Wer hat Recht: Darwin oder Lamarck?

(www.conservo.wordpress.com)

Von Greypanter*)

Geht man mit Methoden der Statistik an die Theorie der Vererbung erworbener Eigenschaften (Lamarckismus) heran, so lassen sich die Puzzleteile von sich widersprechenden Ansichten zu einem harmonischen Gesamtbild zusammenfügen: Mit dem Homo Habilis trennte sich vor 1,75 Millionen Jahren die genetische Entwicklungslinie des Menschen von den Menschenaffen. Von diesem Zeitpunkt an blieb der Genpool der Menschenaffen im Wesentlichen unverändert, während beim Menschen eine große Zahl an genetischen Veränderungen erfolgte, welche zu einer immer besseren Anpassung der menschlichen Rassen an ihre Umwelt führte. Während der Lamarckismus annimmt, individuell erworbene Fähigkeiten würden ins Erbgut aufgenommen und weitervererbt, besagt der Darwinismus, dass zufällig erfolgende Veränderungen im Erbgut eine bessere Anpassung des Individuums an seine Umwelt ermöglichen und dadurch seine Reproduktionsrate verbessern.

Geht man bei der Reproduktionsrate des Menschen von den gut dokumentierten Zeiträumen der letzten 500 Jahre aus, so haben, statistisch betrachtet,  Frauen zwischen ihrem 16. und 25. Lebensjahr 10 Kinder zur Welt gebracht, von denen wenig mehr als ein weibliches Wesen das gebärfähige Alter erreichte. Bei den weiblichen Nachkommen führte die körperliche Auszehrung durch regelmäßige Schwangerschaften meistens zu einem frühen Tod. Männer dagegen erreichten im Durchschnitt ein weit höheres Alter, als Frauen. Ihr Kampf um die besseren Ressourcen für das gefügig machen einer Frau und die erfolgreiche Aufzucht von Nachkommen war nicht nur gegen eine feindliche Natur, sondern auch gegen menschliche Konkurrenten zu führen. Wer diesen Kampf gewann, konnte sein Erbgut jahrzehntelang über mehrere Frauen an viele Nachkommen weitergeben. Von einem mittelalterlichen Chronisten der Reichsstadt Wangen wird berichtet, dass er es mit vier Frauen auf insgesamt 35 Nachkommen brachte.

Damit wird klar, dass eine gute Ausgangsposition beim Start ins Leben zusammen mit genetisch bedingter körperlicher Fitness schon in einer einzigen Generation dazu führte, dass ein Individuum mit seinen – laut Lamarck – erworbenen besseren Eigenschaften über einen großen Vorteil bei der Zeugung und Aufzucht von Nachkommen verfügte. Zur Vererbung gelangen aber nicht die vom Individuum erworbenen Eigenschaften. Es stellt sich die Frage: Was war zuerst da, die Henne oder das Ei?  Zum einen begünstigt ein komfortables soziales Umfeld, also das soziale Erbe die individuelle Entwicklung und zum anderen ist die genetische Veranlagung erforderlich, damit  eine gute Ausgangsposition vorhanden ist mit Eigenschaften, wie Gesundheit, Intelligenz und Muskelkraft. Nur unter diesen Voraussetzungen kann das heranwachsende Individuum die Fähigkeiten erwerben, welche im Kampf gegen eine feindliche Umwelt und menschliche Konkurrenten zum Sieg verhelfen. Bei einem Generationswechsel alle 20 Jahre hatten auch kleine genetische Mutationen seit dem Homo Habilis 87.500 Generationen lang Gelegenheit, sich positiv oder negativ auf die Fortpflanzung auszuwirken. Folglich haben zufällige Mutationen der Gene ein unglaublich hohes Potential, sich bei der Zuchtauswahl durzusetzen.

*) Greypanter ist langjähriger Blogger und auch Forist bei conservo. Unter anderem liebt er statistische Betrachtungsweisen.

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