Neues aus Frankreich und Italien oder
„Regieren bedeutet nicht von den Menschen Gehorsam zu fordern“ (Alexis Poulin, französischer Journalist)

(www.conservo.wordpress.com)

Von Dr. Juliana Bauer *)

Auch am 14. August waren die Franzosen auf den Beinen: in rund 200 Orten protestierten sie unüberhörbar und zum fünften Mal in Folge gegen den Pass Sanitaire, den Gesundheitspass. Was mir auf vielen Videos auffiel: unter den Demonstranten finden sich immer mehr Menschen 50 plus und 60 plus. Um die 250.000 Teilnehmer sollen es laut offiziellen Angaben gewesen sein; laut inoffiziellen jedoch viel mehr, was natürlich von Regierungsseite sowie regierungshörigen Medien unter den Teppich gekehrt werden soll. Die Menschen bewegte dieses Mal insbesondere die strikten, menschenfeindlichen Verordnungen bezüglich der Restaurants und Cafés.

Résistance

Einige ins Auge springende Beispiele möchte ich aus den zahlreichen Berichten und Videos herausgreifen. Eine der eindrucksvollsten Demos zog sich wieder durch Marseille. Marseille war auf den Beinen, zu Tausenden. Neben dem Wort liberté/Freiheit hörte man jetzt aus unzähligen Kehlen, las man auf vielen Transparenten vor allem ein während der nationalsozialistischen Besetzung den französischen Widerständlern geläufiges Wort: résistance. Widerstand. Und das nicht nur in Marseille. In Paris wurden Schilder mit der Aufschrift getragen: “Démocratie en danger peuple réveille toi – Die Demokratie ist in Gefahr, Volk wach auf.“

Auch die Phantasie kam nicht zu kurz. Junge Leute befestigten runde Aufkleber an die Fenster des Marseiller Gesundheitszentrums und des Hôpital Européen, des Europäischen Krankenhauses: imitierte Verbotsschilder mit durchgestrichener Spritze im Mittelfeld und den Worten „c’est mon choix – es ist meine Wahl – ich werde mich nicht impfen lassen.“ Hinter dem Demonstrationszug tauchte irgendwann eine kleine Polizeitruppe auf, die wie verlorene Hühner daher rannten; sie folgten der Demo in einigen Schritten Entfernung.

In Interviews wurde am Rand der Demonstrationen immer wieder die Ausgrenzung der nicht-geimpften Bürger kritisiert, der Ausgrenzung aus Restaurants, Cafés, Bars. Was in der vergangenen Woche jedoch bekannt wurde und einen hoffnungsvollen Gegensatz bildet zu den erschreckenden Restaurantkontrollen einer bewaffneten Polizei: nicht nur eine Reihe von Bürgermeistern weigert sich in ihrer jeweiligen Stadt Polizeikontrollen einzusetzen, auch Restaurantbesitzer und andere Bürger verweigern dem Tyrannen Macron und seinen Vasallen die Gefolgschaft. Ja, selbst wichtige Rettungsorganisationen riefen in den letzten Tagen zu Streiks auf.

So streikte zu Beginn vergangener Woche die Feuerwehr von Nizza gegen die Impfpflicht. Der Sprecher ihrer Gewerkschaft bezeichnete die Ausgrenzung der Nicht-Geimpften und die von Macron initiierte Zwei-Klassen-Gesellschaft als desaströs. Ihre Gewerkschaft rief alle Feuerwehrföderationen zu Streiks auf, ähnlich jene des Pflegepersonals von Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen. Der Internetauftritt der Feuerwehr aus Nizza wurde innerhalb zweier Tage mit 1500 zustimmenden Kommentaren versehen und fast 160.000 Mal aufgerufen.

Man sollte auch eines nicht übersehen: was immer wieder durchsickert, sind Informationen, dass selbst zahlreiche Geimpfte auf der Seite der Nicht-Geimpften stehen (ebenso in Italien). Sie lehnen, im Unterschied zu vielen Deutschen, deren Ausschluss aus dem öffentlichen und kulturellen Leben ab und wollen keine Zwei-Klassen-Gesellschaft. Das scheinen sowohl Macron und seine „Getreuen“, als auch Signor Draghi allerdings noch nicht verstanden zu haben.

Mellionec – Solidarität in der Bretagne

In den Ostpyrenäen schlossen mehrere Restaurantbesitzer ihr Lokal. In dem bretonischen Ort Tonquédec, an der berühmten Côtes-d’Armor gelegen, schloss ein Wirt ebenso sein Gasthaus. Alle wollten zwischen Geimpften und Nicht-Geimpften keine Unterschiede machen und der Diskriminierung keinen Vorschub leisten. Das nennt sich in der Tat Solidarität und ist weit von dem entfernt, was der pseudo-bayerische, offenbar von Wahnvorstellungen besessene Tyrann und Pendant zur bösen Königin kürzlich in der ARD verkündete: „Es gibt bereits Hoteliers, die nur noch Geimpfte in ihr Haus lassen.“

In Mellionec, einem Dorf im „Herzen der Bretagne“ – so die Worte eines jungen Journalisten -schlossen alle drei Cafés und Bars. Sie lehnen es ab, sich dem Pass sanitaire unterzuordnen und die Ungeimpften auszugrenzen. Über einer Cafébar hängt ein Schild: „Die soziale Kontrolle ist nicht unser Job, geschlossene Bar.“ Entschieden hatte das wohl das Collectif anti pass sanitaire des Dorfes. Anstelle von geöffneten Cafés und Bars organisierte die Dorfgemeinschaft Picknicks vor dem Rathaus und auf der grünen Wiese, die freudig angenommen wurden.   

Bella Italia: der Green Pass ist „Angriff auf die Verfassung“

Aus Italien werden ab Montag wieder viele verspätete Berichte im Netz ankommen; die ersten, die von weiteren Demos berichten, landeten Sonntagnacht. Das war bereits zweimal der Fall, lassen wir uns also überraschen. Auf einem der neuen Videos waren Interviews interessant, die mit Demonstrationsteilnehmern, den „Freien Stimmen des Platzes“, in Turin geführt wurden. Ein Universitätsprofessor nannte den Green Pass ohne Wenn und Aber „einen schweren Angriff auf die Verfassung.“ Eine junge Journalistin, die mit zahlreichen jungen Leuten teilnahm, bezeichnete ihn als politisches Instrument, als ein Instrument der „Sozialkontrolle“ und der „Diskriminierung.“

Seit Anfang letzter Woche kursierten mehrere Videos mit Gesprächen, die mit Restaurant- und Barbesitzern aus verschiedenen italienischen Städten aufgezeichnet wurden. Die Wirte standen großenteils vor leeren Innenräumen, während der Außenbereich jeweils überfüllt war. Man hörte Sätze wie, dass die Restaurantchefs nun eigens Bodygards zur Kontrolle einstellen müssten, was finanziell auf Dauer nicht tragbar sei, oder dass es unmöglich sei, im Restaurant zu arbeiten und gleichzeitig die Leute zu kontrollieren. Einer der Berichte sprach von Chaos…

I ribelli di Napoli

Ein typisches und sympathisches Beispiel für die besonders in Süditalien ausgeprägte Mentalität zeigt ein kleiner Film, gerade wenige Tage alt: Napoli, i ribelli del Green Pass/ Neapel, seine Rebellen gegen den Green Pass.

Es kommen u.a. mehrere Pizzabäcker zu Wort. Einer, der Besitzer eines hübschen Lokals, erklärte auf die Fragen einer Reporterin, dass er „niemals“ den Green Pass verlangen würde. Dass er seine Pizze mache und basta. Er sei kein Polizist und übe keine Kontrollen aus. Würde man ihn kontrollieren, ginge das bei ihm in das eine Ohr rein, in das andere wieder ‘raus. Die Journalistin erläuterte denn auch, dass die Neapolitaner eigen seien, sie würden sich dem Green Pass widersetzen. Die Pizzabäcker bieten jedenfalls allen, die kommen in ihrer Pizzeria einen Platz an. Sie würden sich schämen, den Pass zu verlangen.

Die junge, energische Barista einer Caffèbar erzählte, dass sie zwar schon nach dem Pass fragte, dass die Klienten jedoch verärgert reagierten. Dann machte sie deutlich, dass sie mit ihren Gästen gut auskommen und keine Aggressionen erzeugen wolle.

La bella Napoli könnte Vorbild Italiens werden. Stur und liebenswert gleichermaßen, herzlich und hilfsbereit, aber auch erfinderisch und rebellisch sind sie, die Neapolitaner. Mitunter sogar explosiv wie der Vesuv.

Stammt nicht eine der wundervollsten Traditionen, in der ein großes Stück Menschlichkeit lebt, aus Neapel? Der Caffè sospeso! Der „aufgehobene Kaffee.“ Ein Italiener trinkt seinen Caffè, seinen Espresso in der Bar. Er bezahlt jedoch nicht nur den seinen, sondern noch einen zweiten. Für einen anderen, einen povero oder misero, schlicht für einen, dem es schlecht geht, der sich keinen Kaffee in der Bar leisten kann. Irgendwann wird seine Gabe eingelöst – der Barista wird den Caffè einem Bedürftigen ausschenken.

In Napoli wird der Green Pass nicht hoffähig werden!

Eine wichtige Zusatzinformation, gerade entdeckt: am Sonntag, den 15.August waren in Madrid Massen auf der Straße gegen das Impfen von Kindern.

Marseille : des milliers de personnes dans la rue

Immense mobilisation contre le Pass Sanitaire à Paris // Manifestation contre le Pass sanitaire

Ce village breton dit non au pass sanitaire

ToriNO – Le Voci Libere della Piazza: “… Green Pass: è Discriminatorio e da Controllo Sociale …”
Napoli, i ribelli del green pass

A Modena la protesta
contro il Green Pass. In piazza anche tanti vaccinati

(ein extra Verweis auf viele Geimpfte, die dabei waren)

*) “Ich fühle mich als Italienerin. Ich lebte und studierte in Italien und bin im Grunde dort zu Hause.”

(www.conservo.wordpress.com)

Von conservo

Conservo-Redaktion