

  3. Edward Bernays Buchtitel ‘Propaganda’ und ‘Engineering Consent’ fast 100 Jahre alt.
    Herman/Chomsky, 1988, “Manufacturing Consent – the political economy of the mass media”

    Das zu lesen und zu wissen ist hilfreich, aber es schuetzt nicht davor selbst auf Propaganda herein zu fallen (Chomsky meinte man sollte mit Impfgegnern wie mit Juden im 3. Reich umgehen.).

    Auf Basis von Bernays und vielen anderen (erschreckend viele Deutsche) Propagandakuenstlern und deren praktischen Erfolgen in der Werbungsindustrie, und der Weiterfuehrung dieser Psychotricks in den sozialen Medien, muss man davon ausgehen, dass das menschliche Hirn “gehackt” wurde. Diese Prinzipien der Propaganda funktionieren selbst dann, wenn man sich deren bewusst wird. Wie bei einem ollen Windows-Computer sind die Pfade auf denen Viren ins Hirn eingeschleusst werden immer die selben. Die Viren selbst und was sie anrichten sind variabel, werden von Spezialisten gebaut, so wie das Wuhan-Labor-Virus. Manche sehen deshalb den Menschen als “Bot” (Roboter), der gar nicht anders kann, als seinen biologisch/genetischen Urprogrammen nach entsprechenden Triggern zu folgen.

    Anders als bei Computern koennen wir nicht einfach ein Anti-Viren-Programm installieren. Jeder muss das selbst im Hirn entwickeln.

    1. Viele einst kritische Geister knicken heute plötzlich ein. Ich weiss nicht, was genau dahinter steckt, aber es ist so flächendeckend, dass ich nicht an ein plumpes “Hereinfallen auf Propaganda” glaube. Diese Leute sind Schlüsselfiguren, für die NWO sind sie sehr wichtig – bedrohlich, wenn sie kritisch bleiben und hilfreich, wenn sie sich “beeinflussen” lassen.

      Ich sehe den Menschen nicht einfach als Bot….es gäbe Möglichkeiten, diese Gehirnwäsche nicht gar so erfolgreich sein zu lassen: indem man wirklich präventiv arbeitet. Das tut man aber nicht und hat es nie getan… das 3. Reich wird ständig mit seinen Symbolen gezeigt, aber nie, wie die kollektive Zustimmung entstehen konnte, nie das geistige Klima – dies müsste jedoch gelehrt werden… die herrschende Moral und ihre Begründung.

      Die Propaganda würde nicht funktionieren, wenn nicht zuvor unsere Gesellschaft geistig-kulturell zerstört worden wäre. Verbotene Gedanken, Schubladisierung wohin man blickt, Umwertung, Verschleierung, Zerstörung der Moral, Ersetzung durch eine Scheinmoral, Heuchelei, Lüge . Eine allgemeine Verwirrung. Willkür. Gehorsam. Der Widerstand im 3. Reich war moralisch verankert, so dass die Propaganda keine Chance hatte.

      Diese Verankerung ist bei uns gelöst, sonst würde man die doppelten Massstäbe diskutieren. Das Gewissen wird mit Scheinmoral gefüttert, mit falsch verwendeten Worten und Parolen (Impfen ist Liebe, humanitäre Intervention, Klimaschutz/Klimagerechtigkeit (was soll das sein?), Flüchtling/Migrant,…). Gleichzeitig herrschen Angst und Aggression, alles geschürt. Wirklich: das hätte man lehren müssen. Dann würde das Gewissen in mehr Menschen besser arbeiten.

  4. Wie sagte Merkel ” man kann den Bürgern nicht vorschreiben was sie denken sollen, aber die Richtung”

    Kontrolliertes / Gesteuertes Denken.

    Im YU-Krieg als ich den WDR in Köln anrief um denen zu sagen, dass ich Beweise dafür habe, dass die
    Amis u.a. unschuldige Bürger entlang der Donau bombardieren, rief mich die Redakteurin an um mir zu
    sagen, das sie an solchen Informationen – kein Interesse haben.

    Zu gleicher Zeit zeigte das Fernsehen in Österreich wie die Uceka mit abgeschlagenen serbischen Köpfen um den Gurt im Ort tanzten.
    Heute ist es nicht anders.

    Was mediale Information angeht, ist ARD/ZDF/RTL das verlogenste auf der Welt.

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