Conservo-Redaktion

(Pater Stefan Pfluger/FSSPX*) Es ist das Verdienst der katholischen Kirche, Frauen und Kindern in der Gesellschaft zu Wert und Achtung verholfen zu haben.

Im Heidentum herrschten ähnliche Rechtsverhältnisse wie später im Islam

In den heidnischen Gesellschaften des Altertums und auch im Judentum zur Zeit Jesu stand die Frau weit unter dem Mann. Ein Mann konnte seine Frau entlassen und eine andere heiraten oder sogar mehrere Frauen gleichzeitig haben. Vor Gericht galt eine Zeugenaussage einer Frau nicht. In vielen Kulturen konnte eine Frau keine rechtswirksamen Akte setzen, sondern musste sich auf ihren Mann oder auf männliche Verwandte stützen. Die Liste ließe sich erweitern.

Christus änderte die Sichtweise fundamental, indem er auf der Unauflöslichkeit der Ehe bestand: „Was Gott verbunden hat, das darf der Mensch nicht trennen“ (Mt 19,6). Der hl. Paulus, der treue Apostel Christi unter den Heiden, spricht Mann und Frau in der Ehe die gleichen Rechte zu: „Der Mann gebe der Frau, was er ihr schuldig ist, desgleichen die Frau dem Mann. Die Frau verfügt nicht über ihren Leib, sondern der Mann. Ebenso verfügt der Mann nicht über seinen Leib, sondern die Frau“ (1 Kor 7,3-4). Er stellt an die Ehemänner eine Forderung, die als revolutionär empfunden werden musste: „Ihr Männer, liebt eure Frauen, wie Christus die Kirche geliebt und sich für sie hingegeben hat“ (Eph 5,25).

Postnatale Abtreibung durch die “Väter” war keine Seltenheit

In vielen heidnischen Kulturen hatten die Kinder an sich keine Rechte, sondern waren schutzlos der Willkür ihrer Väter ausgeliefert. Erst wenn sie vom Vater angenommen wurden, hatten sie gewisse „Rechte“. Der Vater konnte aber aus jedem beliebigen Grund darauf verzichten, ein Kind anzunehmen. Daher war es an der Tagesordnung, dass kleine Kinder ausgesetzt und dem Tod überlassen wurden. Auch die Abtreibung war gang und gäbe.

Auch hier hat Christus – und in seiner Nachfolge die katholische Kirche – einen grundlegenden Wandel herbeigeführt: „Hütet euch davor, einen von diesen Kleinen zu verachten! Denn ich sage euch: Ihre Engel im Himmel schauen immerfort das Angesicht meines himmlischen Vaters“ (Mt 18,10). Jedes Kind ist von Gott geschaffen und hat den Himmel, die ewige Anschauung und den immerwährenden Genuss Gottes als Ziel. Durch die Taufe wird es Tempel des Heiligen Geistes und Kind Gottes. Daher die harte Aussage: „Wer einen von diesen Kleinen, die an mich glauben, zum Bösen verführt, für den wäre es besser, wenn er mit einem Mühlstein um den Hals im tiefen Meer versenkt würde“ (Mt 18,6).

Kein Lebewesen ist heute mehr bedroht als ein Mensch vor seiner Geburt

Die Liebe Christi zu den Kindern spiegelt sich wider in der Sorge der Kirche um das Wohl der ungeborenen Kinder. Absurderweise gibt es in der heutigen Zeit kein Lebewesen, das mehr bedroht ist, als ein Mensch vor seiner Geburt. Nicht nur das Töten, sondern sogar jede nicht perfekt artgerechte Haltung von Tieren wird angeprangert und mit Entsetzen abgelehnt. Gleichzeitig soll das Recht zur Abtreibung zum Menschenrecht erklärt werden! Man spricht vom „Recht der Frau auf Ihren Körper“ und verschweigt, dass das Kind einen eigenen Körper hat, der sich im Körper seiner Mutter befindet.

Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass sich bei der Geburt am Kind nichts Wesentliches ändert und dass deshalb nicht einzusehen ist, warum das Recht des Kindes auf sein Leben erst mit der Geburt beginnen sollte. Jahrzehntelang benutzte man irreführende Begriffe wie „Zellhaufen“ oder „Schwangerschaftsgewebe“, um zu betonen, dass vor der Geburt noch kein Kind da sei. Nachdem die Abtreibung in der Zwischenzeit fast allgemein akzeptiert ist, holen die ersten „Wissenschaftler“ (eigentlich ist es schändlich, Leute wie Wolf Singer so zu bezeichnen) das Argument, bei der Geburt ändere sich nichts, wieder hervor, um zu „begründen“, warum auch gegen die gezielte Tötung bereits geborener behinderter Kinder nichts einzuwenden sei!

Der Hass auf Abtreibungsgegner trägt manchmal dämonische Züge

Hinter diesem Kampf gegen das ungeborene Leben kann man unschwer die Fratze des Teufels erkennen. Der letzte große Kampf des Teufels gegen das Reich Gottes spielt sich auf der Ebene der Familie ab. Dabei spielt das Thema „Abtreibung“ eine große Rolle.

Jeder unvoreingenommene Beobachter kann sich am Rand einer Lebensschutz-Kundgebung ein Bild davon machen. Sobald einige Menschen für die Ungeborenen beten, löst das einen wahrhaft dämonischen Hass aus. Mit allen möglichen Mitteln verursachen verblendete Menschen einen infernalischen Lärm und grölen Parolen, die an Primitivität nicht mehr zu überbieten sind. Drastischer lässt sich das, was der hl. Ignatius unter dem Bild der beiden Heerbanner zur Betrachtung empfiehlt, nicht darstellen. Am 22. April wurde die Freiburger Innenstadt Zeuge eines solchen Spektakels. Auf der einen Seite das liebevolle Gebet für Schwache, auf der anderen Seite ein geifernder Hass, der von einer Hundertschaft von Polizisten an Übergriffen gehindert werden musste.  

Demokratie ist, wenn wir unseren Egoismus auf Kosten Dritter ausleben können!

Ebenso löste auch das möglicherweise bevorstehende Urteil des Obersten Gerichtshofs der Vereinigten Staaten eine Woge der Empörung und des Hasses aus. Man fragt sich entsetzt, wie es möglich ist, dass Menschen, die immer von Demokratie und Gerechtigkeit sprechen, so heftig reagieren, wenn das „Ergebnis“ nicht ihren Wünschen entspricht. 

An uns ist es, Sühne zu leisten, unserem Herrn Wiedergutmachung anzubieten für so viele schwere Vergehen gegen das Leben und gegen das Heil unsterblicher Seelen. Die Fronleichnamsprozessionen, so sehr unsere Zeitgenossen sie belächeln, bieten eine wunderbare Gelegenheit dazu. Durch unsere Liebe und unsere Anbetung des allerheiligsten Sakraments ehren wir unseren Herrn und ziehen viele Gnaden vom Himmel herab.

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*Pater Stefan Pfluger stammt aus Oensingen in der Schweiz. Er wurde 2003 am Priesterseminar Herz Jesu in Zaitzkofen zum Priester geweiht und war anschließend sieben Jahre an der Jungenschule der Piusbruderschaft in der Schweiz tätig, dem Institut Sancta Maria. Von 2010 an leitete er das Priorat in Wil. Seit August 2019 ist er mit der Leitung des deutschen Distrikts betraut.

Dieser Artikel erschien zuerst als Vorwort des Distriktoberen im Mitteilungsblatt der Priesterbruderschaft St. Pius X. (FSSPX) – Nr. 521, Juni 2022, S. 6-8.

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