Michael van Laack

Bevor ich heute mal ein wenig früher als gewöhnlich die Arbeit auf dem Blog beende, möchte ich es nicht versäumen, den geneigten Christen unter der Leserschaft eine frohe Botschaft zu verkünden:

Als Gott dem Mose das fünfte Gebot in die Steintafeln einbrannte, tat er das nur, weil er die ungeheuerlichen geistigen und emanzipatorischen Fortschritte der modernen Frau des 21. Jahrhunderts nicht voraussehen konnte und sich als ultratraditionalistischer Christ auch bis dato keine Gedanken zum Thema Lebenswirklichkeit im goldenen Feminismuszeitalter gemacht hatte.

Anders lassen sich die Erkenntnisse der tieffrommen geschäftsführende Pfarrerin der „Evangelischen Frauen in Hessen und Nassau e.V.” jedenfalls nicht erklären. Und warum tragen solche Leute eigentlich immer einen Doppelnamen?

Zudem hofft die glühende Verkünderin des Evangeliums, dass der Wegfall des § 219a auch dazu führen werde, dass immer mehr deutsche Ärzte endlich den antiquierten hippokratischen Eid in den Mülleimer der Abtreibungsgeschichte werfen und willige Frauen um ihre Leibesfrucht erleichtern.

Οὐ δώσω δὲ οὐδὲ φάρμακον οὐδενὶ αἰτηθεὶς θανάσιμον, οὐδὲ ὑφηγήσομαι ξυμβουλίην τοιήνδε. Ὁμοίως δὲ οὐδὲ γυναικὶ πεσσὸν φθόριον δώσω. Ἁγνῶς δὲ καὶ ὁσίως διατηρήσω βίον τὸν ἐμὸν καὶ τέχνην τὴν ἐμήν.

Ich werde niemandem, auch nicht auf seine Bitte hin, ein tödliches Gift verabreichen oder auch nur dazu raten. Auch werde ich nie einer Frau ein Abtreibungsmittel geben. Heilig und rein werde ich mein Leben und meine Kunst bewahren.

Außerdem müsse dafür gesorgt werden, dass jeder Arzt im Grundstudium und jede MTA im ersten Ausbildungsjahr lerne, wie man eine Abtreibung vornimmt:

Dies weiter zu kommentieren verbietet mir meine in der Tat vor vielen Jahren stattgehabte klösterliche Erziehung!

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