Bibelstudium – Dreifaltigkeit

Von Matt812 (Teil 1 ist hier)

Frontispiz der 1611 erschienenen Erstausgabe der King James Bibel

Wenn einem Dinge, die man in der Bibel gelesen hat, einfallen, wenn Fragen aufkommen, dann ist es leicht, von Einem zum Nächsten zu springen. Die ganze Bibel verstehen zu wollen ist ein unendliches Unterfangen und kann sowohl Reise und auch Abenteuer sein.

Der alte Vorwurf, du kommst von Einem zum Hundertsten oder auch, wenn jemand dich nach der Zeit fragt, erklärst du ihm die Uhr, sind die freundlicheren Randbemerkungen. Sei es drum.

Die Angewohnheit, jedes Buch erst einmal ganz zu lesen und danach

bestimmte Stellen nachzulesen, sind bei der Bibel m.E. unerlässlich.

Zum Beispiel, in Genesis 4:26 der zweite Satz, steht: „Dann fingen Männer an, den Namen Gottes anzurufen.“

Ich habe den Satz sicher oft gelesen und überlesen, bis es mir dämmerte: Hier ist der Anfang der menschengemachten Religionen.

Die Menschen sprachen nicht mehr mit Gott direkt, sondern riefen einen Namen an.

Gottes Gegenwart wurde langsam aber sicher vergessen; man rief einen Gottes-Namen an, das ist Religion.

Man ruft eine höhere Autorität an, besonders in Nöten. Man lässt sich Zeremonien einfallen, um die höhere Autorität zu ermuntern oder zu besänftigen; ein Priestertum kommt auf.

Professionelle, die für Güter oder Münze sowie auch zur eigenen Beorderung das Gottesanrufen übernehmen.

Und über längere Zeiträume hin, haben sich dann in verschiedenen Gegenden und Völkern der Name Gottes und die Bräuche zum Beeinflussen des Gottes/der Götter geändert.

Nun kommen wir zur Dreifaltigkeit des Christlichen Gottes.

Mathematisch erscheint uns die Lehre von Gott, dem Vater, Gott, dem Sohn und Gott, dem Heiligen Geist als unmöglich oder als schwer zu verstehen.

Die Bibel lehrt uns, dass unser Gott eine Dreieinigkeit ist, jede Person der Gottheit ewig und gleichermaßen Gott, drei Personen und doch Alle ein Gott.

Bei näherer Betrachtung unserer Welt und des Kosmos bemerkt man aber, dass dies sowohl universell als auch wissenschaftlich überhaupt nicht unverständlich bleiben muss.

Die Realität dieses dreieinigen göttlichen Wesens ist deutlich in seiner Schöpfung zu erkennen.

Wir verstehen unser Universum als eine Zusammensetzung von drei, sagen wir mal, Einheiten: Raum, Materie und Zeit.

Raum ist der Hintergrund aller physischen Realität, Materie ist, was wir im Raum beobachten können und Zeit ist der Agent, unsichtbar aber immer fließend, durch den wir Materie bzw. Masse/Energie erfahren können.

Jede dieser drei Einheiten, Raum, Materie und Zeit ist selbst wieder dreigeteilt.

Raum ist drei-dimensional, Länge mal Breite mal Höhe, wobei jede Dimension den ganzen Raum umfasst, gemessen als Abstand, betrachtet als Fläche und gelebt im Volumen, um es vereinfacht auszudrücken.

Materie wird beschrieben durch die Phänomene der Masse-Bewegung-Energie Erfahrungen. 

Zeit erleben wir als Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft (gestern, heute und morgen) jede von ihnen getrennt, aber undenkbar, wenn eine fehlen würde.

Selbst die primitivsten Kulturen erlebten ihre Welt als dreidimensional, Erde, Wasser und Luft.

Es ist daher nicht weit hergeholt, unser Universum als Dreifaltigkeit von Dreifaltigkeit zu bezeichnen.

Wohin wir auch schauen, sehen wir drei:

  • Ursache, Ereignis und Folgen
  • Quelle, Manifestation und Bedeutung

Vernunft kann uns sagen, wie die Bibel, dass der Schöpfer dieses Kosmos ein Dreieiniger Gott ist.

Aber für uns Christen ist unser Gott weitaus mehr: Er ist unser Vater, Er ist unser Retter und Er ist unser Helfer! Ehre zu Gott!!!

Wir können freudig singen:

Großer Gott, wir loben Dich
Herr, wir preisen Deine Stärke
vor Dir neigt die Erde sich
und bewundert Deine Werke.

***

Nur als Randbemerkung, ich lese die Bibel in englisch, da ich seit 40 Jahren in hauptsächlich englisch-sprechenden Ländern lebe. Meine bevorzugte Version ist die Neue King James.

Nimmt man die Lutherbibel zur Hand, dann fallen einem Übersetzungsfehler im Buche Hiob auf. Es sind Nebensächlichkeiten, wesentliche Glaubensgrundsätze sind in allen Übersetzungen gleich.

Das Buch Hiob ist abgesehen vom Anfang von Genesis das älteste Buch der Bibel, Hiob lebte vor oder fast gleichzeitig mit Abraham.

In diesem Buch findet man eine Menge wichtiger Informationen.

Für den Neubeginner ist bzw. war das Johannesevangelium, zumindest für mich, ein Augenöffner.

8 Kommentare

  1. An Hermes, “big bang” ich habe noch keine Explosion gesehen, die Ordnung schafft und habe auch noch nie von solch einem Ereignis gehoert. Der Anteil an Unordnung “randomness” waechst immer.

  2. Mir stellt sich folgende Frage: Geht es bei Physik nicht um physis? Das materiell Vorhandene, meß- und zählbare, um Materie? Falls ja: Wollen wir Gottes Offenbarung zählen und messsen und dann wissenschaftliche Hypothesen aufstellen (die demnächst falsifiziert werden wie jede Hypothese)? Kann das der Weg sein, Bibel und Offenbarung zu verstehen?
    Ich sehe hier einen logischen Widerspruch.
    Selbstverständlich verstehe ich den Ansatz, die Offenbarung durch Wissenschafts-bezogene Metaphern schmackhaft zu machen. Aber kann das gelingen, oder führt es zu einer Totgeburt?
    Ich bemühe mich, die mathematischen Metaphern von Matt812 zu durchdenken. Denn die Mathematik reicht wie Plato über das Materielle, die physis, hinaus in kosmische Dimensionen. Sie kann nicht über den Raum hinaus, aber immerhin über die Zeit. Sie scheitert allerdings auch am infinitesimal kleinen Punkt des Beginns des Big Bang.
    Aus diesem kühlen Grunde eine simple These aus Zusammengelesenem: Die “Aufklärung” stellte statt Gott den Menschen in den Mittelpunkt, erhob Meßbarkeit über Glauben. Da stehen wir nun im Mittelpunkt unseres Seins, schauen uns um, und uns ist nicht sehr wohl mit dem, was wir geschaffen haben. Wir “glauben” (sic) an Wissenschaft und finden “follow the science”, also Lügen.
    Ein Vierteljahrtausend nach Voltaire stehen wir vor den Ruinen der Aufklärung. Und nun wollen wir uns Gottes Offenbarung mit Metaphern aus der Wissenschaft schmackhaft machen?
    Ich verstehe die gute Absicht. So viele Menschen sehen, was falsch läuft, und ringen um das Verständnis von Ursache und Wirkung, um Heilmittel.
    Was aber, wenn der Verlust des Glaubens und die Erhebung von Mensch und physis zum Zentrum des Kosmos das Problem sind? Ist dann eine “wissenschaftliche” Metapher für Fragen des Glaubens zielführend?
    Anders gesagt: Versteht man die Heidegger´sche Geworfenheit des Menschen als conditio humana, zwischen Naturkräften, Evolutionsbiologie, Hirnbeschaffenheit und so viel mehr, was können uns naturwissenschaftliche Metaphern zur Bibel helfen?
    Natürlich werden sie Manchen heranführen im Sinne der “Hidden Persuaders”. Und allein die Bibellektüre dürfte viel Gutes entfalten.
    Trotzdem verbleibe ich mit der Frage: Kann ich mir Gottes Schöpfung, die Erschaffung der Welt mit ihren wunderbaren Naturgesetzen und deren äußerst erstaunlichen Anomalitäten, Universum und Galaxis, unsere Welt und das völlig unbekannte Wunder Mensch mit rein wissenschaftlichen Metaphern erklären? Mir scheint: Das kann ich nur, wenn ich an Wissenschaft als letztes Wissen glaube.
    Das tue ich nicht. Und viele der größten Wissenschaftler aller Zeiten taten und tun dies auch nicht. Sie verfolgen ihren Glauben außerhalb von Wissenschaft, die ja letztlich nur eine Methode ist.

    Deswegen glaube ich nicht, die Dreifaltigkeit jemals in ihrer Tiefe verstehen zu können. In meinem Streben scheint mir derzeit auf trivialem Disney-Niveau:
    Gott war, ist, und wird sein, er erschuf die Welt und uns in unserer Freiheit.
    Jesus wurde Fleisch für uns und starb für uns, verkörpert die Gnade.
    Der Heilige Geist erinnert uns (weil wir es kaum je checken und wenn, dann nur kurz ;-)).

    Ich gebe gern zu: Letzten Karfreitag versuchte ich auf Anfrage hin (Was soll das mit der Dreifaltigkeit und der Jungfrauengeburt?), so etwas zu erklären. Ich bin kläglich gescheitert, tellergroße Augen waren das Ergebnis.
    Wissenschaft kann man wissenschaftlich erklären. Elektriker legt Leitung: Strom läuft oder nicht.
    Außer-Wissenschaftliches kann man wissenschaftlich nicht erklären. Dem, der “nur an Wissenschaft glaubt”, können Sie Außer-Wissenschaftliches, also normales Leben nicht erklären.

  3. Als Gleichnis für die Dreifaltigkeit können wir auch das LICHT nehmen.
    Die Lichtquelle entspricht dem VATER. Licht ist in seiner Dualität sowohl Welle (“GEIST”) als auch Korpuskel (“SOHN”).
    Vielleicht musste Jesus deshalb erst in den Himmel entrücken, damit danach sein Geist wirken konnte. Jedenfalls kann man Licht entweder nur als Korpuskel oder als Welle wahrnehmen. Beides gleichzeitig geht nicht.

    1. Ja, früher habe ich auch das Licht als Beispiel für das Geheimnis der DreiEinheit Gottes genommen. Nun aber habe ich einen besseren Vergleich:

      Der Mensch, nach Gottes Ebenbild geschaffen, ist auch eine Dreieinigkeit – aus Körper, Seele und Geist.
      Jede der drei Entitäten sind selbständige Erscheinungen eines jeden Menschen: wenn dein Freund dir von weitem zuwinkt, dann weißt du, es ist dein Freund, obwohl du weder seiner Seele noch seinem Geist begegnest.
      Wenn dieser Freund dich tröstet und ermutigt in einer schwierigen Situation, dann ist dies das Werk seiner Seele und wenn er dir einen klugen Brief schreibt, in dem er dir die Welt erklärt, dann ist dies ein Werk seines Geistes. Dein Freund hat dir geschrieben, eine einzige Person. So ist Gott der Vater, der Sohn und der Heilige Geist EIN EINZIGES WESEN – Gott der Allmächtige!

      1. Zu der Dreifaltigkeit jedes Menschen ist noch zu sagen , jede der drei Teile/Einheiten des Menschen hat auch eine Stimme, Gefuehl ist die Stimme des Koerpers, Intellekt, Vernunft ist die Stimme des Geistes und Gewissen ist die Stimme des von Gott eingehauchten Teiles, der Seele, kann man theoretisieren.
        In deutsch ist es sprachmaessig nicht leicht “Spirit ” und “Soul” zu trennen oder als getrennt darzustellen.
        Wenn die Bibel vom “Herzen” spricht ist immer der ganze Mensch inclusive seiner Emotionen, seines Intellekts und seiner Vernunft gemeint.

  4. Die Bibel wörtlich oder allegorisch lesen? Oder beides? Oder noch viel mehr?
    Dinesh d´Souza erklärt, wie er meint, daß Dante die Bibel verstanden hat.
    https://rumble.com/vzm0yq-dante-makes-the-case-for-reading-scripture-both-literally-and-allegorically.html
    Ich persönlich habe es zwei Jahre lang alleine versucht und kam nicht weit, außer beeindruckt zu sein und vieles neu zu sehen.
    Mit Jordan Peterson und Dennis Prager begann ich, vieles zu verstehen und mein Leben änderte sich.

    Ich käme nie auf die Idee, Plato, Aristototeles, Shakespeare oder auch nur Goethe zu verstehen ohne Kommentare der Unzähligen, die sich vorher hauptberuflich darum bemüht haben. Warum sollte ich solche Kommentare ignorieren?

  5. Sehr schön. So versuche ich auch meinen Schülern die Dreifaltigkeit zu erklären.

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