Ohne das Christentum geht die Demokratie des Westens zugrunde

Conservo-Redaktion

(Josef Jung*) Die Totengräber der Demokratie sind all jene, die Staatsvergottung anstreben oder mit dem Staat Ego-Trips ausleben wollen. Dann kann es keine Demokratie mehr geben, weil Demokratie von Spannungen und Diskursen, von Meinung und Gegenmeinung, von Opposition und Kompromissen lebt – also von Vielfalt im besten Sinne.

Robert-Schuman-Denkmal Scy-Chazelles

Eines macht immer mehr zu schaffen: Politikanbetung. Jede Privatmeinung und Abart soll zum Gesetz und Recht erhoben werden. Nicht die Politikverdrossenen, sondern die Politikanbeter sind die wahren Totengräber der Demokratie. Sie untergraben durch ihre Egoismen das Naturrecht und füttern ein Monster mit all ihren Wünschen, Träumen und Bedürfnissen. Das Monster heißt Staats-Totalitarismus, es ist ein absolutes Monster, ein Götze, der stets das Gute will und stets das Böse schafft.

Totalitärer Albtraum: Der Staat ist Garant allen Glücks

Wir stehen vor einer gefährlichen Entwicklung. Wir bewegen uns dahin, dass der Staat alles Glück garantieren und herstellen soll – auch auf Kosten des Individuums und seiner Rechte. Bisher ist es nur eine These von Kulturmarxisten: Der Staat sei Garant allen Glücks. Wenn diese These politische Macht erhält, entsteht genau jener totalitäre Albtraum, den wir besser nie zu träumen anfangen, denn wenn wir daraus erwachen, werden wir schweißgebadet sein.

Schweißgebadet, wenn plötzlich unsere Freiheit wegen eines höheren Staatsziels eingeschränkt wird. Die Zwangsbeglückung der Staatsjünger wird sich dabei geschickt zu verkaufen wissen. Heute schon erleben wir, dass wir „fürs Klima“ auf Kinder und Kultur verzichten sollen. Man erzählt uns, es liege sogar in unserem eigenen Interesse. Wir erleben, dass wir immer öfter nicht mehr unsere Meinung sagen dürfen, weil wir damit die Selbstverwirklichung und Befindlichkeit anderer treffen könnten – als ob unsere Meinung Rechtskraft hätte. In ganz Europa werden Gesetze gegen die Freiheit erlassen – unter dem Deckmantel der „Hate Speech“. Alles, was den Glücksvorstellungen des Staates zuwiderläuft, soll verboten werden. Die Freiheit wird enthauptet, wenn der Staat zum Monster wird.

Der säkularisierte Staat lebt von Voraussetzungen, die er selbst nicht garantieren kann.

Etwas hat man vergessen, nämlich, dass der moderne Staat eben nicht absolut ist. Es gilt das Böckenförde-Diktum: „Der freiheitliche, säkularisierte Staat lebt von Voraussetzungen, die er selbst nicht garantieren kann.“ Das heißt: der freiheitliche Staat muss notwendigerweise eine Leerstelle haben, um nicht totalitär zu werden. Diese Leerstelle meint: Ich muss mich dazu entscheiden, den Staat zu unterstützen und aufzubauen. Gleichzeitig schreibt er mir nicht vor, wie ich zu leben, zu lieben und zu denken habe. Er lebt von der Voraussetzung, dass ich ihn bejahe und trage – obwohl er mich selbst nicht trägt.

Denn der Staat ist nicht Gott und auch nicht meine Familie – und kann es nicht werden. Staatsgötzen wie der NS-Staat und der Stalinismus sind notwendigerweise gewalttätig und menschenverachtend, weil sie im Individuum nur eine Gefahr für die absoluten Staatsziele sehen. Im Totalitarismus zählt nicht der Einzelne, sondern nur das Kollektiv. Jede Opposition muss daher ausgeschaltet werden. So sieht staatliche Zwangsbeglückung aus.

Auch darf der Staat nicht inflationär Gesetze ändern mit der Begründung wir hätten heute eine andere Zeit. Dies führt nur dazu, dass egoistische Machtinteressen zum „(Menschen)recht“ erklärt und damit legitimiert werden. Rechte müssen einen gerechten Grund haben. Was das heißt, wird deutlich, wenn man das Naturrecht als Grundlage nimmt: Nicht meine Wünsche sind der Maßstab, sondern objektive Ordnungen, gemäß der Vernunft. Im Grundgesetz sind entsprechend zwei Maßstäbe verankert: 1. die Verantwortung vor Gott (Präambel) und 2. die unantastbare Menschenwürde (Art. 1).

Wer sind die Sturmgeschütze der Demokratie?

Die Totengräber der Demokratie sind all jene, die Staatsvergottung anstreben oder mit dem Staat Ego-Trips ausleben wollen. Dann kann es keine Demokratie mehr geben, weil Demokratie von Spannungen und Diskursen, von Meinung und Gegenmeinung, von Opposition und Kompromissen lebt – also von Vielfalt im besten Sinne. All das passt aber weder zu einem vergöttlichten, noch zu einem Zwangsbeglücker-Staat, denn diese Staatssysteme sind eifersüchtig und ertragen niemanden neben sich.

Wer sind die Sturmgeschütze der Demokratie? Verteidigt wird die Demokratie von Menschen, die ihre naturrechtlichen Grundlagen kennen und einen Sinn für Menschenwürde haben. Dann braucht es eine Motivation, sich für die Demokratie einzusetzen. Die Motivation ist eine Leerstelle. Sie kann weder aus dem Hedonismus, noch aus dem Materialismus kommen. Hedonismus führt in die Depression, Materialismus in die Subversion. Auch kann der Staat die Motivation nicht herstellen, sondern nur voraussetzen. Jeder mag seine eigene haben. Ein Gründervater der EU, Robert Schuman, hat eine klare Antwort, wer diese Leerstelle füllt: „Die Demokratie verdankt ihr Bestehen dem Christentum.“

*Josef Jung hat in Münster und Chicago katholische Theologie studiert (Magister Theologiae) und ist Chgefredakteur des Online-Magazins “Cathwalk – Abendland, Alte Mese, Katholische Tradition“.

(Michael van Laack) Diesen Artikel hat der Autor mir freundlicherweise bereits Mitte 2019 zur Verfügung gestellt. Aufgrund seiner Zeitlosigkeit und entsprechend bleibender Aktualität möchte ich ihn den Lesern von conservo nicht vorenthalten.

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8 Kommentare

  1. JA, wenn man immer nur fragt – was der Staat für uns tut – und nicht WAS kann ich für diesen Staat tun
    erübrigt ich jede weitere Diskussion.
    Übrigens so verhält sich das auch mit der Opposition – und manchmal auch bei der Meinungsvielfalt
    – Jeder der an der Kasse für 2€ die Karte zückt, unterstützt diese Diktatur – um meinen freien Willen
    ein zu schränken. Der Egoist sieht NICHT das GANZE, womöglich sogar Blind, denn damit schadet er sich
    auch selbst.
    WAS ist eigentlich “Christentum” eine Sekte, eine Glaubensgemeinschaft – oder die ÄLTESTE DIKTATUR
    auf dieser Erde ??
    Jesus ist als Jude geboren – und wechselte zum Christentum über. Aber lassen wir das verlogene Thema.

    Ich habe zwar noch nie was von diesem Schuman gehört, aber wenn er das gesagt hat, dann wird es erst
    recht glaubhaft, wie diese EU an Verlogenheit kaum zu übertreffen ist.

    Liebe Foristen – die Vergangenheit ist Mahnmal und Lehrstück in einem. Finde heraus von wo du kommst
    dann kannst du auch sagen wohin du gehst.
    Wenn man seine Herkunft verleugnet – verleugnet man auch seine Identität.
    Die überlebenden des IIWK haben geschwiegen, und die heutige Generation es auch nicht wissen will
    so kommt es, wie es kommen muss – man macht immer wieder die selben Fehler!!!

    Und wenn ich immer wieder höre/lese – Schuld sind immer nur die anderen – könnte ich …………!

    1. @ Facherfahrener (soll wohl ein passendes Pseudonym sein???): “Jesus ist als Jude geboren – und wechselte zum Christentum über…”
      Oh je, lieber Gott, laß den Hl. Geist nochmal niederkommen!

      Wie sollte Jesus “zum Christentum überwechseln”, wenn dieses Christentum erst durch ihn entstanden ist – und zwar erst nach seinem Tod?

      1. Ihr Lieben, ich habe bewusst das verlogene Thema verlassen. Möge jeder seinen
        Glauben behalten.
        HG

  2. “Denn der Staat ist nicht Gott und auch nicht meine Familie – und kann es nicht werden. Staatsgötzen wie der NS-Staat und der Stalinismus sind notwendigerweise gewalttätig und menschenverachtend, weil sie im Individuum nur eine Gefahr für die absoluten Staatsziele sehen. Im Totalitarismus zählt nicht der Einzelne, sondern nur das Kollektiv. Jede Opposition muss daher ausgeschaltet werden. So sieht staatliche Zwangsbeglückung aus.”

    Haben die christlichen Monarchien Ihrer Ansicht vor dem 20-sten Jahrhundert so viel besser funktioniert?
    Also auch die Monarchien waren nicht viel besser als der Stalinismus udn der NS-Staat. Schauen und lesen Sie einfach in den Geschichtsbüchern nach, wie es vor dem 20-sten Jahrhundert im christlichen Europa war.
    Die christlichen Monarchien von Europa haben ständig Kriege geführt. Auch ohne die Preußen war es in Europa nicht viel besser. Es wurden ständig Kriege geführt in Europa unter den Großmächten untereinander. Selbst Churchill sagt, dass der Ersten Weltkrieg eigentlich der Zweite Weltkrieg war. Der Erste Weltkrieg waren seiner Ansicht nach der Siebenjährige Krieg.
    Da der Krieg in Mitteleuropa, Portugal, Nordamerika, Indien, der Karibik sowie auf den Weltmeeren ausgefochten wurde, sehen Historiker ihn gelegentlich auch als ersten Weltkrieg an. Obgleich sich auf den verschiedenen Kriegsschauplätzen auch neue Strategien der Kriegsführung etablierten, gilt der Konflikt als einer der letzten Kabinettskriege.

    Und auch das große Vorbild für die westliche Demokratien die USA waren nicht viel besser. Auch die USA führten ständig überall Kriege .
    https://www.conservo.blog/2020/08/12/kriegerische-nationen-2-die-usa/

    Manche Historiker sind der Ansicht, dass man auch

    den Dreißigjährigen Krieg (1618–1648),
    den Spanischen Erbfolgekrieg (1701–1714),
    den Österreichischen Erbfolgekrieg (1740–1748),
    den Siebenjährigen Krieg (1756–1763) und
    die Napoleonischen Kriege (1800–1814)
    als „Weltkriege“ betrachten oder bezeichnen könne.

    1. […Haben die christlichen Monarchien Ihrer Ansicht vor dem 20-sten Jahrhundert so viel besser funktioniert?…]
      Eindeutig JA.

      […Schauen und lesen Sie einfach in den Geschichtsbüchern nach, wie es vor dem 20-sten Jahrhundert im christlichen Europa war….]
      Leider steht in den Schul-Geschichtsbuechern oft eine extrem eingeengte Sicht der tatsaechlichen Geschehnisse. So platt ist das nicht zu begruenden.

      1. “Eindeutig JA.”

        Eindeutig nein. Wenn man bedenkt, wie viele Kriege die Europäer gegeneinander führten!
        Schon vergessen, wie die christlichen Europäer die christlichen Byzantiner bei den Kreuzzügen überfallen haben?
        Achja ich verstehe, das sind doch nur orthodoxe Christen gewesen.
        Und wenn Sie mir jetzt erzählen, dass die Griechen in Bezug auf Kreuzzüge lügen, dann muss ich Ihnen eindeutig widersprechen. Die Europäer haben wie die Urzeit Barbaren die Byzantiner überfallen.
        Die europäischen christlichen Monarchien waren nicht zivilisierter als die “christlichen Barbaren” aus dem Osten oder aus Asien!
        Die Ostkirchen hatten im 5. Jahrhundert nach Christus die richtige Entscheidung getroffen um sich von der römischen Kirche abzuspalten.

        Es ist auch eine Tatsache, dass die Byzantiner uns Europäer viele Jahrhunderte lang vor den barbarischen Islam-Horden beschützt haben. Die Europäischen Christen hatten als Dank die Byzantiner überfallen!
        Die Eroberung Konstantinopels 1204 war eine Katastrophe und verheerend für viele Teile Europas. Die Lateinischen Kaiser hatten aus dem einstigen Byzantinischen Großreich in vielen Teilen Zerstörung und verbrannte Erde hinterlassen.
        Zudem ließen die tollen lateinischen Kaiser Konstantinopel verfallen udn wirtschaftliche verenden. So sind sie die tollen europäischen christlichen Monarchen!
        Der europäische Überfall auf Konstantinopel und die Gründung des Lateinisches Kaiserreich
        hatte den tiefen Graben zwischen den Katholiken und den orthodoxen Christen eher vertieft. Die Katholiken bzw. vor allem die katholischen Monarchen von WestEuropa schürten immer mehr Hass auf die orthodoxen Christen und wollten keinen Frieden mit den orthodoxen Christen aus dem Osten schließen…

        Mir scheint Sie haben viel weniger Ahnung als ich dachte, vor allem von der Geschichte der europäischen kriegssüchtigen Monarchen, die in Europa alles andere als vorbildlich zivilisiert und christlich waren , sondern eher sehr oft kindisches Verhalten an den Tag legten und sehr oft barbarische Herrschaft ausübten.

  3. @Demokratie ?
    gibt es in den europäischen Vasallenstaaten nicht – nur eine Simulation im Lichte der Interessen der US-Oligarchen!
    je nach Definition der Demokratie – aber umso sicherer – wurde sie in den Kriegen des letzten Jahrhunderts von den Politikern mit Absicht begraben !
    Heute erleben wir, welche Meinung man haben darf, um “demokratisch” zu sein – und diese Meinung wird längst mittels Zwangsmaßnahmen herbeigeführt, überwacht und kontrolliert !

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