Ein Zertifikat – und jede Menge Fragen

(www.conservo.wordpress.com)

von Heino Bosselmann

zuerst erschienen am 10.06.2021 auf dem Blog https://aktion-nordost.com 

Das Bildungsministerium Mecklenburg-Vorpommern gibt nach einem verlorenen Schuljahr aber ein Zertifikat aus, das gegen die eigentliche Absicht dieser bizarren Aktion zeigt, wie desaströs es um die Schulen steht.

Als mein Kollege G. H. das Dokument auf Twitter fand, hielten wir es beide für einen Witz. Sogar für einen von allzu bitterem Hohn, stellt dieser Zettel mit dem offiziellen Logo des Bundeslandes doch die Bankrotterklärung der Bildungspolitik der Schwesig-Regierung dar.

Könne so nicht sein, dachten wir. Von einem findigen Zyniker aber immerhin echt gut gemacht. Lieber nichts darüber verlauten lassen, besser keinem fiesen Scherz aufsitzen. Perplexes Kopfschütteln.

Aber:

Kurz darauf stellte sich raus, das Ding ist echt. Tatsächlich entblödete sich das Ministerium nicht, Angestellte und Schüler dafür zu loben, während der Zwangsmaßnahmen beflissen der Beschäftigungstherapie des sogenannten Distanz- und Online-Unterrichts nachgegangen zu sein und artig die Hygiene-Regeln eingehalten zu haben.

Es werden in diesem Zertifikat also zum einen traurige Selbstverständlichkeiten honoriert, die zum anderen tragisch offenbaren, dass schon innerhalb des zweiten Schuljahres im Unterricht nichts Substantielles laufen konnte, weil die Erlasspolitik das verhinderte. Innerhalb des zu vermittelnden Pensums brachen über zwei Jahre so gravierende Lücken, dass sie kaum zu schließen sein werden.

Mindestens im Grundschul-Anfangsunterricht, dem Erlernen des elementaren Lesens, Schreibens und Rechnens, und in den Hauptfächern sind die Lücken enorm und werden nun in höhere Klassen mitgeschleppt, gar nicht zu reden von den sozialen und psychischen Folgen für Kinder und Heranwachsende. Ein Systemversagen.

Zu Beginn des Jahres ist die verfehlte Bildungspolitik von Medizinern vehement kritisiert worden. Psychologen verlangten eindringlich und im Duktus der Bittstellerei gegenüber der Obrigkeit das Ende der totalen Lockdown-Politik und erhofften damit die Öffnung der Schulen.

Aber keine Gnade. Im Gegenteil. Obwohl die Kindereinrichtungen nie und nirgends Pandemietreiber waren, fand es die Landesregierung voller Stolz sehr richtig, ihre Maßnahmen sogar noch härter einzustellen, als dies die „Bundesnotbremse“ verlangt hätte, und tat sich damit noch groß. Wenn doch mal ansatzweise Unterricht stattfand, wurde er gestört vom Exerzieren der Hygiene-Verordnungen: Tests, Masken, Lüftung, Belehrungen und Listen, Listen, Listen.

Der angerichtete Schaden wäre nun offiziell entweder beschämt zu verschweigen oder mit Nachdruck zu kritisieren. Nur fällt es dem Bildungsministerium natürlich gar nicht ein, Selbstkritik zu üben. Im Gegenteil: Alles bestens! Ein echter Erfolg sogar, eine tolle Selbstqualifizierung! Und ein ausdrückliches Lob an die Betroffenen dafür, dass sie im Zustand der Zwangsvereinnahmung so wacker mitgemacht haben. Letztlich lässt sich neuerdings ja alles zertifizieren. Aber dokumentiert wird in diesem peinlichen Fall nur eines – das Versagen des Bildungsministeriums, das jedoch stolz ist auf die Bildungsverhinderung.

Es suggeriert nun, in „schwieriger Corona-Zeit‘“ wären „ganz besondere Fähigkeiten gelernt worden, die für die Zukunft wertvoll sind.“

Kein Fake also. Leider.

(www.conservo.wordpress.com)

6 Kommentare

  1. “Zu Beginn des Jahres ist die verfehlte Bildungspolitik von Medizinern vehement kritisiert worden”

    🤣…diese bemängelt die Privatwirtschaft schon seit mehr als 20 Jahren ,jeder Ausbildungsbetrieb kann über den Bildungsverfall bei Schülern ein Lied singen .

  2. Vielleicht hat die Abwesenheit des Vordenkers, oder Vorplapperers (manche nennen ihn Lehrer) auch bei einem grossen Anteil der Schueler etwas bewirkt, was schon lange noetig gewesen waere. Moeglicherweise haben wir damit einige Selbstdenker gewonnen, vor allem aber wohl viele Autodidakten (ausgenommen jene, die nur Glotze geguckt oder Videospiele gespielt haben).

    Ich behaupte, die Haelfte der aelteren Schueler (so ab 12) koennen das Schulpensum eines Jahres in einem halben Jahr selbst durcharbeiten, wenn sie keiner stoert. Der anderen Haelfte hilft die Schule auch nicht viel, die tragen nur zu Verzoegerungen und Langeweile fuer die schlauere Haelfte bei.

    Wer Elter 1 und Elter 2 war, hat mit den Ergebnissen zu leben. Wer hingegen Vater und Mutter war, hat sich mit anderen Vaetern und Muettern zusammengesetzt und eine Loesung gefunden, die den Staat nichts anzugehen hat.

    1. Das stimmt genau luisman, in der Klasse meiner 14 jährigen Enkeltochter kommen viele gar nicht mehr zur Schule oder machen die Aufgaben nicht, weil sie sie alleine nicht können.
      Wer keine Eltern hat die helfen können und sich auch kümmern, der fällt einfach hinten runter.
      Es wird die Hälfte einer ganzen Generation zu Krüppeln gemacht und das mit Absicht.
      Von den vielen Zugereisten, die sowieso nichts verstehen und nicht richtig beschult werden ganz zu schweigen.

  3. Bildung in Deutschland: Von dem Wissenschaftlichkeitsanspruch im Bildungswesen früherer Jahrzehnte zum gefühligem gender/haltungs/geschwafel/klima/etc. wünschdirwas Populismus. “Haltung” ist gefragt, weil man hat ja meist sonst nix. Das “Dokument” erinnert mich an was….

    https://www.ddr-museum.de/objectdatabase/daphne/2/20146.full.jpg

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    (Bezahlartikel:)

    Was das Schulfach „Glück“ Kindern bringt

    Wenn die zwölfjährige Maja Freitag von der Schule nach Hause kommt, weiß sie schon, was ihre Mutter sie fragen wird. „Und, was habt ihr heute wieder in Glück gemacht?“ Das interessiert ihre Mama am meisten – nicht Mathe, Deutsch oder Englisch. …

    …Die 6. Klasse der Innovativen Schulen München, eine private Realschule im Münchner Osten, hat jeden Freitag eine Doppelstunde „Glück“. Seit März dieses Jahres als reguläres Schulfach; Noten gibt es nicht. Es geht um Selbsterfahrung, wie Glückslehrerin Marina Usow erklärt:

    *ttps://www.welt.de/politik/deutschland/plus232385283/Erziehung-Glueck-lernen-An-dieser-Schule-ist-das-Realitaet.html

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    Bekomme ich damit den 6er im Lotto? 😯

    1. 🤣… Bildung Heute: Glück,Moral,Toleranz,Gendergrütze und Religion vs Bildung vor 30 Jahren: Mathematik, Naturwissenschaft,logisches Denken und Lesen+Schreiben …muß man sich doch nicht wundern wenn nur noch geistige Krüppel von der Schule kommen und die Wirtschaft von Fachkräftemangel schwurbelt .

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