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Von Peter Helmeskirche

Die Bistümer Paderborn und Köln haben ein wenig die Decke gelüftet, unter der sich der „sagenhafte Kirchenschatz“ befinden soll. Im Bistum Limburg wurden viele Zahlen in Zusammenhang mit Bischof Tebartz van Elst bereits öffentlich (und manchmal verzerrt) dargestellt. Mit der zunehmenden „Öffnung“ eines Blickes ins kirchliche Portemonnaie hat die Kirche jedoch einen Stein ins Rollen gebracht, der nun auf ihre Füße zu fallen droht.

„Die Kirchen schwimmen in Geld…“ Dieser Satz ist schon Allgemeinplatz in unserem Land geworden, und niemand regt sich auf. Na ja, manche doch. Denn neben vielen Worten hört man wenig Konkretes, wozu das Vermögen gehortet bzw. ausgegeben(?) wird. Nur spärlich fließen die Informationen, aber immerhin, in der katholischen Kirche Deutschlands haben etliche Bistümer bereits Einblicke in ihre Haushalte gewährt – ob vollständig, sei einmal dahingestellt. Bei den Protestanten herrscht noch mehr Schweigen und Dunkelheit beim Thema Finanzen.

Leicht entsteht der Eindruck, die Kirchen seien vor allem Wirtschaftsunternehmen. Das gesamte Geldvermögen der deutschen Kirchen kann man nur schätzen; denn „nichts Genaues weiß man nicht“. Schätzungen belaufen sich auf rund 150 Milliarden Euro, dazu kommt ein noch höherer Betrag in Form von Grundvermögen.

In der Öffentlichkeit sind allerdings nur zwei Vermögensbereiche bekannt: die Bistumshaushalte (verbuchen die Einnahmen aus der Kirchensteuer) und die „Bischöflichen Stühle“ verwalten Vermögenswerte, Immobilien und Sonstiges). Wenig bekannt sind weitere Vermögensbereiche: die Vermögenshaushalte und die Vermögenshaushalte der Domkapitel.

Von allen Steuern befreit und viele staatliche Subventionen

Auch Vater Staat greift den „armen“ Kirchen unter die Arme: So wird die Kirche pro Jahr mit ca. 17 Milliarden Euro aus den allgemeinen Steuermitteln subventioniert, soziale Subventionen (noch einmal ca. 50 Milliarden jährlich) noch gar nicht mitgerechnet (vgl. www.stop-kirchensubventionen.de).

Bischofsgehälter, Priesterausbildung, konfessioneller Religionsunterricht und vieles mehr zahlt in Deutschland der Staat. Und die reiche Kirche (Vermögen lt. Carsten Frerk (siehe unten), „Finanzen und Vermögen der Kirchen in Deutschland“, Aschaffenburg 2002, ca. 500 Milliarden Euro) ist zudem von allen Steuern befreit.

Die Kirche läßt sich allerhand einfallen, um ihr Geld zu mehren – was manchmal so ausschaut, als habe sie von Kaufhäusern gelernt, wie man an des Kunden (Gläubigen) Geld kommt. Carsten Frek (s.u.): „Wer eine katholische Kirche betritt, läuft sofort auf den Hauptverkaufsstand zu, auf den Altar, wo Wein und Fleisch angeboten werden. Und wie im Supermarkt stehen auch in der Kirche die Kassen am Ausgang: Die Opferstöcke sind so angebracht, dass man beim Hinausgehen direkt darauf zuläuft.

Die Kirche ist offenbar in vielen Wirtschaftszweigen vertreten. Frerk: „Da ist fast alles vertreten: Banken und Versicherungen, Druckereien und Verlage, Gastronomie und Touristik…“

Größter privater Grundbesitzer

Nach Wikipedia setzt sich das Vermögen der römisch-katholischen Kirche „dezentral aus dem Vermögen des Heiligen Stuhls, der Bistümer und mit der römisch-katholischen Kirche verbundenen Organisationen und Unternehmen zusammen. Maßgeblich für die Kirchenfinanzierung sind neben Einnahmen aus Kirchensteuern, Spenden und Erträgen aus wirtschaftlichen Unternehmungen und Beteiligungen auch staatliche Unterstützungen und Steuervorteile.

Der Sozialwissenschaftler Carsten Frerk untersuchte 2001 das Vermögen der römisch-katholischen Kirche in Deutschland. Nach seinen Berechnungen summierten sich Ende 2002 die Werte von Grundbesitz, Immobilien, Geldanlagen und Beteiligungen der katholischen Kirche und der zu ihr gehörenden Institutionen auf ein Vermögen von 270 Milliarden Euro. Die römisch-katholische Kirche sei mit 8250 km² Grundeigentum größter privater Grundbesitzer in Deutschland. Frerk führte im Jahr 2013 neue Berechnungen durch, nach denen sich das Vermögen der katholischen Kirche 2013 auf bis zu 200 Milliarden Euro belief. Haupteinnahmequellen der Kirche seien die Kirchensteuer, Vermögenserträge und Staatsleistungen.“ (https://de.wikipedia.org/wiki/Verm%C3%B6gen_der_r%C3%B6misch-katholischen_Kirche)

Transparenz weckt Begehrlichkeit

Schauen wir ´mal etwas genauer hin: Langsam tauchen konkrete Zahlen auf. In diesem Jahr, schreibt die Börsenzeitung, „haben erstmals zwei Diözesen mit Milliarden-Assets (Vermögenswerte, Anlagen) ihre Bilanzen offengelegt. Die Erzbistümer Köln und Paderborn dürften mit 3,4 beziehungsweise vier Milliarden Euro Bilanzsumme zu den reichsten gehören. Getoppt werden könnten sie wohl höchstens noch von der Erzdiözese München und Freising. Doch die Bayern haben in Sachen Bilanz die Öffentlichkeit bislang noch vertröstet. In beiden Kirchen gibt es immer noch eine Menge Bedenkenträger. Sie befürchten, mit Transparenz Begehrlichkeiten zu wecken. Doch dieses Argument zieht nicht. Wer über viele Mittel verfügt und staatlich direkt und über die Erhebung der Kirchensteuer indirekt unterstützt wird, muss sich der Diskussion stellen. Alles andere passt nicht mehr in die Zeit“. (Quelle Börsenzeitung 30.9.15)

„So mancher Kleinverdiener mag sich angesichts dieser Milliarden-Vermögen schon fragen, warum er denn noch Kirchensteuer zahlen soll. Natürlich übernehmen die Bistümer auch wichtige soziale Aufgaben, betreiben Krankenhäuser, Kitas und Schulen, helfen Obdachlosen und Flüchtlingen. Würden sie aus ihren Vermögen aber einen Megafonds bilden und auf Pomp verzichten, könnten sie all das wahrscheinlich allein von der Rendite finanzieren.“ (Quelle: Neue Presse Hannover, 30.9.15)

Positivseite: soziale Dienste

Die Rechnung, die bundesweit – meist kirchenkritisch gemünzt – aufgemacht wird, wäre aber sehr einseitig, wenn man nur die Einnahmen- und Vermögensseite betrachtete. Zur volkswirtschaftlichen Bilanz gehört ein unvoreingenommener Blick auf die Auf- und Ausgabenseite der Kirche. Alten- und Krankenpflege, Krankenhäuser, Schulen, Kindergärten usw. Auch wenn dort viel Staatsgeld hinfließt, bleibt doch eine hohe Finanz- und vor allem Personalleistung der Kirche bestehen.

Aber wie sieht die Bilanz aus?

Und schon stochert der Chronist im Nebel. Man hätte doch sehr gerne mal eine wenn auch nur ungefähre volkswirtschaftliche Bilanz gesehen. Also, simpel gefragt: Wieviel Geld nimmt die Kirche ein, und wofür gibt sie es aus?

Daß ein ordentlicher Teil in die „Rücklagen“ – also in gute Vermögenswerte – fließen sollte, versteht sich für jeden ordentlichen Haushalter. Aber wie soll ich beurteilen, ob dafür eine, zwei oder sechs Milliarden €uro ausreichen bzw. nötig sind? Wäre die Kirche hier offener, bräuchte niemand mit Argwohn an das Thema heranzugehen.

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  1. Okt. 2015

Von conservo

Conservo-Redaktion