Der heilige Petrus: Fischgott, Wolkenschieber und Apostelfürst!

Michael van Laack

Heute feiert die römisch-katholische Kirche das Hochfest der hll. Apostel Petrus und Paulus. Kluge und fromme Worte zu diesem beiden herausragenden Gestalten finden sich im Netz zuhauf. Deshalb möchte ich unseren Lesern zur Abwechslung mal abseitiges Wissen über den Apostelfürsten Petrus präsentieren.

Ich hoffe, Peter Helmes wird es mir nicht allzu krumm nehmen. Denn sein Namenspatron kommt im folgenden Auszug aus dem sechsten Band des “Handwörterbuchs des deutschen Aberglaubens” (Berlin, 1938) nicht immer gut weg, was der Herangehensweise der Autoren zu verdanken ist, die lediglich gesammelt, aber nicht bewertet haben.

Ich habe den folgenden Text von Eduard Hoffmann-Kreyer lediglich ganz behutsam der deutschen Rechtschreibung angepasst.

Auch der letzte Papst wird Petrus heißen

Der Apostelfürst gilt neben Michael als der höchste der Heiligen. Sein Todestag ist der 29. Juni 67. Ihm sind in Deutschland viele der ältesten Kirchen geweiht. Auch Berge und Brunnen sind nach ihm benannt. Mit dem Wasser aus dem Petersbrunnen bei Leutstetten in Oberbayern besprengen manche den Flachs; das schützt ihn vor Erdflöhen. Andere benetzen damit den Kohl, wodurch der grüne Wurm abgehalten wird. Gegenüber diesem Brunnen bauten sich die drei betenden Schwestern eine Wohnung. St. Peters Born auf Hohensyburg heilte Kranke.

Das bei der Roggenernte stehen gebliebene Büschel heißt im Saterland Peterbült; das Sternbild Orion Petersstuhl oder Petersstab; der “Große Wagen” Peterswagen. Starke Helden im Märchen führen den Namen Petrus, auch der letzte Papst wird so heißen. Im Übrigen gelten alle Peter für wunderlich und haben auch sonst noch allerlei üble Eigenschaften. [Anmerkung der conservo-Redaktion: Ausnahmen bestätigen die Regel) Im 15. Jh. erzählte man, dass keiner mit dem Namen Peter Bürgermeister von Erfurt werden dürfe. In zahllosen Märchen und Schwänken spielt Petrus eine Rolle. Oft tritt er im Advents- und Christspiel auf, meist als Ankläger der Kinder.

Wenn es donnert, schlagen Petri Schlüssel an die Himmelshalle

Petrus gilt als Wetterregent, er ist der »Wolkenschieber«. Wenn weiße Wölkchen am Himmel stehen, sagt man: der heilige Peter weidet Schäfchen oder Lämmel oder backt Brot. Er verursacht Regen, schließt den Himmel auf. Noch im 16. Jh. wurde in Navarra bei anhaltender Dürre sein Bild umhergetragen und in Wasser getaucht. Wenn es schneit, heißt es: Petrus hat ein Loch aufgemacht und kann es nicht wieder zustopfen, oder: Petrus seine Jungen haben das Bett zerrissen und die Federn ausgeschüttet oder: Petrus wettert sein Bett aus. In der Ukermark sagt man: Petrus regiert; in Chorinchen bei unregelmäßigem Wetter, wenn es bald regnet, bald schneit: »He (nämlich der liebe Gott) is allwedder nich to Hus, Petrus is an’t regêren«.

Bei Gewitter fährt Petrus unsere liebe Frau in einem Wagen spazieren, Petrus kegelt, sagen dann manche Doch wird ein solcher Hohn durch Blitzschlag bestraft. Wer dabei läuft, den trifft der Kugelblitz. Wenn es donnert, so geht Petrus durch eine enge Halle und seine Schlüssel schlagen dabei gegen die Wände (Polen). Einer höhnt bei Gewitter: »Ich heiße Peter und schmeiß aufs Wetter«. Er vertraut also wohl auf seinen Namen, wird aber vom Blitz erschlagen.

Den Schlüsseln des Apostels werden besondere Kräfte beigemessen

Petrus ist Patron der Fischer, für die Esten sogar Fischgott. So lange über das Evangelium von Petri reichem Fischzuge (Luc. 5, 1–11) nicht gepredigt ist, gewährt nach Ansicht und Erfahrung der samländischen Fischer der Fang nur geringen Ertrag. Das Mal am Rücken des Schellfisches hat Petrus durch seinen Griff verursacht. Außerdem ist er Patron der Schmiede, die trotzdem schlecht auf ihn zu sprechen sind wie die Soldaten und der Steinbrucharbeiter, die in Ägidienberg und Umgegend am Peterstage (22. Februar) feiern.

Mehrere Pflanzen, die nach Petrus benannt sind, gelten als heilkräftig. Gegen Fieber hilft Peterssalbe. Unfruchtbare Frauen gehen in die dem Petrus geweihte Kapelle bei Nivelles und opfern ihm eine kleine Holznadel in Gestalt eines Phallus. In Jette-Saint Pierre bei Brüssel ruft man ihn für die Heilung von Kindern an, die den Keuchhusten haben. Eine besondere Heilkraft verkörpert sich in den »Schlüsseln« des Petrus. Gregor d. Gr. schickte an viele vornehme Personen Schlüssel, in denen sich Teile der Ketten des Petri befanden. Mit dem Petrusschlüssel wurden Bisswunden ausgebrannt.

Im Märchen macht Petrus Tote lebendig. Da er das Himmelstor bewacht, so wird dem Toten eine Münze als Tribut für ihn mitgegeben. »Bi em hett Peter an de Dör kloppt« will in Schleswig-Holstein so viel sagen wie »sein Tod steht bevor«, und »he mutt bi Peter Gös höden« oder »Kegel upsetten« bedeutet »er ist tot«.

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5 Kommentare

  1. @ zum Petrus-Kommentar von Michael van Laack:
    Danke, lieber Michael! Ich wäre nicht Peter (Helmes), wenn ich über diese Geschichten nicht lachen könnte – gelten doch nach diesen Sprüchen “alle Peter als wunderlich”. Darauf mußte ich erst mal kommen. Ich trag´s mit Fassung, bin aber einverstanden. Und daß ich für so ziemlich alles verantwortlich sein soll, das weiß ich spätestens, seit ich verheiratet bin.

    Allen Peters (und Pauls) sende ich heute einen herzlichen Glückwunsch zum Namenstag – der übrigens in unserer (katholischen) Familie der einzige Feiertag war, der gebührend gefeiert wurde – nicht der Geburtstag.

Kommentare sind geschlossen.