Michael van Laack

Wenn Jan Böhmermann mal wieder die Oma-Sau rausgelassen hat, ist das selbstverständlich nur Satire! Gleiches gilt, wenn eine Kolumnistin der taz fordert, Polizisten auf den Müllhaufen zu werfen. Denn ohne den zumeist erst unmittelbar nach einem Shitstorm gegebenen Satire-Verweis müssten BKA oder Verfassungsschutz aktiv werden.

Wer will schon seine Karriere in Ministerien, Diensten oder Ämtern gefährden und voreilig einen Anfangsverdacht postulieren, wenn linksradikale bis linksextremistische Zeitgenossen die Urheber eines Ärgernisses sind. Wenn es ganz blöd laufen würde und zu viele solcher “Einzelfälle” aufkämen, müsste am Ende noch das Dogma von “Rechts ist die größte Bedrohung für unser Land” zur These herabgestuft werden.

Wo kein Cleanup-Framing mehr möglich ist: Schwamm drüber!

Deshalb äußert sich auch weder das deutsche Staatsfernsehen noch die anderen großen Medienhäuser nicht zu Luisa Neubauers neuestem Coup: eine schwere Straftat in Aussicht zu stellen und das Ganze im Nachgang als Scherz zu verkaufen. Vermutlich hat man bei ARD, ZDF un den anderen Linientreuen erkannt, dass das Framing-Handbuch solche Fälle nicht vorsieht und nur die wenigsten Zuschauer glauben würden, alles sei nur ein großer Spaß gewesen. Weder Anne Will noch Maybrit Illner könnten dann noch mit gutem Gewissen das Multimillionärs-Mädel zum Thema “Sparen und Verzicht” einladen.

Wäre es das erste Mal, dass Luisa Neubauer über Straftaten “laut nachdenkt” oder sich an Aktionen beteiligt, die den Straftatbestand des Landfriedensbruchs usw. erfüllen, könnte man vielleicht noch einmal Gnade vor Recht ergehen lassen und sie damit verteidigen, dass sie sich vielleicht kurz zuvor mit einem eigens umweltfreundlich per Segelschiff an eine ihrer neun Wohnadressen geschmuggelten Bioafghanen vollgekifft hat.

Nur Feinde der offenen Gesellschaft empören sich über solche Marginalien

Tatsächlich aber sucht sie immer wieder die Nähe zu “Aktivisten”, die mit “Aktionen”, die der Gesetzgeber als Ordnungswidrigkeit oder Straftat einstuft, auf sich aufmerksam machen. Zudem fordert sie redundant einen System Change, der voraussetze, dass demokratische Strukturen dort, wo es dem Klima nutze, durch sozialistische ersetzt werden müssten. Denn es sei bildlich gesprochen – bereits eine Minute vor 12 und für 12 Uhr hätten sich der Kipppunkt und Karl Marx gleichzeitig zum Tee bei der Bunderegierung angesagt. Dem guten Mann müsse man was vorzeigen können, damit er nicht in die überwunden geglaubte Vergangenheit zurückkehrt.

Manch einer wird sich vielleicht denken: Meine Güte, Herr van Laack, das ist doch keinen Aufreger wert. Darauf antworte ich: Genau das ist es, was man von uns erwartet; dass wir uns nur über das empören, was Staat und Medien als empörungspflichtig kommunizieren und alles andere beschweigen oder weglächeln, um nicht als Feinde der offenen Gesellschaft auf ewig aus dem Diskurs ausgeschlossen zu werden.

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