Südtirol ist NICHT Italien – und davon sollte die ganze Welt sich mal durchdringen lassen!

(www.conservo.wordpress.com)

Von Theresa Geissler *)

Wer diesen Blog (Theresa’s Visie.com) öfter besuchte, der weiß inzwischen, dass ich, neben meinem eigenen Blog selbst auch ständig kommentiere und zwar seit etwa zwei Jahren auf dem Deutschen Blog „conservo“, dem konservativen-liberalen Blog von Peter Helmes.


Wie es sich für einen soliden, deutschen konservativen-liberalen Blog gehört, wird da auch dann und wann – neben unzähligen sonstigen gesellschaftlich-kritischen Themen – die Sache „Südtirol“ durchgesprochen. Als gebürtige Holländerin (eine, die eine mehr als durchschnittlicher Sympathie für alles DEUTSCH hat) habe ich bei all den Themen  nicht immer ein angemessenes Urteil  bereit, jedoch überraschend genug bei diesem Thema:


Woher das kommt? Schwierig zu sagen: Man kann ja ruhig sagen, dass 99,9 Prozent der Holländer für das Thema überhaupt keinen Belang hat, und da war mein Elternhaus keine Ausnahme. Aber trotzdem war ich mal in Südtirol, zwei mal hintereinander, genauer gesagt, als ich etwa elf- oder zwölf Jahren alt war. Meine Eltern suchten nach einer Urlaubsbestimmung und es wurde Italien, wie sie sagten, oder, etwas genauer: Nord-Italien.


Was stellt ein Kind in diesem Alter sich überhaupt vor bei dem Wort “Italien”? Die Wirklichkeit klappte, wo es mich anging, nicht gar: Obwohl der Ferienpark, in dem wir unseren Urlaub verbrachten, sich in der Region Trentino befand, wo – hinterher künstlich stimuliert durch Migrationen – tatsächlich das Italienisch dominierte, weiss ich noch, die Landschaft sah anders aus, als ich dachte: Zwar schön, aber ähnlich wie die Landschaften in Süddeutschland, der Schweiz und Österreich, welche wir auf dem Hinweg schon durchkreuzt hatten. Faktisch erfuhr ich keinen bedeutenden Unterschied – außer bei den Sprachen. Die Natur sowie die Architektur ähnelten in meinen Augen Alpenregionen. Meiner Ansicht dachte man beim Begriff „Italien“ doch an etwas anderes!


Und erst Jahren später zeigte sich, wie richtig dieser Vergleich war…


Jahren später, damit sind dann die 90er Jahren gemeint, besuchte ich ständig und sehr begeistert Städte wie Wien und, vor allem, Nürnberg (wo ich mich immer wie zuhause fühlte). Zurück in der holländischen Heimat sah ich mit viel Vergnügen alle Deutsche Fernsehprogramme, in denen ich so vieles erkannte! Da stiess ich auf einmal in der Fernsehserien „Verkaufte Heimat“ auf den erbitterten Streit der deutschsprechenden Südtiroler gegen den Raub ihrer Identität, ab Ende der Dreißiger Jahren – als Mussolini bei diesem Punkt noch unbeschränkt seinen Wille walten lassen konnte – bis in die sechziger Jahre – als alles anscheinend besser ausschaute. Doch die Unabhängigkeit Südtirols war noch immer nicht gesichert – vor allem, weil Italien, obwohl nicht länger eine Diktatur, dann und wann hartnäckig an seinen Möglichkeiten zum annektieren/assimilieren festhielt … und bisher die Region auf keinen Fall freigibt.


Gerade, weil ich also in meiner Jugendzeit die genannte Region kennengelernt hatte (dass wir uns im großenteils italienisch sprechenden Gebiet befunden hatten, macht da keinen wichtigen Unterschied), machte die Geschichte auf mich einen tiefen Eindruck. Und stärker als jemals zuvor, wuchs bei mir die Erkenntnis – unbewusst war sie, das kann ich schon sagen und von Anfang da – dass hier die Rede war von einer äußerst unrechtmässigen Situation:
 Denn dieses typisches Alpenland – dass die Alpen hier „Dolomiten“ genannt wurden, sagte natürlich auch schon wieder mehr von der italienischer Herrschsucht, denn wo enden die Alpen denn eigentlich? – war gar nicht Italien, und seine Einwohner keine Italiener! Sie waren Südtiroler, das schon. Und zugleich erzählte gerade dieser Name, wozu sie überhaupt gehörten: Zu Nordtirol, das noch immer in Österreich lag, und deutschsprachig war – wie ebenso díese Leute hier!


Wer sich dann weiter in der Sache vertieft, kann die Folgerung nur bestätigen:


- Das Vertrag von Saint Germain (1019 – 1920 in Wirkung gesetzt https://www.conservo.blog/2020/11/26/tiroler-landtag-1920-ein-erschuetternder-abschied-ein-rueckblick-auf-unterschiedliche-gedenken/) teilte Südtirol zu Italien zu, samt einiger weiterer Grenzgebieten, als Dank, dass es im 1. Weltkrieg die Seite der Alliierten gewählt hatte. Kurze Zeitspäter, unter dem faschistischen Regime Mussolinis, wurde mit der Italienisierung angefangen durch massive Immigration.

– Dann wurden alle deutschen, geografischen Namen ins Italienische übersetzt – und zwar verpflichtend. Ebenso der Name Tirol, das von den Italienern bis heute noch immer „Alto Aldige“ benannt wird.

– Nach und nach wurde die deutsche Sprache – im Unterricht, in den Medien und in der Öffentlichkeit – verboten.

– Nach dem Anschluss Österreichs an Deutschland 1938 bot Hitler nicht die Hilfe an, auf die die Südtiroler hofften; Lediglich schloss er einem Vertrag ab mit Mussolini,nach welchem sie wählen konnten: Entweder emigrieren in die verschiedenen, annektierten Teile des Dritten Reiches, oder dort bleiben, jedoch in diesem Fall völlig assimilieren. 185.000 Südtiroler optierten für die erste Möglichkeit, 38.000 für die Zweite und 44.000 verweigerten die Wahl. Bis Ende 1942 zogen 80.000 Südtiroler weg, danach stagnierte die Migration wegen des Kriegsverlaufs.


Nach dem Krieg legten die Südtiroler eine Petition vor an die Alliierte, in der sie Anschluss bei Österreich forderten, auch eine Volkswahl wurde gefordert. Diese Forderung wurde nicht gewährt, weil die Alliierte ein drohendes, politisches Chaos in Italien befürchteten. Zwar wurde Italien verpflichtet, eine regionaler Autonomie zu begründen, aber weil sich die Deutschsprechende damals in der Minderheit befanden –  vor allem in Trentino – konnte die Autonomie nicht ihre Rechte gewähren. Italien stellte sich quer und die neue Regierung versuchte wieder, mit verschiedenen Tricks, die Assimilation trotzdem durchzusetzen. Auch wurde die Heimkehr von zahlreichen Südtirolern durch die Italiener blockiert.


Erst als in den 60er Jahren die Deutschsprachigen anfingen – gewalttätigen –  Aktionen zu unternehmen, und so die internationale Aufmerksamkeit auf sich richten konnten, wurde die Autonomie der Gebiete besser gewährt. Das war aber – also NACH dem Zeitalter Mussolinis – nicht Italien zu verdanken.


Klar ist also, dass Italien niemals – sie dies offensichtlich oder weniger offensichtlich – nie den geringsten Respekt gezeigt hat für die Einwohner des Gebietes, welches ihnen nach dem 1. Weltkrieg so wohlwollend zugeteilt wurde, geschweige für die Identität seiner Einwohner.

 

Da Italien vom Anfang an nur daran interessiert war, diese Identität so schnell wie möglich zu zerstören – ein Verbrechen gegen die Menschenrechte und gegen die Humanität! – 


sollte man sich nicht langsam aus allen Ecken der Welt dazu verpflichtet fühlen, mehr Aufmerksamkeit auf diese Sache zu richten und den Druck zu erhöhen, damit die Südtiroler nach einem Jahrhundert andauernden Unrechts endlich einmal ihr RECHT bekommen?


Leider wurde ihnen die Chance auf der Wiedervereinigung mit ihren Mutterland, Österreich, 1945 untersagt. Jetzt, im Jahr 2020 könnte ein Versuch der Wiedervereinigung nicht oder noch schwieriger gemacht werden: Denn wer zwingt Italien heute noch dazu, ein Gebiet freizugeben, auch wenn es sich überhaupt nicht mit der Geschichte, der Sprache und der Kultur des Gebietes und dessen Einwohner identifiziert?


Unermüdlich kämpft Südtirol für seine Autonomie, das heißt: für das möglichst Erreichbare. Was der Rest der Welt zumindest tun könnte ist, diesem gerechtfertigten Kampf etwas mehr Aufmerksamkeit schenken und nicht so länger tun, als ob dort, an der Stelle bei der österreichisch-italienischen Grenze, nichts los sei!

*) Die Holländerin Theresa Geissler betreibt in ihrem Heimatland einen eigenen Blog – www.theresasvisie.com – für den sie u.a. seit langem interessante conservo-Artikel übersetzt, und sie kommentiert fast alle conservo-Artikel hier auf unserem Blog.

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