Peter Helmes

Elon Musk, der Tausendsassa-Unternehmer, ließ seine Muskeln (Geld) spielen und hat sein Firmenportfolio mit dem Kurzmitteilungsdienst Twitter erweitert. Und schon am ersten Tag seiner Inbesitznahme räumte er auf – beginnende mit der (bisherigen) Chefetage.

Elon Musk entließ erst einmal die Top-Manager der Plattform, denen er vorwarf, ihn über die Anzahl der Spam-Konten in die Irre geführt zu haben. Unter den Gefeuerten ist auch die Juristin Vijaya Gadde, die für die Sperrung des Accounts von Donald Trump verantwortlich war.

Elon Musk – Selbstinszenierung liegt ihm im Blut

Die Twitter-Seifenoper hat also eine neue Ebene erreicht. Wir erleben die Phase, in der Elon Musk Stärke demonstriert. Er veröffentlichte ein Video, in dem er das Twitter-Hauptquartier in San Francisco betrat und ein Waschbecken trug. Musk wollte damit das Signal aussenden, daß er den „Schweinestall“ säubern wolle – weil er, wie er sagte, die Menschheit liebe. Das wirkt zwar lustig, ist aber beängstigend zugleich.

Mit Tausenden von üppig bezahlten Mitarbeitern, einem wackeligen Geschäftsmodell und einem erbitterten Preiskampf um einen schrumpfenden Internet-Werbemarkt – ganz zu schweigen von den riesigen Schulden, die zur Finanzierung der Übernahme nötig sind – sieht die Zukunft des Unternehmens „prekär“ aus. Obwohl Twitter weltweit mehr als 200 Millionen Nutzer hat, war es nie eine lukrative Werbemaschine wie etwa Google oder Facebook. Wenn man das alles zusammenzählt, könnte der Chef-Twitterer bald auf ein schwarzes Loch blicken.

Aber all die Schwarzmaler, die nun Twitters Ende heraufbeschwören, sollten erst einmal abwarten. Natürlich ist Musk exzentrisch, impulsiv und provoziert leidenschaftlich gern – vor allem die politische Linke.

Bisher gibt der Erfolg ihm recht!

Der 51-Jährige ist aber auch ein enorm erfolgreicher Geschäftsmann, der in den letzten zwanzig Jahren mit seinen Firmen die Automobil-, die Raumfahrt und die Energieindustrie revolutioniert hat wie kein anderer. Es wäre nicht das erste Mal, daß Musk seine Zweifler eines Besseren belehrt. Vor allem aber müssen sich die 44 Milliarden Dollar, welche die Twitter-Übernahme kostet, für Musk und seine Kreditoren rentieren. Wir sollten ihn an seinen Taten messen, nicht an seinen Worten.

Musks forscher Auftritt als oberster Twitterant steht symptomatisch für all das, was den Kurznachrichtendienst und seine Nutzerinnen und Nutzer bald erwarten könnte: ein Rechtsruck mit allem Drum und Dran, dem kaum Sanktionen gegenüberstehen dürften. Das erfreut einerseits konservative Gemüter – wie mich auch. Andererseits muß man aber die Kirche im Dorf lassen: Die publizistische Balance sicherzustellen, ist Aufgabe der Politik, wenn die Selbstreflexion der Medien nicht ausreichend greift.

Kritik an linker Politik ist Hassrede? So nicht, meint Musk!

Während Haßrede in den USA unter die Redefreiheit fällt, schützt europäisches Recht vor ebendieser. Derzeit hakt es zwar noch an der Durchsetzung. Aber muß die Politik (EU) gleich zu einer Keule namens „Digital Services Act“ greifen, der die sozialen Medien strengeren Regeln unterwirft? Ignorieren kann Musk das allerdings nicht. Dafür ist Europa ein zu wichtiger Markt.

Interessant ist in diesem Zusammenhang, daß der frühere US-Präsident Trump nicht zu Twitter zurückkehren will. Die amerikanische Zeitung USA TODAY nimmt den Fall zum Anlaß, über die Meinungsfreiheit im Netz zu diskutieren: „Viele führende Politiker in den Vereinigten Staaten und auf der ganzen Welt halten es für bedenklich, daß ein privates Unternehmen die Redefreiheit eines Einzelnen so einfach einschränken kann. Zur Demokratie gehört auch, daß Menschen schimpfen und toben dürfen. Wenn uns nicht gefällt, was Trump zu sagen hat, können wir ihn blockieren, seine Beiträge markieren und löschen oder einfach nicht zuhören…“

Aber wir dürfen es weder der Politik noch Unternehmen überlassen, uns zu diktieren, was wir sagen dürfen und was nicht. Meinungsfreiheit gilt für alle und überall!

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Von conservo

Conservo-Redaktion