Michael van Laack

Nach der Veröffentlichung des Missbrauchsgutachtens über Vorgänge im Bistum Münster seit Ende des 2. Weltkriegs hatte der aktuelle Bischof von Münster – Dr. Felix Genn – die Bischofsgruft im Dom zu Münster im August für die Öffentlichkeit schließen lassen. Aus seiner Sicht war ein weiterer Besuch an den Gräbern seiner Vorgänger Michael Keller (1947-1961), Heinrich Tenhumberg, (1969-1979) und Reinhard Lettmann (1980-2008) nicht mehr statthaft.

An den Gräbern von Bischöfen zu beten, die im Zusammenhang mit pädophilen Geistlichen und sexuellem Missbrauch Fehlentscheidungen getroffen hätten, wurde also zunächst verunmöglicht. Es gab gar Überlegungen, diese Bischöfe aus der Gruft zu entfernen und irgendwo außerhalb eines katholischen Friedhofs zu verscharren. Das hatte man schließlich im Mittelalter mit Ketzern, Häretikern, Schismatikern Selbstmördern und ungetauften Kindern auch so gemacht.

Nun (seit Allerheiligen) ist die Bischofsgruft wieder geöffnet, bleibt allerdings mit Warnhinweisen versehen.

Zudem ließ Genn erklären, Verwaltungen von Friedhöfen, auf denen pädophile Priester beerdigt seien (auch solche, die sich wegen bereits eingetretenem Tod nicht mehr gegen die posthum erhobenen Vorwürfe verteidigen können), sollten sich Gedanken darüber machen, wie sich Verachtung gegenüber diesen Nichtchristen öffentlichkeitswirksam inszenieren und dokumentieren ließe. Das seien wir als Kirchen der christenfeindlichen Ziviligesellschaft schuldig.

Ein buntgrüner Bischof spricht

Und das alles von einem Bischof, dessen eigenes mögliches Fehlverhalten als Weihbischof in Trier (1999-2003), Bischof von Essen (2003-2008) und Bischof von Münster seit 2009 noch nicht ausführlich begutachtet und aufgearbeitet wurde; zudem von einem Bischof, der begeistert wäre, wenn die christenfeindliche LGBTI-Ideologie Teil der katholischen Lehre würde (oder gern auch umgekehrt), der sich mehr Outings homosexueller Priester und Mitarbeiter wünscht und es für reinen Zufall und definitiv nicht im Zusammenhang mit der geschlechtlichen Orientierung der Täter stehend hält, dass Missbrauch von männlichen Ordensleuten und Klerikern zu deutlich mehr als 90 % Missbrauch an präpubertären bis hochpubertären Jungen war.

Einen solchen Zusammenhang zu konstruieren – da ist sich das homosexuelle Netzwerk innerhalb der römisch-katholischen Kirche, dem auch Genn nahesteht, einig – wäre selbstverständlich homophob. Schuld sind allein das Zölibat, toxische Männlichkeit im Allgemeinen und kirchliche Machtstrukturen im Besonderen.

Wie also mit diesen bösen Bischöfen umgehen?

Ein Blick in die Geschichte wäre gewiss hilfreich: Man könnte die Särge bergen und besagte Bischöfe vor Gericht zu stellen. So etwas gab es schon in der Kirchengeschichte auf der sog. Leichensynode 897, auf der Papst Stephanus VI. die Leiche seines Vorgängers Formosus exhumieren ließ, um ihn wegen angeblicher Missbräuche während seines Pontifikats aburteilen zu lassen, was auch geschah.

Dazu wurde der Leichnam des neun Monate zuvor verstorbenen Papstes exhumiert, in päpstliche Gewänder gekleidet und auf den Papststuhl “gesetzt”. Während des dreitägigen Prozesses, welcher vor hohen Kirchenvertretern stattfand, bestritt ein Diakon die “Verteidigung” von Formosus. Letztendlich wurde der Papst (oder besser gesagt: dessen Leiche) schuldig gesprochen.

In diesem Urteil erklärte Stephan VI. alle von Formosus durchgeführten Amtshandlungen und Weihen für ungültig. Die Leiche von Formosus wurde entkleidet und wegen des von ihm begangenen Eidbruches die Schwurfinger abgehackt. Außerdem wurde er über die Kirchenschwelle geschleift und enthauptet. Nachdem Formosus zunächst auf dem Fremdenfriedhof Roms verscharrt worden war, grub man ihn kurze Zeit später erneut aus und warf seine Leiche in den Tiber.

Auf jedem Friedhof überall im Land und an jedem Grab könnte man auch in diesen Tagen ein Hinweisschild anbringen: “Hier ruht ein Sünder”. Definitiv aber sollte vor dem bischöflichem Haus in Münster wie aktuell vor der Bischofsgruft ein Hinweisschild angebracht werden: “!Bischof Genn hat im Umgang mit Missbrauchstätern in seinem Verantwortungsbereich nach eigener Aussage Fehler gemacht”.

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