Michael van Laack

Wie wackelig Prognosen zur Lebenserwartung sind und wie rasch sie von temporären Faktoren beeinflusst werden, zeigt eine neue Studie aus den USA, die selbstverständlich auch unser aller Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach nicht entgangen ist.

Diese Statistik möchte ich zunächst einmal zum Anlass nehmen, hinzuweisen auf einen Fakt, den die allerwenigsten im Blick haben, wenn sie in der Tagesschau mal wieder mit den neuesten deutschen Statistiken beglückt werden. Lebenserwartung bezieht sich nie auf die jetzt lebenden, sondern die im Monat bzw. Jahr der Erhebung geborenen Menschen.

Lauterbach argumentiert fast immer selektiv

Die Frankfurter Allgemeine weist darauf in ihrem Artikel zur Lebenserwartung in den USA mit einem unfreiwillig komischen Satz hin: “Ein 2019 geborener Amerikaner wurde noch fast 80 Jahre alt. Im Jahr 2020 fiel der Wert auf 77 Jahre…”

Karl Lauterbach macht nun das, was er immer tut: Er vergleicht Äpfel mit Birnen:

Übergewicht und Drogenmißbrauch bremst Lebenserwartung der Amerikaner seit Jahrzehnten

Seit mehr als einem Jahrzehnt hinken die USA bei der Lebenserwartung hinter den anderen Industrienationen zurück. Das hat hauptsächlich damit zu tun, dass verglichen mit den anderen Staaten sehr viele US-Amerikaner stark übergewichtig bis adipös sind, weshalb Jahr um Jahr (auch ohne Corona) überdurchschnittlich viele Menschen an Herz-Kreislauferkrankungen versterben. Jede hinzukommende Virus-Epidemie oder -Pandemie hat also in den USA weitaus höhere Sterblichkeitsraten zur Folge.

Selbst geimpft ist ein schwerer bis tödlicher Verlauf bei Personen, die entsprechend disponiert sind, sehr wahrscheinlich. Und auch die Impfung selbst sieht bei stark übergewichtigen Personen schwerere Nebenwirkungen.

Hinzu kommt, dass im Land der unbegrenzten Möglichkeiten Drogenmissbrauch – nicht zu verwechseln mit Drogenkonsum – im nichtweißen Teil der Bevölkerung (vor allem unter den illegalen Einwanderern) deutlich häufiger vorkommt als in vielen anderen westlichen Industrieländern. Übergewicht und Drogenmissbrauch waren es also in den vergangenen Jahrzehnten, die die USA bei der Lebenserwartung zurückbleiben ließ.

Zur Verteidigung der deutschen Coronapolitik ist Lauterbach jedes Mittel recht!

Zweifellos war die Corona-Politik in zahlreichen US-Bundesstaaten über einen gewissen Zeitraum wenig klug. Das Sterben einer großen Zahl von Hochrisikopatienten hätte ein anderer Umgang allerdings kaum verhindern können. denn wie wir am Beispiel Baerbock sahen, ist selbst bei körperlich gesunden mittelalten und mehrfach geimpften Menschen ein mittlerer Verlauf möglich.

Für adipöse oder drogenabhängige Menschen reicht ein solcher Verlauf allerdings schon oft aus, um Schlaganfälle oder Herzinfarkte auszulösen. Von den Folgen der in solchen Fällen bereits oft vor der Infektion bestehenden eingeschränkten Lungenkapazität müssen wir erst gar nicht reden.

Das alles weiß Karl Lauterbach selbstverständlich. Doch weiß er auch, dass die wenigsten Bürger sich die Mühe machen bzw. die Möglichkeit und/oder Fähigkeit haben, seine Panik-Tweets inhaltlich abzuklopfen. Und deshalb wird er weiterhin Botschaften wie diese verbreiten, mal weniger und mal mehr subtil den Verunsicherungslevel auf dem von ihm gewünschten Niveau halten. Lasst Euch impfen, haltet Abstand, tragt Maske! Denn ihr wollt doch nicht durch euren eigenen fahrlässig herbeigeführten Tod dafür verantwortlich sein, dass eure Enkel wie die US-amerikanische drei Jahre früher sterben müssen, oder?

*****

Sie lesen gern die Debattenbeiträge, Analysen, Satiren und andere Inhalte,

die wir Ihnen auf conservo bieten?

Dann können Sie unser Engagement hier per PayPal unterstützen: