Brennende Wälder: Mediale Dauerschleife angeordnet – Brennende Kirchen: So what?

Alex Cryso

1956 rief sich Pakistan zur ersten islamischen Republik der Welt aus. Mittlerweile sind 96,3 Prozent aller 235,8 Millionen Einwohner Muslime. Im weltweiten Index der Christenverfolgung rangiert das Land auf Platz sieben. Wie die Menschenrechtsorganisation Open Doors nun mittteilte, kam es am 16. August dieses Jahres zu verheerenden Angriffen auf ein christliches Wohnviertel in der Stadt Jaranwala. Extremistische Moslems attackierten Kirchen und brannten zahlreiche Gebäude nieder. Nur wenige Stunden vor der Eskalation wurden zwei Christen wegen angeblicher Blasphemie angezeigt.

Insgesamt 15 Kirchen wurden von dem islamischen Mob angegriffen, wobei es dieser geschafft hatte, mehrere tausend Anhänger zum Schlag gegen die friedlichen Christen zu mobilisieren. Ein Friedhof wurde genauso zerstört wie die mehrere Wohnhäuser. Im ganzen Viertel brannte es bald lichterloh. Am Ende blieb keine Glühbirne mehr intakt, kein Trinkglas mehr heil, wie ein Zeuge berichtete. Christliche Statuen wurden komplett zerstört. Wer sein Leben retten wollte, dem blieb nichts anderes als die Flucht auf die Felder übrig. Anscheinend mussten rund 1.000 Menschen fliehen.

Von langer Hand geplanter Gewaltausbruch

Als Vorwand für die Zerstörungsorgie wird die Vergeltung einer angeblichen Schändung des Korans vorgeben, wobei der Wahrheitsgehalt dieser Begebenheit in Frage steht. Christliche Einheimische bezweifeln deshalb auch die Spontanität dieser Gewaltwelle:

Es ist kein Zufall, dass Moscheen in der ganzen Stadt über Lautsprecher angefangen haben, Hassreden zu verbreiten. Das hat zu den Angriffen geführt. Wie sind all die Moscheen an diese Informationen gekommen? Wie konnten sie so viele Menschen versammeln, wenn es keine Vorausplanung gab? Niemand beantwortet unsere Fragen.

so ein christlicher Pakistani. Ein betroffener Kirchenleiter ergänzt:

Das ist ein Fall von geplanter Verfolgung gegen uns als Minderheit. Wenn die Ankläger derart emotionsgeladen waren, dass sie sich nicht zurückhalten konnten, Kirchen und Wohnhäuser anzugreifen – wie konnten sie dann in der Lage sein, so kurz vorher noch eine Anzeige gegen die vermeintlichen Korankritiker zu erstatten?

Gerne wird die Blasphemie als Vorwand genommen, um gegen Minderheiten vorzugehen. Dabei muss die Schuld gar nicht bewiesen sein, um die Massen aufzustacheln. Auch der Blasphemie-Begriff selbst wird gerne sehr weitläufig ausgelegt. Angeblich war die tatsächliche Ursache der nichtige Streit zwischen einem Ladenbesitzer und zwei jungen Christen. Hingegen war der Anführer der islamistischen Partei Tehreek-e Labbaik Pakistan (TLP) aktiv an der Hetze beteiligt.

“Strenge Maßnahmen werden ergriffen” – Eine Ankündigung ohne Folgen?

„Die Häufigkeit und das Ausmaß solcher Angriffe – die systematisch, gewaltsam und oft unkontrollierbar sind – scheinen in den vergangenen Jahren zugenommen zu haben“, so die Menschenrechtskommission von Pakistan. Immerhin verhafteten die Behörden bereits am 17. August 146 Personen im Zuge der dramatischen Ereignisse. Verfahren gegen 600 weitere Extremisten wurden eingeleitet.

Mehr als 3.000 Sicherheitskräfte waren in der betroffenen Region im Einsatz. Interims-Premierminister Anwaar-ul-Haq Kakar versprach in den sozialen Medien, dass „strenge Maßnahmen gegen diejenigen ergriffen werden, die gegen das Gesetz verstoßen und Minderheiten ins Visier nehmen. Alle Strafverfolgungsbehörden wurden aufgefordert, die Schuldigen zu ergreifen und vor Gericht zu stellen.“ Massive Proteste von Seiten betroffener Christen erfolgten bereist am Samstag in der Stadt Karachi.

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