Michael van Laack

Viele haben in den vergangenen Monaten vieles über die Qualifikation und diverse unkluge Akte der Bundesverteidigungsministerin (z. B. Sohnemann im Dienst-Hubschrauber) geschrieben. Heute hat Christine Lambrecht einiges von dem bestätigt, was man ihr vorwirft: Unkenntnis und verbale Schnellschüsse. Denn heute fand ihre Befragung im Deutschen Bundestag statt.

Erst seit einigen Jahren ist es im Hohen Haus Usus, dass die vom Volk gewählten Vertreter auch den Ministern Fragen stellen dürfen. Eine sehr gute Einrichtung, sind doch Antworten auf Grundsatzreden in der knapp bemessenen Redezeit (vor allem der kleineren Oppositionsparteien) während einer Debatte kaum möglich und treffen Antworten auf kleine oder große Anfragen an die Bundesregierung oft erst dann ein, wenn die Kuh schon längst vom Eis ist.

Wer sich statt meiner kurzen Zusammenfassung Christine Lambrecht 75 Minuten “Live und in Farbe” geben möchte, kann das hier tun.

Endlich konnte Lambrecht mit ihrem Fachwissen glänzen

Heute hatten die Götter (oder besser gesagt das Bundestagspräsidium in Absprache mit der Bundesregierung) Bundesverteidigungsministerin Lambrecht auf den heißen Stuhl gesetzt. Sie schlug sich großartig…

Na ja, zumindest fragte sie niemand, ob sie mittlerweile die Rangabzeichen von Marine, Herr und Luftwaffe nicht nur den einzelnen Gruppen zuordnen, sondern auch einen Oberstleutnant von einem Stabsbootsmann unterscheiden konnte. Eigentlich wurden ihr ohnehin kaum Fragen gestellt, die sie in Bedrängnis hätten bringen können. Also dachte sich Frau Lambrecht wohl: Wenn es keiner macht, mache ich es eben selbst!

Als Florian Hahn – der verteidigungspolitische Sprecher der Unionsfraktion im Deutschen Bundestag – Frau Lambrecht fragte, was der Unterschied zwischen dem Schützenpanzer Marder und dem Flakpanzer Gepard sei, antwortete Lambrecht empört: “Der Gepard ist kein Panzer”. Später begründete sie ihre Aussage mit dem Hinweis, sämtliche militärischen Berater der Bundesregierung seien der Ansicht, dass es sich beim Gepard nicht – wie fälschlich angenommen – um einen Panzer handeln würde, sondern lediglich um ein fahrendes Geschütz. Der Generalinspekteur der Bundeswehr sei zwar nicht dieser Auffassung, aber der wisse ja nun definitiv nicht mehr als ihre Berater. Großartig!

Eins plus Null = Viele – Kann man so sehen!

Auch im weiteren Verlauf der seit Hahns Hexenhammer “peinlichen Befragung” (seine Frage war übrigens die erste, die gestellt wurde) glänzte die Quotenfrau mit großer Präzision und enormem Fachwissen. Auf die Frage von Jürgen Hardt, dem außenpolitischen Sprecher der Unionsfraktion, warum es außer mit der Slowakei noch mit keinem anderen Staat einen Ringtausch gegeben habe, erläuterte Lambrecht wortreich die Haltung der Bundesregierung, um endlich auf den Punkt kommend „Kein Land ist bereit, zuerst abzugeben – deswegen verhandeln wir.“ ins Mikrofon zu hauchen. Heißt nichts anderes als: Deutschland gibt definitiv nicht als erster ab! Hätte sie so sagen können, aber Scholz wird definitiv eine Schwurbelweisung herausgegeben haben.

Auch mit dem Zählen hat es Frau Lambrecht nicht so. Als ihr entgegengehalten wurde: „Der Wehr-Etat ist seit 2014 um 55 Prozent gestiegen und unsere Soldaten hatten trotzdem Gewehre, die nicht geradeausschießen. Was wollen sie mit dem Sondervermögen machen? Es dient ja dazu, die Ausstattung der Bundeswehr zu verbessern.“ antwortete sie ausweichend, dies seien ihr jetzt aber zu viele Fragen auf einmal!

Jeden das Seine und Deutschland, was es verdient!

Drei oder vier weitere Beispiele könnte ich hier noch anführen. Aber ich denke, das ist überhaupt nicht nötig. Christine Lambrecht hat heute wieder einmal bewiesen, dass sie allen Unkenrufen zum Trotz die beste Verteidigungsministerin ist, die die Regierung Scholz verdient hat. Und irgendwie auch wir, die Bürger. Denn unsere Wahlentscheidung (oder präziser die der Mehrheit der Bundesbürger), hat diese Regierung Ende 2021 gewollt. – Wer bestellt, zahlt! Das war immer so und das wird auch so bleiben!

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